Hirntumor bei Kindern: Inoperabel, Lebenserwartung, Kortison und Studien

Ein Hirntumor bei einem Kind ist eine erschütternde Diagnose, die das Leben der gesamten Familie auf den Kopf stellen kann. Wenn der Tumor als inoperabel eingestuft wird, wirft dies viele Fragen auf, insbesondere bezüglich der Lebenserwartung, der Behandlungsmöglichkeiten wie Kortison und der Bedeutung von Studien. Dieser Artikel beleuchtet diese Aspekte und bietet einen umfassenden Überblick über die komplexe Situation.

Die Diagnose und ihre Folgen

Der 16. September 2005 markierte für die Familie von Michael den Beginn einer Katastrophe, als er die Diagnose Hirntumor erhielt, mit Verdacht auf ein Glioblastom. Zu diesem Zeitpunkt waren seine Kinder Christina neun Monate, Martin sechs Jahre und Timo neun Jahre alt. Michaels Krankheitsgeschichte begann mit Veränderungen seiner Migräne, unter der er seit seiner Kindheit litt. Nach anfänglichem Zögern suchte er schließlich einen Arzt auf, nachdem sich seine Beschwerden verschlimmert hatten.

Am 21. September 2005 wurde Michael zur Biopsie in ein Krankenhaus eingeliefert. Nach der Entlassung folgte eine Zeit des Wartens auf den Befund. Um das ausgeprägte Hirnödem zu behandeln, erhielt Michael täglich 12 mg Kortison, was zunächst zu einer subjektiven Besserung führte.

Die Hoffnung auf eine Operation und die Realität

Anfang Oktober erhielt die Familie den Anruf mit dem Befund und der Einladung zu einem Aufklärungsgespräch. Die Diagnose war niederschmetternd, und die statistische Überlebenszeit wurde genannt. Nach anfänglicher Hoffnung auf eine Operation stellte sich heraus, dass die MRT-Bilder nicht auffindbar waren, was die Entscheidung erschwerte. Schließlich wurde ein OP-Termin festgesetzt, und Michael unterzog sich dem Eingriff.

Der Verlauf nach der Operation

Nach der Operation, die Michael zunächst gut überstanden hatte, traten Komplikationen auf. Starke Kopfschmerzen machten Infusionen mit Schmerzmitteln erforderlich. Es gab widersprüchliche Aussagen über die Vollständigkeit der Tumorentfernung. Michael hatte mit verschiedenen neurologischen Problemen zu kämpfen, darunter Orientierungsschwierigkeiten, ein verändertes Körpergefühl, Gesichtsfeldausfälle und Agraphie.

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Die Bedeutung von Kortison

Kortison spielte während Michaels Erkrankung eine wichtige Rolle. Es wurde zur Behandlung des Hirnödems eingesetzt und führte zunächst zu einer Besserung der Symptome. Allerdings hatte die Cortisoneinnahme auch Nebenwirkungen, wie eine Gewichtszunahme. Im weiteren Verlauf der Behandlung wurde die Kortisondosis reduziert und schließlich abgesetzt.

Bestrahlung und Chemotherapie

Nach der Operation folgten Bestrahlung und Chemotherapie. Michael erhielt Temodal während der Bestrahlungszeit und trug eine Maske, die aufgrund der Gewichtszunahme durch das Cortison immer enger wurde. Trotz der Strapazen versuchte Michael, die Situation mit Humor zu nehmen.

Rehabilitation und Rückschläge

Michael beantragte eine Anschlussheilbehandlung, um sich von den Strapazen der Behandlung zu erholen. Während der Reha-Maßnahme machte er Fortschritte, erlitt jedoch einen epileptischen Anfall, der eine erneute Krankenhausaufnahme erforderlich machte.

Glioblastom: Eine aggressive Form von Hirntumor

Ein Glioblastom ist ein bösartiger Hirntumor, der zu den Gliomen gehört und von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dem Grad 4 zugeordnet wird, dem höchsten Schweregrad. Es ist die häufigste Form von Gliom und gilt nach aktuellem Stand der Medizin als nicht heilbar.

Meistens bildet sich der Tumor in einer Großhirnhälfte und wächst schnell über den Balken in die andere Gehirnhemisphäre ein. Unter dem Mikroskop zeigt das Tumorgewebe kleine Hohlräume (Zysten), abgestorbenes Gewebe (Nekrosen) und Einblutungen.

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Primäres und sekundäres Glioblastom

Die Tumorzellen des Glioblastoms stammen von Gliazellen ab, die wichtige Funktionen im zentralen Nervensystem erfüllen. Es wird zwischen einem primären und einem sekundären Glioblastom unterschieden:

  • Primäres Glioblastom: Entsteht direkt aus gesunden Gliazellen und betrifft vorwiegend ältere Personen.
  • Sekundäres Glioblastom: Entwickelt sich aus einem Hirntumor niedrigeren WHO-Grades und betrifft jüngere Menschen.

Häufigkeit

Männer sind häufiger von einem Glioblastom betroffen als Frauen. Jährlich erkranken etwa drei von 100.000 Personen an einem solchen Hirntumor.

Spezielle Varianten

In seltenen Fällen grenzen sich spezielle Varianten vom Glioblastom ab, wie das Gliosarkom, das Riesenzell-Glioblastom und das epitheloide Glioblastom. Diagnose, Therapie und Prognose sind jedoch bei allen Varianten gleich. Gleiches gilt für Glioblastome bei Kindern.

