Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die hauptsächlich ältere Menschen betrifft und sich durch motorische und nicht-motorische Symptome auszeichnet. Obwohl es keine Heilung gibt, können verschiedene Behandlungsansätze, einschließlich medikamentöser Therapien, Operationen und insbesondere Bewegungsangebote, die Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Bewegungsangebote, die für Menschen mit Parkinson zur Verfügung stehen, und beleuchtet die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu ihrer Wirksamkeit.
Was ist Parkinson?
Die Parkinson-Krankheit, kurz Parkinson, ist eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns, die meist Menschen über 60 Jahren betrifft. Parkinson-Symptome beginnen schrittweise. Dazu gehören vor allem Probleme mit der Bewegung, etwa zitternde Hände (Tremor), erhöhte Anspannung der Muskulatur (Rigor), Bewegungsverlangsamung (Bradykinese) sowie eine Störung der aufrechten Körperhaltung und Schwierigkeiten, das Gleichgewicht beim Gehen und Stehen zu halten. Dadurch ist das Risiko erhöht, zu stürzen. Typisch ist kleinschrittiger, schlurfender Gang. Menschen mit Parkinson können auch psychische Veränderungen erleiden wie Stimmungsschwankungen, Depressionen, erhöhte Müdigkeit oder Schlafstörungen. Auch das Denken kann verlangsamt sein.
Die Erkrankung lässt sich nicht heilen, aber die Symptome lassen sich durch Medikamente oder eine Operation - das Einsetzen eines „Hirnschrittmachers“ - lindern. Außerdem können Menschen mit Parkinson von Physiotherapie und allgemein von Bewegung profitieren.
Cochrane Review: Die Bedeutung von Bewegung bei Parkinson
Ein systematischer Review des deutschen Cochrane-Teams um Elke Kalbe, Professorin für Medizinische Psychologie an der Universitätsklinik Köln, hat die Auswirkungen verschiedener Bewegungsangebote bei Menschen mit Morbus Parkinson untersucht. Die Übersichtsarbeit ist der größte und umfassendste systematische Review über die Auswirkungen verschiedener Bewegungsangebote bei Menschen mit Morbus Parkinson.
Das Team wertete 156 randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) aus, also Studien, bei denen teilnehmende Personen per Zufall auf verschiedene Untersuchungsgruppen verteilt werden. Die Studien verglichen ein bestimmtes Bewegungsangebot mit keiner Bewegung oder mit anderen Bewegungsangeboten. Insgesamt nahmen 7.939 Personen aus der ganzen Welt an den Studien Teil. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden in den eingeschlossenen Studien lag zwischen 60 und 74 Jahren. Die meisten von ihnen waren leicht bis mittelschwer an Parkinson erkrankt und hatten keine schweren kognitiven Beeinträchtigungen.
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Die Auswertung der verfügbaren Evidenz aus RCTs ergab, dass strukturierte Bewegungsangebote - von Tanzen, Bewegung im Wasser, Krafttraining und Ausdauertraining bis hin zu Tai Chi, Yoga und Physiotherapie - leichte bis starke Verbesserungen des Schweregrads von Bewegungssymptomen und der Lebensqualität bewirken.
Prof. Dr. rer. nat. Elke Kalbe (Köln) sagt: „Parkinson kann zwar nicht geheilt, die Symptome können aber gelindert werden, wobei auch Physiotherapie oder andere Bewegungsangebote helfen können. Bislang war unklar, ob bestimmte Arten von Bewegung besser wirken als andere. Erstautor des Reviews Moritz Ernst (Köln) berichtet: „Wir beobachteten klinisch bedeutsame Verbesserungen im Schweregrad motorischer Symptome für die meisten Bewegungsangebote. Dazu gehörten Tanzen, Gang-, Gleichgewichts- und Funktionstraining, multimodales Training, also eine Kombination mehrerer Bewegungsformen, und Körper-Geist-Training wie z. B. Tai Chi oder Yoga.“ Ähnliche Verbesserungen beim Schweregrad der Bewegungssymptome erzielten Bewegung im Wasser, Krafttraining und Ausdauertraining.
Die Autoren räumen ein, dass die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für die Ergebnisse in vielen Fällen nicht groß sei. Dies liege vor allem daran, dass viele Studien sehr klein waren und häufig nicht alle Informationen über den Schweregrad motorischer Symptome und die Lebensqualität aller Teilnehmer berichtet waren. Kalbe weist darauf hin, dass die vorgelegten Ergebnisse nicht ausschließen, dass bestimmte motorische Symptome am wirksamsten durch speziell für Menschen mit Parkinson konzipierte Programme z. B. aus der Physiotherapie behandelt werden können.
