Anatomie, Nerven und Aufbau der Brustwarze: Ein umfassender Überblick

Die Brustwarze, auch Mamille oder Papilla mammaria genannt, ist ein zentraler Bestandteil der weiblichen Brust und spielt eine wichtige Rolle bei der Fortpflanzung, der sozialen Interaktion und der Bindung zwischen Mutter und Kind. Dieser Artikel beleuchtet die anatomischen Details, die Nervenversorgung, den Aufbau und die klinische Bedeutung der Brustwarze.

Einführung in die Brustwarzenanatomie

Die Brustwarze ist die Erhebung in der Mitte des Warzenhofs (Areola), dem runden, stärker pigmentierten Hautbereich in der Mitte der Brustdrüse. Sowohl Männer als auch Frauen haben Brustwarzen, aber ihre Funktion und Entwicklung unterscheiden sich. Bei Frauen treffen sich in der Brustwarze die Milchgänge, die beim Stillen Milch nach außen leiten. Bei Männern bleiben die Brustwarzen und Brustdrüsen unterentwickelt.

Der Aufbau der Brust

Um die Brustwarze vollständig zu verstehen, ist es wichtig, den allgemeinen Aufbau der Brust zu betrachten:

  • Drüsengewebe: Dieses Gewebe besteht aus Drüsenläppchen (Lobuli), die nach der Geburt Milch produzieren. Die Milch fließt durch die Milchgänge (Ductuli) zur Brustwarze.
  • Fettgewebe: Umgibt das Drüsengewebe und bestimmt die Größe und Form der Brust.
  • Bindegewebe: Stützt das Drüsen- und Fettgewebe.
  • Blutgefäße, Nerven und Lymphgefäße: Versorgen die Brust mit Nährstoffen und Sauerstoff und transportieren Abfallprodukte ab. Die Lymphgefäße sind auch Teil des Immunsystems.

Detaillierte Anatomie der Brustwarze

Die Brustwarze selbst ist ein kleiner, erhabener Bereich, der normalerweise etwa 10 bis 12 mm hoch ist. Ihre Form und Position können variieren. Die Brustwarze besteht aus:

  • Milchgänge: 12 bis 15 Milchgänge münden in den Buchten der Mamillenspitze nach außen. Kurz vor der Einmündung erweitern sich die Milchgänge zu Milchsäckchen (Sinus lactiferi).
  • Glatte Muskelzellen: Sowohl in der Brustwarze als auch im Warzenhof befinden sich glatte Muskelzellen, die sich bei Reizung zusammenziehen. Dadurch richtet sich die Brustwarze auf und wird runzelig, was dem Säugling das Saugen erleichtert.

Der Warzenhof (Areola)

Der Warzenhof ist der pigmentierte Bereich, der die Brustwarze umgibt. Seine Farbe variiert von zartrosa bis dunkelbraun, und er wird während der Schwangerschaft oft dunkler. Der Warzenhof enthält:

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  • Talgdrüsen (Montgomery-Drüsen): Kleine Höckerchen, die den Warzenhof umgeben und ein Sekret absondern, das die Haut befeuchtet.
  • Schweißdrüsen und kleine Härchen: Tragen zur Funktion und Beschaffenheit des Warzenhofs bei.

Die Nervenversorgung der Brustwarze

Die Brustwarze ist besonders empfindlich, da sie von einem dichten Netz aus Nervenfasern durchzogen ist. Die sensorische Innervation wird hauptsächlich durch die Interkostalnerven gewährleistet, insbesondere durch den Interkostalnerv. Dieser Nerv verläuft zwischen den Rippen und gibt feine Endäste (Rr. mammarii) ab, die die Brusthaut und die darunter liegenden Strukturen, einschließlich der Brustwarze, sensorisch innervieren.

Die Stimulation der Brustwarze durch Berührung, Saugen oder andere mechanische Reize löst eine starke sensorische Reaktion aus. Diese Reize werden über die sensorischen Nerven an das Gehirn weitergeleitet, was zur Freisetzung von Oxytocin und Prolaktin führt.

Hormone und Brustwarzenfunktion

  • Oxytocin: Dieses Hormon, das im Hypothalamus gebildet und im Hypophysenhinterlappen freigesetzt wird, bewirkt, dass sich die Milchgänge kontrahieren, wodurch die Milch aus der Brustwarze austritt (Milchspendereflex). Es stärkt auch die Bindung zwischen Mutter und Kind, reduziert Stress und wirkt beruhigend.
  • Prolaktin: Dieses Hormon, das vom Hypophysenvorderlappen ausgeschüttet wird, stimuliert die Milchproduktion.

