Brustwirbel Nerv eingeklemmt, Muskelentzündung: Ursachen und Behandlung

Schmerzen im Bereich des Brustkorbs und der Rippen, Atemprobleme und Magenschmerzen können auf das BWS-Syndrom hindeuten. Dumpfe, drückende Schmerzen im Brustkorb, die sich beim Einatmen oder bei Bewegungen verstärken, könnten Anzeichen einer Brustwirbelblockade sein. Das ziehende Gefühl zwischen den Schulterblättern kann sich über den Rippenbogen bis nach vorne ziehen und sogar bis in den Bauchraum ausstrahlen. Blockaden der Brustwirbelsäule schränken die Beweglichkeit ein und erschweren die Atmung. Es ist wichtig zu beachten, dass Brustschmerzen, Atemnot und Übelkeit auch Symptome eines Herzinfarkts oder von Brustenge sein können. Schmerzen bei körperlicher Aktivität, Ärger, Stress oder Kälte deuten eher auf das Herz hin. In solchen Situationen schüttet der Körper Stresshormone und andere Botenstoffe aus, die die Herzkranzgefäße verengen. Bei diesen Erkrankungen ist Eile geboten, ebenso wie bei einem Herzinfarkt.

Was ist eine Brustwirbelblockade?

Anders als man vielleicht annehmen könnte, verhaken oder verkanten sich bei einer Brustwirbelblockade keine Brustwirbel, und es ist auch nichts eingeklemmt oder blockiert. Vielmehr handelt es sich um verspannte und schmerzhaft verhärtete Muskelpartien entlang der Brustwirbelsäule - also um blockierte Muskeln und nicht um Wirbel. Im Alltag nehmen wir fast immer eine leicht vornüber gebeugte Haltung ein, besonders wenn wir den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzen. Unsere Muskulatur bräuchte aber eigentlich regelmäßigen Ausgleich. Da sich aber kaum jemand ständig dehnt und streckt, verkürzt sich die Muskulatur auf unserer Körpervorderseite. Die Rückenmuskulatur als Gegenspieler ist ständig darum bemüht, uns wieder aufzurichten, was zu einer Überforderung führt. Die Muskeln befinden sich daher kontinuierlich im Ungleichgewicht. Auf Dauer und ohne gezielten Ausgleich verspannen, verkrampfen und verhärten sie sich. "Sitzen ist das neue Rauchen", heißt es.

Ursachen des BWS-Syndroms

Die Ursachen für ein Brustwirbelsäulen-Syndrom (BWS) können vielfältig sein. Es handelt sich um einen Sammelbegriff für unspezifische Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule. Die Schmerzen lassen sich oft keiner klaren Ursache zuordnen, wie etwa einem Bandscheibenvorfall, sondern sind eher eine Kombination verschiedener Faktoren. Häufig liegt eine Muskelproblematik vor, bei der bestimmte Muskeln schmerzhaft verspannt sind, was zelluläre Probleme nach sich zieht. Können Betroffene schmerzbedingt nicht mehr tief ein- und ausatmen, werden die Zellen nicht mehr gut durchblutet und die Muskeln können nicht richtig entspannen.

Auslöser für die Muskelbeschwerden sind oft eine gekrümmte, nach vorn gebeugte Haltung sowie eine hohe Anspannung. Besonders gefährdet sind Menschen, die viel am Schreibtisch arbeiten oder sich zum Erklären ständig nach vorne beugen müssen. Bewegungsmangel ist ein weiteres Kernproblem. Wer mehr als sieben Stunden am Tag sitzt und sich weniger als 150 Minuten in der Woche körperlich betätigt, zeigt eine deutlich reduzierte Beweglichkeit in der Brustwirbelsäule.

Weitere mögliche Ursachen für BWS-Schmerzen sind:

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  • Angeborene oder erworbene Fehlstellungen der Wirbelsäule (z. B. Skoliose)
  • Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule (z. B. Arthrose, Bandscheibenvorfall)
  • Entzündliche Veränderungen (z. B. Rheuma)
  • Verletzungen der Wirbelsäule (z. B. Wirbelbruch)
  • Muskelverhärtungen
  • Psychische Faktoren (Stress, Angst)
  • Erkrankungen der inneren Organe

Symptome eines BWS-Syndroms

Das BWS-Syndrom zählt zu den häufigsten Rückenleiden, direkt nach Schmerzen im Nacken und unteren Rücken. Typische Symptome sind:

