Ergotherapie-Assessment beim Schlaganfall: Ein umfassender Überblick

Ein Schlaganfall ist ein einschneidendes Ereignis, das das Leben eines Menschen von einer Sekunde auf die andere dramatisch verändern kann. Die Ergotherapie spielt eine zentrale Rolle im Rehabilitationsprozess, um verlorene Fähigkeiten wiederzuerlangen und die Selbstständigkeit im Alltag zurückzugewinnen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die ergotherapeutische Befundung beim Schlaganfall.

Einführung in die Ergotherapie nach Schlaganfall

Die Ergotherapie ist eine Therapieform, die sich auf die Wiederherstellung, Verbesserung und Erhaltung der Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit in Alltagssituationen konzentriert. Sie zielt darauf ab, Menschen jeden Alters, die durch Krankheit, Verletzung oder Behinderung in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt sind, bei der Durchführung von für sie bedeutungsvollen Tätigkeiten in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit/Erholung zu unterstützen.

Nach einem Schlaganfall ist eine frühzeitig einsetzende, intensive und umfassende Rehabilitation entscheidend, um verlorengegangene Funktionen bestmöglich wiederherzustellen, Kompensationsstrategien zu erlernen und somit Langzeitfolgen zu minimieren und die Teilhabe am Leben wieder zu ermöglichen.

Der Schlaganfall und seine Folgen

Ein Schlaganfall, medizinisch auch als apoplektischer Insult oder Zerebralinsult bezeichnet, ist ein plötzliches, oft dramatisches neurologisches Ereignis. Er entsteht, wenn die Blutversorgung eines Teils des Gehirns abrupt unterbrochen wird oder wenn eine Blutung im Gehirn auftritt. Die betroffenen Gehirnzellen erhalten nicht mehr ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe, was zum Absterben von Hirngewebe und Funktionsausfällen führt.

Die Folgen eines Schlaganfalls sind vielfältig und individuell sehr unterschiedlich:

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  • Motorische Einschränkungen: Lähmung oder Schwäche einer Körperhälfte (Hemiparese oder Hemiplegie) mit Schwierigkeiten bei Grob- und Feinmotorik.
  • Sensorische Störungen: Veränderungen der Sinneswahrnehmung wie Taubheit, Kribbeln, Missempfindungen oder verändertes Schmerz- und Temperaturempfinden.
  • Visuelle Probleme: Gesichtsfeldausfälle (Hemianopsie).
  • Kognitive Defizite: Gedächtnisprobleme, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, verlangsamte Informationsverarbeitung, Einschränkungen der exekutiven Funktionen.
  • Schwierigkeiten bei Alltagsaktivitäten (ADL): Probleme bei der Durchführung alltäglicher Verrichtungen.
  • Sprach- und Schluckstörungen: Aphasie (Störung des Sprachverständnisses oder der Sprachproduktion), Dysarthrie (Sprechstörung) oder Dysphagie (Schluckstörung).

Angesichts dieser potenziell schwerwiegenden und vielfältigen Folgen wird deutlich: Eine frühzeitig einsetzende, intensive und umfassende Rehabilitation ist nach einem Schlaganfall absolut entscheidend. Sie zielt darauf ab, verlorengegangene Funktionen bestmöglich wiederherzustellen, Kompensationsstrategien zu erlernen und somit Langzeitfolgen zu minimieren und die Teilhabe am Leben wieder zu ermöglichen.

Ergotherapie in der neurologischen Rehabilitation

Ergotherapie zielt darauf ab, Menschen jeden Alters, die durch Krankheit, Verletzung oder Behinderung in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt sind, dabei zu unterstützen, für sie bedeutungsvolle Tätigkeiten in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit/Erholung zu stärken und eine größtmögliche ressourcenorientierte Handlungsfähigkeit herzustellen.

Im spezifischen Kontext der neurologischen Rehabilitation nach einem Schlaganfall verfolgt die Ergotherapie klare, auf die typischen Folgen des Ereignisses zugeschnittene Ziele:

  • Wiedererlangung und Verbesserung motorischer Fähigkeiten.
  • Verbesserung der sensorischen Verarbeitung und Wahrnehmung.
  • Training kognitiver Funktionen im konkreten Handlungsbezug.
  • Förderung der größtmöglichen Selbstständigkeit bei Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL).

