Umgang mit Boshaftigkeit bei Multipler Sklerose: Ein Leitfaden für Angehörige und Betroffene

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihr Umfeld vor große Herausforderungen stellt. Angehörige, Freunde und Bekannte stehen oft vor der Frage, wie sie sich am besten verhalten und wie sie die Betroffenen unterstützen können. Dieser Artikel soll Einblicke in die Sichtweise von Menschen mit MS geben und Ratschläge für einen respektvollen und verständnisvollen Umgang aufzeigen.

Die Herausforderungen der MS-Diagnose

Die Diagnose MS wird in der Regel durch eine Kombination aus klinischen Untersuchungen, bildgebenden Verfahren und Laboruntersuchungen gestellt. Die Erkrankung manifestiert sich durch vielfältige Symptome, die von Gefühlsstörungen und Lähmungen bis hin zu Seh- und Gleichgewichtsstörungen reichen können. Hinzu kommt oft eine ausgeprägte Müdigkeit, die sogenannte Fatigue.

Mögliche MS-Symptome

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems, die vor allem junge Erwachsene betrifft. Bei MS greift das Immunsystem die Myelinscheide an, die die Nervenfasern umgibt, was zu Entzündungen und Schädigungen führt. Dies kann eine Vielzahl von neurologischen Symptomen verursachen, die von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein können.

Behandlungsmöglichkeiten

Behandlungsmöglichkeiten für Multiple Sklerose (MS) unterscheiden sich je nach Krankheitsverlauf und Symptomen. Einige dieser Möglichkeiten sind:

  • Medikamentöse Therapie: Es gibt verschiedene Medikamente, die das Fortschreiten der MS verlangsamen und die Symptome lindern können. Dazu gehören Immunmodulatoren, Immunsuppressiva und Medikamente zur Behandlung spezifischer Symptome wie Spastik oder Fatigue.

Fortschritte bei der MS

Im Laufe der Zeit haben sich in Bezug auf die Multiple Sklerose (MS) viele Veränderungen ergeben. Hier sind einige wichtige Fortschritte:

Lesen Sie auch: MS-Medikamente im Detail erklärt

  • Verbesserte Diagnose: Dank moderner bildgebender Verfahren wie der Magnetresonanztomographie (MRT) kann MS heute früher und genauer diagnostiziert werden.
  • Wirksamere Therapien: In den letzten Jahren wurden zahlreiche neue Medikamente entwickelt, die das Fortschreiten der MS verlangsamen und die Symptome lindern können.
  • Besseres Verständnis der Erkrankung: Die Forschung hat unser Verständnis der MS-Ursachen und -Mechanismen erheblich verbessert.

Unterstützung bei MS

Menschen mit Multiple Sklerose können auf verschiedene Weise Unterstützung finden. Es gibt hilfreiche Themenseiten, wie beispielsweise:

  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein.
  • Beratungsstellen: Fachkräfte können bei der Bewältigung der Erkrankung unterstützen.
  • Therapieangebote: Physiotherapie, Ergotherapie und Psychotherapie können die Lebensqualität verbessern.

Die Sicht der Betroffenen: Was wünschen sich Menschen mit MS?

Um ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse von Menschen mit MS zu entwickeln, wurden Betroffene nach ihren Wünschen und Erwartungen im Umgang mit ihrem Umfeld gefragt. Die Antworten zeigen ein deutliches Bild:

Keinen Unterschied zu anderen machen

Menschen mit MS wünschen sich in erster Linie, wie alle anderen behandelt zu werden. Ständiges Nachfragen nach dem Befinden oder mitleidige Blicke können das Gefühl verstärken, krank zu sein. Ein ehrliches Mitgefühl zur richtigen Zeit kann hingegen Wunder wirken.

Eine Betroffene drückte es so aus: „Ich habe zu Freunden und Familie immer gesagt, dass ich weiterhin das verrückte Suppenhuhn bin und alles bitte so laufen soll wie vor der Diagnose. Mich in allen Dingen einplanen, aber nicht enttäuscht sein, wenn an dem Tag X es dann doch nicht geht. Und das klappt hier zum Glück."

Keine Ratschläge geben

Ungefragte Ratschläge sind oft unerwünscht, auch wenn sie gut gemeint sind. Betroffene sind in der Regel von Spezialisten umgeben und tauschen sich in Selbsthilfegruppen aus. Wenn sie Rat benötigen, werden sie aktiv danach fragen.

