Beziehung mit Multipler Sklerose: Tipps für Frauen und ihre Partner

Multiple Sklerose (MS) verändert das Leben der Betroffenen in vielerlei Hinsicht. Besonders herausfordernd kann es sein, wenn die Sexualität beeinträchtigt ist. Dieser Artikel gibt Betroffenen und ihren Partnern Tipps, wie sie mit den Herausforderungen umgehen und eine erfüllte Beziehung trotz MS führen können.

Multiple Sklerose und Sexualität

Das zentrale Nervensystem (ZNS) spielt eine wichtige Rolle für die Sexualität, da es Nervenreize weiterleitet. Funktionsstörungen bestimmter Nervenbahnen können zu Beeinträchtigungen führen. Zärtlichkeit und Sexualität sind jedoch grundlegende Bedürfnisse und tragen zu einem erfüllten Leben bei - mit oder ohne MS.

Auswirkungen auf die Sexualität von Frauen

Frauen mit MS leiden häufig unter einer verminderten (oder gesteigerten, schmerzhaften) Empfindsamkeit der Genitalregion. Dies kann zu Trockenheit der Vagina führen, was wiederum schmerzhaft sein kann. In solchen Fällen können Gleitmittel oder Cremes helfen. Bei Inkontinenz-Problemen kann die Angst vor unkontrolliertem Urin- oder Stuhlabgang die Sexualität beeinträchtigen. Sexuelle Störungen können verschiedene Ursachen haben, wie neurologische Veränderungen oder typische körperliche MS-Dysfunktionen. Auch Veränderungen der Körperwahrnehmung können eine Rolle spielen und die Einstellung zum eigenen Körper verändern.

Herausforderungen für Betroffene

Viele Betroffene fühlen sich nicht mehr "voll funktionstüchtig", haben Schmerzen oder empfinden keine Lust mehr. Sie fühlen sich minderwertig, nicht mehr attraktiv oder begehrenswert. Es ist wichtig zu wissen, dass MS nicht zwangsläufig zu sexuellen Funktionsstörungen führt und Probleme oft erst im Laufe der MS-Jahre auftreten.

Neue Beziehungen und die Angst vor Ablehnung

Für Betroffene, die keine Beziehung haben, ist die Angst, sich aufgrund der sexuellen Problematik auf eine neue Beziehung einzulassen, oft sehr groß. Eine neue Beziehung einzugehen ist immer aufregend, aber wenn man weiß, dass man sexuell nicht mehr (so) aktiv sein kann, wird dies zu einer großen Hürde, die viel Selbstvertrauen, Mut und Selbstbewusstsein erfordert.

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Selbstbestimmte Sexualität trotz MS

Auch Außenstehende haben oft viele Fragen in Bezug auf Sex und Behinderung. Es ist wichtig zu betonen, dass zu einem selbstbestimmten Leben als Mensch mit Behinderung auch die selbstbestimmte Sexualität gehört. Es gibt keine Unterschiede in den sexuellen Bedürfnissen, denn es ist ein Grundbedürfnis, das bei fast allen Menschen gleich ist. Flirten, Freundschaften, Beziehungen sowie Zärtlichkeiten und Sexualität gehören zu einem erfüllten Leben.

Tipps für eine erfüllte Beziehung mit MS

Offene Kommunikation

Der wichtigste Punkt für beide Seiten: Reden Sie darüber! Angehörige sind nicht automatisch die Pfleger*innen, Betroffene nicht automatisch hilfsbedürftig. Sprechen Sie offen über Ihre Bedürfnisse, Wünsche, Ängste und Sorgen. Nur so können Sie gemeinsam Lösungen finden und Missverständnisse vermeiden.

Partnerschaftliche Rollenverteilung

Angehörige sind nicht automatisch die Pfleger*innen, Betroffene nicht automatisch hilfsbedürftig. Es ist wichtig, dass Sie als Paar eine Rollenverteilung finden, mit der beide zufrieden sind.

Informationen sammeln

Informieren Sie sich gemeinsam über die Krankheit und ihre Auswirkungen. Dies hilft Ihnen, die Situation besser zu verstehen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Unterstützung suchen

Scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Therapeut oder Berater kann Ihnen helfen, mit den Herausforderungen umzugehen und Ihre Beziehung zu stärken.

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Zeit für sich selbst und als Paar

Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst, um Kraft zu tanken. Verbringen Sie auch Zeit als Paar, in der die Erkrankung keine Rolle spielt. Unternehmen Sie etwas Schönes, entspannen Sie sich oder führen Sie anregende Gespräche.

Flexibilität und Geduld

Seien Sie flexibel und geduldig miteinander. Die MS kann sich im Laufe der Zeit verändern und neue Herausforderungen mit sich bringen.

Hilfsmittel und Medikamente

Informieren Sie sich über Hilfsmittel und Medikamente, die bei vorliegenden Symptomen helfen können (z. B. Vaginalgel bei Scheidentrockenheit oder Medikamente gegen Erektionsstörungen).

