Nervenschaden: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Nervenschäden können vielfältige Ursachen haben und sich durch unterschiedliche Symptome äußern. Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und dem Ausmaß der Schädigung. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Ursachen, Symptome und verschiedene Behandlungsansätze bei Nervenschäden.

Einführung

Nerven spielen eine zentrale Rolle bei der Steuerung von Körperfunktionen, der Übertragung von Sinneswahrnehmungen und der Koordination von Bewegungen. Schädigungen der Nerven können daher erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität haben. Es ist wichtig, die Ursachen und Symptome von Nervenschäden zu verstehen, um eine frühzeitige Diagnose und angemessene Behandlung zu ermöglichen.

Ursachen von Nervenschäden

Nervenschäden können durch verschiedene Faktoren verursacht werden. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:

  • Entzündungen: Verschiedene Auslöser können Nervenentzündungen hervorrufen, darunter Viren und Bakterien. Sind die Nerven selbst entzündet, so nennt man das Polyneuritis. Eine besonders rasch innerhalb von zwei bis drei Tagen auftretende Polyneuritis ist das Guillain-Barré-Syndrom (GBS).
  • Verletzungen: Unfälle können zu direkten Verletzungen von Nerven führen. Nerven können beispielsweise bei Autounfällen geschädigt oder sogar durchtrennt werden.
  • Toxische Substanzen: Alkohol und bestimmte Medikamente können Nervenschäden verursachen.
  • Mechanische Kompression: Eine mechanische Kompression, wie beispielsweise beim Karpaltunnelsyndrom, kann Nerven schädigen. Durch die Einklemmung des Mittelnervs im Handgelenk entstehen Schmerzen, Taubheitsgefühle oder ein Kribbeln in den Fingern.
  • Stoffwechselerkrankungen: Diabetes mellitus ist eine häufige Ursache für Nervenschäden, die als diabetische Neuropathie bezeichnet wird.
  • Vitaminmangel: Ein Mangel an bestimmten Vitaminen, insbesondere Vitamin B12 oder Vitamin B1, kann Nervenschäden verursachen.
  • Neurologische Erkrankungen: Bei vielen neurologischen Krankheiten wie Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) oder Multiple Sklerose können Nervenschädigungen auftreten.
  • Infektionen: Es gibt auch Infektionen (z.B. HIV, Borreliose, Diphterie, Pfeiffersches Drüsenfieber) mit begleitender Polyneuropathie.

Die häufigste Ursache für eine Polyneuropathie sind der Diabetes mellitus oder ein übermäßiger Alkoholkonsum. Die entzündlichen, meist immunvermittelten Polyneuropathien sind mit ca. 20 % seltener. Eine wahrscheinlich weiterhin unterdiagnostizierte Gruppe sind die erblichen Neuropathien. Eine Vielzahl von Medikamenten und weiteren Substanzen kann eine „exotoxische“ Polyneuropathie verursachen. Dazu gehören u.a. verschiedene Chemotherapeutika, Antibiotika, Immun-Checkpoint-Inhibitoren.

Symptome von Nervenschäden

Die Symptome von Nervenschäden können vielfältig sein und hängen davon ab, welche Nerven betroffen sind. Zu den typischen Symptomen gehören:

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  • Gefühlsstörungen: Kribbeln, Missempfindungen, Taubheitsgefühle und Empfindungsstörungen.
  • Schmerzen: Elektrisierende Schmerzempfindungen. Nervenschädigungen gehen meist mit brennenden, kaum erträglichen Schmerzen einher.
  • Muskelschwäche: Einschränkungen in der Feinmotorik (z.B. Zugreifen) und Lähmungserscheinungen.
  • ** vegetative Symptome:** Durchblutungsstörungen und Schweißausbruch.

Die Symptome beginnen meistens an den Füßen, später an den Händen, und steigen dann langsam auf, Richtung Körpermitte. Kribbeln, Stechen, Taubheitsgefühle, Schwellungsgefühle, Druckgefühle, Gangunsicherheit, fehlerhaftes Temperaturempfinden.

