Autosomal-rezessiv vererbte Ataxie bei Katzen, insbesondere der Türkisch Angora

Die Türkisch Angora ist eine elegante und intelligente Katzenrasse, die sich durch ihr halblanges, seidiges Fell und ihre Anhänglichkeit auszeichnet. Doch wie bei vielen Rassekatzen gibt es auch bei der Türkisch Angora bestimmte genetisch bedingte Krankheiten, auf die Züchter und Halter achten sollten. Eine davon ist die autosomal-rezessiv vererbte Ataxie.

Die Türkisch Angora: Eine Rasseportrait

Die Türkisch Angora ist eine mittelgroße, elegante Katze mit einem schlanken Körper und halblangem Fell. Ihre Beine sind lang und schlank, die Pfoten zierlich und rund. Der Schwanz ist buschig und wird majestätisch getragen. Das Fell ist seidig und pflegeleicht, da es kaum Unterwolle besitzt. Im Winter entwickeln sich dichte Hosen an den Hinterbeinen und eine Haarkrause um Brust und Schultern, während das Fell im Sommer abgeworfen wird.

Die Türkisch Angora zeichnet sich durch ihre Intelligenz, Lebensfreude und ihren verspielten Charakter aus. Sie ist sehr menschenbezogen und benötigt viel Zuwendung, Aufmerksamkeit, Liebe und Respekt. Als gesellige Katze sollte sie idealerweise in einem Haushalt mit mindestens zwei Katzen gehalten werden, um ihren sozialen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Das Fell der Türkisch Angora ist pflegeleicht, da die zur Verfilzung neigende Unterwolle fehlt. Regelmäßiges Bürsten, besonders während des Fellwechsels, ist dennoch empfehlenswert.

Was ist Ataxie?

Ataxie ist ein Oberbegriff für verschiedene Störungen der Bewegungskoordination. Der Begriff stammt aus dem Griechischen (ἀταξία) und bedeutet Unordnung oder Verwirrung. Bei einer Ataxie ist der geordnete Ablauf von Muskelbewegungen gestört, ohne dass eine Lähmung vorliegt. Betroffene Tiere haben Schwierigkeiten, ihre Bewegungen zu koordinieren, was zu unsicheren, schwankenden oder schleudernden Bewegungen führen kann. Das Missverhältnis zwischen Kraftaufwand und Bewegungserfolg führt dazu, dass das Bewegungsziel verfehlt wird.

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Es gibt verschiedene Formen der Ataxie, die je nach Ursache unterschieden werden:

  • Zerebelläre Ataxie: Schädigungen im Kleinhirn (z.B. Atrophie, Tumor)
  • Zerebrale Ataxie: Schädigungen im Stirn- und Schläfenhirn, dem Thalamus oder der Vierhügelregion
  • Spinale Ataxie: Schäden in den Leitungsbahnen und Nervensträngen des Rückenmarks
  • Erbliche Ataxie (Heredoataxie)
  • Teleangiektatische Ataxie: Angeborenes, fortschreitendes Leiden bei Kleinhirnatrophie

Autosomal-rezessiv vererbte Ataxie bei der Türkisch Angora

Bei der Türkisch Angora kommt eine autosomal-rezessiv vererbte Ataxie vor. Das bedeutet, dass die Krankheit nur dann auftritt, wenn ein Kätzchen von beiden Elternteilen das entsprechende Gen geerbt hat. Trägt ein Elterntier das Gen nur einmal, ist es selbst nicht erkrankt, kann die Veranlagung aber weitergeben.

Die Entstehung dieser speziellen Form der Ataxie ist noch nicht vollständig geklärt. Fest steht jedoch, dass sie ausschließlich Kitten betrifft. Erkrankte Kätzchen können nicht laufen lernen und sterben in der Regel jung. Erwachsene Katzen können nicht mehr an dieser Krankheit erkranken.

