Trigeminusneuralgie: Berühmte Persönlichkeiten und Erkenntnisse

Die Trigeminusneuralgie ist eine chronische Schmerzerkrankung, die durch heftige, blitzartige Schmerzen im Gesicht gekennzeichnet ist. Betroffen ist der Trigeminusnerv, der für die Gefühlswahrnehmung im Gesicht, den Schleimhäuten von Mund und Nase sowie der Hornhaut des Auges verantwortlich ist. Obwohl die Erkrankung jeden treffen kann, tritt sie häufiger bei Frauen und Menschen über 50 Jahren auf. Dieser Artikel beleuchtet die Trigeminusneuralgie, ihre Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten, wobei auch auf die Erfahrungen von Betroffenen und berühmten Persönlichkeiten eingegangen wird.

Was ist Trigeminusneuralgie?

Trigeminusneuralgie ist eine der schmerzhaftesten Erkrankungen, die durch typische Gesichtsschmerzen gekennzeichnet ist, die sich auf den Versorgungsbereich des Trigeminusnervs beschränken. Die Schmerzattacken sind besonders stark, gekennzeichnet durch blitzartig einschießende Sensationen, die nur Sekunden andauern, aber in schweren Fällen in Serien auftreten können und bis zu 2 Minuten anhalten. Diese Schmerzattacken laufen relativ gleichförmig und sich wiederholend ab. Neben der Berührung der Haut in den betroffenen Gesichtsanteilen, auch schon durch Luftzug, sind Sprechen, Essen und Trinken Trigger für die Auslösung der Schmerzattacken. In schweren Fällen kommt es zu einer Einschränkung der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, sowie zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität und der Teilhabefähigkeit.

Ursachen und Auslöser

Bei 80 bis 90 Prozent der Menschen mit einer Trigeminusneuralgie drückt ein benachbartes Blutgefäß auf den Nerv. Das reizt die schützende Nervenhülle, wodurch der Nerv leichter erregbar wird. Fachleute sprechen hier von der klassischen oder primären Trigeminusneuralgie.

Von einer sekundären oder symptomatischen Trigeminusneuralgie ist die Rede, wenn der Nerv durch andere Erkrankungen gereizt ist und die Gesichtsschmerzen verursacht. Dazu gehören:

  • Multiple Sklerose
  • Tumoren, die Druck ausüben
  • Bindegewebserkrankungen
  • Angeborene Fehlbildungen von Blutgefäßen

Wenn sich für die typischen Gesichtsschmerzen keine Ursache erkennen lässt, liegt eine sogenannte idiopathische Trigeminusneuralgie vor. Die Schmerzanfälle können spontan auftreten oder durch bestimmte Reize ausgelöst werden, auch Trigger genannt. Dazu zählen bereits leichte Gesichtsberührungen, Kauen oder Zähneputzen.

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Symptome und Diagnose

Menschen mit einer Trigeminusneuralgie verspüren plötzlich einsetzende, heftige Schmerzen im Gesicht. Zwischen Zeiten mit häufigen Beschwerden liegen schmerzfreie Phasen. Die Abstände zwischen den Attacken können sich mit der Zeit verkürzen. Es kann sich auch ein dumpfer Dauerschmerz einstellen. Die Schmerzen im Gesicht können von Kopfschmerzen begleitet sein.

Die Diagnose erfolgt durch ein ausführliches Gespräch und eine gründliche körperliche Untersuchung. Im Gespräch wird unter anderem erfragt, wie lange die Schmerzen anhalten und wie häufig sie auftreten. Hinweise auf eine Trigeminusneuralgie geben auch die Begleitsymptome sowie die Reize, die eine Schmerzattacke auslösen können. Außerdem wird die Ärztin oder der Arzt das Empfindungsvermögen im Gesicht testen sowie weitere körperliche Untersuchungen machen.

