Augenmigräne: Ursachen, Symptome und Umgang mit Wetterumschwüngen

Die Augenmigräne, auch ophthalmische Migräne genannt, ist eine spezielle Form der Migräne, die vor allem durch Sehstörungen gekennzeichnet ist. Diese können plötzlich auftreten, das Sichtfeld einschränken und wiederholt auftreten. Die Symptome variieren von Patient zu Patient, aber es gibt einige Wahrnehmungsstörungen, die häufiger genannt werden. Obwohl die Augenmigräne für Betroffene oft beängstigend ist, ist sie in der Regel harmlos.

Was ist eine Augenmigräne?

Bei einer Augenmigräne, auch ophthalmische Migräne genannt, handelt es sich um eine spezifische Form der Migräne mit Aura, die überwiegend mit Sehstörungen verbunden ist. Sie bereitet nur selten Kopfschmerzen und hält in der Regel nur wenige Minuten an, kann aber in seltenen Fällen bis zu einer Stunde andauern. Die möglichen Symptome werden von Betroffenen oftmals als sehr bedrohlich wahrgenommen. Im Gegensatz zu anderen Migräneformen stehen hier nicht die Kopfschmerzen im Vordergrund, sondern Sehstörungen. Fachleute sprechen deshalb auch von einer ophthalmischen (das Auge betreffenden) Migräne.

Eva Sonntag, eine 43-jährige Betroffene, beschreibt den Beginn ihrer Augenmigräne so: "Zuerst dachte ich, ich hätte aus Versehen in die Sonne geschaut oder in etwas anderes, das mich geblendet hat. Mitten im Blickfeld war ein hell flirrender Punkt." Professor Dr. Gereon Nelles, Vorstand des Berufsverbands Deutscher Nervenärzte (BVDN), bestätigt, dass dies typisch sei. Eine Augenmigräne beginne meist mit einer kreisrunden, blitzartigen oder wie kleine Feuerblitze anmutenden Sehstörung. Fachleute sprechen auch von einem Flimmerskotom, einer Art blindem Fleck, in dessen Bereich man nichts sieht. Im weiteren Verlauf kann sich dieser Bereich ausweiten und zum Beispiel als gezackter Halbkreis zur Seite wandern.

Symptome einer Augenmigräne

Eine Augenmigräne geht mit Symptomen einher, die oftmals das Sehvermögen stark beeinträchtigen. In den meisten Fällen treten sie plötzlich auf und halten etwa fünf bis zehn Minuten an, selten kann die Migräne im Auge auch 30 bis 60 Minuten dauern. Die Symptome können sich entweder einseitig oder beidseitig bemerkbar machen. Kommen Kopfschmerzen hinzu, spricht man auch oftmals von einer Migräne mit Aura.

Mögliche Symptome bei einer Augenmigräne sind:

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  • Eingeschränktes Gesichtsfeld oder Gesichtsfeldausfälle (Skotom)
  • Flimmern oder Flackern vor den Augen, teils auch bei geschlossenen Augen (Flimmerskotom)
  • Sehen von Lichtblitzen und Zickzacklinien
  • Einseitiger Sehverlust
  • Begleitende Beschwerden wie Übelkeit und Schwindel
  • Augenmuskellähmung (äußerst selten bei Kindern)
  • Seltener Kopfschmerzen

Weitere Beschwerden sind bei der Augenmigräne untypisch. Kommt es zusätzlich zu Sprach-, Hör- oder Gefühlsstörungen und Kopfschmerzen, handelt es sich womöglich um eine Migräne mit Aura.

Ursachen und Auslöser der Augenmigräne

Wie genau eine Augenmigräne entsteht, ist bislang nicht vollständig erforscht. Fachleute vermuten jedoch als Ursache eine kurzzeitige Durchblutungsstörung im Bereich der Sehrinde im Gehirn, wo visuelle Reize verarbeitet werden. Es wird auch vermutet, dass ein Magnesiummangel Augenmigräne verursachen kann. Die Symptome entstehen durch eine verminderte Durchblutung der Sehrinde, vermutlich aufgrund einer kurzzeitigen Störung der Blutversorgung in diesem Bereich. Das führt zu einem Sauerstoffmangel an der Sehrinde im Gehirn. Bei den Betroffenen äußert sich das in Form der entsprechenden Symptome.

Im Hinblick auf die Auslöser ähnelt die Augenmigräne der Kopfschmerz-Migräne: Stress, bestimmte Nährstoffe oder Alkohol können die Attacken auslösen. Manche Menschen reagieren empfindlich auf Käse, Schokolade oder Wetterwechsel. Eva Sonntag hat herausgefunden, dass bei ihr offenbar der Blick in etwas extrem Helles oft eine Rolle spielt.

Einige häufige Auslöser (Trigger) sind:

  • Anhaltender und/oder starker Stress
  • Grelles, blitzendes Licht
  • Alkohol- und Drogenkonsum
  • Hormonelle Schwankungen
  • Wechselnde Wetterlagen
  • Bestimmte individuelle Nahrungsmittel

Es gibt verschiedene Apps, die dich und deinen behandelnden Arzt bei der Ursachenfindung unterstützen können.

