Migräne: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Migräne ist weit mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Sie ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Migräne, von den Ursachen und Symptomen bis hin zu den vielfältigen Behandlungsansätzen.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen auszeichnet. Anders als beispielsweise bei Spannungskopfschmerzen tut bei einer Migräne nicht nur der Kopf weh. Die Symptome der Migräne sind vielfältig, betreffen den ganzen Körper und schränken Betroffene oft stark ein. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Migräne als eine der am stärksten behindernden Erkrankungen ein. Schätzungen zufolge leiden in Deutschland etwa acht Millionen Menschen an Migräne, wobei Frauen etwa dreimal häufiger betroffen sind als Männer.

Ursachen und Auslöser von Migräne

Obwohl die genauen Ursachen von Migräne noch nicht vollständig geklärt sind, geht man davon aus, dass genetische und Umweltfaktoren eine wichtige Rolle spielen. Vor allem in den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Migräne-Forschung weiterentwickelt. In Bezug auf die genauen körperlichen Migräne-Ursachen sind sich Wissenschaftler immer noch uneinig darüber, ob Veränderungen von Blutgefäßen oder Nervenzellen verantwortlich für die Kopfschmerzerkrankung sind. Wissenschaftler gehen zum aktuellen Zeitpunkt davon aus, dass bei der Entstehung von Migräne mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Zum Beispiel kann eine Migräne-Ursache eine genetische Veranlagung sein: Verwandte ersten Grades von Patienten einer Migräne mit Aura haben ein 3,8-fach erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Dennoch lässt sich Migräne nur in Ausnahmefällen auf ein einzelnes Gen zurückführen, etwa bei der familiären hemiplegischen Migräne. Vielmehr sind wahrscheinlich mehrere genetische Bedingungen (polygenetisch) die Ursache für eine Migräne. Laut Forschern spiegelt sich die Vielschichtigkeit einer Migräne in der Komplexität der beteiligten genetischen Komponenten wider. Auch nach intensiver Forschung zu genetischen Ursachen gibt es noch immer viele offene Fragen. Dennoch haben Wissenschaftler schon zahlreiche wichtige Erkenntnisse gewonnen. Für die Entschlüsselung wichtiger Gene haben die Wissenschaftler das Genom von mehreren tausend Migräne-Patienten mit ebenso vielen gesunden Personen verglichen. Traten bestimmte genetische Varianten in einer Gruppe häufiger oder seltener auf, könnten diese das Risiko für Migräne erhöhen beziehungsweise senken. Solche groß angelegten Studien zu genetischen Migräne-Ursache entstehen in Kooperation von mehreren Forschungszentren. Die Wissenschaftler sehen darin eine große Chance: Sind die Mechanismen einer Erkrankung erst einmal bekannt, lassen sich gezielte Therapien entwickeln.

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die eine Migräneattacke auslösen können. Diese sogenannten Trigger sind individuell verschieden und können sein:

  • Stress: Migräne durch Stress kommt bei etwa 80 Prozent der Betroffenen infrage.
  • Hormonschwankungen: Viele Patientinnen leiden während ihrer Periode an Kopfschmerzen. Auch eine Migräne in der Schwangerschaft oder den Wechseljahren aufgrund von einschneidenden Veränderungen im Hormonhaushalt der Frau ist denkbar.
  • Wetterumschwünge: Ebenso kann das Wetter bei Migräne eine Rolle spielen. Wetterfühlige Migräne-Patienten bemerken Veränderungen der Temperatur oder des Luftdrucks manchmal daran, dass sich eine Kopfschmerzattacke ankündigt.
  • Schlafmangel: Wird der gewohnte Schlafrhythmus und Tagesablauf nicht beibehalten, reagieren manche Patienten mit starken Schmerzen.
  • Bestimmte Nahrungsmittel: Etwa 20 Prozent aller Migräne-Patienten machen bestimmte Nahrungsmittel als Auslöser aus.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Auslöser nicht die Ursache für Migräne sind, sondern lediglich Faktoren, die eine Attacke "anstoßen" können.

