Kopfschmerzen und Migräne können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Viele Menschen suchen nach sanften und natürlichen Methoden, um diese Beschwerden zu lindern. Akupressur, eine traditionelle chinesische Heilmethode, bietet hier eine vielversprechende Möglichkeit. Dieser Artikel beleuchtet, wie Akupressur und andere Hausmittel bei der Behandlung von Migräne und Kopfschmerzen eingesetzt werden können.
Was ist Akupressur?
Akupressur ist eine Heilmethode, die Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist. Sie basiert auf der Vorstellung, dass der Körper von einem Netzwerk von Energiebahnen, den sogenannten Meridianen, durchzogen ist. In diesen Meridianen fließt die Lebensenergie, das Qi. Wenn der Qi-Fluss gestört ist, können Beschwerden wie Kopfschmerzen auftreten.
Die Akupressur zielt darauf ab, den Qi-Fluss wieder in Gang zu bringen und die Energie anzuregen oder zu dämpfen. Dies geschieht durch die Stimulation bestimmter Akupressurpunkte, die entlang der Meridiane liegen. Durch Fingerdruck, Reiben, Pressen oder Massieren dieser Punkte können Blockaden gelöst und der Energiefluss harmonisiert werden.
Akupressurpunkte zur Behandlung von Kopfschmerzen
Es gibt verschiedene Akupressurpunkte, die bei Kopfschmerzen und Migräne hilfreich sein können. Hier sind einige der wichtigsten Punkte und wie man sie stimuliert:
- LI4 (He Gu): Dieser Punkt befindet sich zwischen Daumen und Zeigefinger auf dem Handrücken. Um ihn zu finden, lege den Daumen deiner rechten Hand auf die weiche Stelle auf dem Handrücken zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger deiner linken Hand. Drücke diese Stelle mit festem, kreisendem Druck für etwa 30 Sekunden. Wiederhole dies auf der anderen Hand. Der Punkt Hegu ist besonders wirksam bei der Linderung von Kopfschmerzen. Drücken Sie mit dem Daumen der rechten Hand fest auf diesen Bereich, bis Sie ein deutlich schmerzendes Gefühl verspüren. Die übrigen Finger der rechten Hand unterstützen den Daumendruck von unten.
- GB20 (Feng Chi): Dieser Punkt liegt an der Basis des Schädels, in den Vertiefungen beidseits der Wirbelsäule. Übe Druck mit den Daumen aus und massiere sanft in kreisenden Bewegungen für etwa eine Minute.
- EX-HN5 (Taiyang): Dieser Punkt befindet sich in den Vertiefungen der Schläfen. Massiere sanft mit den Fingerspitzen in kleinen, kreisenden Bewegungen. Führe den Zeige- oder Mittelfinger deiner linken Hand an die rechte Schläfe und halte mit der rechten Hand den Drücker bereit. Setze die Rundspitze in diese Kuhle und baue langsam eine Drucksäule auf. Auch hier ist es wichtig, dass du für zwei bis zweieinhalb Minuten im Bereich deines Wohlfühlschmerzes drückst. Hast du an der rechten Schläfe den Drück-Winkel und die -Intensität einige Male leicht verändert und die Empfindlichkeit überall heruntergeschaltet, kommt die linke Seite wie beschrieben an die Reihe.
- ST36 (Zusanli): Dieser Punkt liegt etwa vier Fingerbreit unterhalb der Kniescheibe, an der Außenseite des Schienbeins. Drücke und massiere diesen Punkt für etwa eine Minute.
- LV3 (Tai Chong): Dieser Punkt befindet sich auf dem Fuß, etwa zwei Fingerbreit oberhalb der Stelle, an der der große Zeh und der zweite Zeh zusammenkommen. Drücke und massiere diesen Punkt für etwa eine Minute. Schmerzareal: Scheitel Akupressurpunkt: Leber 3 Lokalisation: In der Vertiefung zwischen dem 1. und 2.
Akupressurmatten und Vibrationsmassage
Neben der manuellen Akupressur können auch Akupressurmatten hilfreich sein. Diese Matten sind mit kleinen Noppen versehen, die beim Draufliegen Akupressurpunkte am Körper stimulieren. Akupressurmatten fördern die Entspannung, reduzieren Stress, verbessern die Durchblutung und lindern Muskelverspannungen, die Kopfschmerzen verursachen können. Es wird empfohlen, sich täglich für 10-20 Minuten auf die Akupressurmatte zu legen.
Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie
Eine innovative Weiterentwicklung ist die OrthoMatte, die Akupressur und Vibration kombiniert. Die Vibration kann helfen, Muskelverspannungen zu lösen, die häufig Ursache für Kopfschmerzen sind. Durch die Vibration werden die Muskeln leicht stimuliert, was die Durchblutung verbessert und die Spannung in den Muskeln reduziert. Um die OrthoMatte optimal zu nutzen, lege dich für 10-20 Minuten darauf und schalte die Vibrationsfunktion ein. Die Intensität der Vibration kann an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden. Konzentriere dich auf Bereiche, die besonders verspannt sind, wie den Nacken und die Schultern.
Weitere Hausmittel gegen Kopfschmerzen
Neben Akupressur gibt es eine Vielzahl von Hausmitteln, die bei Kopfschmerzen und Migräne Linderung verschaffen können:
- Ausreichend Flüssigkeit: Trinken Sie ausreichend Wasser, um Dehydrierung zu vermeiden, die oft eine Ursache für Kopfschmerzen ist. Empfohlen werden etwa 2 Liter Flüssigkeit pro Tag, vorzugsweise magnesiumreiches Mineralwasser oder Kräutertees. Auch in der kälteren Jahreszeit braucht Ihr Körper ausreichend Flüssigkeitszufuhr um leistungsfähig und gesund zu bleiben. Die richtige Trinkmenge verringert nachweislich das Risiko für Kopfschmerzen.
- Ruhe und Entspannung: Versuchen Sie, ausreichend zu schlafen und gönnen Sie sich immer mal wieder eine Pause. Stress und emotionale Einflüsse können Verspannungen noch verstärken. Vermeiden Sie also zu großen Druck und Erwartungen auf sich aufzubauen. Ihr Körper und Kopf werden es Ihnen danken.
- Bewegung: Bei leichten Kopfschmerzen können Muskelverspannungen bei der Entstehung beitragen. Um Ihre Muskeln wieder zu entspannen, sollten Sie sich ein wenig Bewegung gönnen: Gehen Sie schwimmen, an der frischen Luft spazieren oder lockern Sie Hals- und Nackenmuskulatur leicht mit ein paar einfachen Bewegungsübungen. Gut hilft auch die Muskelentspannung nach Jacobson. Sehr häufig ist der Schulter-Nackenbereich bei chronischen Kopfschmerzen sehr verspannt. Heben Sie die Schultern in Richtung Ohren, und halten Sie die Position. Nach 5 Sekunden entspannen Sie und senken die Schultern zurück in die Ausgangsposition. Übung Stellen sie sich aufrecht hin, die Füße stehen schulterbreit auseinander. Stützen Sie die Arme im Hüftbereich ab. Drehen Sie den Kopf langsam zur linken Seite, die Augen fixieren einen Punkt in der Ferne. Schieben Sie das Kinn und den Hals langsam in die Richtung des fixierten Punkts und atmen Sie dabei tief ein. Dann nehmen Sie den Kopf wieder in die Ausgangsposition zurück und atmen Sie dabei bewusst aus. Drehen Sie den Kopf zur rechten Seite. Wiederholen Sie diese Übung zu beiden Seiten 10-15 Mal pro Seite.
- Wärme: Ein warmes Vollbad entspannt, besonders mit Heublumen-Zusatz, denn Heublumen wirken schmerzstillend. Zusätzlich kann Wärme dem Nackenbereich guttun. Hierzu können Sie erwärmte Körner-, Heu- oder Kräuterkissen bzw. heiße Kompressen aus der Apotheke verwenden.
- Minzöl: Reiben Sie sich die Schläfen und die Nackenpartie mit Minzöl ein. Die kühlende Wirkung lindert die Schmerzreize. Alternativ kann auch ein feuchtes, kühles Tuch oder ein Kältepack zur Linderung der Schmerzen beitragen.