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Augenmigräne und Wetterfühligkeit

Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland bezeichnet sich als wetterfühlig. Vor allem im Herbst und Frühling, wenn die Temperaturen stark schwanken, haben Betroffene zu kämpfen. Solche Wetterwechsel werden auch sehr häufig als Migräne-Trigger angegeben. Zu den Symptomen der Wetterfühligkeit zählen außerdem Kopfschmerzen, Wasserablagerungen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche und Gliederschmerzen. Warum manche Kopfschmerzen durch Wechselwetter bekommen und andere nicht, ist bisher unklar.

"Wetterfühligkeit ist etwas, was auf etwas Vorhandenem beruht", erklärte Prof. Dr. Andreas Matzarakis, Professur für Umweltmeteorologie, Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. "Das heißt: Ich habe Beschwerden und bei bestimmten Wettersituationen oder Wetterlagen werden meine Beschwerden verschlimmert oder verbessert." Matzarakis vermutet, dass wetterfühlige Menschen eine niedrige Reizschwelle haben könnten und dass ihr Körper darum schon auf geringe Wetterreize reagiert. "Es geht primär darum, dass der Körper mit der neuen Wettersituation nicht so schnell klarkommt. Das heißt, er braucht eine gewisse Zeit, bis er sich anpasst."

Wenn der Luftdruck schwankt, also z. B. ein Hoch- und ein Tiefdruckgebiet aufeinander treffen, entstehen Schwingungen in der Luft. Diese sogenannten Schwerewellen bewegen sich in Schallgeschwindigkeit vorwärts. Möglicherweise reagieren wetterfühlige Menschen auf diesen Einfluss empfindlicher. Elektromagnetische und lichtschnelle Impulse sind ein weiteres Wetterphänomen. Die sogenannten Spherics treten vor Gewittern, Schlecht- oder Schönwetterfronten auf. Schwüle Phasen im Sommer gelten als typisches Kopfschmerzwetter. Tatsächlich kommt dabei der Luftaustausch zu kurz.

Eine Studie belegt, dass ein Temperaturanstieg um sechs Grad bereits einen Anstieg der Migräneattacken um 36 Prozent nach sich zieht. Auch ein Anstieg der Luftfeuchtigkeit um 20 Prozent erhöht demnach die Anzahl der Kopfschmerzattacken um rund 22 Prozent. Es kann für Betroffene hilfreich sein, ein Migräne-Tagebuch zu führen. Darin notieren sie die Wetterlage und den Zeitpunkt der Kopfschmerzattacken. Mit der Zeit lässt sich dadurch erkennen, welches Wetter am häufigsten Migräne und Kopfschmerzen auslöst.

Was tun bei einer Augenmigräne?

Grundsätzlich sollten Betroffene mit Symptomen wie Sehstörungen augenärztlichen Rat einholen. Vor allem, wenn die Beschwerden zum ersten Mal oder immer wieder auftreten, ist eine ärztliche Untersuchung wichtig. Unter Umständen können auch andere Erkrankungen wie eine Netzhautablösung oder ein Schlaganfall hinter derartigen Symptomen an den Augen stecken, die umgehend behandelt werden müssen. Dieder ÄrztinArzt wird zunächst die Augen genau untersuchen. Mithilfe einer Spaltlampe (augenärztliches Instrument) lässt sich der Augenhintergrund kontrollieren, um etwa eine Augenmigräne von einer Netzhautablösung abzugrenzen.

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In der Regel ist eine Augenmigräne harmlos und erfordert keine Behandlung. So ist eine medikamentöse Therapie mit Triptanen wie bei einer normalen Migräne mit oder ohne Aura nicht nötig. Migränemittel, die sogenannten Triptane, verwendet man bei Augenmigräne besser nicht. Das hat folgenden Grund: "Erstens dauert die Augenmigräne oft kürzer als die Zeit, in der eine medikamentöse Wirkung eintritt. Zweitens weiß man nie, ob es sich bei den Sehsymptomen um eine reine Augenmigräne handelt oder um eine echte Aura, die einer Migräneattacke vorausgeht", so der Neurologe.

Einige Maßnahmen und Tipps können bei akuter Augenmigräne helfen, die Symptome zu lindern. Betroffene sollten sich in einem dunklen, ruhigen Raum zurückziehen und ein kühles Tuch auf die Stirn und Augen legen. Beruhigend können ebenso Atemübungen mit bewusstem Ein- und Ausatmen wirken.

Eva Sonntag: "Ich kenne die Anzeichen mittlerweile gut und lege, wenn das Flimmern beginnt, einfach eine Pause ein." Am Bildschirm arbeiten, Auto fahren oder lesen geht in dieser Zeit überhaupt nicht.

Vorbeugung von Augenmigräne

Einer Augenmigräne-Attacke kann durch einige Maßnahmen vorgebeugt werden. Dabei sollten insbesondere auslösende Trigger vermieden werden. Hinweis: Die genauen Auslöser sind individuell verschieden. Ein Migräne-Tagebuch kann dabei helfen herauszufinden, welche Trigger im Einzelfall eine Augenmigräne verursachen.