Lesen Sie auch: Wie man MS vorbeugen kann

Eine Frau schrieb dazu: „Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht und auch Ratschläge können wie Schläge wirken. Wenn wir einen Rat oder Hilfe benötigen, sind wir alt und groß genug, um euch darum zu bitten.“

Keine Vergleiche ziehen

Vergleiche mit anderen MS-Patienten sind fehl am Platz, da die Erkrankung sehr individuell verläuft. Jeder Mensch mit MS hat seine eigene Geschichte und seinen eigenen Weg, mit der Krankheit umzugehen.

Eine Betroffene formulierte es drastisch: „Erspart es uns, mit eurer Großcousine 23. Grades verglichen zu werden, die 6 Monate nach der Diagnose gestorben ist oder auf wundersame Weise durch Diät, Glypalveg oder Tablettchen ‚Nehmichnicht‘ geheilt wurde.“

Unsere Entscheidungen einfach nur akzeptieren und respektieren

Oft müssen sich Menschen mit MS für ihre Entscheidungen rechtfertigen. Es ist wichtig, ihre Entscheidungen zu akzeptieren und zu respektieren, auch wenn sie manchmal schwer nachvollziehbar erscheinen. Wenn Betroffene Veranstaltungen absagen müssen, sollte dies mit Verständnis aufgenommen werden, ohne Vorwürfe zu machen.

Eine Betroffene schrieb: „Glaubt ihnen einfach, wenn sie sagen, dass etwas jetzt/heute nicht geht, auch wenn dasselbe gestern ging und morgen möglicherweise auch gehen wird. Kein Tag ist wie der andere. Bei komplett Gesunden schlägt ein schlechter Tag u.U. halt nicht auf Sprache, Motorik, Kondition, Koordination oder Müdigkeit.“

Lesen Sie auch: MS und Rückenschmerzen: Ein Überblick

Deine Erfahrungen mit uns teilen

Der Austausch von Erfahrungen kann für beide Seiten bereichernd sein. Angehörige können von den Erfahrungen der Betroffenen lernen und umgekehrt. Es ist wichtig, offen und ehrlich miteinander zu kommunizieren.

Umgang mit "Boshaftigkeit" und herausfordernden Verhaltensweisen

Es ist wichtig zu beachten, dass Menschen mit MS nicht immer und überall Boshaftigkeit unterstellt werden sollte. Oftmals stecken Unwissenheit und Hilflosigkeit hinter bestimmten Verhaltensweisen. Dennoch kann es vorkommen, dass Betroffene aufgrund der Erkrankung Verhaltensweisen zeigen, die als "boshaft" wahrgenommen werden.

Ursachen für herausforderndes Verhalten

  • Frustration und Verwirrung: Die kognitiven Beeinträchtigungen, die mit MS einhergehen können, führen oft zu Frustration und Verwirrung.
  • Schmerzen und Unwohlsein: Körperliche Beschwerden können das Verhalten beeinflussen.
  • Überforderung: Zu viele Reize oder Stress können zu Überforderung und Reizbarkeit führen.
  • Psychische Faktoren: Depressionen, Angstzustände oder andere psychische Erkrankungen können das Verhalten beeinflussen.

Strategien für den Umgang mit herausforderndem Verhalten

  • Verständnis und Empathie: Versuchen Sie, die Situation aus der Perspektive des Betroffenen zu sehen.
  • Geduld: Reagieren Sie geduldig und ruhig auf herausforderndes Verhalten.
  • Klare Kommunikation: Sprechen Sie in kurzen, einfachen Sätzen und vermeiden Sie Missverständnisse.
  • Reizreduktion: Schaffen Sie eine ruhige Umgebung und vermeiden Sie Überstimulation.
  • Professionelle Hilfe: Ziehen Sie bei Bedarf professionelle Hilfe in Anspruch, z.B. durch einen Therapeuten oder eine Beratungsstelle.

Die Rolle der Angehörigen: Unterstützung und Selbstfürsorge

Die Betreuung eines Menschen mit MS kann für Angehörige sehr belastend sein. Es ist wichtig, sich selbst nicht zu vergessen und auf die eigenen Bedürfnisse zu achten.

Tipps für Angehörige

  • Informieren Sie sich: Je besser Sie über die Erkrankung informiert sind, desto besser können Sie den Betroffenen unterstützen.
  • Nehmen Sie Hilfe an: Scheuen Sie sich nicht, Unterstützung von anderen Familienmitgliedern, Freunden oder professionellen Helfern anzunehmen.
  • Achten Sie auf Ihre Gesundheit: Essen Sie gesund, treiben Sie Sport und nehmen Sie sich Zeit für Entspannung.
  • Suchen Sie professionelle Hilfe: Wenn Sie sich überfordert fühlen, suchen Sie professionelle Hilfe bei einem Therapeuten oder einer Beratungsstelle.

tags: #boshaftig #bei #multiple #sklerose