Die Alzheimer-Krankheit, benannt nach dem Psychiater Alois Alzheimer, der sie vor etwa hundert Jahren erstmals beschrieb, ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust von Gedächtnis und kognitiven Fähigkeiten gekennzeichnet ist. Sie ist die häufigste Form der Demenz und betrifft Millionen von Menschen weltweit. In Deutschland leben derzeit fast zwei Millionen Demenzkranke, wobei die Alzheimer-Demenz mit etwa 60-70 % aller Fälle am häufigsten vorkommt. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird geschätzt, dass die Demenzrate bis 2050 auf ca. 3 Millionen ansteigen wird.
Was ist Alzheimer-Krankheit?
Alzheimer ist eine Demenzerkrankung, die durch chronisch fortschreitende, degenerative Veränderungen des Gehirns gekennzeichnet ist. Im Wesentlichen führt die Alzheimer-Krankheit zu einem fortschreitenden Absterben von Nervenzellen und Nervenzellkontakten im Gehirn. Die Krankheit ist durch den Verlust von Gedächtnis, Denkvermögen und Urteilsfähigkeit gekennzeichnet.
Symptome der Alzheimer-Krankheit
Die Alzheimer-Krankheit ist ein langsamer Prozess, der sich über Jahre erstreckt. Zu den Symptomen gehören:
- Gedächtnisstörungen, insbesondere des Kurzzeitgedächtnisses
- Beeinträchtigtes Urteils- und Problemlösungsvermögen
- Zeitliche und räumliche Orientierungsstörungen
- Sprach- und Wortfindungsstörungen
- Unkonzentriertheit
- Passivität und Interesselosigkeit
- Angst und Ängstlichkeit
- Unangemessene Emotionen
- Reizbarkeit, Unruhe, Rückzugsverhalten
- Sammelleidenschaft, Verstecken oder Verlegen von Gegenständen
- Mehrfaches Wiederholen von Fragen, Sätzen oder Handlungen
- Bewegungsdrang und -störung
- Harn- oder Stuhlinkontinenz
Ursachen der Alzheimer-Krankheit
Die genauen Ursachen der Alzheimer-Demenz sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen. Mutationen der klassischen Alzheimer-Gene APP, PSEN1 und PSEN2 verursachen bei den Trägern sozusagen immer eine Alzheimer-Erkrankung. Auch Menschen mit einer bestimmten Variante des Apolipoprotein E haben ein erhöhtes Risiko für eine Alzheimer-Demenz.
Unter den Forschern ist strittig, was genau im Gehirn bei Alzheimer und Demenz passiert. Es wird angenommen, dass sich Eiweißfragmente - Amyloid-Peptide - im Gehirn ablagern. Diese Plaques sind unauflöslich. Die Zellen schaffen es nicht, diese Ablagerungen loszuwerden. Die Plaques stören die Reizübertragungen zwischen den Hirnzellen, die Zellen werden funktionsuntüchtig und sterben ab.
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Weitere Risikofaktoren sind:
- Vorangeschrittenes Alter
- Geringe Bildung und wenig geistige Anregung/Aktivität
- Übermäßiger Alkoholkonsum und Rauchen
- Bewegungsmangel und Übergewicht
- Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Arteriosklerose
- Depressionen
- Hörverlust und Sehverlust
- Soziale Isolation und Einsamkeit
- Kopfverletzungen, wiederholte Schädeltraumata
- Umweltverschmutzung und Bakterien im Mund
Diagnose der Alzheimer-Krankheit
Die Diagnose der Alzheimer-Krankheit umfasst in der Regel eine Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung, Gedächtnistests und bildgebenden Verfahren.
- Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten und führt eine körperliche Untersuchung durch, um andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen.
- Gedächtnistests: Standardisierte Tests wie der Mini-Mental-Status-Test (MMST), der Uhren-Test oder der DemTect helfen, Gedächtnis und Denkvermögen zu objektivieren.
- Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomografie (MRT) und Computertomografie (CT) können spezifische Muster im Gehirn zeigen, die auf Alzheimer-Krankheit hindeuten. Positronenemissionstomographie (PET) kann die Stoffwechselaktivität im Hirngewebe darstellen.
- Liquoruntersuchung: Die kombinierte Bestimmung von Amyloid- und Tau-Proteinen im Nervenwasser kann zur Diagnose beitragen.
- Bluttests: Inzwischen sind auch Bluttests entwickelt worden, die bei einem Verdacht auf eine Alzheimer-Demenz die klassische Diagnostik unterstützen sollen.
Behandlung der Alzheimer-Krankheit
Die Alzheimer-Krankheit ist bis heute unheilbar. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
- Medikamentöse Therapie:
- Acetylcholinesterasehemmer (AChE-Hemmer): Diese Medikamente vermindern den Acetylcholinabbau im Gehirn und erhöhen so die Acetylcholinkonzentration. In Deutschland zugelassen sind Donepezil, Galantamin und Rivastigmin.
