Baby Kiefer Spastik: Ursachen, Symptome und Behandlung

Die infantile Zerebralparese (ICP), oft in Form einer Spastik, ist eine Bewegungsstörung, die entweder intrauterin oder kurz nach der Geburt auftritt. Sie ist nicht fortschreitend, und oft mit anderen Komorbiditäten wie Intelligenzminderung oder Epilepsie assoziiert.

Muskelhypotonie: Mehr als nur ein Symptom

Muskelhypotonie ist mehr als ein Symptom und kann ohne Behandlung in der Säuglingsphase vielschichtige Entwicklungsverzögerungen nach sich ziehen. Im frühen und weiteren Kindesalter bilden sich Kompensationsstrategien und vermeidendes Verhalten aus, die es Fachleuten und Eltern erschweren, die Muskelhypotonie zu erkennen. Unbehandelte Hypotonie der Skelettmuskulatur verringert die Ausdauer und Leistungsfähigkeit in Schule und Beruf.

Symptome der Muskelhypotonie

Säuglinge mit hypotoner Mund- und Schluckmuskulatur saugen schwach und langsam mit ungenügendem Mundschluss. Das Essen und Trinken ist sehr zeitaufwendig. Zwischen den Mahlzeiten schläft das Baby mit Muskelhypotonie auffällig lange und meldet sich auch nachts seltener, wenn es hungrig ist.

Weitere Symptome sind:

  • Das Baby strampelt wenig.
  • Die Beine liegen gestreckt wie auseinandergefallen auf der Unterlage.
  • In Rückenlage stemmt es die Fersen nicht gegen den Widerstand einer Begrenzung.
  • Es macht keine Brücke.
  • Der Säugling zieht seine Füße mit den Händen nicht ins Blickfeld und zum Mund.
  • Er berührt wenig seine Körperbereiche.
  • Das Anheben der Arme in Rückenlage ist nicht möglich.
  • Das kleine Kind greift nicht mit beiden Händen nach dem Spielzeug, lässt oft etwas fallen.
  • Kinder mit Muskelhypotonie meiden die Bauchlage.
  • Beim Hochnehmen und Tragen hilft das Kind nicht mit. Der Kopf sinkt nach hinten, die Arme und Beine werden nicht gebeugt.
  • Die Haltung beim Tragen wirkt puppenartig mit schlenkernden, baumelnden Gliedmaßen.

Diagnose und Behandlung der Muskelhypotonie

Bereits beim ersten Verdacht auf eine Entwicklungsverzögerung ist es wichtig, mit kindesgerechter Physiotherapie nach einem neurophysiologisch orientierten Konzept zu beginnen. Im Säuglingsalter darf keine Zeit für die Förderung verloren werden, auch wenn der oft langwierige medizinisch-diagnostische Prozess noch nicht abgeschlossen ist.

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Spastik: Ursachen, Symptome und Diagnose

Spastik (auch bekannt als Spasmus oder Spastizität) leitet sich von dem griechischen Wort „spasmós“ ab und bedeutet Krampf. Aus medizinischer Sicht handelt es sich um eine krankhafte Erhöhung der Muskelspannung (auch Muskeltonus bezeichnet). Die Ursache für eine Spastik ist eine Schädigung des zentralen Nervensystems (ZNS).

Ursachen der Spastik

Die Ursache einer Spastik ist eine Schädigung im zentralen Nervensystem (ZNS), also im Gehirn, Rückenmark oder deren Verbindungen. Die Schädigung des Gehirns oder des Rückenmarks kann zahlreiche Ursachen haben, z. B.:

  • Schlaganfall bzw. Hirninfarkt
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Hirntumor
  • Multiple Sklerose
  • Zerebralparese

Symptome der Spastik

Die Symptome der Spastik können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Verschiedene Betroffene können daher ähnliche Symptome aufweisen, aber völlig andere Einschränkungen in ihrem Alltag erleben. Eine individuelle Betrachtung der Symptome einer spastischen Lähmung ist somit unerlässlich.

Spastische Lähmungen können einzelne Muskeln oder ganze Körperbereiche betreffen. Dabei unterscheidet man bei dem Ausmaß der Spastik zwischen zwei Kategorien: fokale Spastik und generalisierte Spastik.

Weitere Symptome einer Spastik können sein:

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  • Schmerzen und / oder Sensitivitätsstörungen
  • Halbseitige schlaffe Lähmung

Diagnose der Spastik

Zur Diagnose einer Spastik untersucht der Arzt den Patienten zunächst körperlich. Zusätzlich wird er wahrscheinlich einige neurologische Tests durchführen und bildgebende Verfahren (z. B. CT, MRT) anwenden. Der Muskeltonus (Messung des Grades der Anspannung der Muskulatur z.B. Die SchmerzintensitätDie Informationen helfen dem Arzt bei der Diagnosestellung und Planung der anschließenden Therapiemaßnahmen, um die Spastik zu lösen. Ferner kann anhand von Bewertungsskalen das Ansprechen auf die Behandlung beurteilt und nachverfolgt werden.Die Ashworth-Skala (nach Ashworth 1964) bzw. die modifizierte Ashworth-Skala (nach Bohannon und Smith 1987) ist eine gebräuchliche Methode zur Beurteilung der Spastizität von Muskeln.

