Aura-Migräne-Behandlung: Ein umfassender Überblick

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der etwa 12 bis 16 % der Bevölkerung betroffen sind. Kopfschmerzen haben eine Lebenszeitprävalenz von etwa 66 %. Frauen sind zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer. Migräne ist nicht nur eine häufige Ursache für vorübergehende, aber erhebliche körperliche Einschränkungen, sondern auch mit anderen Erkrankungen wie Depressionen, Angstzuständen und vaskulären Erkrankungen verbunden. Die spezielle Form der Kopfschmerzen hat die höchste Prävalenz (Vorkommen) unter Erwachsenen im mittleren produktiven Alter (35-45 Jahre) und ist noch immer unterdiagnostiziert. Gerade weil die Mehrheit der Betroffenen einer Erwerbstätigkeit nachgeht, ist es wichtig, eine Migräne rasch zu erkennen und zu behandeln.

Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Behandlung von Migräne mit Aura, einschließlich evidenzbasierter Akuttherapien, neuerer Therapieformen und präventiver Maßnahmen.

Was ist Migräne mit Aura?

Migräne mit Aura ist eine Form von Migräne, die von bestimmten neurologischen Symptomen begleitet wird, die als Aura bezeichnet werden. Diese Aura tritt in der Regel vor dem eigentlichen Kopfschmerz auf und kann verschiedene Formen annehmen. Etwa 15 bis 20 Prozent der Migränepatienten und -patientinnen erleben ihre Migräne mit einer Aura.

Symptome einer Migräne-Aura

Die Aura äußert sich durch neurologische Störungen, die zwischen 5 und 60 Minuten andauern können. Die Symptome einer Migräne mit Aura hängen von der Migräneform ab. Typische und atypische Migräneanfälle mit Aura können sich äußern durch:

  • Visuelle Störungen: Dies ist ein häufiges Symptom. Diese äußert sich durch das Auftreten von flimmernden Lichtern, Blindflecken oder auch durch Zick-Zack-Linien im Sichtfeld. Die Patientinnen nehmen Flimmersehen als Blitze, Punkte, Zacken- oder wellenförmige Bewegungen wahr, die sich meist langsam über das Gesichtsfeld ausbreiten. Häufig kommt es auch zu fleckförmigen Ausfällen des Gesichtsfeldes, das heißt Patientinnen sehen nur noch einen Teil der Umwelt oder einer Person. Vorübergehende Sehstörungen auf beiden Augen (seltener auf einem) können auch Anzeichen einer Augen-Migräne sein. Patienten sehen dann Flimmern oder Lichtblitze oder sie haben ein eingeschränktes Sichtfeld.
  • Sensorische Aura: Eine weitere mögliche Aura-Symptomatik ist die sensorische Aura. Dies äußert sich durch Kribbeln oder Taubheitsgefühle in bestimmten Körperregionen, meist in den Händen, Armen oder im Gesicht. Auf beiden Seiten gleichzeitig auftretendes Taubheitsgefühl (simultane bilaterale Parästhesie) zum Beispiel der Arme.
  • Sprachstörungen: Sprachstörungen können ebenfalls als Teil der Migräne mit Aura auftreten. Betroffene können Schwierigkeiten haben, Worte zu finden oder ihre Sprache flüssig zu formulieren (Aphasie).
  • Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
  • Veränderung des Geruchssinns
  • Motorische Störungen: Diese Art der Migräneaura geht mit motorischen Störungen einher, die innerhalb von 72 Stunden verschwinden. Hierzu gehört beispielsweise eine halbseitige Lähmung oder visuelle und sprachliche Störungen. Muskelschwäche, Taubheitsgefühle bis zur halbseitigen Lähmung.
  • Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Hörminderung
  • Doppeltsehen
  • Ataxie (Koordinationsstörung)
  • Störung des Bewusstseins
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Gerüchen und Licht
  • Mittelstarke bis starken, pochenden oder pulsierenden Schmerzen in einer oder beiden Kopfhälften