Die Ergotherapie betrachtet den Menschen ganzheitlich und berücksichtigt neben den körperlichen und kognitiven auch die psychischen und sozialen Aspekte der Krankheitsbewältigung.

Die ergotherapeutische Befundaufnahme

Die Ergotherapie nach einem Schlaganfall beginnt immer mit einer umfassenden und differenzierten Befunderhebung. Bereits am Tag nach der stationären Aufnahme auf die Stroke Unit erfolgt bettseitig eine ausführliche ergotherapeutische Befundaufnahme. Auf Basis dieser Befunde wird gemeinsam mit dem Patienten ein individueller Therapieplan erstellt. Dieser orientiert sich an den spezifischen Problemen und vor allem an den persönlichen Zielen des Patienten.

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Die Befundung ist der entscheidende erste Schritt und bildet das unumstößliche Fundament jeder erfolgreichen Ergotherapie. Sie stellt die Weichen für den gesamten nachfolgenden Therapieprozess und ist somit von zentraler Bedeutung für den Behandlungserfolg. Die Befundung in der Ergotherapie bezeichnet den systematischen und zielgerichteten Prozess der Erhebung, Analyse und Interpretation relevanter Informationen über eine Klientin oder einen Klienten. Dieser Prozess umfasst weit mehr als nur das Erkennen von Defiziten. Er schließt gezielte Beobachtungen des Klienten in relevanten Situationen, ausführliche Gespräche zur Anamneseerhebung (Erfassung der Krankengeschichte, des sozialen Umfelds, der bisherigen Erfahrungen und der persönlichen Ziele) sowie den gezielten Einsatz spezifischer, häufig standardisierter Testverfahren und Assessments mit ein. Das primäre Ziel dieser umfassenden Datensammlung ist es, ein klares Bild der individuellen Stärken und Ressourcen, der vorhandenen Einschränkungen und Schwächen, der konkreten Betätigungsanliegen und der daraus abgeleiteten Therapieziele des Klienten zu gewinnen. Die Relevanz einer strukturierten und sorgfältig durchgeführten Befundung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie ist absolut unerlässlich für die Entwicklung effektiver, maßgeschneiderter Behandlungspläne, die exakt auf die Bedürfnisse und Ziele des einzelnen Klienten zugeschnitten sind. Darüber hinaus sichert eine qualitativ hochwertige Befundung die Nachvollziehbarkeit, Transparenz und somit die Gesamtqualität der ergotherapeutischen Intervention.

Ziele der Befundung

  • Informationsgewinnung: Das primäre Ziel ist das systematische Sammeln relevanter Daten über den Klienten.
  • Hypothesenbildung: Auf Basis der gesammelten Informationen entwickeln Ergotherapeut:innen fundierte Annahmen (Hypothesen) über die möglichen Ursachen der beobachteten Betätigungsprobleme oder Leistungseinschränkungen.
  • Zielformulierung: Ein zentrales, klientenzentriertes Ziel ist die gemeinsame Festlegung von realistischen, messbaren, erreichbaren, relevanten und terminierten (SMART) Therapiezielen. Dieser Prozess erfolgt in enger Absprache mit dem Klienten (und ggf.
  • Therapieplanung: Die Ergebnisse der Befundung und die formulierten Ziele bilden die direkte Grundlage für die Erstellung eines individuellen, maßgeschneiderten Interventionsplans.
  • Evaluation (Verlaufs- und Abschlussbefund): Die Befundung dient nicht nur als Ausgangspunkt, sondern auch zur kontinuierlichen Überprüfung des Therapieverlaufs (Verlaufsbefund) und zur abschließenden Bewertung der Zielerreichung (Abschlussbefund).

Begrifflichkeiten

  • Befundung: Dies ist der übergeordnete, umfassende und dynamische Prozess der Informationssammlung, -analyse und -interpretation in der Ergotherapie.
  • Assessment: Ein Assessment ist ein spezifisches Instrument, ein Werkzeug oder eine Methode, das innerhalb des Befundungsprozesses eingesetzt wird. Häufig handelt es sich dabei um standardisierte Testverfahren, strukturierte Beobachtungsprotokolle oder systematische Befragungen (z.B. Fragebögen, Interviews). Assessments sind somit wichtige Werkzeuge, die im Rahmen der umfassenderen Befundung eingesetzt werden, um objektive, reliable und valide Daten zu gewinnen. Sie ergänzen die nicht-standardisierten Methoden wie das Gespräch oder die freie Beobachtung und tragen zu einer fundierten klinischen Entscheidungsfindung bei.

