Blutung des Sehnervs: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Ein rotes Auge kann beunruhigend wirken, ist aber oft harmlos. Es gibt jedoch Situationen, in denen eine ärztliche Untersuchung ratsam ist. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Blutungen im Bereich des Sehnervs und des Auges, ihre Symptome und die entsprechenden Behandlungsmöglichkeiten.

Geplatztes Äderchen im Auge: Häufig harmlos

Ein blutunterlaufenes Auge entsteht oft durch ein geplatztes Äderchen. Dies kann spontan und ohne erkennbaren Grund geschehen und ist meist harmlos. Professor Philipp Steven vom Zentrum für Augenheilkunde an der Uniklinik Köln erklärt, dass solche Rötungen oft von selbst verschwinden.

Ursachen für geplatzte Äderchen:

  • Druck: Starker Husten, Niesen oder das Heben schwerer Lasten können den Druck im Kopf erhöhen und Äderchen platzen lassen, so Andrea Lietz-Partzsch, Fachärztin für Augenheilkunde in Berlin.
  • Reibung: Auch einfaches Reiben am Auge kann eine Blutung verursachen (Philipp Steven).
  • Stuhlgang: Starkes Pressen beim Stuhlgang kann ebenfalls zu einem geplatzten Äderchen führen.

Wann zum Arzt?

  • Bei Sehstörungen
  • Wenn die Augen brennen
  • Nach Verletzungen (z.B. Balltreffer, Dorn im Auge)
  • Wenn die Rötung länger als zwei Tage anhält

Weitere Ursachen für Rötungen im Auge:

  • Erhöhter Blutdruck: Wiederholtes Platzen von Äderchen kann auf unbehandelten Bluthochdruck hindeuten, der im schlimmsten Fall zu einem Schlaganfall führen kann.
  • Blutgerinnungsstörungen: Diese sollten ebenfalls behandelt werden.
  • Medikamente: Bestimmte Medikamente können Blutergüsse begünstigen (Philipp Steven).
  • Stoffwechselstörungen: Diabetes mellitus kann sich ebenfalls am Auge äußern.
  • Trockene Augen: Im Alter können trockene Augen empfindlicher sein und durch Reibung Rötungen verursachen (Andrea Lietz-Partzsch). Befeuchtende Gels oder Salben können hier helfen (Philipp Steven).
  • Allergien und Infektionen: Rötungen, die beide Augen betreffen, können durch Allergien, Viren oder Bakterien verursacht werden. Auch Bindehaut- oder Hornhautentzündungen können sich so äußern.
  • Regenbogenhautentzündung (Iritis): Diese erfordert in der Regel eine Behandlung mit cortisonhaltigen Tropfen (Andrea Lietz-Partzsch).

Was hilft bei einem blutroten Auge?

  • Anstrengungen vermeiden (harte körperliche Arbeit, intensiver Sport, schweres Heben)
  • Weniger am Auge reiben, um Binde- und Hornhautentzündungen vorzubeugen (Andrea Lietz-Partzsch).

Gefäßverschlüsse an der Netzhaut

Gefäßverschlüsse an der Netzhaut können zu einem teilweisen oder vollständigen Verlust des Sehvermögens führen. Man unterscheidet zwischen Venen- und Arterienverschlüssen.

Ursachen und Risikofaktoren:

  • Arteriosklerose: Ablagerungen und Volumeneinengung in den Gefäßen.
  • Hoher Blutdruck
  • Übergewicht
  • Rauchen
  • Hohe Cholesterinwerte
  • Diabetes mellitus
  • Glaukom
  • Embolie: Ablagerungen, die von anderer Stelle des Körpers (z.B. Herzklappen, Halsschlagader) in die Blutgefäße des Auges gelangen.