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Symptome einer Migräneattacke

Die Symptome einer Migräne sind vielfältig und können von Person zu Person variieren. Typischerweise tritt Migräne in vier Phasen auf: Prodrome, Aura, Kopfschmerz und Postdrome.

  • Prodrome-Phase: Stunden bis Tage vor dem eigentlichen Kopfschmerz können bestimmte Anzeichen und Symptome auftreten, wie z.B. Müdigkeit und manchmal Blässe, Gepaart sind diese Symptome teils mit Heißhunger, Übelkeit und Konzentrationsstörungen.
  • Aura-Phase: Etwa 10 bis 15 % der Betroffenen merken durch eine sogenannte Aura bereits im Voraus, dass sich eine Migräneattacke ankündigt. Auch hier gibt es eine Reihe von Symptomen, die klassisch für eine solche Migräneaura sind: Sehstörungen (meist in Form eines Flimmerns, verschwommenen Sehens, Lichtblitzen, Zickzacklinien oder Gesichtsfeldeinschränkungen), Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheit in Armen und Beinen, seltener Sprachstörungen.
  • Kopfschmerz-Phase: Dies ist der eigentliche Migräneanfall. Die Kopfschmerzen selbst sind bei der Migräne ebenfalls sehr charakteristisch. In den meisten Fällen beginnt der Schmerz im Nacken und wandert von dort über die Schläfen bis zu den Augen. Häufig ist dieses Areal nur auf einer Seite betroffen, aber auch bilaterale Migräne kann auftreten. Dabei fühlen sich die Schmerzen pulsierend, hämmernd oder pochend an. Ebenfalls typisch ist, dass schon geringe körperliche Aktivität die Schmerzen verschlimmert.Die häufigsten Begleitsymptome sind Übelkeit und Erbrechen. Fast alle Migränikerinnen und Migräniker berichten, dass ihnen während und oft schon vor Migräneattacken übel ist. Viele Betroffene übergeben sich auch aufgrund der Migräne. Hinzu kommt oft auch völlige Appetitlosigkeit.Auch verschiedene Formen von Hypersensibilität sind nicht selten. Ob Licht, laute Geräusche oder sogar Gerüche - im Zusammenhang mit Migräne sind Erkrankte oft besonders empfindlich gegenüber solchen Reizen. Daraus resultiert meist das Bedürfnis, sich in einen dunklen, stillen Raum zurückzuziehen.
  • Postdrome-Phase: Nach den Kopfschmerzen folgt die Auflösungsphase, in der sich oft Symptome zeigen, die der Anfangsphase konträr gegenüberstehen. Während die Kopfschmerzen abnehmen, setzt beispielsweise völlige Appetitlosigkeit ein.Zuletzt kommt die Erholungsphase, in der keine Symptome mehr vorhanden sind, die Betroffenen aber brauchen, um sich von der Erschöpfung der Attacke zu regenerieren.

Die Einteilung in verschiedene Phasen gibt auch Aufschluss darüber, wie lange Migräne anhält. Während die ersten Vorbotensymptome bereits Tage vor der Attacke auftreten können, dauert die bewusste Aura der Migräne mit Symptomen an den Augen etwa fünf bis 30 Minuten, in Ausnahmefällen bis zu einer Stunde.

Die Migräne-Dauer, also die alles entscheidende Schmerzphase, kann deutlich länger sein und variiert stark. Ohne Behandlung halten die heftigen Kopfschmerzen für mindestens vier Stunden an und können sogar für bis zu drei Tage andauern. Da Migränikerinnen und Migräniker in dieser Zeit meist nicht am Alltag teilnehmen können, stellt die Erkrankung eine große Einschränkung für das Leben Betroffener dar.

