Migräne: Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung – Ein umfassender Leitfaden für Betroffene und Interessierte

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine komplexe neurologische Erkrankung, die das Leben vieler Menschen beeinträchtigen kann. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Aspekte der Migräne, von den Ursachen und Auslösern über die Symptome und Diagnose bis hin zu den aktuellen Therapie- und Präventionsmöglichkeiten.

Was ist Migräne?

Migräne ist ein anfallsartig auftretender, starker Kopfschmerz, der Stunden bis Tage andauern kann. Sie kann mit oder ohne Aura auftreten. Dr. med. definiert Migräne als eine neurologische Erkrankung, die sich durch starke, oft einseitige Kopfschmerzen auszeichnet. Diese Kopfschmerzen können von Übelkeit und Lichtempfindlichkeit begleitet sein.

Ursachen und Auslöser

Die genauen Ursachen der Migräne sind trotz intensiver Forschung noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine genetische Veranlagung in Kombination mit verschiedenen Auslösern (Trigger) zu Migräneattacken führt. Eine Theorie besagt, dass Migränepatienten eine aktivere Reizverarbeitung im Gehirn haben als Nichtbetroffene. Wenn bestimmte Reize auf dieses empfindliche System treffen, können Veränderungen im Gehirn auftreten, die einen Migräneanfall auslösen.

Häufige Trigger:

  • Stress und starke Emotionen: Sowohl Stress als auch überschwängliche Freude oder Angst können Migräneattacken auslösen. Oft tritt die Attacke erst nach dem Abklingen der Belastung auf.
  • Hormonelle Veränderungen: Hormonschwankungen, insbesondere im Menstruationszyklus oder durch hormonelle Verhütungsmethoden, können Migräneattacken begünstigen.
  • Unregelmäßiges Essen: Das Auslassen von Mahlzeiten, wie z.B. beim intermittierenden Fasten, kann ein Trigger sein.
  • Bestimmte Lebensmittel: Käse und Rotwein sind bekannte Auslöser für Migräneattacken.
  • Wetterveränderungen: Föhn oder plötzliche Temperaturschwankungen können Migräneattacken provozieren.
  • Unregelmäßiger Schlaf: Sowohl zu viel als auch zu wenig Schlaf können Migräne auslösen.
  • Äußere Reize: Helles Licht, Straßenlärm, Gerüche und Rauch können Migräneattacken triggern.
  • Bestimmte Medikamente: Einige Medikamente können ebenfalls Migräne auslösen.

Verlauf: Phasen und Formen der Migräne

Die Migräne erreicht ihre höchste Intensität und Häufigkeit typischerweise zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr und klingt ab dem 55. Lebensjahr langsam aus. Es gibt zwei Hauptformen der Migräne:

  • Migräne ohne Aura: Auch als gewöhnliche Migräne bekannt.
  • Migräne mit Aura: Auch als klassische Migräne bekannt.

Beide Formen zeichnen sich durch Migräneattacken mit meist starken, oft einseitigen Kopfschmerzen aus, die als pulsierend und pochend wahrgenommen werden und sich bei körperlicher Betätigung verstärken.

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Seltenere Formen der Migräne:

  • Hemiplegische Migräne (Migräne mit motorischer Aura)
  • Vestibuläre Migräne (Schwindel-Migräne)
  • Basilaris-Migräne (Migräne mit Hirnstammaura)

Phasen einer Migräneattacke:

Die Migräneattacken lassen sich in verschiedene Phasen einteilen, die ineinander übergehen:

  1. Vorbotenphase (Prodromalstadium): Unverkennbare Vorboten kündigen die Migräneattacke an. Diese Vorboten sind sehr individuell und können Heißhunger, häufiges Gähnen, Reizbarkeit oder Euphorie umfassen.
  2. Aura (nur bei Migräne mit Aura): Etwa 15 Prozent der Migränepatienten erleben eine Aura unmittelbar vor der Schmerzphase. Die Aura umfasst neurologische Symptome wie Schwindel, Schwächegefühl, Sehstörungen (Doppelbilder, Lichtblitze, Wellenlinien, blinde Flecken), Hörprobleme, Empfindungsstörungen (Parästhesien) und Sprechstörungen. Eine Aura dauert in der Regel nicht länger als eine Stunde.
  3. Schmerzphase: Typisch sind stechende, pochende oder pulsierende Kopfschmerzen, die sich meist einseitig bilden und auf Stirn, Schläfe und Augenbereich ausbreiten. Bei manchen Patienten dehnen sich die Kopfschmerzen auf beide Seiten aus oder wechseln die Seite. Die Schmerzphase dauert in der Regel zwischen vier und 72 Stunden. Häufige Begleitsymptome sind Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit, verstärkte Wahrnehmung von Gerüchen, erschwerte Nasenatmung, Naselaufen und leichtes Augentränen.
  4. Rückbildungsphase (Erholungsphase): Die pochenden Kopfschmerzen gehen in einen gleichbleibenden Schmerz über, der allmählich abklingt. Viele Betroffene haben ein erhöhtes Schlafbedürfnis, bis die Migräneattacke vollständig beendet ist.

Symptome der Migräne

Neben den typischen Kopfschmerzen kann Migräne mit einer Reihe von Begleitsymptomen einhergehen, darunter:

  • Pochende, pulsierende oder stechende Kopfschmerzen, oft einseitig
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Licht- und Lärmempfindlichkeit
  • Verstärkte Wahrnehmung von Gerüchen
  • Erschwerte Nasenatmung und Naselaufen
  • Leichtes Augentränen
  • Appetitlosigkeit
  • Schwindel

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht immer der Kopfschmerz im Vordergrund steht. Bei Kindern kann beispielsweise die abdominelle Migräne (Bauch-Migräne) mit Symptomen wie Appetitlosigkeit und Bauchschmerzen als Vorläufer der klassischen Migräne auftreten.

