Bartonella-Infektionen des menschlichen Gehirns: Symptome, Diagnose und Behandlung

Bartonella-Infektionen, die durch Bakterien der Gattung Bartonella verursacht werden, können eine Vielzahl von Symptomen hervorrufen, die über die typischen Manifestationen wie die Katzenkratzkrankheit hinausgehen. In jüngster Zeit wurde die Rolle von Bartonella bei neurologischen und psychiatrischen Störungen zunehmend erkannt. Dieser Artikel beleuchtet die Symptome, Diagnose und Behandlung von Bartonella-Infektionen, die das menschliche Gehirn betreffen, und bietet einen umfassenden Überblick für ein breites Publikum.

Einführung

Bartonella ist eine Gattung von Bakterien, die verschiedene Säugetiere, einschließlich des Menschen, infizieren können. Während einige Bartonella-Infektionen wie die Katzenkratzkrankheit relativ gut bekannt sind, können andere Infektionen subtilere und komplexere Symptome verursachen, insbesondere wenn das Gehirn betroffen ist. Die Fähigkeit von Bartonella, das Nervensystem zu beeinflussen, hat zu einem wachsenden Interesse an ihrer Rolle bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen geführt.

Bartonella quintana und Hirnblutungen

Ein Bericht im Canadian Medical Association Journal (2020; DOI: 10.1503/cmaj.201170) beschreibt Fälle von Bartonella quintana-Infektionen in einer Obdachlosenunterkunft in Winnipeg, Kanada. Bartonella quintana, der Erreger des Wolhynischen Fiebers, das im Ersten Weltkrieg in den Schützengräben grassierte, verursachte bei zwei Patienten eine Endokarditis. Bemerkenswert ist, dass zwei weitere Patienten Hirnblutungen erlitten.

Dieser Fallbericht unterstreicht die potenziellen neurologischen Komplikationen von Bartonella-Infektionen und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der Berücksichtigung von Bartonella als Ursache für Hirnblutungen, insbesondere bei Risikopopulationen wie Obdachlosen mit intravenösem Drogenkonsum.

Symptome von Bartonella-Infektionen des Gehirns

Bartonella-Infektionen können eine Vielzahl von neurologischen und psychiatrischen Symptomen verursachen, darunter:

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  • Neurologische Symptome:
    • Kopfschmerzen
    • Kognitive Schwierigkeiten (z. B. Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten)
    • Sensorische Störungen (z. B. Taubheit, Kribbeln, Brennen)
    • Halluzinationen
    • Teilweise Lähmung
    • Enzephalopathie (Gehirnentzündung)
    • Meningitis (Hirnhautentzündung)
  • Psychiatrische Symptome:
    • Depressionen
    • Angstzustände
    • Panikattacken
    • Persönlichkeitsveränderungen
    • Unruhe
    • Selbstmordgedanken
    • Akut einsetzendes neuropsychiatrisches Syndrom bei Kindern (PANS)

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome unspezifisch sein können und auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. Daher ist eine sorgfältige Abklärung erforderlich, um die Ursache der Symptome zu ermitteln.

Diagnose von Bartonella-Infektionen des Gehirns

Die Diagnose von Bartonella-Infektionen des Gehirns kann eine Herausforderung darstellen, da die Symptome unspezifisch sind und die Bakterien schwer nachzuweisen sein können. Zu den diagnostischen Methoden gehören:

  • Blutuntersuchungen:
    • Nachweis von Antikörpern gegen Bartonella-Arten (z. B. Bartonella henselae, Bartonella quintana)
    • Polymerase-Kettenreaktion (PCR) zum Nachweis von Bartonella-DNA im Blut
  • Liquoruntersuchung:
    • Analyse der Hirnflüssigkeit auf Entzündungszeichen und Bartonella-DNA
    • Metagenomische Next-Generation-Sequencing (mNGS) zur umfassenden Erregerdiagnostik
  • Bildgebende Verfahren:
    • Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns zur Beurteilung von Entzündungen oder anderen Anomalien

Die metagenomische Next-Generation-Sequencing (mNGS) ist eine vielversprechende Technologie zur Diagnose von Infektionen des zentralen Nervensystems (ZNS). Bei diesem Verfahren wird die Hirnflüssigkeit auf verschiedene Erregertypen analysiert, indem zirkulierendes Erbgutmaterial isoliert und sequenziert wird. Anschließend werden diese Sequenzen mit Datenbanken abgeglichen und verschiedenen Organismen zugeordnet.