Auch die folgenden zwei Tage können noch an die Migräne „verloren gehen“ - denn so lange dauert mitunter die Erholungsphase der Erkrankten. Die Dauer eines Migräneanfalls liegt also insgesamt bei maximal einer Woche - wobei nur drei Tage davon mit Schmerzen einhergehen.

Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen haben Betroffene mehr schmerzfreie Tage als Tage mit Migräne. Wie oft im Monat Migräne auftritt, ist von Person zu Person verschieden, eine tatsächliche Dauer-Migräne gibt es aber nicht. In vereinzelten Fällen kann die Erkrankung allerdings chronisch werden - die Erkrankten haben dann für mindestens zwei Wochen pro Monat Schmerzen, und zwar über mehrere Monate hinweg.

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Diagnose von Migräne

Die Diagnose von Migräne basiert in erster Linie auf der Anamnese, also der Erhebung der Krankengeschichte durch einen Arzt. Dabei werden die Art, Häufigkeit, Dauer und Begleitsymptome der Kopfschmerzen erfragt.

Eine MRT (Magnetresonanztomographie) ist eine bildgebende Untersuchung, die detaillierte Bilder des Gehirns und anderer Strukturen im Kopf liefert. Eine MRT vom Schädel kann dazu beitragen, andere mögliche Ursachen Ihrer Kopfschmerzen auszuschließen, wie z.B. Tumore, Blutungen oder Entzündungen. Es ist wichtig zu beachten, dass eine MRT normalerweise nicht in der Lage ist, eine Migräne direkt zu diagnostizieren, da es bei Migränepatienten meist keine auffälligen Veränderungen im Gehirn gibt.

Behandlung von Migräne

Leider ist eine Migräne - auch aufgrund der unklaren Entstehungsmechanismen - aktuell nicht heilbar. Zum Glück lassen sich aber immerhin die Symptome gut behandeln. Die Behandlung einer Migräne zielt darauf ab, Symptome zu lindern und zukünftige Anfälle zu verhindern. Medikamente können entweder bei einem Migräneanfall eingenommen werden, um die Symptome zu lindern, oder regelmäßig, um Anfälle zu verhindern. Es gibt auch nicht-medikamentöse Ansätze zur Behandlung von Migräne, wie z.B.

Medikamentöse Behandlung

  • Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (ASS) helfen, den Schmerz zu reduzieren.
  • Antiemetika: Gegen Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika eingesetzt werden.
  • Triptane: Bei besonders heftigen Migräneattacken sind einfache Schmerzmittel nicht immer ausreichend wirksam. Dann können sogenannte Triptane Abhilfe schaffen. Auch diese Medikamente wirken als Akutbehandlung der Kopfschmerzen bei Migräneanfällen schmerzlindernd und können, wenn nötig, mit anderen Arzneimitteln zusammen eingenommen werden. Notwendig ist eine Behandlung mit Triptanen vor allem dann, wenn andere Schmerzmittel keine Wirkung zeigen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass sie an höchstens zehn Tagen im Monat eingenommen werden dürfen, da sie sonst Kopfschmerzen durch Schmerzmittel-Übergebrauch verursachen können.

Nicht-medikamentöse Behandlung

  • Regelmäßiger Schlafrhythmus: Auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus achten
  • Stressmanagement: Stress, Alkohol und Flüssigkeitsmangel möglichst vermeiden
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Regelmäßig essen
  • Vermeidung von schnellen Wechseln von An- zu Entspannung: Auf schnelle Wechsel von An- zu Entspannung verzichten
  • Bewusste Pausen: Bewusste Pausen einplanen

Akute Maßnahmen bei einer Migräneattacke

  • Ruhe und Dunkelheit: Migränebetroffene leiden während eines Anfalls oft unter Überempfindlichkeit. Vielen hilft es, sich dann in einen abgedunkelten, stillen Raum zurückzuziehen.
  • Kühlung: Wie auch bei anderen Kopfschmerzarten ist ein feuchtes Tuch oder eine kühle Auflage häufig eine akute Hilfe bei Migräne.
  • Stimulation des Nervus trigeminus: Mithilfe eines speziellen Geräts, das auf die Stirn geklebt wird, kann der für Schmerz verantwortliche Nerv des Gesichts stimuliert werden, was die Schmerzen lindert.

