Alzheimer: Symptome in den unentdeckten Jahren und neue Erkenntnisse

Alzheimer ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch Gedächtnisverlust, kognitive Beeinträchtigungen und Verhaltensänderungen gekennzeichnet ist. Die Krankheit verläuft oft schleichend und bleibt lange unentdeckt, was die frühzeitige Diagnose und Intervention erschwert. Dieser Artikel beleuchtet die Symptome in den unentdeckten Jahren von Alzheimer, neue diagnostische Ansätze und therapeutische Entwicklungen.

Neuropsychiatrische Symptome bei Hispanics

Eine US-amerikanische Studie unter der Leitung von Ricardo Salazar von der University of Texas hat ergeben, dass Hispanics, die an Alzheimer erkrankt sind, häufiger unter neuropsychiatrischen Symptomen leiden als kaukasische Patienten. Diese Symptome umfassen Angst, Depressionen, Halluzinationen oder Apathie. Die Studie analysierte Daten von 875 gesunden Kontrollpersonen, 339 Patienten mit leichten kognitiven Einschränkungen (MCI) und 975 Alzheimer-Patienten.

Während der MCI-Phase war die Häufigkeit psychiatrischer Symptome zwischen den ethnischen Gruppen ähnlich. Nach Ausbruch der Krankheit litten Hispanics jedoch signifikant häufiger unter psychiatrischen Symptomen als kaukasische Patienten. Hispanics erkrankten auch früher und litten bereits in der gesunden Phase häufiger unter Depressionen. Die Wissenschaftler vermuten, dass das häufigere Auftreten von Depressionen mit einer anderen Verlaufsform der Krankheit oder unterschiedlichen Amyloid-Ablagerungsmustern zusammenhängen könnte.

Die Rolle des Hausarztes bei der Früherkennung

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft betonte auf ihrem Kongress die wachsende Bedeutung der Hausärzte bei der Versorgung von Demenzkranken. Angehörige suchen oft nach Ärzten, die die Symptome ernst nehmen und eine angemessene Therapie einleiten. Hausärzte spielen eine Schlüsselrolle bei der frühzeitigen Diagnose und dem schnellen Einleiten von Therapieschritten. Es ist wichtig, dass Ärzte keine Zeit verlieren und die Angehörigen in den Umgang mit Demenzkranken einbeziehen.

Hausärzte stehen jedoch vor Herausforderungen, wie Dr. Georg Wiesner aus Künzell berichtete. Die Budgetbelastung in der medikamentösen Therapie und die Verharmlosung der Erkrankung unter Hinweis auf das Alter des Patienten sind große Probleme. Viele Patienten bleiben jahrelang unentdeckt oder suchen vergeblich nach dem richtigen Behandler, bevor die Therapie beginnt.

Lesen Sie auch: Informationen für Alzheimer-Patienten und Angehörige

Delir: Ein medizinischer Notfall

Ein Delir ist ein akuter Zustand geistiger Verwirrtheit, der oft bei älteren oder schwer kranken Menschen auftritt, beispielsweise nach Operationen oder Infekten. Typisch ist ein abrupter Beginn und ein schwankender Verlauf mit Phasen klaren Denkens, die sich mit starker Verwirrtheit abwechseln. Es gibt verschiedene Arten von Delir:

  • Hyperaktives Delir: Unruhe, wirres Sprechen, Angst, Gereiztheit, Aggressivität, Halluzinationen.
  • Hypoaktives Delir: Viel Schlafen, Stille, Teilnahmslosigkeit, Desinteresse.
  • Gemischtes Delir: Kombination aus hyperaktiven und hypoaktiven Symptomen.

Ein Delir ist ein medizinischer Notfall, der zu Stürzen, Verletzungen, Verschlechterung anderer Erkrankungen und erhöhter Sterblichkeit führen kann. Die frühzeitige Erkennung und Behandlung der Ursache sind entscheidend. In schweren Fällen können Beruhigungsmittel unter ärztlicher Kontrolle helfen. Krankenhäuser setzen zunehmend Delir-Management-Programme ein, um Delirien vorzubeugen und zu behandeln.