Lebenserwartung bei Glioblastom

Selbst unter maximaler Therapie ist ein Glioblastom in der Regel nicht heilbar. Die mittlere Überlebenszeit beträgt etwa 15 Monate bzw. wenige Jahre bei einem Glioblastom mit MGMT-Promotor-Methylierung. Etwa fünf bis sieben Prozent der Betroffenen überleben durchschnittlich fünf Jahre. Ohne Therapie kann eine erkrankte Person bereits nach circa zwei Monaten sterben.

Faktoren, die die Lebenserwartung beeinflussen

  • Tumoreigenschaften: Einige Tumorzellen lassen sich besser behandeln als andere.
  • Verträglichkeit der Therapie: Erkrankte vertragen Chemotherapeutika und Strahlentherapie unterschiedlich gut.
  • Individuelle Entscheidung: Betroffene können bis zu einem gewissen Grad selbst den Glioblastom-Verlauf beeinflussen, indem sie eine kürzere Lebenszeit akzeptieren, wenn sich dadurch ihre Lebensqualität verbessert.

Symptome eines Glioblastoms

Die Symptome eines Glioblastoms wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Sprachstörungen oder epileptische Anfälle nehmen ungewöhnlich rasch zu. Die Beschwerden hängen von der genauen Lokalisation des Tumors ab.

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  • Kopfschmerzen: Treten typischerweise während der Nacht oder in den frühen Morgenstunden auf und bessern sich im Laufe des Tages.
  • Weitere mögliche Symptome: Krampfanfälle, Wesensveränderungen, Müdigkeit, Sprach- und Bewegungsstörungen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für die Entstehung eines Glioblastoms sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch eine Reihe von Faktoren, die das Risiko erhöhen:

  • Ionisierende Strahlen: Strahlentherapie eines anderen Tumors kann ein Glioblastom verursachen.
  • Erbliche Krankheitsbilder: Neurofibromatose, Tuberöse Sklerose, Turcot-Syndrom, Lynch-Syndrom, Li-Fraumeni-Syndrom.
  • Radiofrequenzfelder: Ein Zusammenhang wird diskutiert, ist aber noch nicht eindeutig belegt.

Diagnose von Glioblastom

Die Diagnose eines Glioblastoms wird in der Regel von Neurologen gestellt. Sie befragen und untersuchen den Betroffenen eingehend und veranlassen eine Bildgebung des Schädels.

Untersuchungen

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte.
  • Neurologische Untersuchung: Prüfung auf neurologische Ausfallerscheinungen.
  • Neuropsychologische Tests: Beurteilung kognitiver Fähigkeiten.
  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomografie (MRT), Computertomografie (CT), Positronen-Emissions-Tomografie (PET).
  • Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe zur Untersuchung im Labor.

MGMT-Promotor-Methylierung

Die MGMT-Promotor-Methylierung ist ein prädiktiver Marker, mit dessen Hilfe Ärzte abschätzen, wie wirksam eine bestimmte Therapie ist.

Behandlung von Glioblastom

Die Therapie der Wahl bei einem Glioblastom ist eine radikale Operation (Resektion), gefolgt von Bestrahlung und Chemotherapie. Unter Umständen werden auch Tumortherapiefelder (TTF) angewendet.

Die genaue Behandlung richtet sich nach verschiedenen Faktoren, wie der Größe und Lage des Tumors, dem Alter und dem Allgemeinzustand des Patienten.

Operation

Ziel der Operation ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen, ohne dabei wichtige Hirnfunktionen zu beeinträchtigen.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie soll die verbliebenen Tumorzellen abtöten und das Wachstum des Tumors verlangsamen.

Chemotherapie

Die Chemotherapie wird in der Regel in Kombination mit der Strahlentherapie eingesetzt. Das am häufigsten verwendete Chemotherapeutikum ist Temozolomid.

Tumortherapiefelder (TTF)

TTF sind elektrische Felder, die das Wachstum von Tumorzellen hemmen sollen.

Hirnmetastasen

Hirnmetastasen sind Absiedlungen von Tumoren, die zunächst in einem anderen Organ entstanden sind. Sie sind mittlerweile häufiger als Tumoren, die direkt im Gehirn entstehen.

Symptome von Hirnmetastasen

Die Symptome von Hirnmetastasen hängen von der Lage und Größe der Metastase ab.

  • Häufige Symptome: Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel.
  • Weitere mögliche Symptome: Funktionsstörungen, Lähmungen, psychische Auffälligkeiten, epileptische Anfälle.

Behandlung von Hirnmetastasen

Die Behandlung von Hirnmetastasen hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Größe und Lage der Metastase, der Anzahl der Metastasen und dem Allgemeinzustand des Patienten.

  • Medikamentöse Therapie: Kortikosteroide, Antikonvulsiva.
  • Operation: Entfernung der Metastase.
  • Strahlentherapie: Stereotaktische Strahlentherapie, Ganzhirnbestrahlung.
  • Zielgerichtete Therapien: Medikamente, die spezifisch gegen den Krebs wirken.
  • Immuntherapie: Medikamente, die die körpereigene Abwehr wieder mobilisieren.

Studien und Forschung

Die Forschung im Bereich der Hirntumoren, insbesondere bei Kindern, ist von großer Bedeutung. Klinische Studien bieten die Möglichkeit, neue Therapieansätze zu testen und die Behandlungsergebnisse zu verbessern. Es ist wichtig, sich über aktuelle Studien zu informieren und die Teilnahme an einer Studie in Erwägung zu ziehen.

Umgang mit der Diagnose

Die Diagnose eines inoperablen Hirntumors bei einem Kind ist eine immense Belastung für die gesamte Familie. Es ist wichtig, sich professionelle Hilfe zu suchen, um mit der Situation umzugehen. Psychoonkologen, Selbsthilfegruppen und andere Beratungsstellen können Unterstützung und Informationen bieten.

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