Arten von Befundungen

  • Erstbefund: Dieser findet zu Beginn der Therapie statt und dient der umfassenden Bestandsaufnahme.
  • Verlaufsbefund (Re-Assessment): Während des laufenden Therapieprozesses werden in regelmäßigen Abständen Verlaufsbefunde durchgeführt. Diese dienen dazu, Fortschritte zu überprüfen, die Wirksamkeit der Interventionen zu bewerten, die Therapieziele bei Bedarf anzupassen und die weitere Planung zu justieren.
  • Abschlussbefund: Am Ende der Therapie oder eines Therapieabschnitts erfolgt der Abschlussbefund. Er dient der Evaluation der gesamten Intervention, der Dokumentation des erreichten Status im Vergleich zum Ausgangsbefund und der Formulierung von Empfehlungen für das weitere Vorgehen (z.B.

Methoden der ergotherapeutischen Befundung

Die Ergotherapie bedient sich einer breiten Palette an Methoden zur Befundung, um der Komplexität menschlicher Betätigung und den individuellen Bedürfnissen der Klient:innen gerecht zu werden.

Nicht-standardisierte Verfahren

Diese Methoden zeichnen sich durch ihre Flexibilität aus. Sie folgen keinen starren Regeln bezüglich Durchführung, Auswertung oder Interpretation.

  • Freie Verhaltensbeobachtung: Gezieltes Beobachten des Klienten während bedeutungsvoller Alltagsaktivitäten (z.B. Anziehen, Essen zubereiten, Schreiben) in einer möglichst natürlichen Umgebung.
  • (Teil-)Strukturiertes Anamnesegespräch: Systematisches Erfragen der Krankheitsgeschichte (Anamnese), der aktuellen Beschwerden, der sozialen Situation, der bisherigen Therapien, der Erwartungen und der persönlichen Ziele des Klienten.

Nicht-standardisierte Verfahren eignen sich besonders gut, um die individuellen Lebensumstände, die persönliche Motivation, subjektive Problemwahrnehmungen, kulturelle Hintergründe und die spezifischen Betätigungsanliegen und Ziele des Klienten zu erfassen.

Standardisierte Verfahren (Assessments)

Hierbei handelt es sich um Methoden mit exakt festgelegten Vorgaben zur Durchführung (Materialien, Instruktionen, Zeitrahmen), Auswertung (Scoring, Punktwerte) und Interpretation (Normwerte, Cut-off-Werte). Standardisierte Assessments und Testverfahren dienen der gezielten, quantifizierbaren Messung spezifischer Fähigkeiten, Funktionen oder Defizite. Ihre Ergebnisse sind vergleichbar - sowohl über die Zeit bei demselben Klienten (Verlaufskontrolle) als auch zwischen verschiedenen Klienten oder im Vergleich zu einer Normstichprobe.

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  • Beobachtungsbasierte Assessments: Hierbei wird das Verhalten oder die Performanz des Klienten bei der Durchführung spezifischer, vorgegebener Aufgaben oder Aktivitäten systematisch beobachtet und anhand definierter Kriterien bewertet.
  • Interviewbasierte Assessments: Diese nutzen strukturierte oder semi-strukturierte Interviewleitfäden, um systematisch Informationen direkt vom Klienten (oder Bezugspersonen) zu erheben.
    • Beispiel: Das Canadian Occupational Performance Measure (COPM) ist ein weit verbreitetes, klientenzentriertes Assessment. Es erfasst mittels eines semi-strukturierten Interviews die vom Klienten selbst benannten Problembereiche in den Kategorien Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit. Der Klient bewertet anschließend die Wichtigkeit dieser Betätigungen sowie seine aktuelle Performanz und Zufriedenheit damit.
  • Fragebögen: Standardisierte Fragebögen können zur Selbstbeurteilung durch den Klienten oder zur Fremdbeurteilung durch Angehörige oder Therapeut:innen eingesetzt werden. Sie erfassen häufig Symptome (z.B. Schmerz, Müdigkeit), spezifische Fähigkeiten (z.B. Selbstständigkeit im Alltag), psychische Zustände (z.B.

