Muskelspannung nach Hirnblutung bei Babys: Ein umfassender Leitfaden

Die Diagnose einer Hirnblutung bei einem Baby kann für Eltern sehr beunruhigend sein. Eine mögliche Folge einer solchen Blutung kann eine Veränderung der Muskelspannung sein. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Hirnblutungen im Säuglingsalter und Muskelspannung, mögliche Ursachen, Symptome, Diagnoseverfahren und Behandlungsansätze. Ziel ist es, Eltern und Betreuern ein umfassendes Verständnis dieser komplexen Thematik zu vermitteln und ihnen zu helfen, die bestmögliche Unterstützung für ihr Kind zu gewährleisten.

Einführung

Die frühkindliche Zerebralparese (ICP), oft auch Cerebralparese (CP) genannt, ist eine Bewegungsstörung, die durch eine Schädigung des sich entwickelnden Gehirns vor, während oder kurz nach der Geburt entsteht. Diese Schädigung ist nicht heilbar, aber verschiedene Behandlungsmethoden können die Symptome und Auswirkungen mildern. Eine Hirnblutung kann eine der Ursachen für eine Zerebralparese sein, was zu Veränderungen der Muskelspannung führen kann.

Was ist Zerebralparese?

Zerebralparese ist eine permanente Bewegungsstörung, die durch eine Schädigung des frühkindlichen Gehirns entsteht. Sie ist dauerhaft, kann sich aber dennoch verändern. Der Begriff „infantile Zerebralparese“ benennt den Entstehungszeitraum der Zerebralparese: „infantil“ bedeutet „im Kindesalter“. Die Schädigung entsteht durch Komplikationen vor der Geburt (pränatal), um die Geburt herum (perinatal) oder bis zum Alter von zwei Jahren.

Ursachen der Zerebralparese

Die Zerebralparese kann vor, während oder nach der Geburt entstehen - bis zum Alter von zwei Jahren. Deshalb wird sie auch „infantile Zerebralparese“ genannt. Mögliche Ursachen sind:

  • Sauerstoffmangel während der Geburt.
  • Infektionskrankheiten des Säuglings.
  • Infektionen wie Röteln, Windpocken, Toxoplasmose, der Zytomegalievirus oder eine Zika-Virusinfektion in der Schwangerschaft.
  • Verletzungen des Embryos in der Gebärmutter.
  • Genmutationen, die zu einer Entwicklungsstörung des Gehirns führen (Dysgenesie).
  • Rauchen, Alkohol- und Drogenkonsum der Schwangeren.
  • Ein hoher Bilirubinspiegel im Blut (Kernikterus).
  • Mehrlingsgeburten.
  • Zwischenfälle während der Geburt, beispielsweise durch einen Sauerstoffmangel.
  • Schlaganfall vor oder nach der Geburt durch Blutgerinnsel, auch durch Thrombosen bei der schwangeren Person.
  • Erkrankungen in den ersten beiden Lebensjahren, unter anderem Hirnhautentzündungen (Meningitis), Blutvergiftungen (Sepsis) oder ein starker Flüssigkeitsmangel (Dehydration).
  • Schütteltraumata und schwere Kopfverletzungen nach der Geburt, die zu einer Schädigung des Gehirns führen.

Arten der Zerebralparese

Man unterscheidet bei der Zerebralparese drei Hauptformen, die einzeln oder in Kombination auftreten können:

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  1. Spastische Zerebralparese:
    • Etwa 75 % der Kinder mit Zerebralparese sind von der spastischen Form betroffen.
    • Ungewöhnlicher Muskeltonus und Spastik beim Baby können Anzeichen für diese Form sein.
    • Bei einer Spastik verkrampfen die Muskeln in einem typischen Muster.
  2. Athetotische oder dyskinetische Zerebralparese:
    • Automatisch ablaufende, langsame schraubenförmige Bewegungen sind charakteristisch.
    • Die unwillkürlichen Bewegungen verstärken sich bei Aufregung und Stress, während sie im Schlaf und in Ruhephasen nicht auftreten.
  3. Ataktische Zerebralparese:
    • Gekennzeichnet durch Schwierigkeiten mit Koordination und Gleichgewicht.
    • Manche ICP-Patienten zeigen Anzeichen mehrerer Formen in Kombination. Besonders häufig ist das gleichzeitige Auftreten der spastischen und der athetotischen Form.