Behandlungsmöglichkeiten

Herkömmliche Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Paracetamol wirken bei einer Trigeminusneuralgie nicht, weil die Schmerzattacken zu kurz sind. Selbst stärkste Schmerzmittel wie Opioide haben keine Wirkung. Bei andauernden Schmerzepisoden mit wiederholten Schmerzattacken können Infusionen mit speziellen Wirkstoffen die akuten Beschwerden lindern.

Es empfiehlt sich, den Attacken durch eine Dauertherapie vorzubeugen. Mittel der Wahl sind Medikamente, die normalerweise bei epileptischen Anfällen verschrieben werden. Die beiden bekanntesten Wirkstoffe sind Carbamazepin und Oxcarbazepin. Sie verringern die Anzahl der Schmerzepisoden. Die Dosis der Mittel wird langsam gesteigert, bis sie gut wirken und möglichst wenige Nebenwirkungen verursachen.

Darüber hinaus gibt es folgende Behandlungsmöglichkeiten:

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  • Unterbrechung des Kontakts zwischen Nerv und Gefäß (mikrovaskuläre Dekompression)
  • Zerstörung des Nervs (Neuroablation)
  • Bestrahlung mit dem sogenannten GammaKnife

Eine Operation wird erst durchgeführt, wenn zuvor alle anderen Behandlungsmöglichkeiten mit verschiedenen Wirkstoffen ausgeschöpft wurden oder wegen Nebenwirkungen nicht möglich sind. Die mikrovaskuläre Dekompression gilt als wirksame Wahl, wenn ein Kontakt zwischen Trigeminusnerv und Blutgefäß besteht. Der Eingriff soll diesen Kontakt unterbrechen und den Druck auf den Nerv lösen. Bei der sogenannten Neuroablation zerstört die Ärztin oder der Arzt Nervenfasern mit Hilfe von Wärme, Druck oder einer Alkohollösung. Eine andere Möglichkeit ist, den Trigeminusnerv mit radioaktiven Strahlen (GammaKnife) zu behandeln.

Medikamentöse Behandlung

Die medikamentöse Behandlung der Trigeminusneuralgie umfasst eine Basistherapie mit folgenden Medikamenten:

  • Carbamazepin (200-1200mg)
  • Oxcarbazepin (300-1800 mg)
  • Pregabalin (150-600 mg)
  • Gabapentin (900-3000 mg)
  • Baclofen (25-75 mg)
  • Lamotrigin (200-400 mg)
  • Phenytoin nach Serumspiegel
  • Misoprostol (600 µg)
  • Botulinumtoxin (Onabotulinum A: 25-100 E)

Zur Therapie der akuten Exazerbation können folgende Medikamente eingesetzt werden:

  • Phenytoin (250 mg langsam i.V.)
  • Pimozid (4-12 mg)
  • Serie ganglionärer lokaler Opioidanalgesien am Ganglion cervicale superius
  • Sumatriptan (6 mg s.c.)

Operative Verfahren

  • Mikrovaskuläre Dekompression (Jannetta-OP): Bei diesem Eingriff wird ein kleines Polster aus Teflon zwischen dem Blutgefäß und dem Nerv platziert, um die Schmerzen zu lindern.
  • Perkutane Ballonkompression des Ganglion Gasseri: Eine minimalinvasive Option, bei der der Nervenknoten des Trigeminus durch einen Ballon komprimiert wird.
  • Radiofrequenzablation: Zerstörung von Nervenfasern durch Erhitzung mit hochfrequentem Strom.
  • Glyzerin-Injektion: Injektion von Glyzerin an den Nervenknoten, um die Schmerzleitung zu unterbinden.

