Einführung
Die Frage, ob und wie Alkoholkonsum das Risiko für Gehirntumore beeinflusst, ist komplex und Gegenstand aktueller Forschung. Während einige Studien einen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und einem erhöhten Risiko für bestimmte Krebsarten, einschließlich Brustkrebs, nahelegen, ist die Evidenzlage für Gehirntumore weniger eindeutig. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Auswirkungen von Alkohol auf die Entstehung und das Wachstum von Gehirntumoren und fasst die aktuelle Forschungslage zusammen.
Alkohol und Krebs: Ein Überblick
Es ist unbestritten, dass Alkohol ein bedeutender, durch den Lebensstil beeinflussbarer Krebsrisikofaktor ist. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Alkohol und sein Abbauprodukt Acetaldehyd als krebserregend ein. Dies bedeutet, dass Alkohol in die gleiche Kategorie wie Arsen, Formaldehyd oder Asbest eingeordnet wird. Alkohol fördert die Entstehung verschiedener Krebserkrankungen, beispielsweise Kehlkopf-, Speiseröhren- und Leberkrebs, aber auch Brustkrebs. In Deutschland lassen sich etwa vier Prozent aller Krebsfälle auf Alkoholkonsum zurückführen. Es spielt keine Rolle, ob Alkohol in Form von Bier, Wein oder Spirituosen konsumiert wird.
Wie Alkohol die Krebsentstehung beeinflussen kann
Die genauen Mechanismen, wie Alkohol die Krebsentstehung beeinflusst, sind komplex und noch nicht vollständig verstanden. Es wird vermutet, dass Alkohol unter anderem die Spiegel der zirkulierenden Geschlechtshormone beeinflusst. Für verschiedene Krebsarten gibt es vermutlich unterschiedliche Entstehungsmechanismen durch Alkohol. Grundsätzlich wird vermutet, dass Acetaldehyd, ein Abbauprodukt von Alkohol, aufgrund seiner großen Reaktionsfähigkeit sehr leicht Bindungen mit anderen Molekülen eingeht, darunter auch mit Bausteinen der Erbsubstanz DNA. Dadurch kann es zu Mutationen, also genetischen Fehlern kommen, die langfristig Krebs auslösen können. Möglich sind auch Veränderungen, die das Ablesen der Gene beeinflussen und so die Krebsentstehung fördern können.
Gehirntumore: Eine Einführung
Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Robert Koch-Institut etwa 7.330 Menschen neu an Tumoren des zentralen Nervensystems, das heißt an Tumoren des Gehirns oder des Rückenmarks. Das Gehirn ist ein hoch spezialisiertes Organ, das komplexe Körperfunktionen steuert: Sinnesreize wahrnehmen und verarbeiten, Gedächtnisinhalte anlegen und speichern, Lernprozesse und Bewegungen steuern, Sprache verstehen und formulieren, Gefühle entwickeln, verstehen und ausdrücken. Es ist außerdem für die Ausprägung der Persönlichkeit verantwortlich.
Die wesentlichen Anteile des menschlichen Gehirns werden als Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm bezeichnet. Das Großhirn (Cerebrum) nimmt etwa 80 Prozent der Gehirnmasse ein. Es besteht aus zwei Hälften (Hemisphären), die durch das Corpus callosum miteinander verbunden sind. Jede Gehirnhälfte wird in vier Gehirnlappen unterteilt, die unterschiedliche Körperfunktionen steuern: Frontallappen, Scheitellappen, Schläfenlappen und Hinterhauptslappen. Das Kleinhirn (Cerebellum) liegt im hinteren Bereich des Schädels unter dem Großhirn. Es ist mit dem Hirnstamm verbunden, der seinerseits das Gehirn mit dem Rückenmark verbindet. Das Kleinhirn koordiniert Bewegungen und sorgt unter anderem dafür, dass wir das Gleichgewicht halten können. Der Hirnstamm beherbergt die Nervenbahnverbindungen zwischen Gehirn und Rückenmark. Er ist zuständig für unbewusst ablaufende Funktionen und Reflexe (beispielsweise Schluckreflex, Husten, Speichelproduktion und andere).