Die genannten Symptome treten nicht zwangsläufig bei jedem Migränepatienten auf, auch können Dauer und Intensität variieren. Die Beschwerden wirken auf die Betroffenen häufig beunruhigend, verschwinden aber in der Regel innerhalb einer Stunde wieder. Auch die folgende Phase der Kopfschmerzen kann bei jedem unterschiedlich ausfallen. Während manche Betroffenen nach der Aura deutlich heftigere Kopfschmerzen erleben, berichten andere von einem milderen Verlauf. Die Schmerzintensität ist also individuell unterschiedlich. Auch Dauer und Begleitsymptome können variieren.

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Ursachen und Auslöser

Die genauen Ursachen der Migräne mit Aura sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass genetische, neurologische und biochemische Faktoren eine Rolle spielen.

  • Genetische Faktoren: Das Risiko, von einer Migräne mit oder ohne Aura betroffen zu werden, erhöht sich, wenn Verwandte ebenfalls unter regelmäßigen Migräneattacken leiden. Forschende konnten bereits Genvarianten ausmachen, die zu einem erhöhten Risiko führen. Da nicht alle Familienmitglieder dieselbe Migräneform erleben, gehen Forschende davon aus, dass sich hinter einer Migräne mehr als eine Kopfschmerzerkrankung verbergen könnte.
  • Biochemische und neurologische Faktoren: Die Forschung im Bereich der biochemischen und neurologischen Faktoren ist noch unvollständig, neue Erkenntnisse wurden zuletzt durch bildgebende Verfahren möglich. Eine komplexe Wechselwirkung zwischen neurochemischen Gehirnprozessen, einer gesteigerten neuronalen Erregbarkeit und einer Dysregulation der Neurotransmitter könnten als Ursache für ein erhöhtes Risiko einer Migräne mit oder ohne Aura verantwortlich zeichnen. Auch Östrogen kann zu einer Migräneattacke führen. Mit diesem Hormon lässt sich auch die deutlich höhere Erkrankungsrate bei weiblichen Personen erklären.
  • Umweltbedingte Faktoren: Sinnesüberreizungen, bestimmte Lebensmittel wie Rotwein, Hunger, Stress oder Schlafmangel, Kopfverletzungen und Nackenschmerzen können ebenfalls zu einer Migräne mit oder ohne Aura führen.

Häufige Trigger für Migräne mit Aura sind:

  • Stress: Chronischer Stress oder stressige Situationen.
  • Lebensmittel: Käse, Schokolade, Rotwein und koffeinhaltige Getränke.
  • Schlaf: Zu viel oder zu wenig Schlaf.
  • Hormonelle Veränderungen: Menstruationszyklus bei Frauen.
  • Licht: Starke Sonneneinstrahlung oder blendendes Licht.
  • Gerüche: Starke Gerüche, Chemikalien oder Parfums.
  • Unregelmäßiger Schlaf
  • Längere Phasen ohne ausreichend zu essen und zu trinken
  • Starke psychische oder körperliche Belastungen
  • Bestimmte Reize wie Flackerlicht oder schlechte Luft in stickigen Räumen

Auslöser von Migräne mit Aura können individuell variieren. Was bei einer Person zu einer Attacke führt, muss nicht zwangsläufig bei einer anderen Person ebenfalls Migräne auslösen. Da jeder Körper anders reagiert, lohnt es sich, individuelle Muster zu erkennen.

Diagnose

Die Diagnose „Migräne mit Aura“ sollte auf jeden Fall ärztlich gestellt werden - insbesondere, wenn die Aura Symptome erstmals oder ungewöhnlich stark bei Dir auftreten. Die Diagnose einer Migräne mit Aura sollte bei einem Arzt oder einer Ärztin erfolgen. Diese untersuchen den Patienten bzw. die Patientin körperlich und neurologisch und können hierzu auch bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) und die Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Spinalpunktion (Lumbalpunktion) zur Entnahme von Nervenwasser einsetzen. Ob es sich wirklich um eine Aura handelt, kann im Zweifelsfall nur ein Arzt oder eine Ärztin feststellen. Bei vermeintlichen Auren mit visuellen Störungen des Gesichtsfelds könnte es sich ebenfalls um eine Augenerkrankung oder Durchblutungsstörung der Augen und des Gehirns handeln, bei motorischen und Sprachstörungen wie bei einer retinalen Migräne könnte auch ein Schlaganfall vorliegen.