  • Dumpfe oder drückende Schmerzen zwischen den Schulterblättern
  • Bewegungs- oder atemabhängige Schmerzen
  • Gürtelförmige Ausstrahlung über den Brustkorb
  • Eingeschränkte Beweglichkeit des Oberkörpers (z. B. Schwierigkeiten beim Drehen oder Strecken)
  • Das Gefühl, ein Wirbel sei blockiert
  • Muskelverspannungen im Rücken- und Schulterbereich
  • Taubheitsgefühle in Armen und Händen
  • Atemprobleme, besonders bei tiefen Atemzügen
  • Übelkeit

Wichtig: Bei stärksten Schmerzen zwischen den Schulterblättern, die mit akuter Atemnot, Druckgefühl auf der Brust oder Ausstrahlung in den Arm einhergehen, sollte umgehend die Notfallnummer 112 gewählt werden, da es sich um einen Herzinfarkt handeln könnte. Treten die Symptome jedoch nur bei bestimmten Bewegungen auf und sind moderat, reicht ein Arztbesuch am Folgetag.

Diagnose des BWS-Syndroms

An erster Stelle steht immer eine gute Diagnostik. Bei den klassischen Symptomen einer BWS-Blockierung wird ausführlich nach der Art, dem Ort und der Dauer der Schmerzen gefragt. Es ist wichtig zu erfahren, wie die Lebensumstände des Patienten sind. Außerdem werden gezielt charakteristische Merkmale anderer Krankheiten abgefragt, die sich zunächst ähnlich wie eine BWS-Blockierung äußern können und nicht unbehandelt bleiben sollten. Dazu gehören zum Beispiel Erkrankungen des Rheumatischen Formenkreises oder Osteoporose.

In der körperlichen Untersuchung achten Ärzte vor allem auf ungewöhnliche Haltungen und Bewegungseinschränkungen sowie muskuläre Verspannungen der Brustwirbelsäule. Sie prüfen auch, ob sich die Schmerzen der Brustwirbelblockade durch Drücken und Klopfen auf die Wirbelsäule verändern lassen.

Die genauen Ursachen der BWS-Blockade lassen sich besonders gut in der Bildgebung wie beispielsweise beim Röntgen analysieren. Röntgenbilder zeigen besonders präzise die Knochen und ihre Konturen. Hier lassen sich Fehlstellungen der Wirbelsäule beurteilen. Die große Stärke der Kernspintomographie (MRT) ist es hingegen, Veränderungen an Weichteilen wie Bandscheiben, Muskeln und Bändern darzustellen.

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Behandlung des BWS-Syndroms

Die Behandlung des BWS-Syndroms erfolgt in aller Regel konservativ. Wichtig ist es, trotz der Brustwirbelblockade möglichst bald wieder körperlich aktiv zu werden und die Rückenmuskulatur zu stärken.

Konservative Behandlungsmethoden

  • Bewegung: Bewegung ist das A und O. Über den Tag verteilt gilt es, immer wieder aktiv zu sein. Dehnen, strecken, recken ist das Mindeste. Häufiges Gehen ist günstig, Treppensteigen auch. Zum Einkaufen lieber radeln oder rollern, statt das Auto zu nehmen. Regelmäßige Dehnübungen, bei denen eine Muskelstreckung über einen längeren Zeitraum konstant gehalten wird, setzen willkommene Reize, um verhärteten Muskeln und verkürzten Bändern entgegenzuwirken.
  • Schmerzmittel: Bei muskulären Verspannungen eignen sich Ibuprofen und Diclofenac besonders gut. Ohne Rücksprache mit dem Arzt sollten sie nicht länger als eine Woche angewendet werden.
  • Physiotherapie: Dabei steht immer die Mobilisation im Vordergrund, um die Beweglichkeit wiederherzustellen. Zudem werden stabilisierende Muskeln etwa im Rücken oder der Schulter gezielt gekräftigt. Auch die Atmung spielt in der Therapie oft eine Rolle, etwa um die Rippen zu mobilisieren und die Zellen wieder besser mit Sauerstoff zu versorgen.
  • Manuelle Therapie (Chirotherapie): Vorsichtige Bewegungen in Richtung der Blockade können die Gelenke aus der blockierten Position befreien. Die Wirbelsäule gewinnt dadurch wieder an Mobilität und Rückenschmerzen lassen nach. Kurze, gezielte Impulse ergänzen die Therapie.
    • Wichtig: Behandlungen der Manuellen Medizin dürfen nicht durchgeführt werden bei entzündlichen oder degenerativen Veränderungen - etwa einer Osteoporose oder einem Bandscheibenvorfall. Durch die Krafteinwirkungen während einer Manuellen Therapie drohen in diesen Fällen Verletzungen der Wirbelsäule bzw. der Wirbelkörper.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Insgesamt können Wärmeanwendungen gut bei Muskel-Verspannungen helfen. Sollte die Schmerzursache allerdings in einer Entzündung liegen, sind Kälte-Therapien empfehlenswerter.
  • Entspannungsübungen: Halten Schmerzen über mehrere Wochen an, empfindet der Körper das als eine Art Bedrohung. Der Sympathikus-Nerv werde aktiviert, dieser gehört zum vegetativen Nervensystem und sorgt dafür, dass sich die Muskeln anspannen. Durch Entspannungsübungen kann man dem entgegenwirken, sodass die Beschwerden langsam zurückgehen. Oft verschwinden sie ganz.