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Arten von Gehirntumoren
Mit etwa 50 Prozent aller primären Tumoren des zentralen Nervensystems sind Gliome die häufigsten Hirntumoren. Sie leiten sich von den Gliazellen ab. Da das Gehirn mehrere Arten dieser Stützzellen enthält, lassen sich Gliome wiederum in verschiedene Untergruppen einteilen: Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome. Gliale Hirntumoren werden nach folgenden Kriterien eingeteilt: Histopathologisch (Untersuchung einer Gewebeprobe unter dem Mikroskop) und Molekulare Analyse (Untersuchung von genetischen Merkmalen). Das Medulloblastom gehört zu den häufigsten Tumorerkrankungen im Kindesalter. Es handelt sich um eine Geschwulst des Kleinhirns, die aus unreifen Zellen des kindlichen Gehirns entsteht. Meningeome entwickeln sich aus Zellen der Hirnhäute. Sie machen etwa 20 Prozent aller Hirntumoren aus. Neurinome bilden sich aus den die markscheidenbildenden Schwann-Zellen der Hirn- und Rückenmarknerven. Lymphome des Gehirns sind Tumoren, die aus Lymphzellen entstehen. Hypophysenadenome entstehen im Bereich der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und können sich gegen den Sehnerv sowie Anteile der Gehirnbasis ausdehnen. Krebserkrankungen anderer Organe können auch im Gehirn Tochtergeschwülste bilden (Gehirnmetastasen).
Symptome von Gehirntumoren
Das häufigste Erstsymptom bei Hirntumoren sind Kopfschmerzen. Etwa die Hälfte aller Betroffenen mit einem Tumor im Kopf klagt bei Diagnosestellung darüber. Typischerweise treten diese Kopfschmerzen während der Nacht oder in den frühen Morgenstunden auf und bessern sich zunächst im Lauf des Tages. Die Kopfschmerzen können - ebenfalls in den frühen Morgenstunden - von Übelkeit und Erbrechen begleitet sein. Kopfschmerzen als Folge eines Gehirntumors werden im Verlauf von wenigen Tagen bis Wochen immer stärker. Sie lassen sich durch normale Schmerzmittel nur kurz oder gar nicht beeinflussen und nehmen zu, wenn der Betroffene liegt. Etwa 20 Prozent der von einem Gehirntumor Betroffenen erleiden ohne Vorwarnung epileptische Anfälle. Bei einem kleinen Teil der Betroffenen kann ein Gehirntumor uncharakteristische Beschwerden auslösen. So können Tumoren im Stirnlappen des Gehirns zu Persönlichkeitsveränderungen, Verhaltensstörungen und Änderungen im Antrieb führen.
Diagnose und Behandlung von Gehirntumoren
Wenn bei Ihnen Hirntumor-Symptome vorliegen, ist zunächst eine fachärztliche Untersuchung nötig. Die körperliche Untersuchung gibt bei mehr als der Hälfte der Betroffenen Hinweise darauf, dass eine Erkrankung des Gehirns vorliegt. Die Computertomographie ist eine spezielle Röntgenuntersuchung, die den Körper im Querschnitt zeigt und darüber informiert, wo der Tumor sich befindet und wie groß er ist. Die Magnetresonanztomographie (MRT) liefert noch genauere Bilder vom Gehirn. Die Positronenemissionstomographie ist ein bildgebendes Verfahren, das die Stoffwechselaktivität der Zellen sichtbar macht. In manchen Fällen ist bei Verdacht auf einen Gehirntumor eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) erforderlich.