Für die Diagnosestellung der Migräne mit Hirnstammaura wird von der International Headache Society (IHS) als Kriterium angegeben, dass mindestens zwei der oben genannten Symptome auftreten, sie wieder vollständig verschwinden und keine motorische Schwäche (zum Beispiel Lähmung der Arme oder Beine) vorkommt - erst dann kann von einer Migräne mit Hirnstammaura ausgegangen werden. Taubheitsgefühle zählen zu den sensiblen Störungen und fallen somit nicht unter motorische Symptome. Ein intensives Arztgespräch, bei dem die Patienten ihre Symptome genau schildern, steht am Anfang der Diagnosestellung. Hilfreich ist es, sich schon vorher Gedanken zu machen und diese am besten schriftlich festzuhalten. Dazu empfiehlt sich das Ausfüllen eines Migränetagebuchs über einige Zeit.

Akuttherapie der Migräne

Die Akuttherapie zielt darauf ab, die Symptome einer Migräneattacke zu lindern, sobald sie begonnen hat.

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Evidenzbasierte Behandlungsstandards

  • Leichte bis mäßige Migräneattacken: Acetylsalicylsäure (1000 mg als Brausetablette), Paracetamol (1000 mg als Tablette oder Suppositorium) oder ein nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR, z. B. Ibuprofen 400 bis 600 mg als Tablette oder Suppositorium) können verwendet werden.
  • Übelkeit und Erbrechen: Die Zugabe von Metoclopramid zu einem Analgetikum bzw. NSAR ist sinnvoll und kann die Wirkung von Analgetika verbessern. Bei Erbrechen sollten Analgetika vorzugsweise als Suppositorien eingenommen werden.
  • Triptane: Bei schweren Migräneattacken, die nicht auf ein Analgetikum oder NSAR ansprechen, ist eine Behandlung mit einem Triptan sinnvoll. Triptane sind den unspezifischen Analgetika und Ergotaminpräparaten hinsichtlich der Wirksamkeit bei Migräne überlegen. Aktuell sind sieben Triptane verfügbar, die sich hinsichtlich ihrer Wirklatenz, Wirkstärke und Wirkdauer unterscheiden. Im Vergleich zu Sumatriptan sind bei oraler Einnahme Rizatriptan und Eletriptan rascher wirksam, Naratriptan und Frovatriptan sind dagegen eher verzögert wirksam. Die stärker und rascher wirksamen Triptane sind in der Regel auch mit stärkeren Nebenwirkungen behaftet. Häufige Nebenwirkungen der Triptane sind Übelkeit, Schwindel, Parästhesien und Müdigkeit.
  • Parenterale Anwendung: Wenn die Wirkung verschiedener Triptane bei oraler Applikation unzureichend ist, sollte eine parenterale Anwendung erfolgen. Der schnellste Wirkeintritt und die höchste Wirksamkeit ist für die subkutane Gabe von Sumatriptan belegt, die Wirkung setzt hier nach etwa zehn Minuten ein. Nachteile dieser Applikationsform sind allerdings die höhere Rate an Nebenwirkungen und die deutlich höheren Kosten. Alternativ ist die Kombination eines oralen Triptans mit ASS oder einem NSAR wirksamer als die jeweilige Monosubstanz. Bei Migräne mit frühem Auftreten von Übelkeit und Erbrechen empfiehlt sich eine Applikation der Triptane als Nasenspray, Suppositorium oder subkutan.