Diagnostik von Nervenschäden

Die Diagnostik von Nervenschäden richtet sich nach den jeweiligen Symptomen und der vermuteten Ursache. Um die betroffenen Nervenbahnen zu lokalisieren, stehen verschiedene neurologische bzw. physiologische Analyseverfahren im Vordergrund. Zu den wichtigsten diagnostischen Verfahren gehören:

  • Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten und führt eine neurologische Untersuchung durch, um Muskelkraft, Sensibilität und Reflexe zu prüfen.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Das EMG (Elektromyographie) ist eine Methode zur Messung der elektrischen Muskelaktivität und kann bei der Ursachenforschung helfen. Bei der neurophysiologischen Untersuchung mit Elektroneurographie (ENG) werden mit Stromimpulsen periphere Nerven stimuliert und Antworten von Muskeln oder sensiblen Fasern abgeleitet. Damit lässt sich die Art der Nervenschädigung feststellen. Die Elektromyographie (EMG) untersucht Muskeln mit Nadeln und stellt so das Ausmaß der Schädigung fest.
  • Bildgebende Verfahren: MRT (Magnetresonanztomographie) und Neurosonografie können eingesetzt werden, um die Nerven und umliegenden Strukturen darzustellen.
  • Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können Hinweise auf Entzündungen, Stoffwechselstörungen oder Vitaminmangel liefern.
  • Nervenbiopsie: In einigen Fällen kann eine Nervenbiopsie erforderlich sein, um die Ursache der Nervenschädigung zu klären. Dazu wird eine sogenannte Nerv-Muskel-Biopsie aus dem Schienbein entnommen und feingeweblich untersucht. Hierbei wird festgestellt, ob der Schaden an der Hüllsubstanz des Nerven (Myelin) oder am Nerven selbst entstanden ist. Bei bestimmten Ursachen finden sich zum Beispiel Entzündungszellen oder Amyloid-Ablagerungen.

Behandlung von Nervenschäden

Die Behandlung von Nervenschäden richtet sich nach der Ursache und dem Ausmaß der Schädigung. Nicht immer muss ein Patient, bei dem eine Nervenschädigung vorliegt, zwingend mit starken Schmerzmitteln behandelt werden oder sich gar einer Operation unterziehen. Hier sind einige der wichtigsten Behandlungsansätze:

Behandlung der Ursache

  • Schlaganfall: Ist ein Schlaganfall für die Nervenschädigung verantwortlich, stellt dies einen medizinischen Notfall dar. Eine unverzügliche Therapie (zum Beispiel mit Medikamenten, die das Blutgerinnsel auflösen) ist notwendig.
  • Diabetische Neuropathie: Eine diabetische Neuropathie (Nervenschädigungen infolge der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus) erfordert eine optimale Einstellung der Blutzuckerwerte.
  • Alkoholbedingte Nervenschädigungen: Bei alkoholbedingten Nervenschädigungen ist eine sofortige Alkoholabstinenz erforderlich. Bei starker Abhängigkeit wird meist ein Entzug unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt. Entzugserscheinungen können dann beispielweise mit Medikamenten abgemildert werden. Nach der körperlichen Entgiftung folgt in der Regel eine psychische Entwöhnung. Spezielle Fachkliniken oder Beratungsstellen unterstützen Betroffene dabei, ihren Abstinenzwunsch zu festigen.
  • Vitaminmangel: Ist ein Vitaminmangel (zum Beispiel Vitamin B12 oder Vitamin B1) der Auslöser, müssen Patienten ihre Ernährungsweise ändern oder - unter ärztlicher Aufsicht - Vitaminpräparate einnehmen.
  • Entzündungen: Bei autoimmunvermittelten, entzündlichen Polyneuropathien gibt es verschiedene gegen die Entzündung wirkende Medikamente (Immunglobuline, Kortikoide, Immunsuppressiva). Bei schweren Verläufen kann auch eine Blutwäsche durchgeführt werden.

Schmerztherapie

Nervenschädigungen gehen meist mit brennenden, kaum erträglichen Schmerzen einher. Eine wichtige Säule der Behandlung stellt daher die medikamentöse Schmerztherapie dar. Betroffene sollten mit der Behandlung der Schmerzen möglichst frühzeitig beginnen, da das Nervensystem ansonsten für den Schmerz geradezu sensibilisiert wird. Es kann sich ein Schmerzgedächtnis entwickeln und die Gefahr einer Chronifizierung besteht.