Eine Studie, die von 2016 bis 2023 durchgeführt wurde, ergab, dass mNGS in 14,4 % der 4.828 untersuchten Proben eine Infektion feststellte. Bei 22 % der Proben identifizierte nur das neue Verfahren den verantwortlichen Erreger. Die Spezifität des Verfahrens war mit 99,6 % sehr hoch, während die Sensitivität bei etwa 63 % lag.

Obwohl mNGS ein wertvolles Werkzeug zur Diagnose von ZNS-Infektionen ist, hat es auch Einschränkungen. Die Analyse dauert derzeit etwa 3,5 Tage, was in Notfallsituationen ein Problem darstellen kann. Darüber hinaus reicht die Sensitivität des Verfahrens möglicherweise nicht aus, um konventionelle mikrobiologische Tests zu ersetzen.

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Behandlung von Bartonella-Infektionen des Gehirns

Die Behandlung von Bartonella-Infektionen des Gehirns kann komplex sein und erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Zu den Behandlungsoptionen gehören:

  • Antibiotika:
    • Doxycyclin
    • Azithromycin
    • Clarithromycin
    • Rifampicin
    • Rifabutin
  • Unterstützende Maßnahmen:
    • Schmerzlinderung
    • Entzündungshemmende Medikamente
    • Psychiatrische Behandlung (z. B. Antidepressiva, Anxiolytika)
    • Immunmodulation

Aufgrund der Fähigkeit von Bartonella, Biofilme zu bilden und intrazellulär zu persistieren, kann eine längere Antibiotikatherapie erforderlich sein. In einigen Fällen kann eine Kombination von Antibiotika erforderlich sein, um die Infektion effektiv zu bekämpfen.

Bartonella und psychiatrische Erkrankungen

In jüngster Zeit wurde die Rolle von Bartonella bei psychiatrischen Erkrankungen zunehmend erkannt. Eine Studie aus dem Jahr 2021 untersuchte den Zusammenhang zwischen Schizophrenie und Bartonella-Infektionen und fand Hinweise darauf, dass Bartonella bei einigen Patienten mit Schizophrenie eine Rolle spielen könnte.

Ein Fallbericht beschreibt eine 31-jährige Patientin, die unter Müdigkeit, Depressionen und Selbstmordgedanken litt. Nachdem andere Ursachen ausgeschlossen wurden, stellte ein Arzt fest, dass die Patientin Antikörper gegen Streptokokken und Anzeichen einer chronischen Infektion aufwies. Eine Antibiotikatherapie führte zu einer deutlichen Verbesserung ihres Zustands.

Diese Fallberichte und Studien deuten darauf hin, dass Bartonella-Infektionen bei Patienten mit psychiatrischen Symptomen in Betracht gezogen werden sollten, insbesondere wenn andere Ursachen ausgeschlossen wurden.

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Bartonella und andere Infektionen

Bartonella-Infektionen können auch mit anderen Infektionen wie Borreliose (Lyme-Krankheit) und Babesiose zusammen auftreten. Es ist wichtig, diese Koinfektionen zu berücksichtigen, da sie die Symptome und die Behandlung beeinflussen können.

Vorbeugung von Bartonella-Infektionen

Einige Maßnahmen können ergriffen werden, um Bartonella-Infektionen vorzubeugen:

  • Vermeidung von Katzenkratzern und -bissen:
    • Vorsichtiger Umgang mit Katzen, insbesondere mit jungen Katzen
    • Waschen von Kratzern und Bissen sofort mit Wasser und Seife
  • Flohbekämpfung:
    • Regelmäßige Flohbehandlung von Haustieren
    • Bekämpfung von Flöhen in der Umgebung
  • Zeckenschutz:
    • Tragen von schützender Kleidung bei Aufenthalten im Freien
    • Verwendung von Zeckenabwehrmitteln
    • Gründliche Suche nach Zecken nach Aufenthalten im Freien
    • Entfernung von Zecken so schnell wie möglich

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