Je früher ein Triptan appliziert wird, umso besser wirkt es. Um aber einen Kopfschmerz durch Übergebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln zu vermeiden, sollten Triptane erst eingenommen werden, wenn der Patient den Kopfschmerz sicher als Migräneattacke identifizieren kann. Bei Triptanen gibt es einen fast linearen Zusammenhang zwischen der Einnahmehäufigkeit und dem Risiko der Entwicklung eines Kopfschmerzes durch Übergebrauch von Medikamenten. Bei einer hohen Frequenz von Migräneattacken ist daher eine prophylaktische Therapie sinnvoll. Prinzipiell sollten Wirkstoffe zur Akuttherapie der Migräne durchschnittlich nicht häufiger als an zehn Tagen pro Monat eingenommen werden, um einer Chronifizierung von Kopfschmerzen zu vermeiden.

Bei Migräne mit Aura wird die Applikation eines Triptans aus Sicherheitsgründen erst nach der Auraphase empfohlen.

Besondere Patientengruppen

  • Kardiovaskuläres Risikoprofil: Triptane sind bei Patienten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risikoprofil kontraindiziert. Diese Patienten konnten bis Einführung von Lasmiditan (siehe unten) lediglich mit konventionellen Analgetika und NSAR behandelt werden.
  • Gleichzeitige Anwendung mit serotonergen Arzneimitteln: Theoretisch können Triptane bei gleichzeitiger Anwendung mit anderen serotonergen Arzneimitteln, z. B. selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI), trizyklische Antidepressiva (TCA) oder Monoaminoxidase (MAO)-Hemmer zu einem Serotoninsyndrom führen, in der klinischen Praxis ist dies jedoch sehr selten. Da Eletriptan, Naratriptan und Frovatriptan kaum über das MAO-System metabolisiert werden, kann das Risiko durch Einsatz dieser Wirkstoffe weiter minimiert werden.
  • Migräne mit Hirnstammaura: Triptane, Schmerzmittel, die speziell zur Behandlung von Migräne entwickelt wurden, sind bei der Migräne mit Hirnstammaura allerdings nicht empfohlen. Der Grund: Die Medikamente bewirken eine Verengung der Arterien im Gehirn. Da nach derzeitigem Wissensstand eine eingeschränkte Blutzufuhr die Ursache für eine Migräne mit Hirnstammaura ist, wird befürchtet, dass eine zusätzliche Verengung durch Arzneimittel die Beschwerden noch mehr verstärkt.

Neuere Therapieformen

Von den beiden neuen, seit 2022 zur Akuttherapie der Migräne in Deutschland zugelassenen Wirkstoffen Rimegepant und Lasmiditan, ist bisher nur Lasmiditan (Rayvow®) auf dem deutschen Markt zum 1. März 2023 eingeführt worden.

  • Lasmiditan: Lasmiditan ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der „Ditane“, es handelt sich um Serotonin-HT1F-Rezeptoragonisten ohne vasokonstriktive Wirkung an den Koronararterien. Lasmiditan ist daher im Gegensatz zu Triptanen auch für Patienten mit deutlich erhöhten vaskulären Risikofaktoren zugelassen, obwohl Studien zu dieser Population bisher fehlen. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat zwischenzeitlich die Nutzenbewertung von Lasmiditan nach § 35a SGB V abgeschlossen. Der Zusatznutzen von Lasmiditan ist für Erwachsene mit Migräne mit oder ohne Aura, die einer Akutbehandlung bedürfen, nicht belegt. Der pharmazeutische Unternehmer legte für die genannte Patientengruppe keine Daten zur Bewertung des Zusatznutzens von Lasmiditan gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie vor. Wegen zentralen Nebenwirkungen (Schwindel, Müdigkeit) muss mindestens acht Stunden nach Einnahme von Lasmiditan auf das Führen von Kraftfahrzeugen verzichtet werden. Die Kosten für Lasmiditan sind etwa zehnfach höher im Vergleich zu den Triptanen.
  • Gepante: Die neue Wirkstoffgruppe der Gepante kann eingesetzt werden, wenn Schmerzmittel oder Triptane nicht wirksam sind oder nicht vertragen werden.

