Der Uhrentest ist ein psychometrisches Verfahren, das als erster Schritt zur Früherkennung von Demenz eingesetzt wird. Er ist einfach durchzuführen, schnell und erfordert lediglich ein Blatt Papier und einen Stift. Dieser Artikel beleuchtet die Durchführung, Auswertung und Interpretation des Uhrentests im Kontext der Demenzdiagnostik.
Was ist der Uhrentest?
Der Uhrentest ist ein bekanntes und wichtiges Instrument in der Diagnostik, wenn der Verdacht auf Demenz besteht. Die Testperson muss eine Uhr zeichnen und anschließend eine vorgegebene Uhrzeit mit Stunden- und Minutenzeiger eintragen. Die einfache Durchführbarkeit ist ein großer Vorteil dieses Tests.
Visuokonstruktion
Im Zusammenhang mit dem Uhrentest fällt oft der Begriff "Visuokonstruktion" oder "visuokonstruktive Ausführungsleistung". Dies bezeichnet die Fähigkeit, komplexe Formen oder Muster zu erkennen und zu reproduzieren. Diese Fähigkeit nimmt bei Demenzerkrankten frühzeitig ab. Mit Uhrentests lassen sich vor allem visuell-räumliche Fähigkeiten gut untersuchen. Es wird auch davon ausgegangen, dass Defizite der kognitiven Funktionen sowie semantische Gedächtnisfunktionen mit diesem Test überprüft werden können. Anders ausgedrückt untersucht der Test die räumliche Wahrnehmung der Testperson, sowie das Gedächtnis und Fähigkeit, Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten.
Durchführung des Uhrentests
Die Testperson erhält ein Blatt Papier mit einem großen Kreis. Die Anweisung lautet: „Dieser Kreis soll eine Uhr sein“. Während die Testperson zeichnet, achtet der Arzt auf folgende Punkte:
- In welcher Reihenfolge geht die Testperson vor?
- Bereitet ihr das Zeichnen Schwierigkeiten?
- Wo zögert sie?
- Muss sie häufig Korrekturen vornehmen?
- Wie lange dauerte der Test?
Es gibt keine festgelegte Uhrzeit, die beim Uhrentest abgefragt wird. Geben Sie eine konkrete Uhrzeit an, die mithilfe von Uhrzeigern eingetragen werden soll, z. B.
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Übrigens: Verweigert die Patientin oder der Patient, überhaupt eine Uhr zu zeichnen, ist auch dies ein Ergebnis, das auf eine Demenzerkrankung hinweisen kann.
Varianten des Uhrentests
Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Varianten des Uhrentests entwickelt, die sich in ihrer Aussagekraft leicht unterscheiden. Der Uhrentest wurde 1993 von Kenneth Shulman entwickelt. Heute existieren zwei Abwandlungen davon: Der „Uhrentest nach Sunderland“ und der „Uhrentest nach Watson“. Allerdings wird der ursprüngliche Uhrentest nach Shulman noch immer am häufigsten verwendet.
- Uhrentest nach Shulman: Die Testperson erhält ein Blatt Papier mit einem vorgezeichneten Kreis. Für die fertige Aufgabe erhält sie eine Bewertung von 1 bis 6, entsprechend der Schulnoten.
- Uhrentest nach Sunderland: Ähnelt dem Test nach Shulman, jedoch muss hier auch der Kreis des Ziffernblattes von der Testperson gezeichnet werden.
- Uhrentest nach Watson: Hier erfolgt die Auswertung besonders akribisch, indem das Ziffernblatt nach Testende in vier Quadranten geteilt wird und die Positionierung der Ziffern genau beurteilt wird. Bei diesem Test erfolgt die Auswertung besonders akribisch, indem das Ziffernblatt nach Testende in vier Quadranten geteilt wird und die Positionierung der Ziffern genau beurteilt wird. Bei diesem Test erfolgt die Auswertung besonders akribisch, indem das Ziffernblatt nach Testende in vier Quadranten geteilt wird und die Positionierung der Ziffern genau beurteilt wird.