- Memantin: Dieser Wirkstoff beeinflusst den Glutamatstoffwechsel im Gehirn und den Kalziumeinstrom in die Nervenzellen. Memantin ist nur zur Behandlung der moderaten bis schweren Demenz zugelassen.
- Lecanemab: Mit Lecanemab wurde 2025 das erste krankheitsmodifizierende Medikament für die Alzheimertherapie in der EU zugelassen. Der Antikörper bindet gezielt lösliches Amyloid-Beta-Protein und vermindert dadurch die Ablagerung von Amyloid-Beta-Plaques im Gehirn.
- Donanemab: Mit Donanemab steht außerdem ein weiterer Beta-Amyloid-Antikörper kurz vor der Zulassung. Er scheint etwas stärker zu wirken als Lecanemab, geht allerdings auch mit etwas mehr Nebenwirkungen einher.
- Nicht-medikamentöse Therapie:
- Milieutherapie: Die Schaffung eines konstanten Umfelds mit gleichbleibenden Bezugspersonen, konstanten Tagesabläufen und gleichbleibenden Aufenthaltsorten kann den Alltag für die Betroffenen erleichtern.
- Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie: Diese Therapien können helfen, die Selbstständigkeit und Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten.
- Musik- und Aromatherapie: Diese nonverbalen Behandlungsformen können das Wohlbefinden der Betroffenen steigern.
- Psychotherapie: Psychotherapeutische Angebote können Angehörigen helfen, mit der Belastung und der Beziehung zu den Älteren klar zu kommen.
Neue Therapieansätze und Forschung
Die Alzheimer-Forschung ist ein aktives Feld, und es werden ständig neue Therapieansätze entwickelt. Ein vielversprechender Ansatz ist die Entwicklung von Medikamenten, die die Amyloid-Plaques im Gehirn reduzieren.
Lecanemab: Ein neuer Antikörper gegen Amyloid-Plaques
Ende November veröffentlichte das US-amerikanische New England Journal of Medicine eine viel beachtete Studie zu einem neuen Antikörper, der das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit in frühen Stadien verlangsamen könnte. Lecanemab richtet sich gegen ein Eiweiß, das sich zwischen Gehirnnervenzellen ablagert und vermutlich Einfluss auf die Entstehung von Alzheimer hat. Der Antikörper heftet sich an diese sogenannten Beta-Amyloid-Ablagerungen und macht sie so für Immunzellen sichtbar, die die Ablagerungen dann verringern.
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Die aktuelle Studie zeigt, dass Lecanemab hier wirkt und den kognitiven Verfall bei Alzheimer-Patienten im Frühstadium der Krankheit verlangsamen kann. In der weltweit durchgeführten Studie erhielten insgesamt 898 Betroffene mit einer frühen Alzheimer-Krankheit Lecanemab als Infusion und 897 Betroffene ein Placebo. Gemessen an der Beurteilungsskala zeigte sich nach 18 Monaten in der Lecanemab-Gruppe eine Verlangsamung der Krankheit um 27 Prozent im Vergleich zur Placebo-Gruppe.
Auf der anderen Seite führt Lecanemab zu mehr Nebenwirkungen als das Placebo, was in die Bewertung des Nutzens einfließen muss. Bei 12,6 Prozent der Behandelten traten während der Studie Hirnschwellungen und Hirnblutungen auf.
Weitere Forschung
Wissenschaftler weltweit arbeiten an Medikamenten gegen die Alzheimer Erkrankung. Bislang ohne wirklichen Erfolg. Immer wieder wurden immense Summen investiert, große Hoffnungen geweckt - und enttäuscht. Dieter Willbold, Professor für Physikalische Biologie, hat mit seinem Team in jahrelanger Forschung ein neuartiges Mittel gegen Alzheimer entwickelt und patentieren lassen.
Umgang mit aggressivem Verhalten bei Demenz
Aggressives Verhalten kann bei älteren Menschen, insbesondere bei Demenzkranken, auftreten. Es ist wichtig, die Ursachen für dieses Verhalten zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren.
Ursachen für aggressives Verhalten
- Körperliche Ursachen: Schmerzen, chronische Krankheiten
- Psychische Ursachen: Demenz, Depression, Angst
- Soziale Ursachen: Überforderung, Hilflosigkeit, Gefühl der Abhängigkeit
- Umweltbedingte Ursachen: Reizüberflutung, Lärm, ungewohnte Umgebung
Umgang mit aggressivem Verhalten
- Ruhe bewahren und Verständnis zeigen
- Nach den Ursachen forschen
- Die Lebenssituation des älteren Menschen verbessern
- Sozialkontakte fördern
- Zuwendung geben
- Nicht zu viel mit Defiziten konfrontieren
- Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen
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