Treten die Sehsymptome so häufig auf, dass sie das tägliche Leben sehr stören, kann man versuchen, die Augenmigräne mit Medikamenten vorbeugend zu behandeln. Dies kann zum Beispiel für Menschen sinnvoll sein, die als Fahrlehrer arbeiten, häufig Vorträge halten oder Mikroskope nutzen. Ähnlich wie bei einer richtigen Migräne könnten hier zum Beispiel Betablocker zum Einsatz kommen, so Nelles. "Die Augenmigräne ist aber selten so aktiv." Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft empfiehlt hier Magnesium und Vitamin B12 zur Vorbeugung weiterer Migräneanfälle.

Wetterfühlige Menschen können einiges tun, um ihr Wohlbefinden zu steigern und den Kopfschmerzen vorzubeugen:

  • Bewegung im Freien: Wer bei Wind und Wetter spazieren geht, Fahrrad fährt, walkt oder joggt, hält den Kreislauf in Schwung, verbessert seine Anpassungsfähigkeit und schützt sich so vor Kopfschmerzen.
  • Den Körper stärken: Beschwerden wie wetterbedingte Kopfschmerzen können durch eine gesunde Lebensweise verbessert werden. Verzichten Sie möglichst auf Nikotin und schlafen Sie ausreichend (7,5 Std.).
  • Temperaturwechsel-Training: Saunagänge oder Wechselduschen trainieren die Gefäße, das Immunsystem und lindern so Kopfschmerzen durch Wetterfühligkeit. Ideal dafür: ein Kneipp-Schenkelguss am Morgen. Dafür mit kaltem Wasser (bis 18 Grad) die Außenseite eines Beines von Fuß bis Hüfte abduschen.
  • Regelmäßiger Tagesablauf: Wetterfühlige sollten sich einen immer gleichen Tagesablauf angewöhnen - also Weckzeit, Mahlzeiten und Schlafenszeit sollten möglichst immer zur selben Zeit stattfinden.

Augenmigräne und Lichtempfindlichkeit (Photophobie)

Viele Migränepatienten sind lichtempfindlich. Bis zu 80% der Migränepatientinnen sind von Lichtempfindlichkeit betroffen. Sie besteht dann häufig sowohl während der Attacken als auch dazwischen. Die Beobachtung, dass viele Migränepatientinnen auch zwischen den Attacken besonders lichtempfindlich sind, ließ sich in einer Studie mit dem bildgebenden Verfahren der Positronen-Emissions-Tomographie untermauern: Die erhöhte Empfindlichkeit der Patient*innen zeigte sich als verstärkte Aktivität im visuellen Cortex (der Sehrinde). Interessant ist, dass sich diese besonders hohe Erregbarkeit nicht nur auf den visuellen Cortex beschränkt zeigte, sondern auch andere sensorische Cortexregionen betraf, die an der Wahrnehmung von Schmerz, Geräuschen, Gerüchen und Geschmack beteiligt sind.

Ein Ansatz ist, den Reiz-auslösenden Lichteinfall (oder den Lichtanteil, der für den Reiz verantwortlich ist) zu vermindern. Geschulte Optiker*innen können z.B. Brillen mit speziell veredelten und entspiegelten Gläsern versehen, die den Lichteinfall und die Reflexionen von Oberflächen wie Wasser, Schnee oder Sand reduzieren. Zudem gibt es Brillengläser, die besonderen Schutz gegen die aggressiven UV-Strahlen des Sonnenlichts und das unangenehme blau-violette Licht digitaler Geräte bieten. Auch kann es hilfreich sein, die Glühbirnen zu Hause durch solche auszuwechseln, die sogenanntes „warmweißes“ Licht produzieren.

Stress im Alltag lässt sich nicht immer effektiv vermeiden. Man kann aber für Ausgleich sorgen, indem man seinen Tagesablauf bewusst so gestaltet, dass immer wieder Zeit für Entschleunigung ist. Regelmäßiger, erholsamer Schlaf ist ebenfalls einer der Kernbereiche der Migräneprävention. Ein weiterer Ansatzpunkt ist die tägliche Bildschirmzeit: Durch Arbeit am Computerbildschirm oder das Nutzen von Handys, Tablets etc. kann Lichtempfindlichkeit verstärkt werden. Es ist immer einen Versuch wert, die tägliche Bildschirmzeit zu reduzieren und regelmäßige Pausen einzulegen, in denen man nicht auf den Bildschirm schaut.

Sonderform: Retinale Migräne

Eine seltene Form der Augenmigräne ist die retinale Migräne, die nur die Netzhaut (Retina) betrifft. In der Regel tritt sie einseitig und begleitend zu Kopfschmerzen auf. Bei der Netzhautmigräne kommt es zu ausgeprägten Gesichtsfeldausfällen. Eine sorgfältige ärztliche Diagnostik und Beobachtung sind in diesem Fall besonders wichtig, da die Netzhaut in Einzelfällen dauerhaften Schaden nehmen kann.

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