Einklemmung des Beckenbodennervs: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Die Einklemmung eines Nervs im Beckenboden kann eine Vielzahl von belastenden Symptomen verursachen und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und verschiedenen Behandlungsansätze, um Betroffenen ein besseres Verständnis dieser Erkrankung zu ermöglichen und ihnen Wege zu einem schmerzfreieren Leben aufzuzeigen.

Was ist der Beckenboden und welche Funktion hat er?

Der Beckenboden besteht aus Muskeln und Bindegewebe und bildet den Boden der Beckenhöhle. Er erfüllt mehrere wichtige Funktionen, darunter das Tragen von Bauch- und Beckenorganen, die Stuhl- und Urinkontinenz, die Steuerung verschiedener Sexualfunktionen und eine zentrale Rolle bei der Geburt.

Bedingt durch die aufrechte Körperhaltung des Menschen ist die Beckenbodenmuskulatur einem dauerhaften Eingeweidedruck ausgesetzt. Der weibliche Beckenboden wird zusätzlich durch Schwangerschaften und Geburten beansprucht. Auch die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren der Frau beeinflusst die Beschaffenheit des Bindegewebes und schwächt den Beckenboden weiter. Übergewicht, falsche Körperhaltung oder körperliche Überlastung können weitere Ursachen für eine Beckenbodenschwäche sein. In der Folge kann es zu einem Vorfall der Beckenbodenorgane (Blase, Scheide, Gebärmutter, Darm) kommen.

Pudendusneuralgie: Eine häufige Ursache für Nervenkompression im Beckenboden

Die Pudendusneuralgie ist eine seltene, aber äußerst belastende Nervenstörung, die den Pudendusnerv betrifft. Dieser Nerv ist für die Sensibilität und Funktion im Beckenboden zuständig. Die Erkrankung kann sich durch starke, stechende Schmerzen im Dammbereich, brennende Missempfindungen im Genitalbereich oder ein dauerhaftes Fremdkörpergefühl im After äußern.

Ursachen der Pudendusneuralgie

Die Pudendusneuralgie kann verschiedene Ursachen haben:

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  • Mechanischer Druck: Langes Sitzen oder Radfahren können den Nervus pudendus reizen und einklemmen.
  • Operationen oder Geburten: Diese Eingriffe können zu Narbenbildung führen, die den Nerv einengen kann.
  • Verletzungen und Entzündungen: Verletzungen im Beckenbereich oder Entzündungen können den Nerv schädigen.
  • Idiopathisch: In vielen Fällen bleibt die Ursache der Pudendusneuralgie unklar.

Symptome der Pudendusneuralgie

Typisch für die Pudendusneuralgie ist ein einseitiger Schmerz, der beim Sitzen zunimmt und beim Liegen nachlässt. Weitere Symptome können sein:

  • Schmerzen im Becken, die bis in die Hüfte oder den Intimbereich ausstrahlen
  • Brennende, stechende oder drückende Schmerzen
  • Taubheitsgefühle oder Kribbeln im Bereich des Beckens
  • Schmerzen, die sich im Liegen oder Stehen bessern

Diagnose der Pudendusneuralgie

Die Diagnose der Pudendusneuralgie kann eine Herausforderung sein, da die Symptome oft unspezifisch sind und leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden können. Eine genaue Anamnese, klinische urologische und gynäkologische Untersuchung und bildgebende Verfahren (z. B. MRT) können helfen, andere Ursachen auszuschließen. Der entscheidende Test ist die Pudendusblockade, bei der ein Lokalanästhetikum in die Nähe des Nervs gespritzt wird. Führt sie zur Linderung, ist die Diagnose gesichert.

Behandlung der Pudendusneuralgie

Es gibt verschiedene Ansätze für die Behandlung einer Pudendusneuralgie. Je nach Ursache und Schweregrad der Symptome können konservative Methoden wie Physiotherapie und Schmerzmittel helfen. In schweren Fällen kann eine operative Behandlung ratsam sein.

Konservative Behandlungsmethoden

  • Physiotherapie: Spezielle Übungen für den Beckenboden können helfen, die Muskulatur zu entspannen und die Nervenfunktion zu verbessern.
  • Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) oder Opioide können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
  • Pudendusblockade: Die Injektion eines Lokalanästhetikums (ggf. mit Kortison oder Eigenblut) unter Ultraschallkontrolle direkt an den Pudendusnerv kann die Schmerzen sofort lindern und helfen, den Teufelskreis aus Schmerz und Verspannung zu durchbrechen.
  • TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation): Eine Reizstromtherapie, bei der Elektroden an den schmerzenden Stellen aufgeklebt werden, kann die Schmerzweiterleitung ins Gehirn verringern.

Operative Behandlungsmethoden

  • Dekompression des Nervus pudendus (Neurolyse): Bei diesem Eingriff wird der Nerv vom Druck entlastet oder aus einer Einklemmung befreit.
  • Pudendale Neuromodulation (PNM): Ein noch junges Therapieverfahren, bei dem eine dauerhafte Schmerzlinderung durch elektrisch herbeigeführte Veränderung und Unterbrechung der Schmerzempfindung und -weiterleitung über den Schamnerven erzielt wird.

Regenerative Medizin

In chronischen Fällen kann die regenerative Medizin eine Ergänzung zur klassischen Schmerztherapie darstellen:

  • PRP (Platelet-Rich Plasma): Körpereigene Wachstumsfaktoren zur Nervenregeneration.
  • Stammzelltherapie: Autologe mesenchymale Stammzellen aus Fettgewebe oder Knochenmark fördern Heilung und reduzieren Entzündungen.