Hirnblutung beim Baby

Eine Hirnblutung entsteht durch das Platzen eines Blutgefäßes im Gehirn und erfordert sofortige medizinische Intervention. Hirnblutungen treten meist in den ersten Lebenstagen auf, wenn es den Kindern nicht gut geht. Bei einer niedergradigen Hirnblutung (intraventrikulären Hämorrhagie I-II°) kommt es zu einer Blutung in die inneren, mit Hirnwasser gefüllten Räume, den Ventrikeln. Dabei kann es zu einem gestörten Abfluss des Hirnwassers kommen, es bildet sich ein Hydrozephalus („Wasserkopf“). Bei einigen Kindern muss das Hirnwasser dann mit einem Schlauch in den Bauchraum abgeleitet werden. Viele dieser Kinder entwickeln sich aber trotzdem normal. Bei einer höhergradigen Hirnblutung (III° und III°) gelangt Blut auch in das Hirngewebe.

Mikrozephalie

Mikrozephalie bedeutet, dass der Kopfumfang einer Person deutlich kleiner ist als der Kopfumfang gesunder Menschen gleichen Alters und gleichen Geschlechts. Bei dieser seltenen Fehlbildung ist häufig das Gehirnvolumen verringert. Die Mikrozephalie kann erblich (= genetisch) bedingt oder durch andere Ursachen erworben sein. Eine Mikrozephalie macht sich in der Regel beim neugeborenen Baby oder beim Kleinkind bemerkbar. Manchmal lässt sich bereits vor der Geburt feststellen, dass der Kopf deutlich zu klein ist. Die möglichen Ursachen einer Mikrozephalie sind vielfältig. Am häufigsten liegen genetische Veränderungen zugrunde. Mediziner sprechen dann von einer primären Mikrozephalie. Als Folge wächst das Gehirn zu langsam. Es bleibt in seiner Entwicklung zurück. Weitere mögliche Ursachen sind Infektionen der Mutter in der Schwangerschaft. Erst vor einigen Jahren wurde entdeckt, dass das Zika-Virus Mikrozephalie auslösen kann. Wenn das Kind unter der Geburt einen Sauerstoffmangel erleidet, können Teile des Gehirns absterben. Das kann eine Mikrozephalie zur Folge haben. Bei einer Mikrozephalie ist der Kopfumfang kleiner als der Kopfumfang gleichaltriger Kinder. Das kann zu unterschiedlichen Symptomen führen. Meistens ist das Gehirn von Kindern mit Mikrozephalie jedoch zu klein und es kommt zu Entwicklungsverzögerungen. Geistige Behinderungen sind häufig. In vielen Fällen ist die Sprachentwicklung betroffen. Weitere Anzeichen können motorische Beeinträchtigungen sein. Typisch ist eine zu geringe Muskelspannung. Beim Baby oder Kleinkind fällt dies durch einen gekrümmten Rücken auf. Die Kinder lernen nicht laufen und können ihren Kopf nicht selbst halten. Auch Einschränkungen beim Schlucken sind möglich. Außerdem lassen sich Gleichgewichtsstörungen, Störungen der Feinmotorik und Hyperaktivität mit vielen unwillkürlichen Bewegungen beobachten.

Zusammenhang zwischen Hirnblutung und Muskelspannung

Die Hirnblutung kann den Teil des Gehirns schädigen, der Bewegung und Muskeltonus steuert. Da das Gehirn die Flexibilität der Muskeln nicht kontrollieren kann, werden sie angespannt und können spastisch werden. Eine spastische Zerebralparese kann Bewegung, Körperhaltung und Gleichgewicht erschweren. Dieser Zustand kann die Fähigkeit beeinflussen, eine oder mehrere Gliedmaßen oder eine Körperhälfte zu bewegen.

