Botox gegen Migräne: Erfahrungen, Wirkung und alles, was Sie wissen müssen

Die Behandlung von chronischer Migräne kann eine Herausforderung sein. Eine Option, die in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit erregt hat, ist die Verwendung von Botox (Botulinumtoxin A). In diesem Artikel werden wir uns eingehend mit Botox-Behandlungen gegen Migräne befassen, einschliesslich der Erfahrungen von Betroffenen, der Wirkungsweise, der Kostenübernahme durch Krankenkassen und vielem mehr.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen auszeichnet. Sie unterscheidet sich von gewöhnlichen Kopfschmerzen durch ihre Intensität und begleitende Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit. Es gibt verschiedene Arten von Migräne, darunter die Migräne mit Aura, bei der neurologische Symptome wie Sehstörungen oder Taubheitsgefühle auftreten, und die Migräne ohne Aura. Die chronische Migräne ist eine Form, bei der Betroffene an mindestens 15 Tagen im Monat unter Kopfschmerzen leiden, davon an mindestens acht Tagen mit migränetypischen Symptomen. Die Ursachen der Migräne sind vielfältig und können genetische Faktoren, hormonelle Schwankungen oder externe Auslöser wie Stress umfassen. Typische, verallgemeinerbare Trigger gibt es nicht, Migräne ist immer sehr individuell. Stress ist sicherlich ein sehr häufiger Auslöser. Schlafmangel kann Migräneattacken auslösen, aber auch zu viel Schlafen - das heißt, jedes Abweichen vom normalen Rhythmus kann das Auftreten von Migräneattacken begünstigen. Bei einigen Patienten können auch bestimmte Nahrungsmittel eine Migräneattacke auslösen.

Was ist Botox und wie wirkt es gegen Migräne?

Botox®, auch bekannt als Botulinumtoxin Typ A, ist ein natürlich vorkommendes Protein, das in der ästhetischen Medizin häufig zur Faltenbehandlung eingesetzt wird. Botulinumtoxin A ist ein Gift des Bakteriums Clostridium botulinum. Es wird in Deutschland vom Pharmaunternehmen Pharm-Allergan GmbH unter dem Markennamen "Botox" vertrieben. Botox ist im Moment als einziges Botulinumtoxin A zur Therapie von Migräne zugelassen.

Wie genau Botox bei Migränen wirkt, ist kompliziert zu erklären - auch weil wir immer noch nicht so viel über diese Art der Kopfschmerzen wissen. Sicher ist aber, dass die Betroffenen ein sehr „leicht reizbares“ Gehirn haben, weshalb bereits ein kleiner, unscheinbar wirkender Trigger (wie Luftdruckveränderungen, Dehydrierung oder Hormonlevelveränderungen), eine Migräne auslösen kann. Wenn das Nervengift regelmäßig in Kopfhaut, Nacken, Schultern, Schläfen und Stirn injiziert wird, kann es die Anzahl der Migränen, die Betroffene erleiden um bis zu 50 Prozent senken.

Bei der Migräne Behandlung wirkt Botox® gegen Migräne, indem es die Aktivität überaktiver Nervenendigungen hemmt. Durch gezielte Injektionen in bestimmte Muskeln des Kopf- und Nackenbereichs wird die Ausschüttung von Neurotransmittern reduziert, die an der Schmerzübertragung beteiligt sind. Dies führt zu einer Entspannung der Muskeln und einer Verringerung der Schmerzsignale, die an das Gehirn gesendet werden. Studien haben gezeigt, dass Botox® bei Migräne die Häufigkeit und Intensität der Migräneanfälle signifikant vermindern kann. Die Wirkung tritt in der Regel innerhalb von wenigen Tagen ein und kann bis zu drei bis sechs Monate anhalten.