Die medikamentöse Schmerztherapie erfolgt in der Regel stufenweise:

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  • Stufe 1: Leichte Schmerzmittel, wie Acetylsalicylsäure oder Paracetamol. Sie zählen zu den schwächeren Schmerzmitteln und sind meist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.
  • Stufe 2: Mittelstarke Opioide (synthetisch hergestellte Arzneimittel aus Opium). Substanzen dieser Schmerzklasse verschreibt der Arzt, wenn Schmerzmittel der Stufe 1 nicht mehr ausreichen.
  • Stufe 3: Starke Opioide. Beim Einsatz dieser Schmerzmittel ist eine ärztliche Überwachung der Therapie wichtig.

Schmerzmittel sind in Form von Tabletten, Spritzen, Gels oder Wirkstoffpflastern erhältlich.

Neben den klassischen Schmerzmitteln kommen auch andere Medikamente zum Einsatz:

  • Antiepileptika: Ursprünglich zur Therapie epileptischer Anfälle entwickelt, werden die Präparate mittlerweile häufig auch bei Nervenschmerzen angewandt. Sie hemmen übererregte Nervenzellen und verhindern dadurch, dass diese ständige Schmerzsignale aussenden.
  • Antidepressiva: Die zur Behandlung von Depression zugelassenen Arzneimittel wirken nicht nur stimmungsaufhellend, sondern auch schmerzlindern und eignen sich deshalb auch bei neuropathischen Schmerzen. Das gilt insbesondere für trizyklische Antidepressiva, deren Namen sich auf ihre chemisch dreifache Ringstruktur bezieht und die am längsten auf dem Markt sind.
  • Capsaicin: Der natürlich in Chilischoten vorkommende Wirkstoff hat sich ebenfalls bei Nervenschmerzen bewährt. Er deaktiviert hyperaktive Rezeptoren, die Schmerz wahrnehmen, und hemmt somit die Schmerzwahrnehmung.

Der Arzt verordnet in vielen Fällen eine Kombination aus zwei oder mehreren Wirkstoffen. Je nach Ursache verschreiben Ärzte darüber hinaus noch viele weitere Medikamente. Bei Migräne-Schmerzen sind beispielsweise Triptane (gefäßverengende und entzündungshemmende Wirkstoffe) das Mittel der Wahl, bei einem Schlaganfall müssen blutverdünnende Medikamente eingenommen werden. Viele der Medikamente sind verschreibungspflichtig.

Operative Eingriffe

In einigen Fällen kann ein operativer Eingriff erforderlich sein. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn Nerven durch mechanische Kompression geschädigt sind oder wenn Nerven durchtrennt wurden. Fall der Neurochirurg. Erkrankungen in ihrer Komplexität berücksichtigen.

  • Karpaltunnelsyndrom: Stellt sich keine Besserung ein, kann eine operative Freilegung des Nervs zu einer Entlastung führen.
  • Bandscheibenvorfall: Der Mediziner muss dann unter Umständen einen Teil oder die komplette Bandscheibe entfernen.
  • Nervenverletzungen: Im letzten Fall hat der Chirurg die Möglichkeit, die beiden Nervenenden mit einer End-zu-End-Naht wieder zu verbinden. Voraussetzung hierfür ist, dass nicht zu lange gewartet wird. Denn schon nach wenigen Wochen bilden sich die beiden Enden soweit zurück, dass keine direkte Naht mehr möglich ist. Eine therapeutische Option ist in einem solchen Fall eine Nerventransplantation. Der Chirurg benutzt hierfür körpereigenes Nervengewebe des Patienten (meist aus der Wade). Für das Einnähen verwendet er feinste, mit bloßem Auge kaum sichtbare Nähte.
  • Neurodestruktion: In sehr seltenen Fällen und bei sehr starken Schmerzen (zum Beispiel Tumorschmerzen) ist auch eine Neurodestruktion möglich. Bei einem solchen Eingriff werden Nerven beziehungsweise Nervengeflechte durch chemische oder thermische Verfahren zerstört. Zudem ist eine chirurgische Durchtrennung möglich. Dadurch wird die Funktion der Nerven temporär oder langfristig ausgeschalten. Der Eingriff gilt als risikoreich und wird daher nur als letzte Option in Betracht gezogen.