Arten von Gefäßverschlüssen:

  • Zentralvenenverschluss (ZVT): Hierbei ist die Vene verlegt, durch die fast das gesamte Blut der Netzhaut abfließt. Dies führt zu Blutungen und Flüssigkeitsansammlungen (Ödem) in der Netzhaut.
  • Venenastverschluss: Nur eine kleinere Vene ist verlegt, was zu Blutungen und Wassereinlagerungen im betroffenen Bereich führt.
  • Verschluss der zentralen Netzhautarterie: Führt zu plötzlicher, nahezu vollständiger Erblindung des betroffenen Auges.
  • Arterienastverschluss: Nur ein kleinerer Bereich der Netzhaut ist betroffen.
  • Anteriore ischämische Optikusneuropathie (AION): Verlegung eines Gefäßes, das den Sehnerv an seiner Austrittsstelle im Auge versorgt. Führt meist am betroffenen Auge zur raschen Erblindung.

Symptome:

  • Zentralvenenverschluss: Relativ rasche Sehverschlechterung.
  • Venenastverschluss: Sehschärfe kann eingeschränkt sein, wenn die Netzhautmitte (Makula) oder der Sehnervenkopf (Papille) betroffen sind.
  • Verschluss der zentralen Netzhautarterie: Plötzliche, nahezu vollständige Erblindung ohne Schmerzen.
  • AION: Plötzliche Sehverschlechterung oder Erblindung, Gesichtsfeldausfälle.

Diagnose:

  • Anamnese: Befragung des Patienten zu Beschwerden, Allgemeinerkrankungen und Augenerkrankungen.
  • Sehtest: Bestimmung des Ausmaßes der Sehminderung.
  • Amsler-Test: Prüfung auf Schwellungen im zentralen Sehbereich.
  • Gesichtsfelduntersuchung:
  • Funduskopie: Beurteilung des Augenhintergrundes.
  • Optische Kohärenztomographie (OCT):
  • Fluoreszenzangiographie (FLA/FAG): Farbstoffdarstellung der Blutgefäße des Augenhintergrundes.

Behandlung:

  • Arterienverschluss: Behandlungsmöglichkeiten sind sehr eingeschränkt, notfallmäßige Maßnahmen zur Augendrucksenkung und Massage des Auges. Selten Lysetherapie innerhalb der ersten 6 Stunden.
  • Venen- und Arterienverschlüsse: Infusionstherapie (meist stationär).
  • Morbus Horton: Sonderfall der Arterienverschlüsse.
  • Lasertherapie der Netzhaut (Laserkoagulation): Bei Gefäßneubildung oder Flüssigkeitseinlagerung.
  • Vitrektomie (Glaskörperentfernung): In einigen Fällen.

Prognose:

  • Nach einem Venenverschluss kann sich die Sehschärfe vollständig wieder erholen, oft bleibt jedoch eine schlechtere Sehschärfe bestehen.
  • Sowohl bei Arterien- als auch bei Venenverschlüssen können Folgeschäden auftreten (Neovaskularisationen, Druckerhöhungen, Blutungen).

Diabetische Retinopathie

Die diabetische Retinopathie ist eine Schädigung der Netzhautgefäße aufgrund von Diabetes mellitus. Hohe Blutzuckerwerte schädigen die Blutgefäße der Netzhaut und beeinträchtigen die Funktionen der Nervenfasern und der Netzhautzellen.

Stadien der diabetischen Retinopathie:

  1. Nicht-proliferative diabetische Retinopathie (Hintergrundretinopathie): Blut oder Flüssigkeit sickert aus winzigen Blutgefäßen in die Netzhaut.
  2. Proliferative diabetische Retinopathie: Es bilden sich krankhafte neue Gefäße (Neovaskularisation) auf der Oberfläche der Netzhaut oder am Sehnerv.

