Hirnmetastasen bei Eierstockkrebs: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Eierstockkrebs, auch Ovarialkarzinom genannt, ist eine bösartige Erkrankung der Eierstöcke, die oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt wird. In rund 75 Prozent der Fälle hat der Krebs bereits in andere Körperregionen gestreut und Metastasen gebildet. Diese Tochtergeschwülste können sich auch im Gehirn ansiedeln und als Hirnmetastasen schwerwiegende Symptome verursachen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung von Hirnmetastasen im Zusammenhang mit Eierstockkrebs.

Eierstockkrebs: Ein Überblick

Eierstockkrebs ist die fünfthäufigste Krebsart bei Frauen in Deutschland, wobei jährlich etwa 7.180 Neuerkrankungen auftreten. Das Tückische an dieser Krebsart ist, dass sie lange Zeit keine oder nur unspezifische Symptome verursacht. Dadurch wird sie oft erst spät erkannt, wenn sie bereits fortgeschritten ist oder Metastasen gebildet hat.

Stadien und Klassifikation von Eierstockkrebs

Für die Behandlung von Eierstockkrebs ist es wichtig, einen genauen Steckbrief des Tumors zu erstellen. Dafür nutzen Ärztinnen und Ärzte das TNM-System und die FIGO-Klassifikation. Auch das Grading liefert Hinweise. Anhand verschiedener Parameter lässt sich Eierstockkrebs in verschiedene Stadien einteilen:

  • Stadium 1 bis 2 (örtlich begrenzter Tumor): Der Tumor wächst nur in einem oder beiden Eierstöcken oder beschränkt sich auf die Geschlechtsorgane im Becken.
  • Stadium 3 oder 4 (fortgeschrittener Tumor): Der Tumor hat sich auf andere Organe im Becken beziehungsweise in der Bauchhöhle ausgedehnt oder hat in weiter entfernt liegende Organe des Körpers gestreut - er hat Fernmetastasen gebildet.

Das Robert Koch-Institut (RKI) schreibt, dass Eierstockkrebs bei 76 Prozent der Frauen erst im Stadium 3 oder 4 gefunden wird, also erst relativ spät. Dies beeinflusst auch die Krebstherapien und die Überlebenschancen. Ein Grund für diese oft späte Diagnose ist, dass das Ovarialkarzinom anfangs kaum oder keine Symptome verursacht.

TNM-System und FIGO-Klassifikation

Das TNM-System ist eine international gebräuchliche Einteilung bei Krebs, die Informationen über die Ausbreitung des Tumors liefert:

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  • T (Tumor): Die Zahl beschreibt, wie groß der Primärtumor ist.
  • N (Node, Knoten): Sie gibt Auskunft, ob und wie viele Lymphknoten schon von Krebszellen befallen sind.
  • M (Metastasen): Darüber lässt sich angeben, ob Fernmetastasen in anderen Organen und Geweben vorliegen und wo sie sich genau befinden.

Eine zweite Einteilung von Eierstockkrebs erfolgt nach der FIGO-Klassifikation (Fédération Internationale de Gynécologie et d’Obstétrique). Diese klinische Einteilung beruht auf den Ergebnissen der Operation und von Laboruntersuchungen.

Grading von Eierstockkrebs

Das Grading bei Eierstockkrebs zeigt, wie sehr die Krebszellen gesundem Eierstockgewebe noch ähnlich sind:

  • G1: Die Krebszellen sind dem normalen Eierstockgewebe noch ähnlich und gelten als weniger aggressiv.
  • G2: Die Krebszellen weichen mehr vom normalen Gewebe im Eierstock ab und besitzen eine höhere Wachstumsrate.
  • G3: Die Krebszellen ähneln gesunden Zellen im Eierstock kaum oder überhaupt nicht mehr.

Hirnmetastasen: Wenn der Krebs ins Gehirn streut

Hirnmetastasen sind Tochtergeschwülste eines bereits bestehenden Krebstumors im Körper, dem sogenannten Primärtumor. Mehr als ein Viertel der Patienten mit einem bösartigen Tumor im Körper entwickeln Tochtergeschwülste im Gehirn. Meistens zeigen Hirnmetastasen das Endstadium oder zumindest ein weit fortgeschrittenes Stadium der ursächlichen Krebserkrankung an.

