Niedriger Augendruck: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Der Augendruck, auch intraokularer Druck (IOD) genannt, ist der Druck der Flüssigkeit im Inneren des Auges. Normalerweise liegt dieser Druck zwischen 10 und 21 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule). Er wird über das Kammerwasser aufrechterhalten, das im vorderen Teil des Auges gebildet wird und dort auch wieder abfließt, sodass im Normalfall ein etwa gleichbleibender Druck entsteht. Der Augendruck ist wichtig, damit die Hornhaut konstant glatt gewölbt bleibt und der Abstand zwischen Hornhaut, Augenlinse und Netzhaut stimmt, was beides für ein klares Sehvermögen notwendig ist. Gewisse Schwankungen des Augeninnendrucks sind normal. So haben die meisten Menschen nachts und morgens einen höheren Augendruck als tagsüber. Auch ältere Menschen haben in der Regel einen höheren Augendruck als jüngere.

Ein erhöhter Augendruck, der dauerhaft über 21 mmHg liegt, kann zu einem Glaukom (Grüner Star) führen, bei dem der Sehnerv geschädigt wird und Beeinträchtigungen des Sehvermögens auftreten können. Ein niedriger Augendruck, der dauerhaft unter 10 mmHg liegt, kann ebenfalls Probleme verursachen, wie z.B. eine Netzhautablösung oder die Entstehung eines Glaukoms.

Was ist ein niedriger Augendruck?

Ein niedriger Augeninnendruck, medizinisch als Hypotonie des Auges bezeichnet, liegt vor, wenn der Druck im Inneren des Auges dauerhaft unter 10 mmHg liegt. Dieser Zustand ist seltener als ein erhöhter Augendruck und kann verschiedene Ursachen haben.

Ursachen für niedrigen Augendruck

Ein niedriger Augeninnendruck entsteht, wenn zu wenig Kammerwasser gebildet wird oder das Kammerwasser zu schnell abfließt. Dies kann verschiedene Ursachen haben:

  • Komplikationen nach Augenoperationen: Niedriger Augendruck kann als Folge von Komplikationen nach einer Augenoperation auftreten.
  • Entzündungen im Auge: Entzündliche Prozesse im Auge können die Produktion von Kammerwasser beeinträchtigen und zu einem niedrigen Augendruck führen.
  • Netzhautablösung: Eine Netzhautablösung kann ebenfalls mit einem niedrigen Augendruck einhergehen.
  • Medikamente: Bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung einen niedrigen Augendruck verursachen.

Auswirkungen eines niedrigen Augendrucks

Ein dauerhaft zu niedriger Augeninnendruck kann schwerwiegende Folgen haben:

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  • Netzhautablösung: Ein niedriger Augendruck kann das Risiko einer Netzhautablösung erhöhen, da das Auge nicht mehr ausreichend stabilisiert wird. Eine Netzhautablösung ist ein medizinischer Notfall, der sofort behandelt werden muss, da er sonst zur Erblindung führen kann.
  • Glaukom: Paradoxerweise kann ein niedriger Augendruck auch die Entstehung eines Glaukoms begünstigen. Dies liegt daran, dass der Sehnerv durch den niedrigen Druck nicht ausreichend versorgt wird.
  • Schrumpfung des Augapfels (Phthisis bulbi): In extremen Fällen kann ein dauerhaft sehr niedriger Augendruck zu einer Schrumpfung des Augapfels führen.

Normaldruckglaukom

Beim Normaldruckglaukom (NTG), auch Niederdruckglaukom genannt, kommt es zu einer Schädigung des Sehnervs, obwohl der Augeninnendruck im normalen Bereich liegt (10-21 mmHg). Experten gehen mittlerweile davon aus, dass fast die Hälfte aller diagnostizierten Glaukomfälle in Europa der Niederdruckvariante zugeordnet werden kann.