Körperliche Nähe und Zärtlichkeit

Auch wenn Sex nicht immer möglich ist, sind körperliche Nähe und Zärtlichkeit wichtig für eine erfüllte Beziehung. Streicheln, Küssen, Umarmen und Massagen können die Intimität stärken.

Alternative sexuelle Praktiken

Wenn herkömmlicher Sex nicht möglich ist, können Sie alternative sexuelle Praktiken ausprobieren, wie z. B. Oralsex, Masturbation oder Sextoys.

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Selbstliebe und Akzeptanz

Lieben und akzeptieren Sie sich selbst mit all Ihren Stärken und Schwächen. Nur so können Sie eine erfüllte Beziehung führen.

Die Rolle des Partners

Auch für Partnerinnen von MS-Betroffenen ist die Situation oft nicht einfach. Sie erleben möglicherweise emotionale Belastung, Überforderung oder Einschränkungen im eigenen Leben. Es ist wichtig, dass auch Partnerinnen auf ihre eigenen Bedürfnisse achten und sich Unterstützung suchen, wenn sie diese benötigen.

Unterstützung anbieten

Bieten Sie Ihrem Partner Unterstützung an, ohne ihn zu bevormunden. Helfen Sie ihm bei Aufgaben, die er nicht mehr alleine bewältigen kann, und begleiten Sie ihn zu Arztterminen.

Zuhören und Verständnis zeigen

Hören Sie Ihrem Partner aufmerksam zu und zeigen Sie Verständnis für seine Gefühle und Sorgen.

Geduld haben

Haben Sie Geduld mit Ihrem Partner und der Situation. Die MS kann sich im Laufe der Zeit verändern und neue Herausforderungen mit sich bringen.

Eigene Bedürfnisse nicht vergessen

Vergessen Sie nicht Ihre eigenen Bedürfnisse. Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst und pflegen Sie Ihre Hobbys und Freundschaften.

Unterstützung suchen

Scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Therapeut oder Berater kann Ihnen helfen, mit der Situation umzugehen und Ihre Beziehung zu stärken.

Sexuelle Erfüllung trotz Einschränkungen

Sexuelle Erfüllung ist mehr als nur der Orgasmus. Es geht um Nähe, Intimität, Zärtlichkeit und das Gefühl, begehrt zu werden. Auch wenn herkömmlicher Sex nicht immer möglich ist, können Sie als Paar Wege finden, Ihre Sexualität auszuleben und sich gegenseitig Freude zu bereiten.

Körperbewusstsein entwickeln

Um die Sexualität in ihrer Ganzheit und Fülle zu erleben, ist es notwendig, die verschiedenen Ebenen zunächst zu entwickeln und dann bewusst miteinander zu verknüpfen. Jede einzelne Ebene ist wie ein Baustein. Die verschiedenen Bauklötze ergeben zusammen ein solides Fundament, auf dem wir unsere Erfahrungen aufbauen können. Ohne Körper keine Sexualität, ohne Körperwahrnehmung keine sinnliche Erfahrung. Erst durch den Körper ist es uns möglich, Sexualität zu erfahren. Um intensive sexuelle Erfahrungen machen zu können, benötigen wir ein entwickeltes Körperbewusstsein und eine starke Verwurzelung.

Die Rolle von Geist und Seele

Der Orgasmus wird gleichermaßen ersehnt wie gefürchtet. Im positiven Sinne ist er die Entladung und Ausbreitung der sexuellen Energie im Körper, die als lustvoll bis ekstatisch erlebt wird, auf der anderen Seite besteht die Assoziation des Kontrollverlustes. Es existiert eine Gratwanderung zwischen der Fähigkeit, Spannung aufbauen und halten zu können und der Möglichkeit, Kontrolle loszulassen - sowohl in mir als auch in Bezug auf meine Umgebung. Es geht darum, in einem sexuellen Ausdruck die Lustladung in Bewegung, Töne, Hautreaktion und Atmung fließen zu lassen. Anschließend tritt eine innere Zufriedenheit und Ausgeglichenheit ein und das Gefühl der Verbundenheit mit dem Partner.

Übungen zur Körperwahrnehmung

  • Atemübungen: Atemtraining kann helfen, in Kontakt mit verdrängten, abgespaltenen Gefühlen zu kommen.
  • Tanzen: Tanzen ist eine der wirkungsvollsten Methoden, die Energie in Fluss zu bringen.
  • Spiegelübung: Betrachten Sie Ihren Körper im Spiegel und lernen Sie ihn kennen.
  • Berührungsübung: Berühren, streicheln, massieren Sie Ihren Körper und probieren Sie Ihre ureigenen Reaktionen aus.
  • Selbstliebe: Masturbieren ist eine der besten Möglichkeiten, Ihre eigene sexuelle Reaktion, Ihre Vorlieben zu erforschen.

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