Was können Betroffene bei einer Migräne-Attacke mit Aura tun?

  • Rückzug: Ziehen Sie sich am besten gleich in einen dunklen, ruhigen Raum zurück.
  • Entspannung: Versuchen Sie, sich zu entspannen. Vielleicht können Sie sogar schlafen? Manchmal wird es auch ohne Medikamente besser.
  • Kühle Kompresse: Eine kalte Kompresse, auf die Stirn gelegt, kann den Schmerz etwas betäuben.
  • Pfefferminzöl: Ähnlich ist es mit ein paar Tropfen Pfefferminzöl, die Sie auf Stirn und Schläfen einmassieren.
  • Lavendelöl: Eine klinische Studie von 2012 mit Lavendelöl zeigte ebenfalls positive Wirkung.
  • Kaffee: Auch eine Tasse Kaffee, am Anfang der Migräne-Attacke getrunken, kann die Schmerzen lindern.
  • Medikamente: Leichte Migräne-Anfälle lassen sich häufig gut mit Paracetamol, Ibuprofen, Aspirin und ähnlichen Schmerzmitteln behandeln. Bei Unwirksamkeit dieser Medikamente kann man spezielle Migränemittel, die so genannten Triptane einsetzen. Wichtig bei einer Migräne mit Aura ist, dass Triptane erst nach Abklingen der Aura-Symptome eingenommen werden sollten.
  • Kombinationspräparate: Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (GMKG) gibt zur Selbstmedikation akuter Migräne-Attacken eine hervorgehobene Empfehlung für zwei Tabletten der fixen Kombination ASS (250 bis 265 mg), Paracetamol (200 bis 265 mg) und Koffein (50 bis 65 mg).

Migräneprophylaxe

Bei Patienten mit häufigen oder langanhaltenden Migräneattacken sollte eine medikamentöse und nichtmedikamentöse Migräneprophylaxe eingeleitet werden.

Indikationen für die Migräneprophylaxe

  • 3 oder mehr Migräneattacken pro Monat, die die Lebensqualität beeinträchtigen
  • Migräneattacken, die länger als 48-72 Stunden anhalten
  • Attacken, die auf die empfohlene Akuttherapie nicht ansprechen
  • Patienten, die die Nebenwirkungen der Akuttherapie nicht tolerieren können
  • Zunahme der Attackenfrequenz und Einnahme von Schmerz- oder Migränemitteln an 10 Tagen oder mehr im Monat

Medikamentöse Prophylaxe

Am besten durch randomisierte kontrollierte Studien belegt ist die prophylaktische Wirkung der Betablocker Propranolol und Metoprolol, des Kalziumantagonisten Flunarizin sowie der Antikonvulsiva Valproinsäure und Topiramat. Auch das trizyklische Antidepressivum Amitriptylin ist wirksam. Valproinsäure soll wegen seiner ausgeprägten teratogenen Eigenschaften bei Frauen im gebärfähigen Alter nicht eingesetzt werden. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer sind in der Prophylaxe der Migräne nicht wirksam. Beim Einsatz einer medikamentösen prophylaktischen Therapie müssen Begleiterkrankungen berücksichtigt und Nebenwirkungen antizipiert werden. Liegt beispielsweise neben der Migräne eine Depression vor, kommt als Mittel der ersten Wahl Amitriptylin in Betracht. Bei Patienten mit komorbider Epilepsie werden Topiramat oder Valproinsäure eingesetzt.

Eine nachgewiesene Wirksamkeit der Prophylaxe der chronischen Migräne haben Topiramat und Onabotulinumtoxin A. Onabotulinumtoxin A wird in einer Dosis von 155 oder 195 IE alle 3 Monate im Bereich der Stirn, der Schläfe, des Hinterkopfs, des Nackens und der Schultermuskulatur injiziert.

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Bei Schwangeren, bei denen die Migränehäufigkeit nicht im Rahmen der Schwangerschaft zurückgeht, können Metoprolol, Propranolol oder Amitriptylin verwendet werden.