Präventive Maßnahmen

Ähnlich wie bei vielen anderen Schmerzerkrankungen ist auch bei der Migräne Prävention möglich. Mit den richtigen Gewohnheiten oder der Einnahme von Medikamenten können Sie also aktiv dazu beitragen, seltener Migräneattacken zu bekommen. Insbesondere bei chronischen Beschwerden mit mehr als drei Migräneanfällen pro Monat ist es auch möglich, präventive Medikamente einzunehmen. Häufig angewendete Mittel sind hierbei Betablocker oder bestimmte Antidepressiva. Eine solche medikamentöse Vorbeugung müssen Sie unbedingt bei einem Besuch in einer ärztlichen Praxis besprechen und begleiten lassen. Ebenfalls gut zu wissen: Die Prophylaxe wirkt nur bei regelmäßiger Einnahme und braucht etwa zwei Monate, bis sie anschlägt.

Migräneprophylaxe

Vielleicht fragst du dich, ob eine Migräne-Prophylaxe auch für dich in Frage kommt. Eine Prophylaxe kann helfen, wenn du:

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  • mehr als drei Migräneattacken pro Monat hast.
  • die Medikamente zur akuten Behandlung nicht gut verträgst oder sie nicht ausreichend wirksam sind.
  • feststellst, dass deine Migräneattacken häufiger werden.
  • an mehr als 10 Tagen im Monat Schmerzmittel einnimmst.
  • dich in deiner Lebensqualität stark eingeschränkt fühlst.
  • nach einer Migräneattacke neurologische Beschwerden (Kribbeln in den Händen, starke Konzentrationsschwierigkeiten) hast, die länger als sieben Tage andauern.

Das sind allerdings nur Richtwerte - entscheidend ist, wie stark dein Alltag unter der Migräne leidet. Wie viele Tage kannst du nicht arbeiten oder dich um deine Familie kümmern? Wie viele Treffen mit deinen Freundinnen und Freunden musstest du wegen deiner Migräne absagen?

Zur Vorbeugung deiner Migräneattacken gibt es verschiedene Medikamente, die du dir alle von deiner Ärztin oder deinem Arzt genau erklären lassen solltest. Manche der Medikamente sind dir vielleicht schon von anderen Erkrankungen bekannt. Sie können aber auch gegen Migräne wirken:

  • Antiepileptika sind krampflösende Wirkstoffe und finden eigentlich Anwendung in der Therapie von Epilepsie, werden aber auch in der Migränebehandlung eingesetzt. Mögliche Nebenwirkungen von Antiepileptika als Prophylaktika bei Migräne sind z. B. Müdigkeit, Hautausschläge oder Missempfindungen wie Kribbeln der Haut und Schwindel.
  • Bestimmte Blutdrucksenker werden zur Vorbeugung von Migräneattacken angewendet. Sie beruhigen das Nervensystem, verlangsamen den Herzschlag und senken den Blutdruck. Zu den Nebenwirkungen von Betablockern gehören z. B. Müdigkeit, Schwindel, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Magen-Darm-Beschwerden.
  • Der Calziumkanal-Blocker Flunarizin wird vorwiegend zur Behandlung von Schwindel eingesetzt, diese zeigt auch Effekte in der Migräneprophylaxe. Die Wirkweise ist noch nicht gänzlich geklärt. Sie basiert vermutlich auf der Blockade des Calciumstroms in die Muskelzellen, welcher fürs Zusammenziehen und Anspannen von Muskeln sorgt. Allerdings kommt es unter der Einnahme vermehrt zu Nebenwirkungen wie z. B. Depressionen und Gewichtzunahme.
  • Der Botenstoff CGRP (Calcitonin-Gene-Related-Peptide) wirkt gefäßerweiternd und als Migräneprophylaxe. CGRP wird eine wichtige Rolle in der Pathophysiologie der Migräne zugeschrieben. Es gibt so genannte monoklonale Antikörper, die unter die Haut gespritzt oder als Infusion gegeben werden. Als Nebenwirkungen können z. B. Rötungen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Verstopfung oder Schwindel auftreten. Hinzu kommen Gepante als neue Wirkstoffklasse, die zur Migräneprophylaxe verordnet werden können. Als Nebenwirkungen können z. B. Übelkeit, Verstopfungen, Müdigkeit oder Schläfrigkeit, verminderter Appetit oder Gewichtsabnahme auftreten.
  • Die Zahl der Migräneanfälle kann durch Injektionen eines sogenannten Neuromodulators verringert werden. Der Wirkstoff kann hilfreich in der Medizin eingesetzt werden, indem er z. B. die Ausschüttung des Botenstoffs Acetylcholin an der Verbindung von Nerven und Muskeln hemmt. Zudem wird vermutet, dass der Wirkstoff die an der Migräneentstehung beteiligte Neuropeptiden wie CGRP beeinflusst. Nebenwirkungen können z. B. muskelkaterähnliche Beschwerden, hängende Augenlider oder Schmerzen an der Injektionsstelle sein.
  • Unter den Antidepressiva, die normalerweise zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden, wird nur ein Medikament zur Vorbeugung einer Migräne empfohlen: der nicht selektive Monoamin-Rückaufnahme-Hemmer Amitriptylin. Mögliche Nebenwirkungen sind z. B. Verstopfung oder Kreislaufschwäche

Wichtig: Eine Prophylaxe sollte immer mit nicht-medikamentösen Maßnahmen begleitet werden. Migräne behandeln ist mehr als Medikamente einnehmen!

Chronische Migräne

Bei Migräne unterscheidet man zwischen einem episodischen und chronischen Verlauf. Chronische Migräne bedeutet, dass Betroffene mindestens drei Monate lang an mehr als der Hälfte der Tage unter Kopfschmerzen leiden. Gemäß der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft unterteilt man Migräne-Kopfschmerzen in zwei Untergruppen: die episodische und die chronische Form. Eine chronische Migräne liegt dann vor, wenn Betroffene über mindestens drei Monate hinweg an mehr als 15 Tagen im Monat über unter Kopfschmerzen leiden. Dabei müssen an mindestens acht dieser Tage typische Begleitsymptome wie Aura, Übelkeit oder Erbrechen auftreten. Ein weiteres Kriterium ist, dass die Kopfschmerzen nicht auf einen Übergebrauch von Medikamenten zurückzuführen sind. Die chronische Migräne tritt bei etwa ein bis zwei Prozent der allgemeinen Bevölkerung auf, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer.

Symptome der chronischen Migräne

Die Symptome der chronischen Migräne unterscheiden sich nicht von den Beschwerden, die generell mit Migräne einhergehen. Das bedeutet, zu den Symptomen gehören vor allem starke Kopfschmerzen, die meist einseitig, manchmal auch beidseitig auftreten. Der Schmerz kann außerdem pulsieren.

Die im Folgenden aufgelisteten Symptome kommen häufig vor:

  • Kopfschmerzen (meistens)
  • Licht- und/oder Lärmscheu
  • Aura (Sehstörungen, Missempfindungen, Sprechstörungen, Sprachstörungen, Bewegungsstörungen, Doppelbilder, Ohrgeräusche oder Flimmern sind möglich)
  • Stimmungsveränderungen
  • Heißhunger oder Appetitlosigkeit
  • Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Konzentrieren
  • Vermehrtes Gähnen und Müdigkeit
  • Übelkeit und/oder Erbrechen
  • Symptomverstärkung durch körperliche Aktivität

Die chronische Migräne kann mit und ohne Aura auftreten. Als Diagnosekriterium ist jedoch nur relevant, wie lange die Anfälle dauern und wie oft sie auftreten. Nur die Anfallshäufigkeit unterscheidet also die chronische von der episodischen Migräne.