Brustwarzenformen und -varianten

Es gibt verschiedene Brustwarzenformen, darunter:

  • Normale Brustwarzen: Wölben sich nach außen.
  • Flachwarzen: Liegen in einer Ebene mit dem umgebenden Gewebe.
  • Schlupf- oder Hohlwarzen: Sind nach innen gerichtet und entstehen durch verkürzte Milchgänge. Sie können das Stillen erschweren.
  • Polythelie: Das Vorhandensein von mehr als zwei Brustwarzen entlang der Milchleiste.
  • Polymastie: Das Vorhandensein einer zusätzlichen "ganzen" Brust entlang der Milchleiste.
  • Athelie: Das vollständige Fehlen der Brustwarze, meist in Verbindung mit dem Fehlen der ganzen Brust (Amastie).

Klinische Bedeutung der Brustwarze

Die Brustwarze kann ein Hinweis auf verschiedene Erkrankungen sein:

  • Galaktorrhö: Unnatürlicher Ausfluss von Milch oder milchähnlicher Flüssigkeit aus der Brustwarze.
  • Mastitis: Entzündung des Brustdrüsengewebes, häufig bei stillenden Frauen.
  • Brustkrebs (Mammakarzinom): Verschiedene Symptome im Zusammenhang mit der Brustwarze können auf Brustkrebs hinweisen, einschließlich Veränderungen der Form, Größe oder Farbe der Brustwarze, Einziehungen, Hautveränderungen, Schmerzen oder Ausfluss. Ein Mammakarzinom kann auch aus dem Gewebe der Brustwarze entstehen.
  • Brustwarzenentzündung (Thelitis): Kann während der Stillzeit oder im Wochenbett auftreten.
  • Fissuren oder Rhagaden: Kleine Risse oder Verletzungen an der Brustwarze, meist bedingt durch Schwangerschaft oder Wochenbett.
  • Neubildungen (Wucherungen, Tumoren): Gutartige und bösartige Neubildungen können sich im Bereich der Brustwarze entwickeln.

Veränderungen des Brustgewebes durch Hormone

Die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron beeinflussen das Brustgewebe während des Menstruationszyklus, der Schwangerschaft und den Wechseljahren:

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  • Menstruationszyklus: Kurz vor der Monatsblutung schwillt das Drüsengewebe an, wodurch die Brüste härter werden und spannen. Nach der Menstruation werden die Brüste wieder weicher.
  • Schwangerschaft: Der Drüsenkörper entfaltet sich, und die Brust bereitet sich auf die Milchbildung vor.
  • Wechseljahre: Das Drüsengewebe schrumpft, weil die körpereigene Hormonproduktion zurückgeht.

Selbstuntersuchung der Brust

Die Selbstuntersuchung der Brust ist ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsvorsorge für Frauen. Sie sollte idealerweise einmal im Monat, kurz nach der Menstruation, durchgeführt werden, wenn die Brüste weicher sind. Achten Sie auf Veränderungen der Brustwarze, wie z.B.:

  • Neue Knoten oder Verdickungen
  • Veränderungen der Größe oder Form
  • Einziehungen oder Vorwölbungen
  • Hautveränderungen (z.B. Rötung, Schuppung, Ekzeme)
  • Ausfluss aus der Brustwarze

Anatomie und Brustkrebs

Brustkrebs kann an verschiedenen Stellen der Brust entstehen. Um die Lage eines Tumors genau angeben zu können, wird die Brust in vier Quadranten eingeteilt. Am häufigsten entstehen Tumoren im oberen äußeren Quadranten der Brust, zwischen Schlüsselbein und Achselhöhle.

Ein System feinster Lymphbahnen durchzieht das Brustgewebe. Wenn Krebszellen sich unkontrolliert teilen, können einzelne Zellen oder Zellverbände sich vom Ursprungstumor lösen und über die Lymphflüssigkeit in den nächstgelegenen Lymphknoten gelangen. Dieser Lymphknoten wird als „Wächterlymphknoten“ bezeichnet. Bei Verdacht auf Brustkrebs werden immer auch die Lymphknoten untersucht.

Die Rolle der Lymphknoten

In dem Bereich rund um die Brust finden sich zahlreiche Lymphknoten. Hierbei handelt es sich um kleine, runde „Filterstationen“ des Immunsystems, die im ganzen Körper verteilt und für die Reinigung der Lymphe zuständig sind. Im Falle einer Krebserkrankung können Krebszellen auch über Lymphgefäße streuen und sich in Lymphknoten ansiedeln. Beim Brustkrebs kommt es häufig vor, dass ein Tumor auf diesem Wege die Lymphknoten z. B. in der Achsel befällt. Für die Einschätzung des Stadiums der Erkrankung ist die Betrachtung der Lymphknoten relevant, da eine Ausbreitung der Krebszellen in die umliegenden Lymphknoten eine andere Therapie erfordert und die Prognose beeinflusst.

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