Tanzen als besonders effektive Bewegungsform
Besonders gute Evidenz fand sich fürs Tanzen: Die Schwere der Bewegungssymptome verbesserte sich auf einer für Parkinson gängigen Skala um gut 10 Punkte - dabei gelten schon Veränderungen ab 2,5 Punkten als klinisch relevant. Auf welche Art und Weise diese Effekte zustande kommen, war nicht Frage dieses Reviews. Doch offenbar fördern Musik, Rhythmus und akustische Signale (Schritte zählen) den Bewegungsfluss. Hinzu kommt der soziale Effekt: Bewegung in der Gruppe macht Spaß, verbindet mit anderen und stärkt die Selbstwirksamkeit, also das Selbstvertrauen, schwierigen Situationen gewachsen zu sein. All dies trägt zur Lebensqualität bei und beugt Depressionen vor.
Alternativen zum Tanzen
Tanzmuffel haben Alternativen: Bedeutsame Verbesserungen im Schweregrad motorischer Symptome ergaben sich für die meisten Bewegungsangebote. Allerdings ist die Datenlage hier weniger gut, weshalb die Größe des Effekts nicht gut abzuschätzen ist. Das gilt auch für die subjektiv wahrgenommene Lebensqualität: Verschiedenste körperliche Betätigungen brachten durchaus relevante Verbesserungen mit sich.
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Vielfalt der Bewegungsangebote für Parkinson-Patienten
Es gibt eine Vielzahl von Bewegungsangeboten, die Menschen mit Parkinson in Anspruch nehmen können. Die Angebote reichten von Tanzen, Bewegung im Wasser, Krafttraining, Ausdauertraining, Beweglichkeitstraining, Gang-, Gleichgewichtstraining beziehungsweise funktionellem Training bis hin zu Tai Chi und Yoga, sowie einem sogenannten multimodalen Training (also eine Kombination mehrerer Bewegungsformen). In den Studien wurden die Bewegungsangebote meist zweimal pro Woche angeboten.
Physiotherapie
Physiotherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Parkinson-Behandlung. Wissenschaftliche Studien über die Effekte rehabilitativer Maßnahmen bei Menschen mit Parkinson belegen, dass krankengymnastische und ergotherapeutische Übungen jedoch nur dann einen Effekt erzielen, wenn sie längerfristig, auch nach einem Rehabilitationsaufenthalt, zu Hause weiter durchgeführt werden.
Die seit 2020 abgelaufene und seit mehr als fünf Jahren nicht mehr aktualisierte S3-Leitlinie zum idiopathischen Parkinson-Syndrom (AWMF Registernr. 030-010) verwendet eine Definition von Physiotherapie, die auch sportliches Training umfasst.
Ergotherapie
Gerade durch den Erhalt der Hand- und Fingerfunktionen, die das Halten und das Greifen mit der Hand ermöglichen, bewahren Sie sich Ihre Selbstständigkeit. Funktionsspiele (Ergotherapie) fördern motorische Funktionen (wie Hand- und Fingerfunktionen) oder basale Komponenten wie Gedächtnis, Konzentration und Strategiedenken.
Logopädie
Neben der Verbesserung der Motorik ist auch die Erhaltung der Sprechfähigkeit wichtig. Logopädie kann helfen, Schwierigkeiten beim Sprechen zu verbessern.
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Wassergymnastik
Die Bewegung im Wasser (z. B. Gangtraining oder Wassergymnastik) bewirkt leichte bis starke Verbesserungen des Schweregrads von Bewegungssymptomen und der Lebensqualität. Aquafitness ermöglicht zum Beispiel ein sanftes Muskeltraining. Viele Übungen in der Turnhalle oder zu Hause helfen Ihnen, leichter in Bewegung zu kommen, indem Sie das Gehen mit großen Schritten trainieren oder das Dehnen Ihrer Muskeln. Sehr hilfreich sind auch Übungen im warmen Wasser.
Nordic Walking
Optimal für Menschen mit Haltungsproblemen ist Nordic Walking, da es die rhythmische Bewegung und die Aufrichtung fördert, die gerade bei Morbus Parkinson sehr wichtig sind. Außerdem ist die Technik schnell erlernbar, kann praktisch vor der Haustür ausgeübt und zusammen mit Anfängern und Fortgeschrittenen trainiert werden. Nordic Walking fördert Gleichgewicht, Haltungsstabilität, Laufgeschwindigkeit und Schrittlänge.
Tai Chi und Yoga
Körper-Geist-Training wie z. B. Tai Chi oder Yoga bewirkt leichte bis starke Verbesserungen des Schweregrads von Bewegungssymptomen und der Lebensqualität. Die traditionelle chinesische Kampfkunst Tai-Chi kann Körperhaltung, Gleichgewicht, Koordination und Körpergefühl verbessern.
