Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch starke, anfallsartige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Frauen sind häufiger von Migräne betroffen als Männer, und hormonelle Schwankungen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus, spielen eine wichtige Rolle bei der Auslösung von Migräneattacken. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Migräne, Menstruation und Bluthochdruck und bietet Informationen zu Ursachen, Symptomen, Behandlung und Prävention.
Migräne: Eine weit verbreitete Erkrankung
Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit. In Deutschland leiden fast 15 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer an Migräne. Am häufigsten tritt Migräne in jüngeren Jahren auf, bei Frauen vor allem im Alter zwischen 18 und 29 Jahren, bei Männern eher in ihren 30ern. Die Schmerzintensität ist bei Frauen oft höher als bei Männern. Ein Hoffnungsschimmer für alle Betroffenen: Bei den meisten nehmen die Migräneattacken mit steigendem Alter stetig ab - und zwar bei Frauen wie bei Männern.
Menstruelle Migräne: Hormonelle Einflüsse
Viele Frauen erleben Migräneattacken kurz vor, während oder nach ihrer Periode. Diese Form der Migräne wird als menstruelle Migräne bezeichnet und steht in engem Zusammenhang mit hormonellen Schwankungen im Menstruationszyklus.
Ursachen der menstruellen Migräne
Die genauen Ursachen der Migräne sind bis heute nicht genau bekannt. Neben der Veranlagung zu Migräne und damit verbundenen neurophysiologischen Besonderheiten scheint es äußere und innere Triggerfaktoren zu geben, die dann konkrete Beschwerden auslösen. Dazu können Stress, emotionale Belastungen, ein veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus, Alkohol oder Zigaretten gehören. Bei Frauen kommen hormonelle Schwankungen im Verlauf des Monatszyklus als Risikofaktor für menstruelle Migräne hinzu. Migräneattacken vor oder während der Menstruation sind leider oftmals länger und intensiver. Während einer Schwangerschaft bleiben Migräneattacken bei vielen Frauen hingegen aus. Nach den Wechseljahren verschwinden sie bei vielen, aber nicht allen Frauen ganz.
Besonders zum Ende eines Monatszyklus sind Frauen oft von heftigen Kopfschmerzen betroffen. Bei ihnen tritt die Migräne dann während der Periode auf - zwischen zwei Tage vor bis zwei Tage nach der Regelblutung. Es gibt Hinweise darauf, dass außer dem abfallenden Hormonspiegel zum Ende des Monatszyklus auch das Neuropeptid CGRP eine Rolle spielt. CGRP ist ein körpereigener Entzündungsbotenstoff, der die Blutgefäße im Gehirn stark erweitert und dadurch Kopfschmerzen verursachen kann.
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Symptome der menstruellen Migräne
Hormonell bedingte Migräne tritt bei den meisten Frauen kurz vor, während oder nach der Periode auf. Zu den Symptomen zählen:
- Kopfschmerzattacken, die mehrere Tage anhalten können
- oft einseitiger, pulsierender oder pochender Schmerz
- mittlere bis starke Schmerzen, die bei Aktivität zunehmen
- Übelkeit und Erbrechen
- erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht, Gerüchen und Geräuschen
Manche Frauen erleben die menstruelle Migräne auch mit einer Aura. So werden neurologische Ausfallerscheinungen und Störungen bezeichnet, die kurz vor der Migräneattacke auftreten. Dazu zählen Sehstörungen wie Lichtblitze, Sprachstörungen, Missempfindungen, Lähmungen oder Schwindel.
Diagnose der menstruellen Migräne
Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) unterscheidet verschiedene Arten von Migräne, darunter auch Formen, die mit der Menstruation in Zusammenhang stehen. Dazu gehören:
- Rein menstruelle Migräne ohne Aura: Die Migräne-Attacken treten ausschließlich zwei Tage vor bis drei Tage nach dem Einsetzen der Regelblutung auf, und zwar in mindestens zwei von drei Menstruationszyklen. Der restliche Zyklus ist stets migränefrei.
- Menstruationsassoziierte Migräne ohne Aura: Auch hier treten die Migräne-Attacken in mindestens zwei von drei Zyklen im Zeitfenster zwei Tage vor bis zwei Tage nach Menstruationsbeginn auf - zusätzlich kann die Migräne aber auch zu einem anderen Zeitpunkt im Zyklus auftreten.
- Rein menstruelle Migräne mit Aura: Die Migräne-Attacken treten ausschließlich am Tage 1 ± 2 (d. h. Tag −2 bis +3) der Menstruation in mindestens 2 von 3 Menstruationszyklen auf.
- Menstruationsassoziierte Migräne mit Aura: Die Migräne-Attacken treten am Tage 1 ± 2 der Menstruation (d. h. Tag −2 bis +3) der Menstruation in mindestens 2 von 3 Menstruationszyklen auf, können aber auch zu anderen Zeiten des Zyklus auftreten.