Ursachen und Risikofaktoren für Hirnmetastasen

Von dem Primärtumor im Körper lösen sich einzelne Zellen oder Zellgruppen ab und gelangen über die Blutgefäße oder Lymphbahnen in eine andere Körperregion. Im ungünstigsten Fall setzen sie sich auch im Gehirn fest und wachsen dort - es entstehen Hirnmetastasen.

Das Risiko für Hirnmetastasen besteht bei folgenden Tumorerkrankungen in absteigender Häufigkeit:

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  1. Lungenkrebs (Bronchialkarzinom)
  2. Brustkrebs (Mammakarzinom)
  3. Schwarzer Hautkrebs (malignes Melanom)
  4. Nierenzellkarzinom (Nierenkrebs)
  5. Bösartige Tumoren im Verdauungstrakt
  6. Bösartige Tumoren im Harntrakt

Da sehr viele Menschen an Lungenkrebs leiden, ist er für etwa die Hälfte aller diagnostizierten Hirnmetastasen verantwortlich. Die zweithäufigste Krebsart, die als Ursache von Hirnmetastasen identifiziert wird, ist mit etwa 20 Prozent Brustkrebs, gefolgt vom Schwarzen Hautkrebs, bösartigen Tumoren im Verdauungstrakt sowie Krebserkrankungen im Harntrakt und an den Genitalien.

Es ist wichtig zu beachten, dass fast jeder Tumor ins Gehirn streuen kann, auch wenn das Risiko bei einigen Krebsarten höher ist als bei anderen.

Symptome von Hirnmetastasen

Da verschleppte Tumorzellen oft an unterschiedlichen Stellen im Gehirn anwachsen, unterscheiden sich auch die Hirnmetastasen-Symptome. Ob Symptome auftreten und welche dies sein können, hängt vornehmlich von Lage und Größe der Metastase ab. Meist sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder ein epileptischer Anfall die ersten Anzeichen. Prinzipiell sind aber alle Symptome möglich, die auch bei einem primärer Hirntumor vorkommen.

Häufige Symptome von Hirnmetastasen:

  • Anhaltende Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schwindel
  • Neurologische Ausfälle (Gefühls- und Sprachstörungen, Lähmungen)
  • Spontanes und vermehrtes Kribbeln
  • Zuckungen und epileptische Anfälle
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Veränderungen beim Sehen, Riechen, Hören oder Tasten
  • Krampfanfälle ähnlich wie bei einer Epilepsie
  • Müdigkeit bis hin zu Bewusstseinsstörungen

Es ist wichtig zu beachten, dass viele Symptome einer Hirnmetastase relativ unspezifisch sind. Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindel können also viele, meist weniger dramatische Ursachen haben. Bei lang anhaltenden, starken und ungewöhnlich verlaufenden Kopfschmerzen oder sich nicht bessernder Übelkeit, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden, der gegebenenfalls Untersuchungen zur Abklärung der Symptome veranlassen wird.

Diagnose von Hirnmetastasen

Die Untersuchung auf Hirnmetastasen erfolgt häufig dann, wenn bereits eine andere Krebserkrankung festgestellt wurde und der Arzt abklären will, ob sich Metastasen im Gehirn gebildet haben. Manchmal klagen Betroffene bereits über Hirntumor-Symptome, ohne dass eine Krebserkrankung diagnostiziert ist. Der Arzt stellt sie dann erst im Zuge der Untersuchungen fest.

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Diagnostische Verfahren bei Verdacht auf Hirnmetastasen:

  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt prüft, ob es neurologische Fehlfunktionen gibt, und testet auf Reflexe, Veränderungen in den Bewegungen und schaut, ob das Denkvermögen (kognitive Funktionen) beeinträchtigt sind.
  • Bildgebende Verfahren: Mithilfe der Computertomografie (CT) und der Magnetresonanztomografie (MRT) lassen sich Tumoren im Gehirn meist gut ausfindig machen. Diese Verfahren machen auffällige und veränderte Gewebestrukturen sichtbar. Die MRT ist dabei das sensitivere Verfahren.
  • Biopsie: Für die genauere Beurteilung des Tumors entnimmt der Arzt mitunter Gewebeproben (Biopsie). Im Mikroskop lassen sich Veränderungen der Zellen genau betrachten und so der Schweregrad des Tumors bereits eingrenzen. Anhand einer Laboruntersuchung von Hirnmetastasen-Gewebe kann möglicherweise auf den Primärtumor geschlossen werden.
  • Liquorpunktion: Bei Verdacht auf eine Meningeosis carcinomatosa kann eine Nervenwasseruntersuchung (Liquorpunktion) durchgeführt werden, um Krebszellen im Nervenwasser nachzuweisen.
  • Blutuntersuchungen: Zusätzliche Blutuntersuchungen geben Aufschluss über bestimmte Substanzen, die Tumorzellen absondern (Tumormarker).
  • Molekularpathologische Untersuchungen: Der Arzt führt sogenannte molekularpathologische Untersuchungen durch, über die sich detaillierte Aussagen darüber treffen lassen, was genau im Inneren der Zellen gestört ist. Diese Untersuchungen sind sehr hilfreich, um eine Prognose zu stellen und den Behandlungsplan möglichst optimal darauf auszurichten.

Behandlung von Hirnmetastasen

Hirnmetastasen behandeln Mediziner prinzipiell ähnlich wie primäre Hirntumoren. Die Behandlung hängt von verschiedenen Faktoren ab: etwa dem Ursprungstumor, dem Krankheitsstadium und dem allgemeinen Gesundheitszustand eines Patienten oder einer Patientin.

Behandlungsoptionen bei Hirnmetastasen:

  • Symptomlinderung: Zunächst steht die Linderung der Symptome im Vordergrund, um die Lebensqualität des Patienten zu erhalten oder wiederherzustellen. Da Symptome oftmals durch Ödeme ausgelöst werden, kommen zunächst Medikamente mit abschwellender Wirkung zum Einsatz. Dazu werden Kortikosteroide („Kortison“) verabreicht, die ihre Wirkung schnell entfalten. Patienten, die unter epileptischen Krampfanfällen leiden, werden mit Antikonvulsiva („Antiepileptika“) behandelt.
  • Operation: Bei einem großen Durchmesser von mehreren Zentimetern entfernt der Arzt sie in der Regel operativ. Da bei einigen Patienten mit Hirnmetastasen (ca. 10 - 20 %) der Primärtumor nicht bekannt ist, bietet eine Operation die Möglichkeit, Tumorgewebe zu gewinnen. Durch dessen Charakterisierung im Labor kann möglicherweise auf den Primärtumor geschlossen werden. Tief im Gehirn gelegene Metastasen, oder Metastasen, die in der Nähe besonders wichtiger Hirnregionen (z.B. Sprachzentrum) liegen, sind oft schwer zu operieren.
  • Strahlentherapie: Liegen mehr als drei Hirnmetastasen vor, ist eine zusätzliche Bestrahlungstherapie notwendig. Bei Betroffenen mit fortgeschrittenem Krankheitsbild und einem reduzierten Gesundheitszustand stellt die Ganzhirnbestrahlung eine wichtige Therapieform dar. Sind nur wenige Metastasen im Gehirn vorhanden, kann die sehr gezielte sogenannte stereotaktische Strahlentherapie (Radiochirurgie) z. B. mittels Gamma-Knife oder Cyberknife zum Einsatz kommen. Die stereotaktische Strahlentherapie kann in jeder Hirnregion und dadurch auch bei inoperablen Metastasen eingesetzt werden. Die gezielte Bestrahlung kommt in der Regel auch nach einer Operation als ergänzende Therapie zum Einsatz. Durch die Bestrahlung sollen vereinzelte Tumorzellen, die möglicherweise nach der Operation im Gehirn verblieben sind, abgetötet werden. Damit soll ein Rückfall verhindert werden. Liegen jedoch viele Metastasen im Gehirn vor, wird meist das ganze Gehirn bestrahlt.
  • Chemotherapie: Außerdem kommt eine Chemotherapie infrage. Dabei wirken spezielle Medikamente dem Primarius entgegen und hindern ihn am weiteren Wachstum. Ein besonderes Problem: Da das Gehirn sehr gut vor äußeren Einflüssen geschützt ist, gelangen nur einige Chemotherapie-Medikamente in ausreichender Dosierung bis zu den Metastasen.
  • Zielgerichtete Therapien und Immuntherapie: Mittlerweile gehört auch die medikamentöse Therapie zu den zusätzlichen Behandlungsmöglichkeiten bei einigen Patienten mit Hirnmetastasen. Dies ist besonders den Fortschritten in der Entwicklung der sogenannten zielgerichteten Therapien zu verdanken. Dies sind Therapien, die spezifisch gegen den Krebs wirken, weil sie auf molekulare Eigenschaften von Krebszellen abzielen, die nur diesen, nicht oder kaum jedoch gesunden Körperzellen eigen sind. Auch Immuntherapien, die die körpereigene Abwehr wieder mobilisieren, konnten in Studien die Überlebenszeiten bei bestimmten Patientengruppen signifikant verlängern.
  • Antihormontherapie: Sollte es sich um einen hormonempfindlichen Primärtumor handeln (z. B. Brustkrebs), kommt eventuell eine Antihormontherapie in Frage.