Rückgang der Demenzdiagnosen?

Eine aktuelle Studie aus Deutschland zeigt, dass weniger Demenzdiagnosen gestellt werden als noch vor zehn Jahren. Die Forschenden vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) analysierten Abrechnungsdaten von über 15 Millionen Versicherten ab 65 Jahren und stellten fest, dass die Zahl der Neuerkrankungen und die Gesamtzahl der diagnostizierten Fälle gesunken sind.

Mögliche Gründe für diesen Rückgang sind:

  • Verbesserte Bildung: Menschen mit höherer Bildung entwickeln seltener Demenz.
  • Gesünderer Lebensstil: Weniger Rauchen, etwas weniger Alkoholkonsum, mehr Bewegung und bessere Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Diabetes.
  • Mehr leichte kognitive Störungen festgestellt: Diese Formen kognitiver Beeinträchtigungen haben in den vergangenen Jahren mehr Aufmerksamkeit erhalten.

Allerdings könnten auch Demenzpatienten übersehen werden, insbesondere während der Coronapandemie. Zudem werden immer mehr Diagnosen in spezialisierten Gedächtnisambulanzen gestellt, die nicht immer in die Dokumentation der Vertragsärzte einfließen.

Lesen Sie auch: Kinder-Alzheimer: Ein umfassender Überblick

Therapieansätze

Für eine erfolgreiche Behandlung von Demenz ist ein umfassendes therapeutisches Gesamtkonzept erforderlich, das aus medikamentösen und nichtmedikamentösen Maßnahmen besteht. Der Patient soll geistig und körperlich entsprechend seinen Vorlieben und Fähigkeiten gefordert, jedoch nicht überfordert werden. Physiotherapie und regelmäßiges Gedächtnistraining sind ebenfalls wichtig.

Ursachen von Demenz

Es gibt verschiedene Formen von Demenzerkrankungen. Die häufigste ist die Alzheimer-Demenz, die durch Amyloid-Plaques verursacht wird. Diese Eiweißverklumpungen lagern sich im Gehirn ab und behindern die Reizübertragung zwischen den Hirnzellen. Die vaskuläre Demenz wird durch Durchblutungsstörungen im Gehirn verursacht, die durch leichte Schlaganfälle entstehen können. Auch Diabetes und hoher Alkoholkonsum können das Risiko für Demenz erhöhen. In seltenen Fällen kann eine Demenz durch bestimmte Krankheiten ausgelöst werden, wie z.B. die Pick-Krankheit, Chorea Huntington, Creutzfeldt-Jakob-Krankheit oder HIV.

Diagnoseverfahren

Wenn sich das Gedächtnis oder andere kognitive Fähigkeiten dauerhaft verschlechtern, ist die hausärztliche Praxis die erste Anlaufstelle. Nach einem Anamnese-Gespräch und einer körperlichen Untersuchung können kognitive Tests wichtige Hinweise auf eine Demenzerkrankung geben. Weitere Untersuchungen, wie z.B. der Nachweis von Biomarkern im Nervenwasser oder Blut, bildgebende Verfahren (MRT, PET, SPECT) oder genetische Beratung, können helfen, die Demenzform zu bestimmen.

Frühe Diagnose und ihre Bedeutung

Eine frühe Diagnose von Demenz ist wichtig, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und den Betroffenen und ihren Angehörigen Zeit zu geben, sich auf die Herausforderungen vorzubereiten. Viele Menschen mit Gedächtnisstörungen verbergen oder überspielen ihre Schwächen, was die Diagnose verzögern kann.