Behandlung der Spastik

Je früher eine wirksame Behandlung der Spastik beginnt, desto eher können Folgen wie Gelenkversteifungen, Verkrümmungen der Wirbelsäule und korrigierende orthopädische Eingriffe vermieden werden. Die Behandlung der Spastik umfasst in der Regel eine Kombination aus:

  • Physiotherapie
  • Ergotherapie
  • Logopädie
  • Medikamentöse Therapie (z. B. Tablettengabe oder Botox-Injektionen zur Muskelentspannung)
  • Operative Eingriffe (z. B. selektive dorsale Rhizotomie)

Spezifische Bewegungsstörungen im Säuglings- und Kleinkindalter

Bewegungsstörungen im Säuglings- und Kleinkindalter sind ein häufiger Vorstellungsgrund bei der Kinderärztin oder beim Kinderarzt. Dabei kann es sich sowohl um harmlose, selbstlimitierende Störungen handeln, die keiner Therapie bedürfen, als auch um schwerwiegende Erkrankungen, die eine umfassende Diagnostik und rasche Therapieeinleitung erfordern.

Ataxie

Eine Ataxie kann durch Schädigungen des Kleinhirns oder sensibler Bahnen im Rückenmark verursacht werden. Typisch sind Dysmetrie beim Greifen von Spielzeug, Intentionstremor, skandierende Sprache und breitbasiger unsicherer Gang.

Dystone Bewegungsstörungen

Dystone Bewegungsstörungen lassen sich meist auf Schädigungen der Basalganglien zurückführen. Klinisch finden sich unwillkürliche, oft schmerzhafte, Verkrampfungen von Muskelgruppen, die zu ungewöhnlichen Körperhaltungen und unkontrollierbaren Bewegungen führen.

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Paroxysmale Bewegungsstörungen

Bei vielen paroxysmal auftretenden Bewegungsstörungen kommen epileptische Anfälle als Differenzialdiagnose in Frage. Die Unterscheidung zwischen einem epileptischen Anfall und nichtepileptischen Phänomenen ist auch für Geübte oft nicht einfach. Die Durchführung eines Elektroenzephalogramms, wenn möglich mit Aufzeichnung eines Ereignisses, ist sehr hilfreich.

Weitere Bewegungsstörungen

  • Benigne Schlafmyoklonien des Neugeborenen: Typisch sind irreguläre oder rhythmische Myoklonien und Kloni der Extremitäten im Schlaf.
  • Schauerattacken (Shuddering Attacks): Extremitäten, Rumpf und geringer ausgeprägt auch der Nacken zeigen kurze tremorartige Zuckungen.
  • Startle-Reaktionen: Heftige, unwillkürliche Reaktionen auf einen plötzlich auftretenden Reiz.
  • Benigner paroxysmaler Torticollis: Der Kopf bleibt dauerhaft gewendet, begleitet von Übelkeit und Erbrechen.
  • Sandifer-Syndrom: Tonische Kopfwendungen, die auch Extremitäten und Körper einbeziehen können.
  • Choreoathetosen: Wilde Bewegungsstürme, die am ehesten als hampelmannartig zu beschreiben sind.
  • Episodische Ataxie: Episoden mit zerebellärer Ataxie, die Sekunden bis wenige Minuten anhalten.
  • Alternierende Hemiplegie des Kindesalters: Schlaffe, wechselnd lateralisierte Hemiparesen, tonische Versteifungen, Nystagmus und autonomen Phänomenen.
  • Spasmus nutans: Ein asymmetrischer Nystagmus, eine Kopfschiefhaltung und Kopfnicken.
  • Paroxysmaler tonischer Aufwärtsblick: Tonische Augenbewegungen nach oben.
  • Okulomotorische Apraxie: Kinder können die Bulbi nicht zielgerichtet bewegen.
  • Okulogyre Krisen: Unwillkürliche symmetrische dystone Bulbusbewegungen in eine Richtung.
  • Chorea minor: Unkontrollierbare blitzartig ausfahrende Bewegungen insbesondere der Hände und/oder der Gesichts- und Schlundmuskulatur.
  • Gratifikationsphänomene: Rhythmische Beckenbewegungen, gekreuzte und aneinander gepresste Beine bzw. Oberschenkel.

Die Rolle der Früherkennung und Therapie

Die möglichst frühe Diagnose spielt in der erfolgreichen Therapie eine wichtige Rolle, um die körperliche und psychische Entwicklung bereits in der frühen Lebensphase positiv zu beeinflussen. Um eine Zerebralparese zu behandeln, muss ein multidisziplinäres Therapiekonzept erstellt werden, das sich an der Ausprägung und Lokalisation der Beeinträchtigungen orientiert.

Therapieansätze

  • Physiotherapie: Insbesondere das sogenannte Bobath-Konzept und das Verfahren nach Vojta haben sich erfolgreich bewährt.
  • Logopädie: Zur Überwindung von Sprach- und Essstörungen.
  • Ergotherapie: Durch geeignete Hilfsmittel und medizinische Maßnahmen so weit beweglich bleiben, dass das Risiko für Muskelverkürzungen oder Knochenverformungen sinkt.
  • Medikamentöse Therapie: Zur Beeinflussung der Spastik und Herabsetzung des Muskeltonus.
  • Operative Eingriffe: In Erwägung ziehen, wenn eine auf mehreren Säulen aufgebaute Therapie nicht den gewünschten Erfolg zeigt.

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