- Wechselbäder: Wärme- oder Temperaturwechsel-Behandlungen können bei akutem Kopfschmerz helfen. Ein Wechselbad für Füße und Arme ist angenehm und sorgt für Entspannung. Für Teilbäder benötigen Sie zwei Gefäße, die groß genug für Arme oder Füße sind. Füllen Sie ein Behältnis mit 38 Grad warmem und das andere mit 18 Grad kaltem Wasser. Für Fußbäder sollte das Wasser bis knapp unter die Kniescheibe reichen, für Armbäder bis kurz über die Ellenbogen. Halten Sie zunächst die Arme oder Füße für 3 bis 5 Minuten in das Gefäß mit warmem Wasser, anschließend geht es für 5 bis 10 Sekunden ins kalte Nass. Wiederholen Sie das dreimal hintereinander. Anschließend Hände und Füße nicht trockenrubbeln. Streifen Sie das Wasser leicht mit den Händen oder einem Tuch ab. Dann ab in warme Socken und einmal durch die Wohnung laufen - jetzt ist die Durchblutung optimal angeregt. Für die Hände eignen sich Wollhandschuhe.
- Kaffee mit Zitrone: Trinken Sie schwarzen Kaffee mit einem Schuss Zitronensaft. Koffein hemmt die Bildung von Prostaglandinen, die Schmerzen vermitteln, und der Zitronensaft regt die Durchblutung an.
- Ernährung: Achten Sie auf eine vitaminreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Verzichten Sie auch auf Suchtstoffe wie Koffein, Alkohol und Nikotin. Falsche Ernährung, wie Zuviel an Süßigkeiten, zuckerhaltigen Fertigprodukten, ein Übermaß an Kuhmilchprodukten oder regelmäßiger Genuss von Alkohol, kann das Magen-und Milz-Qi schwächen, was zu Schleimbildung führen kann. Dieser Schleim blockiert die Leitbahn, was sich in den Kopfschmerzen manifestieren kann. Eine einseitige Ernährung kann zu Blut-Mangel führen, der leere dumpfe Kopfschmerzen auslösen kann.
- Entspannende Massagen: Massagen helfen insbesondere bei akuten Beschwerden. Eine leichte Streichmassage am Kopf, den Schläfen und an der Nasenwurzel kann hier Wunder wirken. So lösen Sie Verspannungen und können die Kopfschmerzen im Idealfall verringern.
Jin Shin Jyutsu
Jin Shin Jyutsu ist eine fernöstliche Behandlungsmethode, mit der die Lebensenergie (Qi) harmonisiert und dadurch verschiedenen Beschwerden entgegengewirkt werden soll. Jin Shin Jyutsu soll ähnlich wie die Akupunktur bzw. Die Behandlung erfolgt durch das Halten einzelner Finger oder Zehen und dem Handauflegen, dem sog. Strömen, auf eines der 26 Energiezentren am Körper. Auch dem bewussten Ein- und Ausatmen kommt eine wichtige Rolle zu. Jin Shin Jyutsu kann bei u. a. Verspannungen, z. B. Eine Jin Shin Jyutsu Anwendung kann durch einen ausgebildeten Therapeuten erfolgen, bei der in der Regel der ganze Körper während einer einstündigen Sitzung behandelt wird. Hierbei werden die Fingerspitzen auf bestimmte sog. Sicherheits-Energieschleusen gelegt, was bewirken soll, dass der Fluss der Energie harmonisiert bzw. Eine Grundbehandlung findet im Jin Shin Jyutsu über ein Handauflegen auf dem Zentralstrom (eine durchgehende Linie von Scheitel bis Steißbein) statt, der als Quelle aller Lebensenergie schlechthin gilt. Die Jin Shin Jyutsu Behandlungen schenken Ruhe und Gelassenheit, man fühlt sich entspannt, erfrischt und gestärkt. Nach den Lehren der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) gehen Disharmonien mancher Organe und körperliche Beschwerden mit bestimmten Gemütszuständen einher. Behandelt werden sie daher mit den gleichen Methoden, d. h. Erkrankungen von Leber und Galle etwa werden mit ein und demselben Griff aus dem Jin Shin Jyutsu behandelt wie z. B. Wutanfälle. Jin Shin Jyutsu soll Energien ins Gleichgewicht bringen und Heilungsprozesse anstoßen bzw. unterstützen.