Alternative Behandlungsmethoden

  • Elektrotherapie: Eine alternative Behandlungsmethode ist die Elektrotherapie, bei der elektrische Impulse zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Die häufigste Methode ist die sogenannte epidurale Rückenmarkstimulation (englisch „spinal cord stimulation“, = SCS), bei der durch ein operatives Verfahren mehre Elektroden in den Rücken implantiert werden. Diese stimulieren die hinteren Abschnitte des Rückenmarks. Keine Implantation erfordert hingegen die Transkutane Elektrische Nerven-Stimulation, kurz TENS. Die Elektroden werden direkt an den schmerzhaften Hautregionen angeklebt und sind mit einem kleinen tragbaren Gerät verbunden. Per Knopfdruck lassen sich sanfte elektrische Impulse erzeugen, welche die Schmerzen hemmen sollen. von Nervenschmerzen.
  • Wärme- und Kältebehandlungen: Diese lassen sich sehr leicht in den Alltag integrieren und zu Hause durchführen. Während bei Entzündungen vor allem Kälte (zum Beispiel in Form kalter Kompressen) angewandt werden kann, kann in einigen Fällen auch eine Wärmflasche oder ein warmes Bad als wohltuend empfunden werden. Bei Empfindungsstörungen müssen Sie jedoch sehr vorsichtig sein, um Verbrennungen oder Erfrierungen zu vermeiden.
  • Krankengymnastik und Sporttherapien: Sie zielen darauf, Körperhaltung und Bewegungsabläufe zu trainieren, und nehmen daher vor allem in der Rehabilitation (zum Beispiel nach einem Schlaganfall) einen wichtigen Stellenwert ein. Bewegung stärkt betroffene Muskelgruppen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass durch Sport körpereigene Schmerzhemmstoffe (Endorphine) ausgeschüttet werden.
  • Biofeedback: Hier lernen Betroffene normalerweise unbewusst ablaufende Prozesse (wie die Herzrate oder Hirnströme) des Körpers zu kontrollieren. Beispielsweise sollen Patienten versuchen, die Hauttemperatur und damit einhergehende die Schmerzwahrnehmung zu reduzieren.
  • Psychologische Betreuung: Nervenschmerzen können eine starke psychische Belastung sein. Um Depressionen oder Angststörungen vorzubeugen, kann daher eine psychologische Behandlung sinnvoll sein.
  • Entspannungstechniken: Vielen Menschen helfen Entspannungstechniken wie Meditation, autogenes Training oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen. Sie führen zu einer seelischen sowie gleichzeitig körperlichen Beruhigung und können somit das Wohlbefinden von Betroffenen steigern.
  • Hilfsmittel für den Alltag: Ein zentraler Therapie-Bestandteil bei Nervenschädigungen sind außerdem Hilfsmittel für den Alltag. Bei Menschen mit einer diabetischen Neuropathie besteht beispielsweise eine erhöhte Gefahr von Verletzungen oder Druckstellen und damit von Folgeerkrankungen wie einem diabetischen Fußsyndrom. Noch wichtiger sind Hilfsmittel bei einigen bislang nicht heilbaren neurologischen Erkrankungen. Als Beispiele sind hier die Krankheiten Multiple Sklerose oder Amyotropher Lateralsklerose (ALS) zu nennen. Beide können mit Fortschreiten zu starken Bewegungseinschränkungen, Sprach- und Schluckstörungen sowie Atemschwäche führen. Rollstühle, Sprachcomputer, Türöffnungshilfen und Co.
  • Akupunktur: Die Methode aus der traditionellen chinesischen Medizin setzt auf das Einbringen von Nadeln in die Haut an bestimmten Energiepunkten und eine ganzheitliche Sichtweise zur Linderung der Beschwerden. Bisher gibt es jedoch nicht ausreichende Nachweise, die eine Wirkung gegen Nervenschmerzen belegen.
  • Massagen: Sie fördern die Durchblutung und lockern das Bindegewebe. Massagen werden daher in einigen Fällen als wohltuend empfunden.
  • Homöopathie: Wissenschaftlich gilt die Homöopathie als nicht ausreichend wirksam, dennoch vertrauen viele Menschen auf die „sanfte Behandlungsmöglichkeit“. Auch hier richtet sich die Wahl der Mittel nach der zugrundeliegenden Ursache.

Polyneuropathie

Unter einer Polyneuropathie versteht man eine Gruppe von Erkrankungen, bei denen das periphere Nervensystem außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks geschädigt ist. Die Nerven steuern die Muskeltätigkeit, tragen das Körpergefühl und die Wahrnehmung auf der Haut und beeinflussen die Funktion der inneren Organe. Bei einer Polyneuropathie ist die Reizweiterleitung der Nerven gestört. Reize werden nicht, zu stark oder abgeschwächt an das Gehirn geleitet. Kommandos vom Gehirn werden nicht mehr zuverlässig an die Muskeln und die inneren Organe weitergeleitet.