Übungen zur Selbsthilfe

  • Katzenbuckel und Pferderücken: Im Vierfüßlerstand abwechselnd den Rücken rund machen (Katzenbuckel) und durchhängen lassen (Pferderücken).
  • Brustkorb dehnen: Setzen Sie sich aufrecht hin, verschränken Sie die Hände hinter dem Kopf und ziehen Sie die Ellbogen langsam nach hinten, während Sie tief einatmen. Halten Sie diese Position für einige Sekunden und kehren Sie dann zur Ausgangsposition zurück.
  • Dehnung der Brustwirbelsäule mit einer Faszienrolle: Lege dich nun nach hinten auf die Faszienrolle, sodass sie unter deiner Brustwirbelsäule liegt. Mache dich komplett lang und strecke deine Beine aus. Jetzt schau mal, ob die Faszienrolle richtig liegt: Das tut sie dann, wenn du eine Dehnung im oberen Rücken oder in der Brust spürst. Halte die Dehnung für 2 Minuten, gerne auch ein wenig länger. Bleibe in der Position und atme ein und aus. Beim nächsten Ausatmen gehst du etwas tiefer nach unten. So verfährst du bei jeder weiteren Atembewegung etwa 2 Minuten lang.
  • Übung mit dem Rückenretter: Beim Üben mit dem Rückenretter bekämpfst du hohe muskulär-fasziale Spannungen in der Körpervorderseite. So setzt du an einer der häufigsten Ursachen von Rückenschmerzen an und kannst die Beschwerden reduzieren. Atme tief ein und wieder aus. Du merkst, dass sich dabei dein Oberkörper automatisch etwas nach vorne krümmt. Nun puste - so kräftig du kannst - die Luft wieder aus. Unterstütze jetzt aber deinen Oberkörper und nimm ihn aktiv nach vorne. Halte die Nase und deinen Mund weiterhin zu. Versuche, so lange einzuatmen, bis du merkst, dass du keinen Sauerstoff mehr in der Lunge hast.

Operative Behandlungsmethoden

Nur in seltenen Fällen ist eine Operation erforderlich, beispielsweise bei einem Bandscheibenvorfall mit Kompression des Rückenmarks oder bei Wirbelbrüchen.

Vorbeugung eines BWS-Syndroms

  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Richten Sie Ihren Büroarbeitsplatz möglichst ergonomisch ein. Wer viel im Sitzen arbeitet, sollte ganz bewusst regelmäßig aufstehen und immer wieder die Möglichkeit nutzen, ein paar Schritte zu gehen.
  • Bewegung im Alltag: Alle, die sich angewöhnen, Treppen zu steigen, statt den Fahrstuhl zu nehmen, tun nicht nur ihrem Herzen, sondern auch ihrem Rücken etwas Gutes.
  • Rückenschonendes Verhalten: Muss beruflich der Rücken ohnehin stark in Anspruch genommen werden, sollte besonders darauf geachtet werden, alle Bewegungen rückenschonend auszuführen.
  • Kräftigung der Rückenmuskulatur: Ganz unabhängig vom Beruf lohnt es sich, gezielt die Rückenmuskulatur zu stärken, sich regelmäßig und abwechslungsreich zu bewegen und den Rücken nicht einseitig zu überlasten. Sportarten wie Schwimmen oder Nordic Walking sind zum Beispiel gut geeignet, um den Rücken zu stärken und einer BWS-Blockierung vorzubeugen.
  • Stressmanagement: Erlernen Sie Entspannungstechniken, um Stress abzubauen und Muskelverspannungen vorzubeugen.

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