Komplikationen:

  • Makulaödem: Schwellung oder Verdickung der Makula.
  • Makuläre Ischämie: Sauerstoffmangel im Bereich der Makula.
  • Glaskörperblutung: Blut dringt in den Glaskörperraum ein.
  • Netzhautablösung: Narbengewebe zieht die Netzhaut von der Augenhinterwand ab.
  • Neovaskularisationen: Neue, krankhafte Blutgefäße bilden Wundernetze auf der Netzhaut und der Regenbogenhaut.

Symptome:

  • Verschwommenes Sehen
  • Dunkle Flecken oder "Wolken" im Sichtfeld
  • Verzerrtes Sehen
  • Plötzlicher Sehverlust

Diagnose:

  • Augenuntersuchung mit pupillenerweiternden Augentropfen
  • Fluoreszein-Angiographie

Behandlung:

  • Vorbeugung: Strenge Überwachung des Blutzuckers.
  • Intravitreale Injektionen: Injektionen von Anti-Angiogenese-Medikamenten direkt in den Glaskörper des Auges.
  • Laserbehandlung der Netzhaut (Panretinale Photokoagulation): Bei proliferativer diabetischer Retinopathie.
  • Glaskörperoperation (Parsplana-Vitrektomie): Bei fortgeschrittener proliferativer diabetischer Retinopathie.

Sehnerventzündung (Neuritis nervi optici)

Eine Entzündung des Sehnervs kann ein- oder beidseitig auftreten und verschiedene Ursachen haben.

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Ursachen:

  • Infektionen: Viren, Bakterien oder Pilze.
  • Autoimmunerkrankungen: Multiple Sklerose (MS), Lupus erythematodes.
  • Unbekannte Ursache: In vielen Fällen ist die Ursache unklar.

Symptome:

  • Sehverschlechterung: Plötzlich oder allmählich.
  • Schmerzen bei Augenbewegungen: Typisch für Retrobulbärneuritis.
  • Eingeschränktes Farbsehen: Vor allem Rot wird blasser wahrgenommen.
  • Gesichtsfeldausfälle: Häufig im zentralen Bereich (Zentralskotom).
  • Lichtblitze:

Diagnose:

  • Anamnese: Befragung des Patienten zu Krankheitsgeschichte und Symptomen.
  • Bestimmung der Sehschärfe:
  • Test der Pupillenreaktion: Relativer afferenter Pupillendefekt (RAPD) kann vorliegen.
  • Prüfung der Augenbeweglichkeit:
  • Bestimmung des Gesichtsfeldes:
  • Untersuchung des Augenhintergrundes (Funduskopie): Bei Papillitis ist die Papille gerötet und geschwollen, bei Retrobulbärneuritis oft unauffällig.
  • Prüfung der Farbwahrnehmung:
  • Test der Sehnervleitung (Visuell evozierte Potentiale, VEP):
  • Kernspintomografie (MRT) des Kopfes und der Wirbelsäule: Zum Ausschluss von Multipler Sklerose.
  • Liquorpunktion: Untersuchung der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit auf Entzündungszeichen.
  • Blutuntersuchungen: Zum Ausschluss anderer Krankheiten.

Behandlung:

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Sehnerventzündung. In vielen Fällen werden Kortikosteroide eingesetzt, um die Entzündung zu reduzieren. Bei Multipler Sklerose oder anderen Autoimmunerkrankungen kann eine spezifische Therapie erforderlich sein.

Subkonjunktivale Blutung (Hyposphagma)

Eine subkonjunktivale Blutung, auch Hyposphagma genannt, ist eine Blutung unter der Bindehaut des Auges.

Ursachen:

  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Verletzungen
  • Blutverdünnende Medikamente
  • Husten oder Niesen
  • Medizinische Eingriffe (z.B. Augenoperationen)
  • Spontane Ursachen (idiopathisches Hyposphagma)
  • Blutgerinnungsstörungen

Symptome:

  • Rotes oder blutunterlaufenes Auge
  • Schmerzfreiheit (meist)
  • Keine Sehbeeinträchtigung (meist)
  • Keine Begleitsymptome (Juckreiz, Brennen, Tränenfluss)

Behandlung:

In den meisten Fällen ist keine Behandlung erforderlich, da die Blutung von selbst heilt.