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Dabei gibt es zwei Möglichkeiten der Schädigung: Bei der demyelinisierenden Polyneuropathie zerfällt die Isolation um die Nervenfasern herum, sodass die elektrischen Impulse in der Nervenfaser nicht mehr richtig weitergeleitet werden. Bei der axonalen Polyneuropathie geht die Nervenfaser selbst kaputt. Beide Formen können auch in Kombination auftreten.

In den meisten Fällen liegt einer Polyneuropathie eine Stoffwechsel-Erkrankung zugrunde. Sie tritt nur selten allein, z.B. als Erbkrankheit auf. Insgesamt gibt es mehr als 2.000 Auslöser für eine Polyneuropathie. Die häufigsten Ursachen sind jedoch mit Abstand Diabetes und Alkoholmissbrauch. Weitere häufigere Ursachen sind: Schilddrüsenerkrankungen, Nierenerkrankungen, Lebererkrankungen, Krebserkrankungen, Medikamente gegen Krebs, Vitaminmangel (Vitamin B12) nach Magen-Operationen o.ä.

Nicht immer lässt sich eine eindeutige Ursache feststellen. Rund 20 Prozent aller Fälle bleiben ungeklärt.

Symptome der Polyneuropathie

  • Motorische Symptome: Muskelzucken, Muskelkrämpfe, Muskelschwäche, Muskelschwund.
  • Autonome Symptome: Herzrhythmusstörungen, Blähgefühl und Appetitlosigkeit, Aufstoßen, Durchfall und Verstopfung im Wechsel, Urininkontinenz, Stuhlinkontinenz, Impotenz, gestörtes Schwitzen, schlechte Kreislaufregulation mit Schwindel beim (raschen) Aufstehen (Orthostase), Schwellung von Füßen und Händen (Wassereinlagerungen).
  • Sensible Symptome: Die Symptome beginnen meistens an den Füßen, später an den Händen, und steigen dann langsam auf, Richtung Körpermitte. Kribbeln, Stechen, Taubheitsgefühle, Schwellungsgefühle, Druckgefühle, Gangunsicherheit, fehlerhaftes Temperaturempfinden.

Behandlung der Polyneuropathie

Am besten lässt sich eine Polyneuropathie therapieren, wenn wir die Ursache herausgefunden haben und behandeln können. Aber auch dann braucht es viele Wochen bis Monate, bis sich die Nerven erholen. Bei der Behandlung der Polyneuropathie durch Diabetes, steht die Behandlung des Diabetes im Vordergrund: Durch die Senkung Ihres Blutzuckers verhindern wir ein Voranschreiten der Erkrankung. Durch eine richtige Fußhygiene verhindern wir eine Entzündung oder unbemerkte Verletzungen. Die Schmerzen behandeln wir sowohl medikamentös als auch physikalisch.

Für eine erfolgreiche Therapie von alkoholbedingter Polyneuropathie ist eine absolute Alkoholabstinenz notwendig. Wir gleichen ggf. Ihre Vitamindefizite durch hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel aus. Die Schmerzen behandeln wir sowohl medikamentös als auch physikalisch. Auch wenn die Ursache Ihrer Erkrankung nicht eindeutig sein sollte, kann man Polyneuropathie symptomatisch behandeln. Dazu nutzen wir vor allem physikalische Therapie und Medikamente: In der physikalischen Therapie können wir vor allem sensible und motorische Symptome lindern. Dazu nutzen wir Bäder, Elektrotherapie und Wärmeanwendungen In der Krankengymnastik, der Sporttherapie und der medizinischen Trainingstherapie (spezielles Krafttraining) lernen Sie spezielle Übungen und stärken Ihre geschwächte Muskulatur. Herkömmliche Schmerzmittel zeigen bei Nervenschmerzen kaum Wirkung. Besser wirken Medikamente, die ursprünglich gegen Epilepsie und gegen Depression entwickelt wurden. Außerdem behandeln wir mögliche Begleiterscheinungen der Polyneuropathie bzw. ihrer Therapie: Bei Magen- und Darmproblemen helfen häufigere, aber kleinere Mahlzeiten. Übelkeit und Durchfall behandeln wir mit Medikamenten. Schwindel und körperliche Schwäche behandeln wir mit Stützstrümpfen und regelmäßigem Muskeltraining. Bestimmte Medikamente können Impotenz auslösen. Wirkstoffe wie Sildenafil können die Beschwerden lindern.