Ursachen des Normaldruckglaukoms

Die genauen Ursachen des Normaldruckglaukoms sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass eine gefäßbedingte Beeinträchtigung des Sehnervs eine wichtige Rolle spielt. Häufig sind niedriger Blutdruck und allgemeine Durchblutungsstörungen damit assoziiert. Eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Augeninnendruck ist in der Regel vorhanden. In solchen Fällen treten Schädigungen bereits bei Druckwerten auf, die von anderen Personen problemlos toleriert werden können.

Die Entstehung des Glaukoms erfolgt schrittweise, da die Blutgefäße aufgrund eines konstant zu niedrigen Blutdrucks langfristig nicht ausreichend durchblutet werden. Dies betrifft auch die Sinneszellen in den Augen, die Schaden nehmen, wenn sie nicht ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden.

Ein internationales Forscherteam hat Beweise dafür vorgelegt, dass der intrakranielle Druck beim Normaldruckglaukom eine wichtige Rolle spielt. Der Sehnerv wird vom Liquor umspült. Sowohl der intrakranielle Druck (ICP), der im Liquor gemessen wird, als auch der intraokulare Druck (IOD) können seinen Zustand beeinflussen. Die translaminare Druckdifferenz (TDD) wurde nach der Formel TDD = IOD - ICP berechnet. Die Studie ergab Korrelationen zwischen intrakraniellem Druck, TDD und Gesichtsfeldveränderungen. Eine höhere TDD kann als Risikofaktor für die negative Entwicklung eines NDG betrachtet werden. Da die TDD durch Subtraktion des ICP vom IOD berechnet wird, ist sie umso höher, je niedriger der gemessene intrakranielle Druck ist.

Risikofaktoren für das Normaldruckglaukom

Ein Hauptrisikofaktor für die Entwicklung des Normaldruckglaukoms ist eine beeinträchtigte Durchblutung des Sehnervs, und die Ursachen dafür können vielfältig sein. Zu den Risikofaktoren gehören:

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  • Das Flammer-Syndrom: Das Flammer-Syndrom ist gekennzeichnet durch eine gestörte Regulation der Blutversorgung und geht oft mit Symptomen wie niedrigem Blutdruck, kalten Händen und Füßen, geringem Körpergewicht, eingeschränktem Durstgefühl, Migräne, Tinnitus und erhöhter Empfindlichkeit gegenüber Gerüchen oder Schmerzen einher. Problematisch sind vor allem starke Blutdruckschwankungen, insbesondere nachts.
  • Schlafapnoe: Bei der Schlafapnoe entspannt sich die Muskulatur der oberen Atemwege während des Schlafs, was zu einer Verengung im Rachenbereich führt. Die Atemaussetzer führen zu einer unzureichenden Sauerstoffversorgung des Körpers.
  • Metabolisches Syndrom: Das Metabolische Syndrom ist eine Ansammlung von Risikofaktoren, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes erhöhen. Es umfasst Fettleibigkeit (insbesondere im Bauchbereich), Bluthochdruck, Insulinresistenz und Störungen im Fettstoffwechsel.
  • Familiäre Vorbelastung: Menschen mit einer familiären Vorgeschichte von Normaldruckglaukom haben ein erhöhtes Risiko, selbst daran zu erkranken.
  • Weitere Faktoren: Weibliches Geschlecht, asiatische bzw. japanische Abstammung, systemische Herzerkrankungen, Migräne, niedriger diastolischer Blutdruck, höheres Alter und frontotemporale Demenz können ebenfalls Risikofaktoren sein.