Behandlung der chronischen Migräne

Betroffene Patientinnen und Patienten leiden oft stark unter der chronischen Migräne. Neben einer wirksamen Vorbeugung (Prophylaxe) ist vor allem die Behandlung der Symptome sehr wichtig.

Zur Vorbeugung (Prophylaxe) der chronischen Migräne eignen sich auch die Wirkstoffe OnabotulinumtoxinA (eine Form von Botox) und Topiramat. Sie sind trotz leichter Nebenwirkungen Teil der Standardprophylaxe bei chronischer Migräne. Bei einigen Patienten ist auch Akupunktur hilfreich.

Betablocker wie Propranolol, Metoprolol und Bisoprolol, die normalerweise bei Herzerkrankungen oder Bluthochdruck eingesetzt werden, können einer chronischen Migräne vorbeugen und sind oft schon in geringer Dosis wirksam.

Bei einer Neurostimulation des Nervus supraorbitalis wird jener Nerv, der oberhalb der Augenhöhle liegt, durch elektrische Impulse stimuliert. Studien haben gezeigt, dass diese Methode bei einigen Patienten die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen reduziert.

Außerdem ist bekannt, dass es für die Prophylaxe der chronischen Migräne wichtig ist, die Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) zu behandeln. Werden Krankheiten therapiert, die mit der chronischen Migräne gemeinsam auftreten, wirkt sich das positiv auf den Therapieerfolg bei chronischer Migräne aus.

Zu solchen Komorbiditäten zählen Depression, Angsterkrankungen, posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), Übergewicht, Bluthochdruck, Medikamentenübergebrauch und Schlafstörungen.

Zudem gibt es bei chronischen Kopfschmerzen weitere Möglichkeiten zur Prophylaxe, zum Beispiel Ausdauersport, Biofeedback oder Verhaltenstherapie. Bisher ist nicht nachgewiesen, ob diese Methoden auch bei chronischer Migräne helfen. Trotzdem lohnt es sich, diese Maßnahmen auszuprobieren.

Die okzipitale Nervenblockade hat in Studien gezeigt, dass sie kurzfristig wirksam ist und helfen kann, die Anzahl der Migränetage zu reduzieren. Die Langzeitwirkung ist jedoch noch nicht ausreichend erforscht. Bei der okzipitalen Nervenblockade werden bestimmte Nerven betäubt, die für das Gefühl im hinteren Teil des Kopfes verantwortlich sind.

Die Akutbehandlung der chronischen Migräne ähnelt der Behandlung von Migräne im Allgemeinen.

Zur akuten Behandlung der chronischen Migräne eignen sich Schmerzmedikamente (z.B. Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Paracetamol). Auch Antiemetika, also Mittel gegen Übelkeit, können das Wohlbefinden der Betroffenen deutlich steigern.

Sogenannte Kombinationspräparate können auch helfen, die Beschwerden zu lindern. Am besten erforscht ist dabei die Kombination aus Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS) und Koffein. Auch Koffein alleine kann hilfreich sein.

Es wird empfohlen, Kombinationspräparate nicht länger als 10 Tage im Monat und einfache Schmerzmittel nicht länger als 15 Tage im Monat einzunehmen, um das Risiko von medikamenteninduzierten Kopfschmerzen zu vermeiden.

Amitriptylin ist eigentlich ein Medikament, das gegen Depressionen hilft. Trotzdem wird es auch zur Therapie der chronischen Migräne eingesetzt. Besonders bei Patienten, die zusätzlich an einer Depression erkrankt sind, ist Amitriptylin ein bewährtes Medikament. Es wird meistens gut vertragen.