Nichtmedikamentöse Prophylaxe

Nach Möglichkeit sollten medikamentöse und nichtmedikamentöse Verfahren zur Migräneprophylaxe kombiniert werden. Die Kombination ist wirksamer als jede der Methoden für sich.

  • Regelmäßiger aerober Ausdauersport: Joggen, Schwimmen, Radfahren.
  • Verfahren der Verhaltenstherapie: Entspannungsverfahren, kognitive Verhaltenstherapie und Biofeedback.
  • Akupunktur: Akupunktur ist für die Prophylaxe der Migräne wirksam. Dabei unterscheidet sich die Wirksamkeit einer klassischen Akupunktur nicht von einer Scheinakupunktur. Homöopathie ist in der Migräneprophylaxe unwirksam.
  • Entspannungstechniken: Yoga, Qi Gong oder Meditationen können Stress reduzieren und das Risiko auf eine durch Stress ausgelöste Migräneepisode reduzieren.
  • Tagebuch führen: In einem Tagebuch können die Patientinnen und Patienten die Häufigkeit, Dauer, den Zeitpunkt und weitere Faktoren wie mögliche Auslöser und Behandlungsergebnisse protokollieren. Dies kann sie dabei unterstützen, ihre Migräneattacken langfristig besser zu kontrollieren und beispielsweise Auslöser für die Migräne zu vermeiden.
  • Technische Geräte: Inzwischen können auch Geräte, die am Handgelenk, der Stirn oder am Hinterkopf bestimmte Nerven stimulieren, Migräneanfälle lindern oder verhindern.
  • Psychologische Verfahren: Verhaltenstherapeutische Verfahren können helfen, insbesondere wenn auch eine Depression oder eine Angststörung bestehen.
  • Regelmäßiger Tagesablauf: Achten Sie auf einen geregelten Alltag mit festen Schlafenszeiten, regelmäßigen Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeit.
  • Stressbewältigung: Suchen Sie sich eine Entspannungsmethode, um mit Stress besser fertig zu werden.

Neue Entwicklungen in der Migräneprophylaxe

  • CGRP-Antikörper: Seit Ende 2018 sind die Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP)-Antikörper auf dem Markt, diese sind gut verträglich und die Patient:innen injizieren sich das Medikament einmal im Monat selbst. Die CGRP-Antikörper sind spezifisch für die Migräne entwickelt und der größte Vorteil ist die gute Verträglichkeit. Auch hier zeigen viele verschiedene Studien die Wirksamkeit gegenüber einem Placebo und den guten Effekt auf die Lebensqualität. Der Antikörper gegen den CGRP-Rezeptor Erenumab wurde im Juli 2018 durch die EMA zugelassen. Wann die Zulassung der übrigen CGRP-Antikörper Eptinezumab, Fremanezumab und Galcanezumab erfolgt, ist im Moment noch nicht absehbar.

Was können Sie tun, um Migräne vorzubeugen?

  • Vermeiden Sie Trigger: Die meisten Betroffenen von Migräne mit Aura kennen ihre persönlichen Trigger.
  • Identifizieren von Auslösern: Ein Kopfschmerztagebuch kann Ihnen dabei helfen, Ihre Migräne-Trigger herauszufinden, um sie künftig zu vermeiden.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann Einfluss auf das Auftreten von Migräne mit Aura haben. Es kann hilfreich sein, Trigger-Lebensmittel wie Schokolade, Käse oder bestimmte Konservierungsstoffe zu meiden.
  • Akupressur: Es gibt spezielle Akupressurpunkte, die bei Migräne mit Aura helfen können.
  • Regelmäßiger Ausdauersport
  • Entspannungstechniken

Migräne mit Aura und das Risiko eines Schlaganfalls

Bei Frauen unter 55 Jahren ist die Migräne mit Aura ein unabhängiger Risikofaktor für einen Schlaganfall, wenn eine langjährige Krankheitsdauer und eine hohe Attackenanzahl vorliegt.

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