Diagnose des Normaldruckglaukoms

Die Diagnose des Normaldruckglaukoms kann eine Herausforderung darstellen, da der Augeninnendruck im normalen Bereich liegt. Die Diagnose umfasst in der Regel folgende Untersuchungen:

  • Pachymetrie: Messung der Hornhautdicke.
  • Ophthalmoskopie: Untersuchung des Augenhintergrundes mit einer Spaltlampe, um den Sehnervenkopf und die versorgenden Blutgefäße zu beurteilen.
  • Gonioskopie: Untersuchung der Kammerwinkel des Auges, um Krankheitsprozesse zu erkennen.
  • Perimetrie (Gesichtsfeldmessung): Untersuchung der Güte und Größe des Gesichtsfeldes, um Gesichtsfeldausfälle festzustellen.
  • Laserscanning-Optalmoskopie: Präzise 3D-Darstellung des Sehnervenkopfes.
  • Optische Kohärenztomografie (OCT): Bildgebendes Verfahren zur Untersuchung der Netzhautstrukturen.
  • Sehtest: Untersuchung des Sehvermögens und der Sehschärfe.
  • Langzeit-Blutdruckmessung: Messung des Blutdrucks über einen Zeitraum von 24 Stunden, um Schwankungen und niedrige Blutdruckwerte festzustellen.
  • Schlaflabor: Untersuchung verschiedener Schlafparameter bei Verdacht auf Schlafapnoe.
  • Optische Kohärenztomographie-Angiographie (OCT-A): Messung der Gefäßdichte der Mikrovaskulatur im Auge.

Behandlung des Normaldruckglaukoms

Ein entscheidender Faktor bei der Therapie des Normaldruckglaukoms besteht darin, die Fortschreitung der Sehnervenschädigung zu verhindern. Die Behandlungsmöglichkeiten variieren je nach Schweregrad der Erkrankung und individuellem Befund.

  • Augeninnendruck senken: Auch wenn der Augeninnendruck im Normalbereich liegt, kann eine Senkung des Drucks durch Augentropfen, Laserbehandlungen oder Operationen in einigen Fällen sinnvoll sein, um den Sehnerv zu entlasten.
  • Blutdruckregulation: Ein Schlüsselaspekt ist die Regulation oder Optimierung des Blutdrucks auf ein gesundes Niveau. Dies kann durch eine medikamentöse Therapie oder eine Änderung des Lebensstils erreicht werden.
  • Lebensstiländerungen: Eine deutliche und nachhaltige Änderung des Lebensstils, einschließlich Gewichtsmanagement, regelmäßiger körperlicher Aktivität, einer ausgewogenen Ernährung mit antioxidativen Lebensmitteln, ausreichender Flüssigkeitszufuhr, Stressbewältigung, Nikotinkarenz und ausreichendem Schlaf, kann zur Verbesserung der Durchblutung beitragen.
  • Behandlung von Begleiterkrankungen: Die Therapie des Normaldruckglaukoms erfordert eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen verschiedenen medizinischen Fachrichtungen, um die zugrunde liegenden Ursachen wie das Flammer-Syndrom, Schlafapnoe oder das Metabolische Syndrom anzugehen.
  • Medikamente zur Verbesserung der Durchblutung: Bei Patienten mit vasospastischem Syndrom können Medikamente aus der Gruppe der Calciumantagonisten eingesetzt werden, um die gestörte Gefäßregulation positiv zu beeinflussen. In Einzelfällen kann auch eine Behandlung mit den Wirkstoffen Acetazolamid und Pentoxifyllin das Fortschreiten des Glaukoms stoppen und das Gesichtsfeld stabilisieren.

Operationen zur Drucksenkung bei Glaukom

Ist ein Glaukom unter maximaler medikamentöser Therapie nicht beherrschbar, sollte eine drucksenkende Operation durchgeführt werden. Dies ist der Fall, wenn unter maximaler medikamentöser Therapie entweder der Augeninnendruck nicht im Zieldruckbereich ist oder es zu einer Verschlechterung bzw. zu einem Fortschreiten der Glaukomerkrankung gekommen ist. Es gibt verschiedene Operationsmethoden zur Senkung des Augeninnendrucks:

  • Trabekulektomie mit Mitomycin C (MMC): Bei dieser Operation wird aus den Strukturen des Auges eine Art Ventil gebildet. Hierbei werden ein Abflussloch und ein Ventildeckel angelegt. Das Kammerwasser fließt durch das Abflussloch unter die Bindehaut, wo es dann wieder vom Körper resorbiert wird. An dieser Stelle entsteht ein mit Flüssigkeit gefüllter Hohlraum, ein so genanntes Sickerkissen. Um zu verhindern, dass die Iris das Abflussloch verlegt, wird während der Operation ein kleines Irisstück im Bereich des Abflussloches entfernt (Iridektomie). Die Verwendung von Mitomycin C ist bei den meisten Patienten notwendig, da der Körper versucht, durch Narbenbildung Löcher wieder zu verschließen. Mitomycin C verhindert dies.
  • Viskokanalostomie: Bei dieser Operation wird der Augeninnendruck durch Senkung des Abflusswiderstandes des Auges verringert, indem das Abflusskanälchen (Schlemm'scher Kanal) eröffnet und mit einem Gel (Viskoelastikum) aufgeweitet wird.
  • Zyklophotokoagulation: Bei der Zyklophotokoagulation wird mit einem Laserstrahl der Ziliarkörper, in dem die Flüssigkeit im Auge produziert wird, verödet. Durch eine Reduktion des Drüsengewebes kommt es zu einer geringeren Kammerwasserproduktion und somit zu einer Senkung des Augeninnendruckes.
  • Drainage Implantate: Zur Senkung des Augeninnendruckes kann auch ein Drainageimplantat eingesetzt werden. Ein kleines Schläuchlein wird in die Vorderkammer des Auges eingesetzt. Dieses Schläuchlein ist mit einem kleinen Hohlraum verbunden, in den die Flüssigkeit aus dem Auge abfließt. Aus diesem Hohlraum fließt die Flüssigkeit unter die Bindehaut, wo sie dann wieder resorbiert wird.

Prognose zum Krankheitsbild Niederdruckglaukom

Wie bei den meisten Augenkrankheiten ist der Zeitpunkt der Behandlung ein entscheidender Faktor für die Prognose des Normaldruckglaukoms. Frühzeitiges Erkennen der Erkrankung verbessert die Erfolgschancen erheblich. Die Behandlung sollte immer darauf abzielen, die zugrunde liegende Ursache anzugehen, um den Verlauf positiv zu beeinflussen. Eine kontinuierliche ärztliche Überwachung ist von großer Bedeutung, da unbehandelt langfristig eine Erblindung auftreten kann. Durch erfolgreiche Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankungen kann oft eine weitgehende Beschwerdefreiheit erreicht werden. Es ist jedoch wichtig, die zugrunde liegenden Blutdruckprobleme dauerhaft zu kontrollieren.

Behandlung von niedrigem Augendruck

Wird der niedrige Augendruck rechtzeitig erkannt, lässt auch er sich gut mit Medikamenten behandeln. Viele Behandlungen für niedrigen Augendruck befassen sich mit Bläschen, die die Regulierung der Kammerwasserflüssigkeit negativ beeinflussen. Es gibt sowohl chirurgische als auch nicht-chirurgische Behandlungsmethoden für niedrigen Augendruck.

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Vorbeugung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um einem niedrigen Augendruck vorzubeugen:

  • Regelmäßige Augenuntersuchungen: Lassen Sie Ihren Augendruck regelmäßig von einem Augenarzt überprüfen, insbesondere wenn Sie Risikofaktoren haben.
  • Gesunder Lebensstil: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und vermeiden Sie Stress.
  • Vermeidung von Augenverletzungen: Schützen Sie Ihre Augen vor Verletzungen, z. B. durch das Tragen einer Schutzbrille bei bestimmten Tätigkeiten.
  • Behandlung von Grunderkrankungen: Lassen Sie Grunderkrankungen wie Entzündungen im Auge oder Netzhautablösungen frühzeitig behandeln.

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