Tischtennis
Tischtennis wird von Experten als eine ideale Sportart für Menschen mit Parkinson angesehen, da es das fördert, was diese Krankheit den Betroffenen oft nimmt: Beweglichkeit. Beim Tischtennisspielen werden sowohl Ober- als auch Unterkörper beansprucht, was dazu beiträgt, das Reaktionsvermögen zu verbessern und koordinative Fähigkeiten wie die Auge-Hand-Koordination zu trainieren. Ein weiterer positiver Effekt des Tischtennisspielens für Parkinson-Patienten ist die Möglichkeit, beim Spielen „abzuschalten“, was oft zu einer Verringerung der erhöhten Muskelspannung führt. Es wurde auch beobachtet, dass nach einem Tischtennistraining die benötigte Medikamentendosis bei einigen Patienten reduziert werden konnte. Es wird vermutet, dass das Parkinson-Medikament L-Dopa durch körperliche Aktivität schneller ins Gehirn gelangt. Insgesamt wird Tischtennis als eine Sportart empfohlen, die Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit bei Menschen mit Parkinson fördert und positive Auswirkungen auf die Symptome dieser Erkrankung haben kann.
Smovey-Ringe
Trainieren mit Smovey-Ringen „Von Betroffenen für Betroffene“, so kann das Angebot der Parkinsongruppe Ibbenbüren am besten beschrieben werden. Unter dem Motto „swing - move and smile“ trainieren einmal wöchentlich Parkinsonerkrankte und deren Angehörige, unter Anleitung von ebenfalls von der Krankheit betroffenen Übungsleitern, mit Somvey-Ringen. Vier Kugeln in einem geriffelten Schlauch, werden durch Bewegungen hin und her bewegt und lösen so Vibrationen aus, die insbesondere die kleinen Skelettmuskeln stimulieren. Dadurch lassen sich die Wirbelsäule und Gelenke stabilisieren. Zudem wirken die Vibrationen sogar bis ins motorische Zentrum des Gehirns und sorgen für positive Effekte. Zusätzlich wird durch Koordinationsübungen die körperliche und geistige Beweglichkeit verbessert. In unserer altersgemischten Gruppe kann jeder selbst bestimmen, wie intensiv er die Ringe schwingen möchte. Darüber hinaus ist der Austausch untereinander ein wichtiger Bestandteil der Übungsstunde.
Übungen für zu Hause
Bei den Aktivitäten im Sitzen können einfache Bewegungsmuster in der Wohnung durchgeführt werden. Gerade bei den Ballübungen kann die Familie - inklusive der Enkelkinder - gut einbezogen werden. Diese Übungen erhalten und verbessern das Gleichgewicht, die Rumpfkontrolle, -stabilität und -beweglichkeit sowie die freie Schulter- und Armbeweglichkeit.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dem sogenannten "Freezing-Phänomen" (Bewegungen frieren plötzlich ein) entgegenzuwirken. Sagen Sie sich laut vor, was Sie tun möchten, z. B. "rechtes Bein nach vorne". Um im Takt zu bleiben, hören Sie Musik beim Laufen - allerdings nur so laut, dass Sie Ihre Umgebung noch wahrnehmen. Steigen Sie bewusst über etwas hinüber, um wieder in Gang zu kommen - das kann ein Fuß einer anderen Person oder auch ein spezieller Gehstock mit ausklappbarem Querbalken sein.
Wenn es auch nur eine Übung gibt, die Ihnen gut tut, dann üben Sie diese, auch um zu spüren: "Mein Körper macht gerade genau das, was ich möchte". Üben Sie alleine oder mit Angehörigen.
Praktische Tipps für Bewegung im Alltag
- Regelmäßigkeit: Planen Sie regelmäßig Zeit für Bewegung ein - am besten zwei- bis dreimal pro Woche für etwa 15 bis 60 Minuten.
- Freude an der Bewegung: Ob Gymnastik, Yoga, Nordic Walking oder Tanzen - wichtig ist, dass es Ihnen Freude macht und regelmäßig durchgeführt werden kann.
- Langsam beginnen: Wenn Bewegung oder Sport bisher keine große Rolle in Ihrem Alltag gespielt haben, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, damit anzufangen. Schon kleine Schritte können viel bewirken. Beginnen Sie mit einfachen Übungen, zum Beispiel zur Verbesserung Ihrer Körperhaltung, oder machen Sie regelmäßig Spaziergänge.
- Ärztliche Beratung: Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, welche Aktivitäten zu Ihrer körperlichen Belastbarkeit passen und mögliche gesundheitliche Einschränkungen berücksichtigen.
- Parkinson-Sportgruppen: Nutzen Sie auch die Angebote von Parkinson-Sportgruppen oder Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe.
- Überforderung vermeiden: Hören Sie auf Ihren Körper und bleiben Sie zu Beginn lieber etwas unter Ihrer persönlichen Belastungsgrenze.
- Achtsamkeit: Treten während des Trainings Schmerzen, Schwindel oder andere Beschwerden auf, beenden Sie die Übung und sprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber.
- Motivation: Musik oder rhythmische Bewegungen können Ihnen dabei helfen, im richtigen Takt zu bleiben und das sogenannte Einfrieren („Freezing“) zu vermeiden.
- Sicherheit: Wenn Sie sich unsicher auf den Beinen fühlen, führen Sie die Übungen im Sitzen durch oder stützen Sie sich an einer Wand oder einem Stuhl ab.
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