Eine invasive Neurostimulation ist zwar auch bei chronischer Migräne denkbar, Ärzte empfehlen sie aber nur als letzten Ausweg, wenn die bisherigen Therapieoptionen nicht erfolgreich waren. Bei der invasiven Neurostimulation werden elektrische Impulse ausgesendet und die Schmerzimpulse dadurch unterdrückt. Dieses Verfahren wird auch bei Parkinson, Alzheimer oder anderen neurologischen Erkrankungen eingesetzt.

Ursachen und Verlauf der chronischen Migräne

Welche Ursache die chronische Migräne hat, ist noch nicht geklärt. wird jedoch angenommen, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen, da häufig mehrere Familienmitglieder betroffen sind.

Aktuelle Studien zeigen, dass die Entwicklung einer chronischen Migräne durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst wird. Dazu gehören hormonelle Veränderungen und verschiedene Umweltfaktoren, die die Umwandlung von episodischer zu chronischer Migräne begünstigen können. Zu den Umweltfaktoren zählen Stress, Schlafstörungen, Wetterveränderungen, bestimmte Nahrungsmittel und sensorische Reize. Besonders bei genetisch anfälligen Personen spielen diese Faktoren eine entscheidende Rolle.

Zudem tritt die chronische Migräne häufiger in Verbindung mit Depressionen, Rückenschmerzen, Schlafstörungen und anderen Schmerzkrankheiten auf.

Der Verlauf einer chronischen Migräne lässt sich nicht vorhersagen. Es handelt sich um ein individuelles Krankheitsbild: Nicht nur die Symptome, auch die Intensität der Beschwerden und der entstehende Leidensdruck sind bei allen Betroffenen unterschiedlich.

Eine einheitliche, allgemein gültige Prognose gibt es daher nicht. Trotzdem ist die chronische Migräne behandelbar. Welche Maßnahmen und Medikamente in Ihrem Fall sinnvoll sind, besprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer Ärztin.

Das Behandlungsziel ist nicht Heilung, sondern Symptom-Reduzierung. Mit der richtigen Therapie und bestimmten Veränderungen im Alltag leben viele Betroffene ein nahezu Migräne-freies Leben. Die Kopfschmerztage werden dadurch meistens deutlich reduziert.

Halswirbelsäule und Migräne

Können Kopfschmerzen und Migräne von der Halswirbelsäule kommen? Immer mehr Menschen sitzen arbeitsbedingt länger vor dem Computer und leiden an Nackenverspannungen. Und diese werden häufig für Migräne und andere Kopfschmerzarten verantwortlich gemacht, vor allem, wenn sie sich vom Nacken in Richtung der Augen ausbreiten. Aber können Störungen der Halswirbelsäule tatsächlich Kopfschmerzen oder Migräne hervorrufen?

Diese Frage wird in der Medizin kontrovers diskutiert. Orthopäden vertreten oft die Meinung, dass Blockaden in der Halswirbelsäule zervikogene Kopfschmerzen - also Kopfschmerzen, die vom Nacken ausgehen - auslösen können. Dafür spricht beispielsweise auch, dass eine Physiotherapie bei einigen Patienten eine vorübergehende Besserung der Beschwerden erzielen kann. Was die Migräne anbelangt, so konnte eine Studie mittlerweile nachweisen, dass Menschen mit Veränderungen der Halswirbelsäule häufiger an Migräne leiden. Jedoch spielen Nackenschmerzen als Migräne-Trigger eher eine untergeordnete Rolle. Trotzdem sind viele Menschen davon überzeugt, dass Halswirbelsäulen-Blockaden Migräne auslösen.

Wichtige Hinweise

Es ist wichtig zu beachten, dass die Informationen in diesem Artikel nur zu Informationszwecken dienen und nicht als medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung angesehen werden sollten. Bitte konsultieren Sie bei medizinischen Bedenken immer einen Arzt.

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