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Der genaue Wirkmechanismus

Der genaue Wirkmechanismus von Botox (bzw. dem Hauptbestandteil Botulinumtoxin Typ A) bei Migräne ist unklar. Feststeht, dass das Toxin die Freisetzung von Acetylcholin, einem Neurotransmitter (Botenstoff im Gehirn) verhindert, der für das Zusammenziehen der Muskeln verantwortlich ist. Daneben werden folgende weitere Mechanismen im Zusammenhang mit Migräne diskutiert:

  • Man vermutet, dass bei Betroffenen eine erhöhte Empfindlichkeit des Trigeminus-Nervs im Gesichtsbereich besteht (der Trigeminusnerv ist der fünfte Hirnnerv und spielt eine wichtige Rolle bei der Wahrnehmung von Schmerzen). Botox soll diese Empfindlichkeit herabsetzten.
  • Botox steht im Verdacht die Ausschüttung von Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) zu reduzieren, welches bei der Entstehung von Migräneattacken beteiligt ist. Es spielt zudem eine wichtige Rolle bei der Antikörpertherapie.
  • Vereinfach gesagt sorgt das dafür, dass das Schmerzsignal nicht weitergeleitet wird. „Botox bringt den gesamten Prozess zum Erliegen, so dass die Neuronen nicht mit den Muskeln kommunizieren können.
  • Die Muskelbewegung wird durch die muskelentspannende Wirkung von Botulinumtoxin an den Stellen verringert, an denen die Muskeln auf den Nerv drücken und damit den Migräneschmerz auslösen.

Es handelt sich bei Botox allerdings nicht um ein Akut-Medikament, das während einer Migräneattacke hilft. Es wird vorbeugend als sog. Migräneprophylaxe eingesetzt. Hierfür wird Botox circa alle drei Monate gespritzt. Es wird angenommen, dass die Wirkung nach zwei bis drei Tagen einsetzt, nach zwei Wochen ihren Höhepunkt erreicht und nach circa zwei bis vier Monaten abklingt. Die Wirkung ist also vorübergehend und die Behandlung muss daher regelmäßig wiederholt werden.

Persönliche Erfahrungen mit Botox bei Migräne

Viele Menschen, die unter chronischer Migräne leiden, berichten von positiven Erfahrungen mit Botox-Behandlungen. Eine Betroffene aus den USA schildert ihre Erfahrungen wie folgt:

Nachdem sie fünf Jahre lang verschiedene Behandlungen ausprobiert hatte, ohne Erfolg, riet ihr Neurologe, es mit Botox zu versuchen. Nach einem ausführlichen Beratungsgespräch und dem Test von zwei weiteren präventiven Medikamenten genehmigte ihre Krankenkasse die Botox-Behandlung. Obwohl sie anfangs nervös war, verlief die Behandlung überraschend schmerzfrei. Die Injektionen entspannten ihre ständig angespannte Rückenmuskulatur sofort.

Einen Monat nach der Behandlung waren ihre Migräneattacken wie weggeblasen. Als dann doch eine kam, war sie bei weitem nicht so schlimm wie früher. Das Botox wirkte wie ein Schutzschild und gab ihr das Gefühl, mehr Kontrolle über die Migräne zu haben.

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Ein weiteres Beispiel

Anne, eine Migränepatientin seit 54 Jahren, ließ sich 2006 zum ersten Mal Botox in den Kopf und die Nackenmuskulatur spritzen. Dadurch wurde die Häufigkeit ihrer Migräneattacken reduziert, so dass sie jetzt meistens nur noch 5 bis höchstens 7 Attacken im Monat hat. Diese Spritzen müssen alle Vierteljahre durch einen Neurologen wiederholt werden. Es ist zwar im Moment schmerzhaft, aber sonst habe ich dadurch keine Nebenwirkungen. Das Medikament soll meine Muskeln vor allem im Schläfen- und Nackenbereich entkrampfen. Zum Glück übernimmt meine Krankenkasse die Kosten dafür, denn es sind ja keine Schönheitsbehandlungen.

Für wen ist eine Botox® Migräne Behandlung geeignet?

Die Migräne Behandlung mit Botox® eignet sich für Patient:innen, die unter chronischer Migräne leiden und deren Lebensqualität dadurch erheblich beeinträchtigt ist. Insbesondere Betroffene, bei denen herkömmliche Therapien wie Medikamente nicht ausreichend wirksam sind oder Nebenwirkungen verursachen, können von dieser Methode profitieren. Botox ist nur zur Behandlung der chronischen Migräne zugelassen und nur dann, wenn die Patienten auf orale prophylaktische Medikamente nicht ausreichend angesprochen oder diese nicht vertragen haben. Eine Migräne gilt dann als chronisch, wenn ein Patient an mindestens 15 Tagen im Monat unter Kopfschmerzen leidet und davon an mindestens acht unter Migräne.

Auch Menschen, die nicht unter chronischer Migräne leiden, sondern „nur“ ein paar (dafür aber entsetzliche) Attacken pro Monat haben, können von Botoxbehandlungen profitieren.