Migräne-Attacken, die während der Menstruation auftreten, sind im Allgemeinen von längerer Dauer und von stärkerer Übelkeit begleitet als Attacken ohne zeitlichen Bezug zur Regelblutung.
Behandlung der menstruellen Migräne
Frauen, die mit heftigen Migräneanfällen rund um ihre Menstruation kämpfen, sollten dies mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen. Die Migräne selbst ist nicht heilbar, aber die Kopfschmerzen und begleitenden Symptome können behandelt werden.
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Grundsätzlich gilt: Akute menstruell bedingte Migräneattacken werden genauso behandelt wie andere Migräneattacken. Dabei liegt der Fokus auf einer möglichst effektiven und individuellen Schmerzlinderung. Auch haben viele Frauen bei leichten Beschwerden positive Erfahrungen mit nicht-medikamentösen Methoden gesammelt.
Bei starken Beschwerden helfen Medikamente, um den Anfall zu unterbrechen und durchzustehen. Dazu zählen Schmerzmittel wie ASS, Ibuprofen oder die Kombination aus ASS, Paracetamol und Koffein, die möglichst am Anfang der Attacke eingenommen werden sollten. Darüber hinaus gibt es auch spezielle Migränemittel wie Triptane. Helfen diese Medikamente nicht, werden sie nicht vertragen oder können sie aus anderen Gründen nicht eingenommen werden, können auch sogenannte CGRP-Inhibitoren in Betracht gezogen werden. Opioide sollten nicht verwendet werden. Zu beachten ist, dass ein übermäßiger Gebrauch von Schmerzmitteln dazu führen kann, dass Kopfschmerzen chronisch werden. Deshalb sollte die Einnahme von Medikamenten immer mit den behandelnden Expertinnen und Experten abgeklärt werden.
Kurz erklärt: Triptane
Triptane sind Medikamente, die speziell für die Behandlung von Migräne entwickelt wurden. Sie verengen gezielt die Blutgefäße in den Hirnhäuten und unterbrechen damit den Migräneanfall. Dabei wirken sie nicht nur gegen die Schmerzen, sondern auch gegen Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Die Medikamente sind als Tabletten, Zäpfchen, Nasenspray und Injektion erhältlich. Bei anderen Kopfschmerzarten sind sie meist wirkungslos.
Kurzzeit-Prophylaxe
Eine Kurzzeit-Prophylaxe kann mit Naproxen (2x 500 mg/Tag 3-4 Tage vor bis 3 Tage nach der Periode) oder mit einem Triptan (z. B. Frovatriptan 2,5 mg 2x tgl.) erfolgen. Auch kann bei Sumatriptan-Einnahme die gleichzeitige Gabe von Naproxen die Rate von Wiederkehr-Kopfschmerzen signifikant senken.
Prävention der menstruellen Migräne
Es ist bekannt, dass bestimmte Auslöser eine Migräne begünstigen können. Folgende Tipps können helfen, Migräneattacken vorzubeugen oder sie abzuschwächen:
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- Kurz vor und während der Periode auf Alkohol verzichten.
- Auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus achten. Also möglichst zur selben Zeit ins Bett gehen und aufstehen. Auch ausreichend Schlaf ist wichtig.
- Stress vermeiden. Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Yoga können dabei helfen, mit Stress besser umzugehen.
- Ausdauersportarten wie Radfahren, Joggen oder Schwimmen haben sich als wirksam bei der Vorbeugung von Migräne erwiesen.
- Das Führen eines Kopfschmerzkalenders kann helfen, auslösende Faktoren zu erkennen und den Erfolg der eingesetzten Medikamente zu bewerten.
Zusammenhang zwischen Migräne und Bluthochdruck
Es gibt Hinweise darauf, dass Migräne ein Risikofaktor für Schlaganfall und andere vaskuläre Ereignisse sein kann. Es besteht umfangreiche Evidenz, dass ein erhöhtes Risiko für ischämische Schlaganfälle sowohl mit der Migräne ohne Aura als auch mit der Migräne mit Aura assoziiert ist.
CGRP und Bluthochdruck
Das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) ist ein Neuropeptid, das in vielen Organen an Stoffwechselprozessen beteiligt ist. Große Mengen finden sich beispielsweise im Darm. Darüber hinaus spielt das Molekül in den Blutgefäßen eine wichtige Rolle. Einige Expert:innen vermuten, dass es vor Durchblutungsstörungen und Bluthochdruck schützen kann.
Medikamente gegen Migräne und Bluthochdruck
Bei der Behandlung von Migräne bei Patientinnen mit Bluthochdruck ist Vorsicht geboten. Einige Migränemittel, insbesondere Triptane, können den Blutdruck erhöhen und sind daher bei Patientinnen mit unkontrolliertem Bluthochdruck kontraindiziert. Es ist wichtig, dass Ärztinnen und Ärzte bei der Auswahl der geeigneten Migränemedikation den Blutdruck der Patientin berücksichtigen.
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