Symptome und Diagnose

Die autosomal-rezessiv vererbte Ataxie bei der Türkisch Angora äußert sich durch Störungen der Bewegungskoordination im Kittenalter. Betroffene Kätzchen zeigen Zittern und haben Schwierigkeiten, sich auf den Beinen zu halten. Sie können nicht richtig laufen lernen und entwickeln oft ein unsicheres Gangbild.

Die Diagnose wird in der Regel anhand der klinischen Symptome gestellt. Eine genetische Untersuchung kann die Diagnose bestätigen und Trägertiere identifizieren.

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Behandlung und Prävention

Es gibt keine spezifische Behandlung für die autosomal-rezessiv vererbte Ataxie bei der Türkisch Angora. Die betroffenen Kätzchen benötigen intensive Pflege und Unterstützung, um ihre Lebensqualität so gut wie möglich zu erhalten. In vielen Fällen ist die Prognose jedoch ungünstig und die Tiere sterben jung.

Die wichtigste Maßnahme zur Prävention ist die Vermeidung von Verpaarungen, bei denen beide Elterntiere Träger des Ataxie-Gens sind. Durch Gentests können Trägertiere identifiziert und von der Zucht ausgeschlossen werden. Seriöse Züchter führen diese Tests durch, um das Risiko des Auftretens von Ataxie bei ihren Nachkommen zu minimieren.

Weitere Gesundheitliche Aspekte der Türkisch Angora

Neben der autosomal-rezessiv vererbten Ataxie gibt es noch weitere gesundheitliche Aspekte, die bei der Türkisch Angora beachtet werden sollten:

  • Schwerhörigkeit, Taubheit und Gleichgewichtsstörungen: Diese Probleme treten gehäuft bei rein weißen Türkisch Angoras auf.
  • Allgemeine Gesundheit: Trotz ihres kleinen Genpools gilt die Türkisch Angora als recht gesunde Rasse, sofern verantwortungsvolle Züchter auf die Gesundheit ihrer Tiere achten.

Die Rolle des Züchters

Ein seriöser Züchter spielt eine entscheidende Rolle bei der Gesundheit und dem Wohlergehen der Türkisch Angora. Er achtet auf die Gesundheit seiner Zuchttiere, führt Gentests durch, um das Risiko von Erbkrankheiten zu minimieren, und gibt seine Kitten erst ab einem Alter von mindestens zwölf Wochen ab. Zudem berät er die zukünftigen Halter umfassend über die Bedürfnisse der Rasse und steht ihnen auch nach dem Kauf mit Rat und Tat zur Seite.

Die Türkisch Angora als Familienkatze

Die Türkisch Angora gilt als ideale Familienkatze. Sie ist menschenbezogen, freundlich, verspielt und sanft. Sie baut eine enge Bindung zu ihren Menschen auf und ist sehr harmoniebedürftig. Durch ihren großen Spieltrieb und ihr freundliches Wesen sollte sie jedoch nicht als Einzelkatze gehalten werden.

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Die Türkisch Angora kann sowohl als Freigänger als auch als Wohnungskatze gehalten werden. Wichtig ist, dass sie ausreichend Gelegenheit zum Klettern, Kratzen, Beobachten und Verstecken hat. Ein katzengerecht eingerichtetes Zuhause mit vielen Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten ist daher essentiell.

Ernährung der Türkisch Angora

Für eine gesunde Ernährung benötigt die Türkisch Angora ein hochwertiges Futter mit hohem Fleischanteil, da Katzen von Natur aus Fleischfresser sind. Es empfiehlt sich, auf spezielles Futter für Kitten, erwachsene Tiere und Seniorenkatzen zu setzen, da sich die Bedürfnisse im Laufe eines Katzenlebens ändern. Bei gesundheitlichen Problemen kann auch die Umstellung auf ein Futter ratsam sein, welches auf spezielle Bedürfnisse (z.B. Harnwegsprobleme, Nierenerkrankungen, Verdauungsstörungen oder Übergewicht) zugeschnitten ist.

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