Weitere Ursachen für Nervenkompression im Beckenboden

Neben der Pudendusneuralgie gibt es weitere Ursachen für Nervenkompressionen im Beckenboden:

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  • Verspannungen des Hüftbeugers (Musculus iliopsoas): Eine Verspannung dieses mächtigen Muskels kann das Becken verdrehen und zu einer Beckenverwringung führen, die wiederum Nerven einklemmen kann.
  • Beckenverwringung: Durch Verspannungen des Musculus iliopsoas kann es zu einer Verdrehung des Beckens kommen, die schmerzhafte Auswirkungen auf Beine, Rücken und Schulter haben kann.
  • Endometriose: Diese gynäkologische Erkrankung kann zu Schädigungen der Beckennerven führen.
  • Operationen im Beckenbereich: Vorangegangene Operationen im Becken können ebenfalls zu Nervenschädigungen führen.
  • Akute Entzündungen sowie chronische Nervenerkrankungen: Diese können ebenfalls zu Schädigungen oder Reizungen von Beckennerven führen.
  • Veränderungen und Verletzungen des Beckenbodens nach Entbindungen: Auch diese können Nerven im Beckenboden beeinträchtigen.

Symptome bei Nervenkompressionen im Beckenboden

Die Symptome bei Nervenkompressionen im Beckenboden können vielfältig sein und hängen von der Ursache und dem betroffenen Nerv ab. Häufige Symptome sind:

  • Chronische Schmerzen im Becken, oft mit Ausstrahlungen in den Rücken, das Gesäß oder die Beine
  • Schmerzen beim Sitzen
  • Schmerzhafte Darmbewegungen und Schmerzen beim Wasserlassen
  • Schwierigkeiten bei der Entleerung des Darms und der Harnblase
  • Gestörte Sexualfunktionen
  • Harn- und Stuhlinkontinenz

Diagnose bei Nervenkompressionen im Beckenboden

Die Diagnose von Nervenkompressionen im Beckenboden kann schwierig sein, da die Symptome oft unspezifisch sind. Neben einer ausführlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung können folgende Diagnoseverfahren eingesetzt werden:

  • Urogynäkologische Untersuchung
  • Proktologische Untersuchung
  • Blasen- und Enddarmspiegelung
  • Ultraschall, CT, MRT
  • Beckenboden-EMG (Elektromyographie der Muskulatur des Beckenbodens)
  • Neurologische Untersuchung des Beckenbodens
  • Operative Abklärung durch eine Bauchspiegelung

Behandlung bei Nervenkompressionen im Beckenboden

Die Behandlung von Nervenkompressionen im Beckenboden richtet sich nach der Ursache und den Symptomen. Neben den bereits erwähnten Behandlungsmethoden bei Pudendusneuralgie können folgende Maßnahmen helfen:

  • Manuelle Therapie: Um die Verspannungen und Fehlfunktionen nachhaltig zu beseitigen, sollte zunächst ihre eigentliche Ursache eingegrenzt und - wenn möglich - behoben werden.
  • Dehn- und Entspannungsübungen: Tägliche Dehn- und Entspannungsübungen zu Hause, kombiniert mit mehrmals wöchentlichen Bewegungsübungen und Manueller Therapie können helfen, die Muskeln rund um das Becken zu lockern.
  • Beckenbodentraining: Gezieltes Beckenbodentraining kann helfen, die Muskulatur zu stärken und Verspannungen zu lösen.
  • Psychologische Begleitung: Eine psychologische Begleitung kann bei der Schmerztherapie helfen, insbesondere bei chronischen Schmerzen.
  • Osteopathie oder Akupunktur: Im Bereich der Alternativmedizin gibt es etwa die Osteopathie oder Akupunktur, die manchen Patienten helfen können, die Schmerzen zu lindern.

Was Sie selbst tun können

Neben den ärztlichen und therapeutischen Maßnahmen können Sie selbst einiges tun, um die Beschwerden zu lindern:

  • Bewegung: Bleiben Sie in Bewegung, so gut es geht. Geeignete Möglichkeiten sind z. B. Spazierengehen, mäßiges Joggen, Walken oder auch angepasstes Yoga und Pilates.
  • Entspannung: Lernen Sie, sich zu entspannen und die Gedanken unter Kontrolle zu bringen, damit sie aus dem Teufelskreislauf Beschwerden - Gedanken - Anspannung herauskommen.
  • Ergonomische Maßnahmen: Sorgen Sie für eine weiche Unterlage beim Sitzen (Kissen).
  • Faszienrolle: Rollen Sie Ihre Oberschenkel mit einer Faszienrolle aus (zwei Mal in der Woche jeweils einige Minuten langsam und in alle Richtungen) und machen Sie die Übungen aus dem Grundprogramm, um Ihre Beine zu entlasten.
  • Ballaststoffreiche Ernährung: Bei chronischer Verstopfung kann das Pressen und der damit verbundene Druck den Pudendusnerv reizen. Maßnahmen dagegen sind genügend Bewegung, Wasser und Ballaststoffe.
  • Sattelanpassung beim Radfahren: Lassen Sie sich im Fachgeschäft einen Sattel anmessen, sodass der passende herausgesucht werden kann.

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