Botox-Behandlung bei Migräne: Eine umfassende Übersicht

Botox, allgemein bekannt für seine Anwendung in der Faltenbehandlung, hat sich als wirksame Therapie zur Behandlung von chronischer Migräne etabliert. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise, Anwendungsbereiche, den Ablauf der Behandlung, sowie wichtige Aspekte rund um Kostenübernahme und mögliche Nebenwirkungen der Botox-Therapie bei Migräne.

Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich von gewöhnlichen Kopfschmerzen durch ihre Intensität und Begleitsymptome unterscheidet. Betroffene leiden an wiederkehrenden, starken Kopfschmerzen, die oft von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet werden.

Man unterscheidet verschiedene Formen der Migräne:

  • Migräne mit Aura: Hier treten neurologische Symptome wie Sehstörungen oder Taubheitsgefühle vor den Kopfschmerzen auf.
  • Migräne ohne Aura: Diese Form zeichnet sich durch das Fehlen der Aura-Symptome aus.
  • Chronische Migräne: Bei dieser Form leiden Betroffene an mindestens 15 Tagen im Monat unter Kopfschmerzen, davon an mindestens acht Tagen mit migränetypischen Symptomen.

Die Ursachen für Migräne sind vielfältig und können genetische Faktoren, hormonelle Schwankungen oder externe Auslöser wie Stress umfassen.

Wie Botox bei Migräne wirkt

Die meisten Menschen verbinden Botox® mit Faltenglättung. Bei Migräne-Anfällen kommt es zu einer sehr starken Anspannung der Muskeln in Gesicht, Hals, Nacken und Schulter. Die Muskeln drücken dadurch auf die Gefäße, hemmen die Blutzirkulation und verursachen Sauerstoffmangel. Die Folge sind starke Migräne-Kopfschmerzen sowie zum Teil Übelkeit, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit. Bei dieser starken Muskelanspannung setzt die Botox®-Therapie an. Denn Botox® hemmt die Ausschüttung des Botenstoffs im Körper, der für die Muskelaktivierung verantwortlich ist. Dadurch wird bei einem Migräne-Anfall die Muskelanspannung reduziert.

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Botox®, auch bekannt als Botulinumtoxin Typ A, ist ein natürlich vorkommendes Protein. Bei der Migräne Behandlung wirkt Botox® gegen Migräne, indem es die Aktivität überaktiver Nervenendigungen hemmt. Durch gezielte Injektionen in bestimmte Muskeln des Kopf- und Nackenbereichs wird die Ausschüttung von Neurotransmittern reduziert, die an der Schmerzübertragung beteiligt sind. Dies führt zu einer Entspannung der Muskeln und einer Verringerung der Schmerzsignale, die an das Gehirn gesendet werden. Studien haben gezeigt, dass Botox® bei Migräne die Häufigkeit und Intensität der Migräneanfälle signifikant vermindern kann. Die Wirkung tritt in der Regel innerhalb von wenigen Tagen ein und kann bis zu drei bis sechs Monate anhalten.

Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass eine Migräne entsteht, wenn der sogenannte Trigeminusnerv, der unter anderem für die sensorische Wahrnehmung im Gesicht verantwortlich ist, verschiedene Botenstoffe ausschüttet. Dadurch können Schmerzsignale erzeugt oder entzündliche Reaktionen in der Hirnhaut angeregt werden. Zu den beteiligten Botenstoffen gehören Glutamat, Substanz P und Calcitonin-Gene-Related-Peptid (CGRP).

BOTOX® mit dem Wirkstoff Botulinumtoxin Typ A kann dies reduzieren, indem es die Ausschüttung der Botenstoffe hemmt. Ohne diese Botenstoffe kann der Nerv nur eingeschränkt Schmerzsignale weiterleiten und auch die Erweiterung der Blutgefäße in der Hirnhaut und das dortige Entzündungsgeschehen werden gehemmt. Damit kann BOTOX® gegen Kopfschmerzen bei chronischer Migräne helfen.

Für wen ist die Botox-Behandlung geeignet?

Die Migräne Behandlung mit Botox® eignet sich für Patient:innen, die unter chronischer Migräne leiden und deren Lebensqualität dadurch erheblich beeinträchtigt ist. Insbesondere Betroffene, bei denen herkömmliche Therapien wie Medikamente nicht ausreichend wirksam sind oder Nebenwirkungen verursachen, können von dieser Methode profitieren. Vor der Behandlung führt der Arzt ein ausführliches Beratungsgespräch, um zu prüfen, ob Botox® bei Migräne für Sie geeignet ist. Dabei werden Ihre individuellen Symptome, die Häufigkeit der Migräneanfälle und bisherige Behandlungsansätze berücksichtigt.

Botox® kommt für Erwachsene infrage, bei denen vorbeugende Medikamente nicht ausreichend wirksam waren oder nicht vertragen wurden. Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (International Headache Society) hat spezifische Kriterien für die Diagnose der chronischen Migräne festgelegt. Eine Migräne gilt dann als chronisch, wenn ein Patient an mindestens 15 Tagen im Monat unter Kopfschmerzen leidet und davon an mindestens acht unter Migräne.