Auswertung des Uhrentests
Bei der Auswertung des Uhrentests gibt es viele unterschiedliche Skalen. Die Unterscheidungen gehen sehr ins Detail und sind schwer zu bewerten. Sie sollten nur von einer Person mit Erfahrung in der Durchführung solcher Tests gemacht werden. Fachärztinnen und Fachärzte beurteilen anschließend bei der Auswertung:
- Die Zeichnung der Uhr selbst: Stimmen die Ziffern und ihre Position? Sind die Zeiger eingezeichnet? Stimmt die Uhrzeit?
- Das Verhalten während des Tests: Hat die Testperson gezögert? Waren Korrekturen notwendig?
Auswertung nach Shulman
Nach der Skala von Kenneth Shulman wird der Uhrentest mit 1 bis 6 Punkten bewertet
Auswertung nach Sunderland
Die Auswertung beim Uhrentest nach Sunderland wird in einer Skala von 1 bis 10 Punkten unterschieden.
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Auswertung nach Watson
Das Auswertungsverfahren beim Uhrentest nach Watson ist sehr standardisiert. In jedem Viertel sollten jeweils die drei richtigen, lesbaren Zahlen zu finden sein. Für jedes Viertel, in dem ein Fehler gemacht wurde, werden Fehler-Punkte gezählt. Für die ersten drei Viertel jeweils ein Punkt, für das letzte Viertel vier Punkte. Bei drei oder mehr Punkten ist eine kognitive Einschränkung naheliegend.
- Beispiel 1: Punktzahl 0, also perfekt.
- Beispiel 2: (nicht spezifiziert im Originaltext, aber impliziert: Fehlerhafte Zeichnung führt zu Punktzahl >0)
Minutenzeiger-Phänomen
Manchmal werden das Ziffernblatt mit seinen Zahlen und der Stundenzeiger korrekt dargestellt, der Minutenzeiger wird aber fehlerhaft platziert. Dieses sogenannte Minutenzeiger-Phänomen beim Uhrentest kann auf eine beginnende Demenz hinweisen.
Interpretation des Uhrentests
Der Demenz-Uhrentest ist einfach und recht schnell erledigt. Seine Aussagekraft hinsichtlich der Früherkennung einer Demenz ist unter Experten unbestritten. Gerade bei Demenz gehören Störungen der räumlichen Wahrnehmung zum Symptomkomplex. Mit Uhrentests lassen sich vor allem visuell-räumliche Fähigkeiten gut untersuchen. Es wird auch davon ausgegangen, dass Defizite der kognitiven Funktionen sowie semantische Gedächtnisfunktionen mit diesem Test überprüft werden können. Anders ausgedrückt untersucht der Test die räumliche Wahrnehmung der Testperson, sowie das Gedächtnis und Fähigkeit, Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten.
Je nachdem, wie weit die Demenz fortgeschritten ist, kommt der Uhrentest zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Ist die Demenz weit fortgeschritten, kann die Testperson gar keine Uhr zeichnerisch darstellen. Je fortgeschrittener eine Demenz, desto schwieriger gestaltet sich der Uhrentest für die Betroffenen: Die gezeichnete Uhr wird immer unkenntlicher, die Ziffern und Zeiger werden falsch eingezeichnet oder fehlen sogar. Bei schwerer Demenz machen viele Patienten gar keine Versuche mehr, eine Uhr zu zeichnen. Manche schreiben stattdessen Wörter oder ihren Namen auf das Papier.
Grenzen des Uhrentests
Der Uhrentest gibt keine verlässliche Diagnose. Auch Angehörige wenden ihn an, um ein Familienmitglied zu „testen“. Das ist alles nicht ganz falsch, darf aber immer nur als ein erster Hinweis auf eine mögliche kognitive Einschränkung gelten und nicht als verlässliche Diagnose einer Demenz. Eine Diagnose kann nur ein Arzt stellen, der dafür ausgebildet ist und Erfahrung hat.