Erhöhter Muskeltonus

Ein auffälliger Muskeltonus kann ein erstes Warnzeichen sein. Ein Beispiel ist, wenn sich das Baby beim Hochheben ungewöhnlich schlaff anfühlt oder sich oft sehr steif macht. Eltern berichten, dass ihre Kinder beim Wickeln immer die Knie ganz steif machen und es manchmal 10 Minuten dauert, bis sie lockerlassen.

Symptome und Anzeichen

Erste Hinweise können Auffälligkeiten in der motorischen Entwicklung sein - zum Beispiel beim Greifen oder beim Laufen lernen, oder auch ein ungewöhnlicher Muskeltonus. Manche Babys wirken schlaff, andere auffallend steif. Weitere Symptome können sein:

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  • Im Vergleich zu anderen Kindern verspätete oder ausbleibende Bewegungsentwicklung (zum Beispiel mit acht Monaten noch nicht sitzen oder mit 18 Monaten noch nicht laufen können).
  • Schwäche in einem oder beiden Armen oder Beinen.
  • Die Muskeln wirken abwechselnd zu steif oder zu schlaff.
  • Steife oder angespannte Muskeln und gesteigerte Reflexe.
  • Zittern der Hände.
  • Zappelige, ruckartige oder unbeholfene Bewegungen.
  • Schwierigkeiten mit präzisen Bewegungen und der Koordination, zum Beispiel beim Führen der Hand zum Mund.
  • Zehenspitzengang, gebückter Gang oder Scherengang (kurze Schritte mit zur Körpermitte gezogenen und bei jedem Schritt gekreuzten Beinen).
  • Muskelkrämpfe.
  • Bevorzugung einer Seite des Körpers, z. B. nur eine Körperseite einsetzen.

Diagnose

Machen sich Eltern Sorgen über die Entwicklung ihres Kindes, ist die kinderärztliche Praxis meist die erste Anlaufstelle. Im Anamnesegespräch werden zum Beispiel Fragen nach Komplikationen während Schwangerschaft oder Geburt gestellt sowie nach Infektionskrankheiten. Eine Magnetresonanztomographie (MRT) zeigt bestehende Auffälligkeiten im Gehirn. Die Diagnose einer Zerebralparese wird in der Regel innerhalb der ersten beiden Lebensjahre gestellt, bei weniger ausgeprägten Symptomen bis zum fünften Lebensjahr. Dies geschieht meist während der regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen), in denen die Ärztinnen und Ärzte auch die motorische Entwicklung der Kinder verfolgen. Hierfür setzen sie verschiedene Bewegungstests ein und kontrollieren in regelmäßigen Abständen das Wachstum der Kinder, deren Körperhaltung, Muskelspannung und Koordination sowie das Hör- und Sehvermögen.

Weitere Untersuchungen

Um die Diagnose Zerebralparese zu bestätigen und andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen, können weitere Untersuchungen durchgeführt werden:

  • Anamnese zur Schwangerschaft und Geburt.
  • Blutuntersuchungen im Labor.
  • Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) des Gehirns.
  • Elektroenzephalogramm zur Überprüfung der Gehirnaktivität.
  • Tests der Muskel- und Nervenfunktion.
  • Gentests.
  • Einschätzung der Bewegungsstörungen mithilfe des Systems zur Klassifizierung der grobmotorischen Fähigkeiten (GMFCS).

Behandlung und Therapie

Eine Zerebralparese ist nicht heilbar. Die Ausprägung kann sich jedoch im Laufe des Lebens verändern. Mit der passenden Behandlung und Versorgung sollen Symptome gelindert, die Beweglichkeit verbessert und die Selbstständigkeit gefördert werden. Da die Symptome und Ursachen einer Zerebralparese stark variieren können, kommen bei der Therapie ganzheitliche Behandlungspläne unter Zuhilfenahme verschiedener Fachärztinnen und -ärzte zum Einsatz.