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In bestimmten Fällen darf Botox nicht eingesetzt werden: beispielsweise, wenn der Patient an einer Erkrankung leidet, die die neuromuskuläre Übertragung beeinflusst, wie z.B. die Myasthenia gravis oder wenn der Patient eine bekannte Unverträglichkeit gegenüber Botulinumtoxinen hat.

Ablauf der Botox-Behandlung

Auf Basis der PREEMPT-Studie wurde ein Schema erarbeitet, anhand dessen das Botox® mit feinsten Kanülen in die Muskulatur an Stirn, Nacken und Schultern injiziert wird. Für die Anwendung gibt es ein spezielles Behandlungsschema, das sich PREEMPT-Schema nennt. Hierbei wird BOTOX® mit besonders dünnen Nadeln in 31 festgelegte Punkte injiziert. Die Behandlung selbst dauert meist nur wenige Minuten und kann im Sitzen oder Liegen durchgeführt werden. Je nach Schmerzmuster kann zusätzlich an weiteren Injektionsstellen eine Behandlung erfolgen. Somit sind bis zu 39 Punkte für die Injektion möglich.

Die schmerzstillende Wirkung des Botox® setzt nach ca. 48 bis 72 Stunden ein und hält bis zu drei Monate an. Danach muss die Behandlung regelmäßig wiederholt werden, um eine langfristige Besserung der Migräne-Schmerzen zu erzielen. Die Wirkung von Botox® gegen Migräne hält normalerweise etwa 3-4 Monate an.

Die erste Wirkung von BOTOX® kann bereits nach zwei bis drei Tagen spürbar sein, wobei sich die volle Wirkung in der Regel fünf bis sechs Wochen nach der ersten Behandlung entfaltet. Das kann jedoch individuell unterschiedlich sein. Bei manchen Menschen tritt die volle Wirkung erst nach der zweiten oder der dritten Behandlung ein. Daher ist es wichtig, von Beginn an drei Behandlungstermine einzuplanen, jeweils im Abstand von 12 Wochen, da die Wirkung mit der Zeit zunimmt.

Nach drei Behandlungszyklen lag die Ansprechrate der mit BOTOX® behandelten Patientinnen und Patienten bei 70,9 %. Ein Ansprechen war definiert als eine Verringerung der Kopfschmerztage um mehr als die Hälfte.

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Die Behandlung mit BOTOX® ist langfristig ausgerichtet. Ziel ist, dass die Migräneattacken seltener auftreten und milder verlaufen. BOTOX® dient nicht dazu, akute Beschwerden bei einer Migräneattacke zu lindern.

Was vor und nach der Behandlung zu beachten ist

Vor der Behandlung:

  • Bei der Behandlung sollten Sie keine Schminke, wie etwa Make-up, tragen
  • Falls Sie BOTOX® selbst zu dem Termin mitbringen, denken Sie daran, das Medikament gekühlt (bei maximal 2 - 8 °C) zu transportieren.
  • Bitte teilen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mit, wo die Schmerzen besonders stark sind, um falls nötig weitere Behandlungspunkte festzulegen.
  • Wenn Sie zum Zeitpunkt eines Behandlungstermins eine akute Migräneattacke haben, sollten Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen, ob der Termin verschoben werden sollte und ob es zeitnahe Alternativen gibt.

Nach der Behandlung:

  • Bleiben Sie noch ein paar Minuten in der Praxis, um sicherzugehen, dass Sie die Behandlung mit BOTOX® gut vertragen. Mögliche Schwellungen im behandelten Bereich bilden sich meist innerhalb von 30 Minuten von selbst wieder zurück.
  • Vermeiden Sie es, den Bereich der Injektion zu reiben oder zu massieren.
  • Wenden Sie keine Gesichtsmaske oder Peeling an.
  • Lassen Sie keine Physiotherapie und Lymphdrainagen durchführen.
  • Verzichten Sie auf einen Saunabesuch oder ein Sonnenbad.
  • Gönnen Sie sich nach einem Behandlungstermin etwas Ruhe.
  • Führen Sie über die Zeit der Behandlung ein Migräne- und Kopfschmerztagebuch.

Die Migräne Therapie verursacht in der Regel keinerlei Ausfallzeiten. Auch eine spezifische Nachsorge ist nicht erforderlich. Sie sollten lediglich darauf achten, dass Sie den Kopf in den folgenden Stunden aufrecht halten und sich nicht hinlegen. Weiterhin empfehlen wir, sich für 1 - 2 Tage körperlich zu schonen und auf Sonnenbäder, Sauna- und Solariumgänge zu verzichten. Die Behandlungsstellen sollten nicht massiert werden.

Regelmäßige Migräne-Therapie

Die muskelentspannende Wirkung entfaltet sich nur für einen gewissen Zeitraum, meist einige Wochen bis Monate. Daher ist bei erfolgreicher Anwendung eine kontinuierliche Behandlung erforderlich. Sofern die Therapie anschlägt, können Sie jedoch mit wenig Aufwand über einen Zeitraum von mehreren Wochen bis Monaten beschwerdearm bis beschwerdefrei leben.