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Der Uhrentest liefert im Vergleich mit dem Mini-Mental-Status (ein anderer häufig benutzter Demenztest) meist dieselben Ergebnisse. Daher geht man davon aus, dass der Uhrentest verlässlich auf eine bestehende Demenzerkrankung prüft. Eine hundertprozentige Aussage über das Vorhandensein einer Demenz kann der Test dennoch nicht leisten. Andere Erkrankungen können ähnliche Symptome hervorrufen wie eine Demenz. Daher ist es unerlässlich, bei einem positiven Befund Laboruntersuchungen und bildgebende Untersuchungen anzuschließen.
Der Uhrentest im Kontext der Demenzdiagnostik
Als alleiniges Diagnosetool für Demenz eignet sich der Uhrentest aber nicht. Daher wird er stets mit einem anderen Test zur Demenzfrüherkennung (MMST oder DemTect) kombiniert. Dennoch reicht ein Uhrentest allein nicht aus, um wirklich eine qualitative Diagnose über Demenz oder Alzheimer zu treffen. Die Kombination aus MMST und Uhrentest prüft sozusagen unterschiedliche Merkmale ab und ergibt in der Summe eine gute Ersteinschätzung.
- Mini-Mental-Status-Test (MMST): Der Mini-Mental-Status-Test besteht aus einfachen Fragen und Aufgaben, die alltägliche Denkprozesse abbilden sollen. Die Testperson soll sich beispielsweise drei Begriffe merken, einfache Rechenaufgaben lösen oder das aktuelle Datum nennen. Typisch für die Aufgaben und Fragen ist, dass sie von Menschen ohne kognitive Einschränkungen meist mühelos beantwortet werden können, während Menschen mit einer beginnenden Demenz sich mit der Beantwortung deutlich schwerer tun. Das etwa 10- bis 15-minütige Interview wird ausschließlich von Ärztinnen und Ärzten beziehungsweise geschultem medizinischen Fachpersonal durchgeführt, zum Beispiel in einer Hausarztpraxis, einer neurologischen Praxis oder einer Gedächtnisambulanz. In Gedächtnisambulanzen arbeiten Fachleute, die auf die Abklärung von Gedächtnisstörungen spezialisiert sind. Der MMST erfasst mehrere Bereiche der geistigen Leistungsfähigkeit.
- Grenzen des MMST: Der MMST ist eine erste Orientierung, keine sichere Diagnose. Bildungsniveau, Muttersprache, psychische Belastungen oder andere Erkrankungen können das Ergebnis beeinflussen. So kann es beispielsweise vorkommen, dass Menschen mit einem sehr hohen Bildungsniveau trotz beginnender Demenz die volle Punktzahl erreichen, während andere, aufgrund geringerer Bildung oder Sprachbarrieren schlechter abschneiden, ohne an Demenz erkrankt zu sein. Auch wird von Menschen mit einer Depression häufig nicht die volle Punktzahl erreicht, obwohl sie keine Demenz haben. Ebenso kann der MMST bei bestimmten Demenzformen wie der Frontotemporalen Demenz oder der Lewy-Körperchen-Demenz unauffällig ausfallen, obwohl kognitive Veränderungen bestehen. Nicht zuletzt können auch Tagesform oder persönliche Anspannung eine Rolle spielen.
Fazit
Der Uhrentest ist ein wertvolles und einfach anzuwendendes Instrument zur Früherkennung von Demenz. Er erfasst wichtige kognitive Fähigkeiten und kann erste Hinweise auf eine mögliche Erkrankung liefern. Allerdings ist er nicht als alleiniges Diagnoseinstrument geeignet und sollte stets in Kombination mit anderen Tests und einer umfassenden ärztlichen Untersuchung eingesetzt werden. Nur so kann eine zuverlässige Diagnose gestellt und eine angemessene Behandlung eingeleitet werden.
Wichtiger Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel dienen lediglich der allgemeinen Information und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung. Bei Verdacht auf Demenz sollte immer ein Arzt konsultiert werden.
Zusätzliche Informationen
Wer sollte den Uhrentest durchführen?
Deshalb sollte ein Uhrentest am besten von einem Arzt oder einer geschulten Person durchgeführt werden.
Anspruch auf Pflegeleistungen
Bei einer Demenzerkankung kann unter Umständen ein Anspruch auf Pflegeleistungen vorliegen.
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