Diagnose von Migräne

Die Diagnose von Migräne wird in der Regel von einem Neurologen oder Arzt gestellt. Wichtigstes diagnostisches Instrument ist das Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese), in dem die Krankheitszeichen und die Krankengeschichte erfasst werden. Eine neurologische Untersuchung wird auch durchgeführt. In manchen Fällen können weitere Untersuchungen des Gehirns, wie z.B. eine Bildgebung des Kopfes, notwendig sein, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.

Behandlung von Migräne

Da die Migräne eine chronische Erkrankung ist, deren Ursachen noch nicht genau bekannt sind, ist bislang keine Heilung möglich. Es gibt jedoch verschiedene Medikamente und nicht-medikamentöse Maßnahmen, die die Symptome lindern und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern können.

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Akuttherapie:

  • NSAR (Nicht-steroidale Antirheumatika): Bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken können NSAR wie Acetylsalicylsäure (ASS) und Ibuprofen eingesetzt werden.
  • Triptane: Bei mittelschweren bis schweren Migräneattacken sind Triptane die Substanzen mit der besten Wirksamkeit. Sie lindern nicht nur die Kopfschmerzen, sondern auch Begleitsymptome wie Übelkeit und Erbrechen. Triptane sollten früh in der Kopfschmerzphase eingenommen werden.
  • Antiemetika: Medikamente gegen Übelkeit können zusätzlich eingesetzt werden.

Migräne-Prophylaxe:

Eine Migräne-Prophylaxe ist sinnvoll, wenn die Migräneattacken häufig auftreten, lange anhalten oder die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Ziel der Prophylaxe ist es, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Attacken zu reduzieren.

  • Medikamente: Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Migräne-Prophylaxe eingesetzt werden können, darunter Betablocker, Antidepressiva und Antiepileptika. Die neueste Klasse der Migräne-Prophylaktika stellen speziell entwickelte Antikörper dar.
  • Entspannungsverfahren und psychotherapeutische Verfahren: Diese Verfahren helfen den Betroffenen, besser mit Stress und herausfordernden Situationen umzugehen, die eine Migräneattacke triggern können.
  • Ausdauersport: Regelmäßiger Ausdauersport wie Radfahren, Schwimmen und Laufen kann migränevorbeugend wirken.
  • Persönliche Trigger erkennen und vermeiden: Das Erkennen und Vermeiden von individuellen Triggern ist ein wichtiger Bestandteil der Migräne-Prophylaxe.
  • Traditionelle Chinesische Medizin (TCM): Akupunktur, chinesische Ernährung und Bewegung können ebenfalls zur Migräne-Prophylaxe eingesetzt werden.

Migräne-App "M-sense":

Die von der Barmer geförderte Migräne- und Kopfschmerz-App "M-sense" hilft, die individuellen Ursachen festzustellen und den Verlauf der Beschwerden zu analysieren. Die App bietet personalisierte Therapiemethoden und ermöglicht es den Betroffenen, proaktiv gegen Kopfschmerzen vorzugehen. Sie untersucht die Auswirkungen von Umweltfaktoren und individuellem Lebensstil auf Migräne- und Kopfschmerzattacken.

Die Rolle der Barmer

Die Barmer engagiert sich in verschiedenen Bereichen der Migräneversorgung und -prävention:

  • Arztreport: Der BARMER Arztreport bietet einen Überblick zur ambulanten ärztlichen Versorgung in Deutschland und widmet sich dem Schwerpunktthema Kopfschmerz. Er zeigt, dass die Diagnose Kopfschmerz bei jungen Menschen zunimmt und die Verordnungsrate von Migränemitteln gestiegen ist.
  • Förderung von Präventionsangeboten: Die Barmer fördert Präventionsangebote wie die Migräne-App "M-sense", um Betroffenen aus der "Pillenfalle" zu helfen.
  • Integrierte Versorgung: Die Barmer hat mit verschiedenen Kliniken und Ärztenetzwerken Verträge zur integrierten Versorgung von Migränepatienten abgeschlossen.
  • Aktion Mütze: Die Barmer unterstützt das Programm "Aktion Mütze - Kindheit ohne Kopfzerbrechen", ein bundesweites Präventionsprogramm für Schulen, um Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen zu vermeiden.
  • Teledoktor-App: Barmer-Versicherte können sich in der Teledoktor-App zur richtigen Einnahme ihrer Schmerzmittel beraten lassen.
  • 7Mind-App: Barmer-Mitglieder können die 7Mind-App zwölf Monate kostenlos nutzen, um durch Meditation Stress abzubauen und Kopfschmerzen vorzubeugen.
  • Förderung von Selbsthilfegruppen: Die Barmer unterstützt die Erstellung von Selbsthilfegruppen-Rollups und Broschüren zum Thema Migräne.

Regionale Unterschiede bei Migräne

Eine Studie des Barmer-Instituts für Gesundheitssystemforschung zeigt, dass es deutliche regionale Unterschiede bei der Häufigkeit von Migräne gibt. In Bundesländern wie Thüringen ist der Anteil der Betroffenen höher als in Stadtstaaten wie Hamburg und Bremen. Auch innerhalb der Landkreise gibt es große Unterschiede.

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