Tipps zur Selbsthilfe:

  • Kühlen: Kalte Kompressen können helfen, Schwellungen zu reduzieren.
  • Vermeiden Sie Blutverdünner: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Möglichkeit, die Dosierung anzupassen oder vorübergehend abzusetzen.
  • Vermeiden Sie Augenreibungen:
  • Augentropfen: In einigen Fällen können augenärztlich verschriebene Augentropfen zur Linderung von Beschwerden verwendet werden.
  • Risikofaktoren kontrollieren: Bluthochdruck oder andere medizinische Bedingungen behandeln.

Wann zum Arzt?

  • Wenn Sie unsicher über die Ursache sind
  • Wenn andere Symptome auftreten

Augenthrombose

Eine Augenthrombose entsteht durch ein Blutgerinnsel, das eine Vene in der Netzhaut ganz oder teilweise blockiert.

Risikofaktoren:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Arteriosklerose)
  • Blutbildveränderungen
  • Bestimmte Augenerkrankungen (z.B. Glaukom, entzündliche Veränderungen der Netzhautgefäße)
  • Nikotinkonsum
  • Diabetes mellitus

Symptome:

  • Sehminderung durch einen Schleier vor dem betroffenen Auge
  • Verzerrungen im Sichtfeld
  • Starke Sehminderung

Komplikationen:

  • Netzhautblutungen
  • Gefäßveränderungen
  • Makulaödem
  • Netzhautablösung

Behandlung:

  • Injektionstherapie: Bei Makulaödem.
  • Internistische Untersuchung: Um ggf. weitere Risikofaktoren zu identifizieren und zu behandeln.
  • Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Augenarzt:
  • Gänzlicher Verzicht auf Nikotin:
  • Gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und Sport:

Glaskörpereinblutungen

Eine Glaskörpereinblutung ist eine Einblutung in den Glaskörperraum des Auges.

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Ursachen:

  • Verletzungen
  • (Altersbedingte) Glaskörperabhebung
  • Retinopathie (z.B. bei Diabetes mellitus)
  • Zentraler Netzhautvenenverschluss
  • Gefäßabrisse bei einer Netzhautablösung
  • Blutungen aus einem Gefäßtumor der Netzhaut
  • Stumpfe Augenprellungen

Symptome:

  • Plötzliches Sehen von schwarzen Schatten, einem Mückenschwarm oder Rußregen
  • Rötliche Verfärbung des Gesichtsfelds
  • Visusminderung

Diagnose:

  • Augenuntersuchung mit Augenspiegel oder Kontaktglas
  • Weitere Untersuchungen zur Auffindung der Ursache (z.B. Ultraschall)

Behandlung:

  • Behandlung der Ursachen der Einblutung
  • Augenchirurgische Versorgung von Augenverletzungen
  • Laserbehandlung von Blutungen aus Netzhautgefäßen
  • Schnellstmögliche Behandlung einer Netzhautablösung
  • Entfernung des Glaskörpers (Vitrektomie): Wenn sich die Glaskörpereinblutungen auch nach 2-3 Monaten nicht von allein auflösen.

Glaukom (Grüner Star)

Bei einem Glaukom kann durch den dauerhaft erhöhten Augendruck der Sehnerv beschädigt werden (Glaukomschaden).

Diagnose:

  • Tagesdruckprofil: Mehrere Augeninnendruckmessungen über den Tag verteilt.
  • Messung der Hornhautdicke (Pachymetrie):
  • Optische Kohärenztomographie (OCT):
  • Gesichtsfeldmessung (Perimetrie):

Therapie:

Ziel der Glaukomtherapie ist es, dass keine weiteren Schäden am Sehnerven auftreten.

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