Generell müssen bei der Wahl der Therapie immer mehrere Faktoren berücksichtigt werden. Lage, Größe oder Anzahl der Metastasen schließen bereits einige Therapiemöglichkeiten aus. Außerdem wichtig bei der Wahl einer Therapie sind Faktoren, die auf die Überlebensaussichten des Patienten schließen lassen. Eine gute Kontrolle des ursächlichen Krebsleidens oder ein langer Zeitraum zwischen der Diagnose des Primärtumors und der Hirnmetastase sind Faktoren, die eine aggressive Behandlung der Hirnmetastase rechtfertigen.

Prognose bei Hirnmetastasen

Meistens entwickeln sich erst in einem späten Krebsstadium Hirnmetastasen. Lebenserwartung und Krankheitsverlauf hängen daher auch von der Grunderkrankung des Betroffenen ab. Ist das ursächliche Krebsleiden gut behandelbar, überleben die Betroffenen meistens länger. Außerdem gilt es als gutes Zeichen, wenn Hirnmetastasen erst lange Zeit nach der Krebsdiagnose auftreten.

Jüngere Erkrankte und solche mit einem relativ guten Gesamtzustand haben meistens eine höhere Lebenserwartung. Bei multiplen Hirnmetastasen ist die Prognose in der Regel schlechter als bei einer einzelnen Tochtergeschwulst.

Insgesamt beträgt die Lebenserwartung bei Patienten mit Hirnmetastasen nur drei bis sechs Monate. Etwa zehn Prozent der Betroffenen überleben die ersten zwölf Monate nach der Diagnose, nur einzelne Patienten leben noch mehrere Jahre mit ihrer Erkrankung. Bei einer Meningeosis carcinomatosa ist die Prognose noch schlechter. Selbst eine Therapie hebt das mittlere Überleben nur von wenigen Wochen auf einige Monate an.

Etwa die Hälfte aller Betroffenen verstirbt an ihrer primären Tumorerkrankung und nicht unbedingt an den Hirnmetastasen.

Vorbeugung von Hirnmetastasen

Der Ursprung von Hirnmetastasen liegt in anderen Krebserkrankungen im Körper, von denen aus der Tumor beginnt zu streuen. Diesem Prozess lässt sich kaum bis gar nicht vorbeugen. In einigen Fällen, in denen noch keine Hirnmetastasen festzustellen sind, empfehlen Ärzte, vorbeugend den Kopf zu bestrahlen. Grundsätzlich hilft eine gesunde Lebensweise, das Risiko für eine Krebserkrankung zu senken.

Unterstützung für Betroffene und Angehörige

Die Diagnose Hirnmetastasen ist für Patienten und ihre Angehörige eine erschreckende Nachricht. Es ist wichtig, sich in dieser schwierigen Situation professionelle Hilfe und Unterstützung zu suchen.

Anlaufstellen für Betroffene und Angehörige:

  • Kliniksozialdienst: Für Patienten im Krankenhaus, Anmeldung über Ärzte oder über die Stationsleitung, in großen Zentren auch für ambulant betreute Patienten möglich.
  • Psychologische Beratung im Krankenhaus: Anmeldung über Ärzte oder Pflegeleitung.
  • Krebsberatungsstellen: Bieten psychosoziale Beratung und Unterstützung.
  • Niedergelassene Psychoonkologen: Bieten psychotherapeutische Begleitung.
  • Selbsthilfegruppen: Bieten Austausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen.

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