Neuropathie und neuropathischer Schmerz

Mit dem Begriff Neuropathie fassen Mediziner eine Reihe von Erkrankungen des peripheren Nervensystems zusammen. Nervenschädigungen können durch viele Mechanismen entstehen. Wir haben uns spezialisiert auf die sogenannte „Chemotherapie-assoziierte Neuropathie“ und verwandte Neuropathie-Formen sowie teilweise auf neuropathische Schmerzen.

Es gibt eine Vielzahl von Ursachen und Ausprägungsformen. Wir konzentrieren uns auf zwei verschiedene Spielarten: die sensible Neuropathie mit Gefühlsstörungen und Missempfindungen den neuropathischen Schmerz.

Typische Beschwerden

  • Sensible Neuropathie: Typischerweise durch schädigende Stoffe, wie Chemotherapeutika, Alkohol aber auch Diabetes hervorgerufen. Typisch sind Pelzigkeit und Taubheit der Haut, aber auch Kribbeln. Dies hat Folgen für den Alltag: Die taktile Funktion (Fähigkeit kleine Gegenstände zu tasten), die Feinmotorik (Fähigkeit, mit feinen Dingen zu hantieren), aber auch der Gleichgewichtssinn können gestört sein. Wenn z.B. die Rückmeldung über die Position des Körpers aus den Fußsohlen fehlt, ist die Gangkoordination erschwert.
  • Neuropathischer Schmerz: Auch für den neuropathischen Schmerz gibt es eine Vielzahl von Ursachen: Entweder durch Schädigung peripherer Nerven oder auch durch Systemerkrankungen, wie multiple Sklerose oder Verletzungen. Ein klassischer neuropathischer Schmerz ist auch die sogenannte „Post-Zoster-Neuralgie“ nach durchgemachter Gürtelrose. Der Neuropathische Schmerz hat typischerweise eher einen grellen, brennenden, stechenden, meist einschießenden Charakter, ist oft symmetrisch an Händen und Füßen, kann aber auch im Bereich bestimmter Nervenversorgungsgebiete auftreten, oft schon Schmerzen bei leichter Berührung.

Behandlung von Neuropathie und neuropathischem Schmerz

Bei den meisten Patienten ist die Ursache der Nervenschädigung bereits bekannt. Wir können uns also von Beginn an auf die Therapie konzentrieren. Dies tun wir in einem interdisziplinären Team aus Ärzten, Psychologen, Physiotherapeuten, Sporttherapeuten, algesiologischem Fachpersonal und Ergotherapeuten. Wir behandeln nach einem ganzheitlichen Therapiekonzept mit mehreren Methoden gleichzeitig, eingebunden in die generelle Zielorientierung der Rehabilitation:

  • Medikamentöse Therapie: Klassische Schmerzmittel wirken bei neuropathischem Schmerz meistens nicht. Allerdings zeigen sich andere Medikamente als wirkungsvoll. Zur Behandlung von neuropathischem Schmerz nutzen wir überwiegend Antiepileptika, Antidepressiva und Opiate. Für die sensible Neuropathie gibt es keine speziellen Medikamente.
  • Physiotherapie/ Krankengymnastik: In der Physiotherapie und Krankengymnastik lernen Sie einzeln oder in der Gruppe verschiedene Techniken und Übungen kennen, mit denen Sie Ihre Gefühlsstörung, Gleichgewichts- oder Bewegungsfunktionen wieder verbessern können.
  • Ergotherapie: In der Ergotherapie wenden wir gestalterische und handwerkliche Techniken an, um die Feinmotorik und das Tastvermögen wieder zu stärken.
  • Psychologische Therapie: Wir bieten psychologische Unterstützung in Einzel- oder Gruppentherapie.
  • Patientenschulung und Selbsthilfe: In regelmäßigen Schulungen und Seminaren zeigen wir Ihnen einen bewussten Umgang mit Ihrer Erkrankung. Gleichzeitig lernen Sie, einen gesunden Lebensstil anzunehmen.

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