Blindheit ist die schwerwiegendste Form der Sehbehinderung und stellt für Betroffene einen erheblichen Verlust an Lebensqualität dar. Während Hilfsmittel den Alltag erleichtern können, ist es umso wichtiger, einer Erblindung durch Erkrankungen vorzubeugen. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Ursachen von Blindheit, insbesondere in Fällen, in denen der Sehnerv selbst gesund erscheint.
Definition und Formen der Blindheit
Blindheit ist nicht gleich Blindheit. Medizinisch wird von Amaurose oder Amaurosis gesprochen, wenn ein Auge überhaupt kein Licht mehr wahrnehmen kann. Die Ausprägung kann jedoch variieren. Juristisch gelten Menschen als blind, wenn ihr Sehvermögen auf dem besseren Auge trotz Korrektur höchstens zwei Prozent der normalen Sehschärfe beträgt oder das Gesichtsfeld auf weniger als fünf Grad eingeschränkt ist.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat verschiedene Stufen der Sehbehinderung definiert, die im deutschen Sozialrecht als Nachteilsausgleich berücksichtigt werden.
Ursachen von Blindheit
Blindheit kann angeboren sein oder erst im Laufe des Lebens entstehen. Angeborene Ursachen sind beispielsweise:
- Vorgeburtliche Fehlbildungen am optischen System, wie eine fehlende Ausbildung der Netzhaut
- Erbliche Netzhauterkrankungen, wie die Lebersche kongenitale Amaurose
In den Industrieländern überwiegt jedoch die erworbene Blindheit, die sich im Laufe des Lebens entwickelt. Hier sind Netzhauterkrankungen die häufigsten Ursachen. Weitere mögliche Gründe sind:
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- Altersbedingte Makuladegeneration (AMD): In Deutschland ist die AMD für etwa 40 Prozent der hochgradigen Sehbehinderungen und Erblindungen verantwortlich.
- Diabetes mellitus: Die Zuckerkrankheit kann die feinen Gefäße der Netzhaut schädigen (diabetische Retinopathie).
- Grüner Star (Glaukom): Eine Schädigung des Sehnervs, oft durch erhöhten Augeninnendruck, kann zur Erblindung führen.
- Grauer Star (Katarakt): Eine Trübung der Augenlinse, die jedoch in der Regel operativ behoben werden kann.
- Hornhauttrübung: Zum Beispiel durch Entzündungen oder Verletzungen.
- Gefäßverschlüsse: Ein Verschluss eines Netzhautgefäßes oder eines versorgenden Gefäßes des Sehnervs kann zu plötzlicher Blindheit führen.
- Blutungen: Blutungen unter die Netzhaut oder in den Glaskörper können ebenfalls das Sehvermögen beeinträchtigen.
- Netzhautablösung: Eine Ablösung der Netzhaut vom Augapfel kann unbehandelt zur Erblindung führen.
In seltenen Fällen liegt die Ursache der Blindheit nicht im Auge selbst, sondern im Gehirn.
Kortikale Blindheit (Rindenblindheit)
Bei der kortikalen Blindheit sind die Augen und der Sehnerv intakt, aber eine Schädigung im Gehirn verhindert die Verarbeitung visueller Informationen. Dies kann beispielsweise durch Blutungen, Ödeme, Gefäßverschlüsse oder schwere Verletzungen im Hirnbereich verursacht werden.
Glaukom trotz normalen Augeninnendrucks (Normaldruckglaukom)
Ein erhöhter Augeninnendruck gilt als Hauptrisikofaktor für das Glaukom. Allerdings gibt es Fälle, in denen der Sehnerv geschädigt wird, obwohl der Augeninnendruck im normalen Bereich liegt. Dies wird als Normaldruckglaukom bezeichnet.
Was geschieht beim Glaukom?
Der Sehnerv, der das Auge mit dem Gehirn verbindet, wird allmählich zerstört. Verantwortlich dafür ist eine mangelhafte Blutversorgung des Sehnervs. Für eine ausreichende Durchblutung muss der Blutdruck hoch genug sein, um den Widerstand, der durch den Augeninnendruck verursacht wird, zu überwinden. Die Durchblutungsstörung kann deshalb durch einen erhöhten Augeninnendruck verstärkt werden, er ist jedoch nicht die alleinige Ursache.
Ursachen des Normaldruckglaukoms
Die genauen Ursachen des Normaldruckglaukoms sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass folgende Faktoren eine Rolle spielen können:
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- Druckspitzen: Auch wenn die Messungen des Augeninnendrucks normale Werte ergeben, kann es zu anderen Tageszeiten oder in bestimmten Situationen zu Druckspitzen kommen, die den Sehnerv schädigen.
- Medikamente: Blutdrucksenkende Medikamente wie Betablocker können die Durchblutung des Sehnervenkopfs beeinträchtigen.
- Niedriger Blutdruck: Ein zu niedriger Blutdruck kann ebenfalls zu einer unzureichenden Durchblutung des Sehnervs führen.