Die Zukunft der Demenzdiagnostik

Demenzforscher arbeiten weltweit daran, die Diagnostik von Demenzerkrankungen zu verbessern. Ein wichtiges Ziel ist es, Demenzerkrankungen wie Alzheimer früher zu erkennen und Demenzformen korrekt voneinander abzugrenzen. Fortschritte in der Forschung haben es ermöglicht, die Alzheimer-Krankheit auch per Bluttest zu erkennen, der jedoch die etablierten Diagnoseverfahren bislang noch nicht ersetzen kann.

Lesen Sie auch: Alzheimer und Demenz im Vergleich

Demenz-Verlauf und Symptome in verschiedenen Stadien

Die meisten Demenzerkrankungen beginnen schleichend und bleiben lange unbemerkt. Die Symptome können je nach Krankheitsstadium variieren.

Frühes Stadium:

  • Vergesslichkeit
  • Wortfindungsstörungen
  • Schwierigkeiten in bekannten Umgebungen
  • Fehler bei alltäglichen Aufgaben
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Nachlassender Orientierungssinn
  • Lust- und Antriebslosigkeit

Mittleres Stadium:

  • Verstärkung der Symptome des frühen Stadiums
  • Probleme, Sätze zu bilden
  • Verwechslung von Tageszeiten
  • Veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Vergessen von Kernereignissen aus der Vergangenheit
  • Veränderung der Persönlichkeit

Spätes Stadium:

  • Starke Stimmungsschwankungen
  • Kaum noch Worte oder Sätze bilden können
  • Körperliche Abbauprozesse
  • Verlust der Kontrolle über Körperfunktionen
  • Bettlägerigkeit

Neuer Test soll Alzheimer früher erkennen

Forschende der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben ein neues Warnsignal entdeckt, welches in Zukunft einen „Demenz-Schnelltest“ ermöglichen könnte. Anstatt sich auf äußere Merkmale und Symptome zu verlassen, haben die Forschenden einen Weg gefunden, der eine schnelle und zuverlässige Demenz-Diagnose ermöglichen könnte.

Bei Untersuchungen der Universität Göttingen wurden die Wissenschaftler auf Moleküle im Blut aufmerksam, welche auf eine bevorstehende Demenz hindeuten können. Die Ergebnisse der Forschenden wurden in einem Magazin der europäischen Wissenschaftsorganisation European Molecular Biology Organization veröffentlicht.

Drei bisher unentdeckte Biomarker stachen bei den Laborstudien heraus. Bei den sogenannte microRNAs handelt es sich um Moleküle, die eine regulatorische Wirkung besitzen. Grundsätzlich beeinflussen alle microRNAs die Herstellung von Proteinen. Sie sind somit maßgeblich am menschlichen Stoffwechsel beteiligt. Die drei neuentdeckten RNA-Moleküle hängen stark mit der geistigen Leistungsfähigkeit und der Konzentration zusammen.

Bluttests an gesunden Menschen zeigten, dass eine erhöhte Konzentration der microRNAs negativ mit der geistigen Fitness korreliert. Je höher der Blutwert, desto schlechter schnitten die untersuchten Personen bei den Kognitionstests ab. Probanden, die bereits unter milden kognitiven Störungen litten und eine erhöhte Konzentration der drei Blutmarker besaßen, entwickelten mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent innerhalb der nächsten zwei Jahre eine Alzheimer-Erkrankung.

Demenz-Prävention und der Alzheimer-Schnelltest

Versuche an Mäusen zeigten außerdem, dass die microRNAs neue Methoden der Alzheimer-Therapie ermöglichen könnten. Der Fokus der Universität Göttingen liegt nun allerdings darauf, einen Schnelltest - ähnlich wie bei Corona - zu entwickeln, der in Zukunft eine zuverlässige Diagnose ermöglichen soll. Dazu müssen die verschiedenen Verfahren noch geprüft werden. Ein Bluttest scheint am wahrscheinlichsten.

tags: #alzheimer #unentdeckte #jahre