So unterschiedlich die Hirntumore sind, so verschieden ist auch die Hirntumor-Behandlung. Es gibt mehrere Strategien. Die Tumoroperation ist - sofern möglich - die erste Maßnahme, um den Krebs größtmöglich zu entfernen und danach zu untersuchen. Sollte eine Operation bei einem Hirntumor nicht mehr infrage kommen, gibt es alternativ verschiedene andere Möglichkeiten. Bei einer Chemotherapie werden Medikamente eingesetzt, die die Zellteilung verhindern. Bei der Bestrahlung "beschießen" Radiologen den Tumor lokal mit hochenergetischen Strahlen. Unter zielgerichteter Therapie versteht man die Vergabe von speziellen Medikamenten, die auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet sind.
Alkohol und Gehirntumore: Die Forschungslage
Die Forschungslage zum Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und dem Risiko für Gehirntumore ist weniger eindeutig als bei anderen Krebsarten. Einige Studien deuten auf einen möglichen Zusammenhang hin, während andere keine Verbindung finden konnten. Es gibt Hinweise darauf, dass starker Alkoholkonsum möglicherweise das Risiko für bestimmte Arten von Gehirntumoren erhöhen könnte, aber weitere Forschung ist notwendig, um diese Ergebnisse zu bestätigen.
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Alkoholische Kleinhirndegeneration (AKD)
Es ist wichtig zu erwähnen, dass chronischer Alkoholkonsum zu neurologischen Schäden führen kann, insbesondere zur alkoholischen Kleinhirndegeneration (AKD). Die AKD ist eine neurologische Erkrankung, die durch den Abbau von Nervenzellen im Kleinhirn verursacht wird. Die Symptome umfassen Gleichgewichtsstörungen, Koordinationsprobleme und Schwierigkeiten beim Gehen. Obwohl die AKD selbst kein Gehirntumor ist, zeigt sie, dass Alkohol das Gehirn schädigen und möglicherweise die Anfälligkeit für andere neurologische Erkrankungen erhöhen kann.
Alkohol und Demenz
Regelmäßiger Konsum hoher Alkoholmengen kann im Gehirn Veränderungen verursachen, die das Risiko einer Demenzerkrankung stark erhöhen. Studien zeigen, dass sich das Demenzrisiko deutlich erhöht, wenn man regelmäßig viel Alkohol trinkt. Personen ab 45 Jahren, die mehr als 24 Gramm reinen Alkohol (ca. 250 ml Wein) am Tag trinken, sind besonders gefährdet.
Alkohol und Medikamente bei Hirntumoren
Patienten, die wegen eines Hirntumors behandelt werden, sollten besonders vorsichtig mit Alkoholkonsum sein. Alkohol kann die Wirkung von Medikamenten beeinflussen, die zur Behandlung von Hirntumoren eingesetzt werden, und die Nebenwirkungen verstärken. Insbesondere bei einer Chemotherapie mit Temozolomid ist Vorsicht geboten, da Temozolomid möglicherweise giftig auf die Leber wirkt. Wenn man die Leber mit anderen Giften (wie z.B. Alkohol) beschäftigt, kann es sein, dass die Therapie wegen sich verschlechternder Leberwerte abgebrochen werden muss. Auch bei der Einnahme von Antiepileptika, die häufig zur Behandlung von epileptischen Anfällen bei Hirntumorpatienten eingesetzt werden, kann Alkohol die Wirkung der Medikamente beeinträchtigen und das Anfallsrisiko erhöhen.
Empfehlungen zum Alkoholkonsum
Generell gilt: Wer keinen Alkohol trinkt, lebt gesünder. Es gibt keine risikofreie Menge Alkohol. Fachleute empfehlen, möglichst komplett auf Alkohol zu verzichten. Wenn Sie Alkohol trinken, sollten Sie dies in Maßen tun. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) empfiehlt gesunden Frauen nicht mehr als 10 Gramm reinen Alkohol pro Tag zu konsumieren. Das entspricht etwa einem knappen Viertelliter Bier oder einem Achtelliter Wein. Für Männer gilt ein Wert von höchstens 20 Gramm Alkohol pro Tag, was einem knappen halben Liter Bier oder einem Viertelliter Wein entspricht. Getrunken werden sollte zudem immer parallel zum Essen.
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