- Gefäßerkrankungen: Erkrankungen der Blutgefäße, die den Sehnerv versorgen, können das Risiko eines Normaldruckglaukoms erhöhen.
- Erhöhte Empfindlichkeit: Eine erhöhte Empfindlichkeit des Sehnervs gegenüber normalen Druckwerten.
Diagnose und Behandlung des Normaldruckglaukoms
Die Diagnose des Normaldruckglaukoms erfolgt durch eine umfassende Augenuntersuchung, einschließlich der Messung des Augeninnendrucks, der Beurteilung des Sehnervenkopfes und der Gesichtsfelduntersuchung.
Die Behandlung zielt darauf ab, den Augeninnendruck zu senken, um die Schädigung des Sehnervs zu verlangsamen oder aufzuhalten. Dies kann durch Augentropfen, Laserbehandlungen oder Operationen erreicht werden.
Symptome von Blindheit
Die Symptome von Blindheit hängen von der Ursache und dem Ausmaß des Sehverlusts ab. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Stark herabgesetzte Sehschärfe
- Verschwommenes Sehen
- Einschränkung des Gesichtsfelds (Tunnelblick)
- Lichtempfindlichkeit
- Nachtblindheit
- Doppeltsehen
- Schmerzen im Auge
- Kompletter Verlust des Sehvermögens
Diagnose von Blindheit
Ein Augenarzt kann die Ursache der Blindheit durch verschiedene Untersuchungen feststellen:
- Sehschärfeprüfung: Mit Hilfe eines Sehtests wird die Sehschärfe gemessen.
- Gesichtsfeldmessung (Perimetrie): Hierbei wird die Fähigkeit des Auges, Helligkeitsunterschiede wahrzunehmen, überprüft.
- Spaltlampenmikroskopie: Ermöglicht eine detaillierte Untersuchung des Augapfels.
- Augenspiegelung (Ophthalmoskopie): Dient zur Beurteilung des Augenhintergrundes, insbesondere der Netzhaut, des Sehnervs und der Gefäße.
- Bildgebende Verfahren (CT, MRT): Bei Verdacht auf eine Ursache im Gehirn können bildgebende Verfahren eingesetzt werden.
- Untersuchung der Nervenfunktionen: Überprüfung der Bewegungsfähigkeit, Muskelkraft, Reflexe und des Gefühlsempfindens.
Therapie von Blindheit
Die Therapie von Blindheit richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.
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- Früherkennung und Behandlung von Augenerkrankungen: Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt sind wichtig, um Augenprobleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
- Medikamentöse Therapie: Bei bestimmten Erkrankungen, wie der erblichen Retinopathia pigmentosa, kann eine Dauertherapie mit Vitamin A die Erblindung verlangsamen.
- Chirurgische Eingriffe: Bei Grauem Star kann die getrübte Linse durch eine Kunstlinse ersetzt werden. Bei Netzhautablösungen oder Gefäßverschlüssen können Operationen oder Laserbehandlungen das Sehvermögen verbessern.
- Rehabilitation: Für blinde Menschen gibt es spezielle Rehabilitationsmaßnahmen, die darauf abzielen, ihnen eine selbstständige Lebensführung zu ermöglichen. Dazu gehören das Erlernen der Blindenschrift, die Orientierung mit dem Blindenstock und der Umgang mit Blindenhunden.
Leben mit Blindheit
Blindheit bedeutet eine große Umstellung im Leben. Es gibt jedoch viele Hilfsmittel und Unterstützungsmöglichkeiten, die blinden Menschen helfen, ihren Alltag zu meistern und ein erfülltes Leben zu führen.
- Technische Hilfsmittel: Blindenstöcke, Blindenhunde, spezielle Computerprogramme und Apps erleichtern die Orientierung und Kommunikation.
- Soziale Unterstützung: Blinden- und Sehbehindertenverbände bieten Beratung, Schulungen und soziale Kontakte.
- Anpassung des Wohnraums: Durch eine barrierefreie Gestaltung und eine gute Beleuchtung kann die Selbstständigkeit im eigenen Zuhause erhöht werden.
- Berufliche Integration: Viele Berufe stehen auch blinden Menschen offen, wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden.
Prävention von Blindheit
Einige Ursachen von Blindheit lassen sich durch Vorbeugung vermeiden oder zumindest hinauszögern.
- Regelmäßige Augenuntersuchungen: Ab dem 40. Lebensjahr sollte der Augeninnendruck regelmäßig gemessen werden, um ein Glaukom frühzeitig zu erkennen.
- Gesunde Lebensweise: Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf Nikotin können das Risiko von altersbedingter Makuladegeneration und diabetischer Retinopathie senken.
- Schutz der Augen: Bei gefährlichen Tätigkeiten sollten die Augen durch eine Schutzbrille geschützt werden.
- Impfungen: Eine Rötelnimpfung in der Schwangerschaft kann das Risiko von angeborenen Augenschäden beim Kind verringern.
- Blutzuckerkontrolle: Bei Diabetes mellitus ist eine gute Blutzuckereinstellung wichtig, um die Netzhaut zu schützen.