Bereiche der ergotherapeutischen Befundung beim Schlaganfall

Bei der ergotherapeutischen Befundaufnahme nach einem Schlaganfall werden verschiedene Bereiche untersucht:

  • Motorische Fähigkeiten:
    • Lähmungen (Paresen) der oberen Extremitäten
    • Feinmotorikstörungen
    • Koordinationsstörungen bzw. ungeschicktes Hantieren
    • Verändertes Schriftbild (Graphomotorik Störung)
  • Sensorische Fähigkeiten:
    • Sensibilitätsstörungen wie Gefühlsstörungen, Missempfindungen, Kribbeln, Taubheitsgefühl
    • Störung des Temperaturempfindens oder Vibrationsempfindens
  • Neuropsychologische Fähigkeiten:
    • Neglect (Aufmerksamkeitsstörung einer Körper-/ Raumhälfte)
    • Apraxie (Störung von Handlungsabläufen / Fehlhandlungen)
    • Visuelle Wahrnehmungsstörungen und Sehstörungen (Gesichtsfelddefekt oder erkennen von Gegenständen, Entfernungen einschätzen)
  • Kognitive Leistungen / Exekutive Funktionen:
    • Diagnostik von kognitiven Leistungen / Exekutive Funktionen z.B.
  • Alltagsaktivitäten (ADL):
    • Diese Assessments beurteilen die Fähigkeit einer Person, grundlegende (Basis-ADL, z.B. Waschen, Anziehen, Essen) oder instrumentelle (IADL, z.B.

Beispiele für Assessments

  • Nine Hole Peg Test und Box and Block Test: Diese Tests sind schnell durchzuführen und eignen sich zur Erfassung von Feinmotorikstörungen.
  • Geldzähltest: Hierbei soll der Patient aus einer Geldbörse in einer bestimmten Zeit 9,80€ auszählen.
  • Dynamometer: Misst die Handkraft.
  • Tests zur Aufmerksamkeit: Z.B. Tests zur Überprüfung der Aufmerksamkeit.

Gütekriterien von Assessments

  • Objektivität: Die Ergebnisse sind unabhängig von der Person, die den Test durchführt, auswertet und interpretiert.
  • Reliabilität (Zuverlässigkeit): Das Verfahren misst konsistent und zuverlässig. Bei wiederholter Anwendung unter gleichen Bedingungen sollten ähnliche Ergebnisse erzielt werden (z.B.
  • Validität (Gültigkeit): Das Verfahren misst tatsächlich das Konstrukt (z.B. Fähigkeit, Merkmal), das es messen soll. Es gibt verschiedene Arten der Validität (z.B. Ergotherapeut:innen müssen die Gütekriterien der von ihnen eingesetzten Testverfahren kennen und kritisch bewerten. Dies ist notwendig, um die Eignung eines Assessments für die spezifische diagnostische Fragestellung und den individuellen Klienten beurteilen zu können und den Einsatz fachlich zu rechtfertigen.

Auswahl der geeigneten Befundmethoden

Die Vielfalt an verfügbaren Befundmethoden, von flexiblen Gesprächen bis hin zu hoch standardisierten Testverfahren, stellt Ergotherapeut:innen vor die Aufgabe, für jede Klientin und jeden Klienten die am besten geeignete Strategie auszuwählen.

Faktoren bei der Auswahl

  • Klient*in: Die individuellen Merkmale des Klienten sind zentral.
    • Diagnose und Krankheitsbild: Bestimmte Diagnosen (z.B.
    • Kognitive und physische Fähigkeiten: Der Klient muss in der Lage sein, die Anforderungen des gewählten Verfahrens zu erfüllen (z.B.
    • Kultureller Hintergrund und Sprache: Verfahren sollten kulturell fair sein und Sprachbarrieren berücksichtigen.
  • Konkrete Fragestellung: Was genau soll durch die Befundung herausgefunden werden? Geht es um ein breites Screening, die detaillierte Analyse einer spezifischen Funktionsstörung (z.B. Feinmotorik), die Erfassung der Alltagsperformance, die gemeinsame Zieldefinition oder die Evaluation eines Therapieerfolgs?
  • Einarbeitungsaufwand: Kennt die Therapeutin oder der Therapeut das Verfahren?