TCM (Traditionelle Chinesische Medizin)
Aus Sicht der Chinesischen Medizin können Kopfschmerzen durch folgende Ursachen hervorgerufen werden: Die pathogenen Faktoren wie Wind und Hitze, Wind-Kälte oder Wind-Nässe, blockieren Kopf und Nacken und rufen Kopfschmerzen hervor. Übermäßige Emotionen, aufgestauter Ärger und Stress fallen unter die Emotionen, die zum Aufsteigen von Leber-Yang führen können. Das blockiert häufig die Gallenblasenleitbahn, die Kopfschmerzen liegen an der Schläfe oder den seitlichen Regionen des Kopfes. Begleitend zu der Behandlung der Kopfschmerz-Migräne-Symptomatik durch eine:n TCM-Therapeut:in können Patienten und Patientinnen mit Tuina, der chinesischen Heilmassage, über leicht erlernbare Techniken den eigenen Gesundheitszustand positiv beeinflussen. Durch Massage bestimmter Regionen und durch Akupressur ausgewählter Punkte kann der Qi-Fluss wiederhergestellt werden. Die Selbstheilungskräfte werden aktiviert, die Symptome der unterschiedlichen Kopfschmerzen können gelindert werden. Nicht nur bei einer akuten Schmerzsymptomatik, auch in der beschwerdefreien Zeit können Sie dazu beitragen, den Energiefluss zu regulieren, das Gleichgewicht des Körpers wiederherzustellen. Führen Sie die Akupressur und Massage immer achtsam und vorsichtig aus. Die Selbstbehandlung sollte schmerzfrei und angenehm sein. Verletzte Hautstellen, Areale mit Hautpilz, frisches Narbengewebe, Bereiche mit Krampfadern massieren Sie bitte nicht. In der Schwangerschaft ist Vorsicht geboten. Es ist sinnvoll, die Stimulation der Punkte mehrmals am Tag durchzuführen, insbesondere, wenn die Symptome verstärkt auftreten. Machen Sie mit dem Daumen, Zeigefinger oder Mittelfinger kleine kreisende Bewegungen und stimulieren Sie die Punkte auf folgende Weise: Bei akuten Beschwerden behandeln Sie die Punkte bei Bedarf. Bei länger andauernden, chronischen Beschwerden behandeln Sie die Punkte 1-3 Mal täglich. Wenn ein Punkt sehr empfindlich ist, drücken oder massieren Sie ihn nur leicht für ca. 30 Sekunden. Wenn ein Punkt weniger empfindlich ist, drücken oder massieren Sie ihn intensiver für 20-30 Sekunden. Die Akupressur-Punkte sind meist paarig angelegt. Nehmen Sie sich Zeit und schaffen Sie sich eine angenehme Atmosphäre. Wenn sich der Schmerz genau lokalisieren lässt, akupressieren Sie mit dem Daumen oder Zeigefinger den angegebenen Punkt für 30 Sekunden.
Lebensstiländerungen und Prävention
Neben der akuten Behandlung von Kopfschmerzen ist es wichtig, auf einen gesunden Lebensstil zu achten, um Kopfschmerzattacken vorzubeugen:
Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne
- Gute Haltung: Achte auf eine gute Haltung, besonders beim Arbeiten am Computer, und integriere regelmäßige Bewegung und Dehnübungen in deinen Alltag.
- Ernährung und Hydration: Trinke ausreichend Wasser, um dehydrierungsbedingte Kopfschmerzen zu vermeiden, und vermeide übermäßigen Konsum von Koffein und Alkohol.
- Entspannungstechniken: Praktiziere regelmäßig Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder Atemübungen.
- Vermeidung von Auslösern: Identifiziere und vermeide mögliche Auslöser für deine Kopfschmerzen. Dazu können bestimmte Nahrungsmittel, Umwelteinflüsse wie grelles Licht oder laute Geräusche, und Stresssituationen gehören.
- Kopfschmerz-Tagebuch: Ein Kopfschmerz-Tagebuch hilft dabei, Ihre persönlichen Triggerfaktoren besser kennenzulernen. Durch das regelmäßige Beobachten und Festhalten der Begleitumstände unter denen Kopfschmerzen auftreten erhalten Sie wichtige Erkenntnisse, um Kopfschmerz-Attacken zu reduzieren.
Wann zum Arzt?
In manchen Fällen sind Hausmittel nicht genug. Bei wiederkehrenden, starken und länger anhaltenden Kopfschmerzen ist es ratsam, ein Gespräch mit dem Hausarzt zu führen, damit eine Kopfschmerz-Diagnose gestellt werden kann. Eine ärztliche Untersuchung, Diagnose und Behandlung kann und will sie auf keinen Fall ersetzen.
Lesen Sie auch: Migräne als Risikofaktor für Demenz?