Vor der Behandlung führt der Arzt ein ausführliches Beratungsgespräch, um zu prüfen, ob Botox® bei Migräne für Sie geeignet ist. Dabei werden Ihre individuellen Symptome, die Häufigkeit der Migräneanfälle und bisherige Behandlungsansätze berücksichtigt.

Wie läuft die Behandlung mit Botox gegen Migräne ab?

Aufgrund seiner neurotoxischen Eigenschaften darf Botox nur von qualifiziertem medizinischem Fachpersonal verabreicht werden. Auf Basis der PREEMPT-Studien wurde ein Schema für die Verabreichung erarbeitet, anhand dessen die Botulinumtoxin Typ A-Lösung mit feinsten Kanülen in bestimmte Muskeln im Bereich des Kopfes und Nackens injiziert wird.

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Je nach Einschätzung deiner behandelnden Ärztin oder deines Arztes handelt es sich dabei um insgesamt 31 bis 39 Injektionen. Da es sich um besonders dünne Nadeln handelt, ist die Behandlung laut Migräne-Betroffenen aber gut aushaltbar. Hinzukommt, dass die ganze Prozedur lediglich 10-15 Minuten dauert.

Da die schmerzstillende Wirkung maximal drei bis vier Monate anhält, soll eine Behandlung im regelmäßigen Abstand von drei Monaten wiederholt werden, damit man die Migräne längerfristig behandelt.

Weitere Behandlungsempfehlungen zur Behandlung mit Botox findet man in den Leitlinien Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne :

  • Erst nach zwei bis drei Behandlungszyklen sollte über die Wirksamkeit der Therapie entschieden werden.
  • Die Wirkung kann mit der Dauer der Behandlung noch zunehmen.
  • Bei gutem Ansprechen auf die Behandlung kann das Dosierungsintervall auf z. B. vier Monate gestreckt werden oder ein Auslassversuch unternommen werden
  • Eine höhere Dosierung von 195 Einheiten kann eventuell eine bessere Wirkung entfalten als eine niedrige Dosierung mit 155 Einheiten.
  • Die prophylaktische Behandlung von Patientinnen und Patienten mit chronischer Migräne mit Botox zeigt eine Reduktion der Symptome von Angst und Depression zu beachten bei Komorbiditäten - Mehrfachdiagnosen

Bei fast allen Migräne-Prophylaxen wird nach dem Ende der empfohlenen Mindest-Einnahmedauer und bei erfolgreicher Behandlung ein Auslassversuch gestartet. Dabei soll festgestellt werden, ob sich unter der Prophylaxe die Migräne gebessert hat und das Prophylaxe-Medikament eventuell weggelassen werden kann.

Was sollte nach der Migränebehandlung mit Botox® beachtet werden?

Die Migräne Therapie verursacht in der Regel keinerlei Ausfallzeiten. Auch eine spezifische Nachsorge ist nicht erforderlich. Sie sollten lediglich darauf achten, dass Sie den Kopf in den folgenden Stunden aufrecht halten und sich nicht hinlegen. So gehen wir sicher, dass das Botox® in der gewünschten Region verbleibt und wirkt.

Weiterhin empfehlen wir, sich für 1 - 2 Tage körperlich zu schonen und auf Sonnenbäder, Sauna- und Solariumgänge zu verzichten. Die Behandlungsstellen sollten nicht massiert werden.

Wie lange hält das Ergebnis einer Behandlung gegen Migräne mit Botox® an?

Die Wirkung einer Botox® Migräne Behandlung hält in der Regel etwa drei bis sechs Monate an. Die Dauer kann jedoch individuell variieren. Nach dieser Zeit können die Migränesymptome allmählich zurückkehren. Um einen langfristigen Erfolg zu gewährleisten, empfiehlt es sich, die Behandlung in regelmäßigen Abständen zu wiederholen. Bei fortlaufender Therapie kann es sogar zu einer weiteren Reduzierung der Migräneanfälle kommen. Der Arzt erstellt gemeinsam mit Ihnen einen individuell angepassten Behandlungsplan.

Übernehmen Krankenkassen die Kosten von Botox gegen Migräne?

In Deutschland wurde Botulinumneurotoxin A 2011 zur Behandlung von chronischer Migräne zugelassen. Damit die Krankenkasse die Behandlungskosten (etwa 200 bis 400 Euro pro Sitzung) jedoch übernimmt, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. So muss die oder der Betroffene mehr als 15 Tage im Monat Kopfschmerzen haben - und mindestens 8 davon Migräne. Außerdem muss nachgewiesen werden, dass andere Medikamente nicht gewirkt haben.