Die Auswahl der geeigneten Befundungsmethode(n) ist letztlich mehr als nur das Abhaken einer Checkliste. Sie erfordert die klinische Urteilsbildung (Clinical Reasoning) des Ergotherapeuten. In der Praxis ist selten eine einzelne Methode ausreichend. Vielmehr ist oft eine Kombination aus nicht-standardisierten und standardisierten Verfahren am sinnvollsten, um ein umfassendes und aussagekräftiges Bild des Klienten zu erhalten. Das Anamnesegespräch und die freie Beobachtung liefern qualitative, kontextbezogene Informationen und bauen die therapeutische Beziehung auf. Der Therapeut oder die Therapeutin muss das notwendige Fachwissen besitzen, um die Stärken und Schwächen verschiedener Verfahren zu kennen, ihre Gütekriterien zu bewerten und sie situationsgerecht und kompetent auszuwählen, anzuwenden und - ganz entscheidend - die Ergebnisse korrekt zu interpretieren und in den Gesamtkontext einzuordnen.

Dokumentation der Befundung

Eine sorgfältige und umfassende Dokumentation der Befundung ist keine optionale Zusatzaufgabe, sondern ein integraler und unverzichtbarer Bestandteil des professionellen ergotherapeutischen Handelns.

Gründe für eine sorgfältige Dokumentation

  • Nachvollziehbarkeit und Transparenz: Eine lückenlose Dokumentation macht den gesamten Prozess der Befundung - von der Informationssammlung über die Interpretation bis zur Zielsetzung - transparent und nachvollziehbar.
  • Rechtliche Absicherung: Die Dokumentation dient als wichtiger Nachweis der durchgeführten diagnostischen Maßnahmen und der fachlichen Sorgfalt.
  • Kommunikation im Team: Gerade im interdisziplinären Kontext (z.B. in Kliniken, Reha-Zentren) ist eine klare Dokumentation unerlässlich für den effektiven Informationsaustausch zwischen verschiedenen Berufsgruppen (Ärzt:innen, Physiotherapeut:innen, Pflegekräfte, Logopäd:innen etc.).
  • Grundlage für Berichte: Die Befundungsdokumentation ist die direkte Basis für das Verfassen von Verlaufs- und Abschlussberichten.
  • Qualitätsmanagement und Reflexion: Eine systematische Dokumentation ermöglicht die Evaluation der eigenen therapeutischen Arbeit und der Qualität der erbrachten Leistungen.
  • Therapieplanung und -anpassung: Die dokumentierten Befundergebnisse, Hypothesen und Ziele bilden die Grundlage für die fortlaufende Planung der Interventionen.

Inhalte der Dokumentation

  • Anamnese: Zusammenfassung der relevanten Informationen aus dem Anamnesegespräch.
  • Beobachtungen: Prägnante Beschreibung relevanter Beobachtungen (z.B.
  • Ergebnisse standardisierter Verfahren: Genaue Angabe der eingesetzten Assessments und Testverfahren sowie deren quantifizierbare Ergebnisse (z.B.
  • Interpretation der Ergebnisse (Klinische Urteilsbildung): Die reine Auflistung von Daten reicht nicht aus.
  • Datum und Unterschrift: Jede Dokumentation muss datiert und von der verantwortlichen Therapeutin bzw.

Die Dokumentation fungiert als essenzielles Bindeglied im therapeutischen Prozess. Sie verbindet die Phase der Befundung (Informationssammlung und -analyse) mit der Phase der Therapieplanung und -durchführung sowie der abschließenden Evaluation und Berichterstattung. Sie macht den oft komplexen Denk- und Entscheidungsprozess der Ergotherapeut:innen sichtbar, nachvollziehbar und überprüfbar.

Herausforderungen bei der Befundung

Obwohl die Befundung ein zentraler Pfeiler der Ergotherapie ist, stellt ihre Durchführung im therapeutischen Alltag Praktiker:innen immer wieder vor Herausforderungen.