Fallbeispiele und Erfahrungen von Betroffenen

Jutta Ost

Jutta Ost aus Güdesweiler erkrankte an Trigeminusneuralgie und kämpft täglich dafür, wieder mehr Normalität in ihr Leben zu bekommen. Ihre Geschichte begann mit einem Routinetermin beim Zahnarzt, woraufhin schlimme Schmerzen einsetzten. Nach einer langen Odyssee und Fehldiagnosen erhielt sie schließlich die Diagnose Trigeminusneuralgie. Eine Operation brachte zunächst Erleichterung, doch die Schmerzen kehrten nach einigen Wochen zurück. Jutta Ost nimmt Medikamente ein und versucht, ihren Tagesablauf darauf abzustimmen. Sie hat eine Spendenaktion gestartet, um die finanziellen Belastungen durch die Krankheit zu bewältigen.

Elena Miras

Die Reality-TV-Darstellerin Elena Miras leidet ebenfalls an Trigeminusneuralgie. Sie klagte über starke Kopfschmerzen, ein zuckendes Auge und Taubheit in der linken Gesichtshälfte. Die Diagnose wurde im Krankenhaus gestellt. Elena Miras nimmt Antiepileptika, um die Schmerzen zu lindern.

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Markus Mörl

Der NDW-Star Markus Mörl litt zehn Jahre lang an Trigeminusneuralgie. Eine Operation an der Uniklinik Mainz beendete schließlich sein Leiden. Bei dem Eingriff wurde der Nervenstrang mit einer Teflonschicht ummantelt, damit die Adern den Reiz nicht mehr auslösen können. Nach der Operation war Markus Mörl schmerzfrei und genießt wieder mehr Lebensfreude.

Melody Haase

Die Ex-DSDS-Kandidatin Melody Haase leidet ebenfalls an Trigeminusneuralgie, die sie als "Selbstmordkrankheit" bezeichnet. Sie berichtet von häufigen Besuchen in der Notaufnahme wegen heftigster, anfallsartig auftretender Schmerzen. Melody Haase steht vor der Entscheidung, ob sie sich operieren lassen soll oder mit den Nebenwirkungen der Medikamente weiterleben möchte.

Patientenstimmen aus dem Klinikum Bamberg

Das Klinikum Bamberg hat zahlreiche Patienten mit Trigeminusneuralgie behandelt. Die Patientenstimmen zeugen von der hohen Kompetenz und dem Engagement der Ärzte und des Pflegepersonals. Besonders hervorgehoben werden die ausführliche Aufklärung, die individuelle Betreuung und die erfolgreichen Operationsergebnisse.

Trigeminusneuralgie und Multiple Sklerose

Zwei bis fünf Prozent der Patienten mit Multipler Sklerose erleiden im Verlauf eine Trigeminusneuralgie. Zudem erkranken die Betroffenen in jüngeren Lebensjahren (< 40 Jahre). Normalerweise betrifft die Trigeminusneuralgie vorrangig Menschen im höheren Lebensalter und es erkranken Frauen häufiger daran als Männer (Prävalenz 0,16-0,30 %). Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens hängt von dem Verlauf der MS ab. Grundlage der Trigeminusneuralgie bei MS-Patienten ist ein entzündlicher Herdbefund im Wurzelgebiet des N. Trigeminus im Hirnstamm (Höhe Pons).

Differentialdiagnosen

Andere Gesichtsschmerzen können sich im ähnlichen Ausbreitungsgebiet präsentieren, sind aber meist dauerhaft vorhanden, weniger geprägt von den blitzartigen Attacken. Zu den Differentialdiagnosen gehören:

  • Periphere Trigeminusneuralgie
  • Anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz (früher atypischer Gesichtsschmerz)
  • SUNCT (short lasting unilateral neuralgi form headache attacks with conjunctival- injection and tearing) oder SUNA (short lasting unilateral neuralgiform headache attacks with cranial autonomic symptoms)

Selbsthilfegruppen und Unterstützung

Die Trigeminus Selbsthilfegruppe ist landesweit organisiert und bietet Betroffenen und ihren Angehörigen Unterstützung und Informationen. Die Haltung ist entscheidend. Verzweifeln sie nicht.

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