Die Kosten für eine Behandlung mit Botox gegen Migräne hängen von der Menge der Injektionen ab.

Fragen Sie vor Therapiebeginn bei Ihrer Krankenkasse nach einer Kostenübernahme.

Hat Botox gegen Migräne Nebenwirkungen?

Wie bei jeder Therapie können auch bei Botox Nebenwirkungen auftreten. Grundsätzlich können an der Injektionsstelle kurzfristig Schmerzen auftreten.

Nach einer Botox-Behandlung gegen Migräne kam es bei 13,6 % der Betroffenen laut einer Studie vorübergehend zu folgenden unerwünschten Wirkungen:

  • muskelkaterartige Beschwerden im Nacken- und Kopfbereich mit 6,6 % oder Muskelschwäche 5,5 %
  • kosmetisch unerwünschte Effekte wie Ptosis (das Herabhängen eines oder beider Oberlider des Auges) bei 3,3 %
  • Verschlechterung der Migräne bei 2,1 %
  • Schluckstörung (Dysphagie) bei 0,1 %

Botox wird bei der Migräne-Behandlung auch in die Stirn gespritzt. Da das Medikament Muskeln lähmt, kann als Nebenwirkung auch der Muskel betroffen sein, der das Augenlid hebt - und dann hängt das Lid runter. Das ist jetzt etwas überspitzt formuliert. Die Dosis, die zur Migräne-Prophylaxe in die Stirn injiziert wird, ist geringer als die Dosis, die zur kosmetischen Behandlung eingesetzt wird. Häufig beeinträchtigt die Botox-Therapie die Stirnmimik nicht wesentlich, einige Patienten haben jedoch tatsächlich anschließend eine glattere Stirn. Die Lidschwäche dagegen ist in den Zulassungs-Studien bei 3,3 Prozent der Patienten aufgetreten.

Kontraindikationen: Wann darf Botox nicht angewendet werden?

In bestimmten Fällen darf Botox nicht eingesetzt werden: beispielsweise, wenn der Patient an einer Erkrankung leidet, die die neuromuskuläre Übertragung beeinflusst, wie z.B. die Myasthenia gravis oder wenn der Patient eine bekannte Unverträglichkeit gegenüber Botulinumtoxinen hat. Beides kommt jedoch im klinischen Alltag nicht häufig vor.

Neben Schwangerschaft und Stillzeit gibt es ein paar Erkrankungen, bei denen Botox nicht angewendet werden sollte. Dazu gehören:

  • Neuromuskuläre Erkrankungen
  • Schluckstörungen oder chronische Atembeschwerden
  • akute Infekte und Entzündungen im Bereich der Injektionsstellen
  • Einnahme bestimmter Medikamente, die die muskuläre Funktion beeinflussen sowie bestimmter Antibiotika (Amynoglykosid-Antibiotika, Spectinomycin)
  • nachgewiesene Überempfindlichkeit gegen einen der Bestandteile von zugelassener Botulinumtoxine

Alternativen zur Botox-Behandlung

Welche anderen Möglichkeiten gibt es, um der Migräne vorzubeugen? Es gibt medikamentöse und nicht-medikamentöse Verfahren. Bei Patienten, bei denen die Migräne noch nicht sehr stark ausgeprägt ist, sollten zunächst die nicht-medikamentösen Verfahren ausgeschöpft werden. Dazu gehören zum Beispiel Entspannungs-Übungen und / oder ein regelmäßiger Ausdauersport. Oft helfen auch gewisse Lebensstil-Modifikationen, wie regelmäßig zu essen, regelmäßig zu schlafen und ein gutes Stress-Management.

Übrigens gibt es abgesehen von Botox mittlerweile auch noch ein anderes Präparat, das zur Prophylaxe bei erwachsenen Patient*innen verwendet, die mindestens vier Tage im Monat Migräne haben.

Gerade nicht-medikamentöse Migräneprophylaxen, wie z.B. die Einführung einer blutzuckerstabilisierenden Ernährung mittels der Migräne-App auf Rezept sinCephalea, Entspannungsübungen oder moderater Ausdauersport, können gute Ergänzungen oder Alternativen zu medikamentösen Ansätzen sein.

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