  • Zeitmangel: Der wohl am häufigsten genannte Faktor. Im eng getakteten Praxis- oder Klinikalltag stehen oft nur begrenzte Zeitfenster für die initiale Befundung zur Verfügung. Die Durchführung umfassender Gespräche und zeitintensiver Assessments kann unter diesem Druck leiden.
  • Ressourcenmangel: Nicht jede Einrichtung verfügt über eine breite Auswahl an aktuellen Assessment-Instrumenten oder die finanziellen Mittel zur Anschaffung. Fehlende oder ungeeignete Räumlichkeiten können die Durchführung bestimmter Tests behindern.

Strategien zur Bewältigung von Herausforderungen

  • Strukturierte Planung und Vorbereitung: Nehmen Sie sich bewusst Zeit für die Planung der Befundung. Überlegen Sie vorab, welche Informationen zentral sind und welche Methoden (Gespräch, Beobachtung, spezifische Assessments) am wahrscheinlichsten relevante Daten liefern werden.
  • Priorisierung und Fokussierung: Nicht jede Befundung muss alle denkbaren Aspekte abdecken. Legen Sie den Fokus auf die Informationen, die für den spezifischen Auftrag (z.B. laut ärztlicher Verordnung) und die drängendsten Probleme des Klienten am relevantesten sind.
  • Sinnvolle Kombination von Methoden: Nutzen Sie die Stärken verschiedener Ansätze.
  • Digitale Hilfsmittel prüfen: Moderne Technologien können unterstützen.
  • Klare Kommunikation mit dem Klienten: Erklären Sie dem Klienten zu Beginn den Zweck und den Ablauf der Befundung. Besprechen Sie gemeinsam, welche Bereiche untersucht werden und warum.
  • Kontinuierliche Weiterbildung: Die Landschaft der Assessments und Testverfahren entwickelt sich ständig weiter. Besuchen Sie regelmäßig Fortbildungen, lesen Sie Fachartikel und informieren Sie sich über neue, evaluierte Instrumente und aktuelle Befundmethoden.
  • Kollegialer Austausch und Supervision: Nutzen Sie Fallbesprechungen im Team, um komplexe Befundsituationen zu diskutieren, sich über geeignete Assessments auszutauschen oder Unterstützung bei der Interpretation von Ergebnissen zu erhalten.

Therapieansätze in der Ergotherapie

Die Therapieansätze in der Ergotherapie sind vielfältig und werden individuell auf den Patienten abgestimmt:

  • Arm-Robot-Therapie: Diese Therapie kann für Menschen mit lähmungsbedingten Bewegungsstörungen im Arm beziehungsweise der Hand sinnvoll sein. Mit Hilfe des Arm-Roboters soll die Ansteuerung des Armes und der Hand bei Schweren Lähmungen wiedererreicht werden.
  • Aufgabenorientiertes Training (AOT): AOT kommt unter anderem für Menschen mit grob- und feinmotorischen Störungen infrage, wie sie zum Beispiel bei einer halbseitigen Lähmung auftreten. Ziel ist es, die einzelne Bewegungsabläufe zu verbessern.
  • Bobath-Konzept: Das Bobath-Konzept wird zur Befundaufnahme und Behandlung von Menschen mit Störungen des Muskeltonus verwendet. Ziel der Bobath-Therapie ist die Verbesserung der funktionellen Fähigkeiten, sodass der Patient wieder am täglichen Leben teilnehmen kann.
  • Constraint-Induced Movement Therapy (CIMT): CIMT ist sinnvoll, wenn ein Arm nicht in vollem Umsatz einsatzfähig ist und die Betroffenen diese Seite oft bei ihren Alltagstätigkeiten vernachlässigen. Ziel ist es, den verstärkten Einsatz des betroffenen Armes im Alltag zu fördern.
  • Elektrostimulation: Die Elektrotherapie kann dabei helfen, Bewegungsabläufe mit Unterstützung von Elektrostimulation wieder zu erlernen.

Gangrehabilitation

  • Laufbandtraining: Das Laufbandtraining hilft vor allem bei der Verbesserung der Gehgeschwindigkeit. Zusätzlich wird die Ausdauer verbessert.
  • Roboter bzw. elektromechanische Geräte: Diese Geräte helfen Betroffenen, wieder gehen zu lernen.

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