Die Wirkung von BOTOX® bei Migräne kann mit der Zeit nachlassen, deshalb ist nach 12 Wochen eine erneute Behandlung empfohlen. Bevor Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt den Therapieerfolg bewerten und über die Therapiefortführung entscheiden, sind drei Behandlungen vorgesehen. Ein Vergleich der Beschwerden der chronischen Migräne vorher und nachher ist also erst nach etwa sechs Monaten sinnvoll. Wenn die Therapie weitergeführt wird, sind pro Jahr vier Behandlungstermine einzuplanen.

Mögliche Nebenwirkungen

Wie bei jeder Therapie können auch bei Botox Nebenwirkungen auftreten. Grundsätzlich können an der Injektionsstelle kurzfristig Schmerzen auftreten.

Mögliche Nebenwirkungen sind vorübergehende Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Muskelschwäche oder Rötungen an den Injektionsstellen. Seltener können Schluck- oder Sprechstörungen auftreten. Botox wird bei der Migräne-Behandlung auch in die Stirn gespritzt. Da das Medikament Muskeln lähmt, kann als Nebenwirkung auch der Muskel betroffen sein, der das Augenlid hebt - und dann hängt das Lid runter. Die Dosis, die zur Migräne-Prophylaxe in die Stirn injiziert wird, ist geringer als die Dosis, die zur kosmetischen Behandlung eingesetzt wird. Häufig beeinträchtigt die Botox-Therapie die Stirnmimik nicht wesentlich, einige Patienten haben jedoch tatsächlich anschließend eine glattere Stirn. Die Lidschwäche dagegen ist in den Zulassungs-Studien bei 3,3 Prozent der Patienten aufgetreten.

BOTOX® ist im Allgemeinen gut verträglich. Wie bei jeder medikamentösen Behandlung ist es jedoch möglich, dass Nebenwirkungen auftreten. Meist sind diese nur leicht bis mittelschwer ausgeprägt und treten vorübergehend auf. Zu den häufigsten Nebenwirkungen, die bei bis zu 1 von 10 behandelten Personen auftreten, zählen:

  • Kopfschmerzen, Migräne und Verschlimmerung der Migräne
  • Schwäche der Gesichtsmuskeln
  • Herabhängen des Augenlids
  • Hautausschlag, Juckreiz
  • Nackenschmerzen, Muskelschmerzen
  • Muskelkrämpfe, Muskelsteifheit
  • Muskelverspannung, Muskelschwäche
  • Schmerzen an der Injektionsstelle

Gelegentliche Nebenwirkungen, die bei bis zu 1 von 100 behandelten Personen auftreten, sind:

  • Schluckbeschwerden
  • Hautschmerzen
  • Kieferschmerzen

Eine Nebenwirkung, deren Häufigkeit nicht bekannt ist, ist:

  • seitliche Anhebung der Augenbrauen

Kosten und Kostenübernahme

Die Kosten für eine Behandlung mit Botox® gegen Migräne hängen von der Menge der Injektionspunkte ab. Der behandelnde Arzt erstellt einen Kostenvoranschlag, den die Patienten bei ihrer Krankenkasse einreichen.

Damit die Krankenkasse die Kosten für eine Behandlung mit BOTOX® gegen chronische Migräne übernimmt, müssen verschiedene Kriterien erfüllt sein:

  • Es muss eine chronische Migräne diagnostiziert werden nach den Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (International Headache Society), das bedeutet: Seit 3 Monaten oder länger bestehende Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat, davon 8 oder mehr Tage mit migränetypischen Symptomen.
  • Eine in der Vergangenheit durchgeführte vorbeugende Behandlung der chronischen Migräne mit Medikamenten unter anderem aus der Gruppe der Blutdrucksenker, Antiepileptika, Antidepressiva oder CGRP-Antagonisten zeigten keine Wirkung oder wurden nicht vertragen.

Am besten ist es, Sie nehmen vor dem Beginn der Therapie mit BOTOX® gegen Migräne Kontakt zu Ihrer Krankenkasse auf und reichen dort einen Behandlungsplan ein, den Ihnen Ihre behandelnde Ärztin bzw. Ihr behandelnder Arzt erstellen und aushändigen kann.

Weitere Möglichkeiten zur Migräneprävention

Es gibt medikamentöse und nicht-medikamentöse Verfahren. Bei Patienten, bei denen die Migräne noch nicht sehr stark ausgeprägt ist, sollten zunächst die nicht-medikamentösen Verfahren ausgeschöpft werden. Dazu gehören zum Beispiel Entspannungs-Übungen und / oder ein regelmäßiger Ausdauersport. Oft helfen auch gewisse Lebensstil-Modifikationen, wie regelmäßig zu essen, regelmäßig zu schlafen und ein gutes Stress-Management. Wenn trotzdem noch häufig Attacken vorkommen, die die Lebensqualität eines Patienten deutlich beeinträchtigen, sollte eine medikamentöse Therapie, optimalerweise in Kombination mit nicht-medikamentösen Verfahren, begonnen werden.

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