Therapieansätze

  • Medikamente: Zur Linderung von Muskelversteifung.
  • Logopädie: Setzt bei Sprachproblemen an - wie zum Beispiel einer undeutlichen Sprache.
  • Ergo- und Physiotherapie: Physiotherapie hilft, Bewegungsabläufe zu üben und die Kontrolle über die Muskulatur zu verbessern - zum Beispiel durch bestimmte Übungen oder Gangschulung. Ergotherapie, um die Bewältigung alltäglicher Aufgaben zu erleichtern.
  • Orthopädische Hilfsmittel: Orthopädische Hilfsmittel bei Zerebralparese sollen die Selbstständigkeit unterstützen, Komplikationen verhindern und Fehlstellungen ausgleichen. Orthesen, Sensorisch Dynamische Orthesen und Bandagen werden häufig verordnet. Sie helfen dabei, die Gelenke zu unterstützen, Bewegungsfunktionen zu verbessern oder den Bewegungsumfang zu erhöhen. Gehhilfen sorgen für mehr Gangsicherheit. Rollstühle gibt es in verschiedenen Ausführungen - manuell oder elektrisch.
  • Operationen: In manchen Fällen ist auch eine Operation hilfreich. Beispielsweise können Muskeln und Sehnen verlängert werden.
  • Funktionelle Elektrostimulation (FES): Unterstützung des Trainings kindgerechter Bewegungen. Durch die Messung der Muskelaktivität mittels EMG (Elektromyographie) kann das Kind die Bewegung willkürlich beginnen. Nach Erreichen einer individuell festgelegten Aktivitätsschwelle erfolgt die Stimulation. sich und somit wird die Bewegungsdurchführung unterstützt. Propriozeptive und sensorische Reize wirken sich positiv auf die Bewegungskontrolle und den Lernprozess aus. Mit dem STIWELL® können bis zu vier verschiedene Muskelgruppen in zeitlich korrekter Abfolge angesteuert und therapeutisch sinnvoll genutzt werden. Verschiedenste Bewegungen können mit einer hohen Wiederholungszahl geübt werden. Therapie stützt sich auf die in wissenschaftlichen Studien nachgewiesenen Effekte beim Wiedererlernen von Funktionen und Aktivitäten.

Alternative Therapieansätze

Einige Eltern setzen auf alternative Therapieansätze wie die strukturelle Körpertherapie, Osteopathie oder traditionelle chinesische Medizin (TCM) und Akupunktur. Es ist wichtig, solche Ansätze mit dem behandelnden Arzt zu besprechen.

Leben mit Zerebralparese

Generell gilt, dass die Mehrheit der Kinder mit Zerebralparese das Erwachsenenalter erreicht. Der Schweregrad der Beeinträchtigungen variiert bei Erwachsenen - ähnlich wie im Kindesalter - erheblich. Die Bandbreite ist groß: Sie reicht von Personen, bei denen die Zerebralparese kaum auffällt, bis zu schweren Behinderungen. Bei der infantilen Zerebralparese ist die Lebenserwartung von der individuellen Ausprägung abhängig. Leichter betroffene Patient:innen erreichen meist ein annähernd normales Lebensalter. Die Erkrankung selbst schreitet zwar nicht weiter fort, gleichzeitig ergeben sich aber Folgen aus den Einschränkungen. Eine Zerebralparese belastet den Körper stark und kann im fortgeschrittenen Alter zu Gelenk- und Muskelschmerzen führen. Darüber hinaus sind die täglichen Anforderungen des Lebens mit einer Zerebralparese mitunter schwer zu bewältigen, was zu psychischen Problemen wie Depressionen führen kann.

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Frühförderung

Eine frühzeitige und umfassende Förderung ist entscheidend für die Entwicklung von Kindern mit Zerebralparese. Frühförderung kann helfen, Entwicklungsverzögerungen zu minimieren und die Selbstständigkeit zu fördern.

Unterstützung für Eltern

Die Diagnose einer Zerebralparese kann für Eltern sehr belastend sein. Es ist wichtig, sich professionelle Hilfe und Unterstützung zu suchen. Dies kann in Form von Beratungsgesprächen, Selbsthilfegruppen oder psychologischer Betreuung erfolgen.

Austausch mit anderen Betroffenen

Der Austausch mit anderen Eltern, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, kann sehr hilfreich sein. In Selbsthilfegruppen können Eltern sich gegenseitig unterstützen und Erfahrungen austauschen.

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