Einführung
Epilepsie, eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist, ist seit der Antike bekannt. Berühmte Persönlichkeiten wie Julius Cäsar, Fjodor Dostojewski, Napoleon und Vincent van Gogh sollen darunter gelitten haben. Die Krankheit manifestiert sich durch eine Vielzahl von Symptomen und kann verschiedene Ursachen haben. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung von Epilepsie, wobei ein besonderer Fokus auf historische Aspekte und moderne Erkenntnisse gelegt wird.
Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist eine chronische Erkrankung des Nervensystems, bei der es zu wiederholten Anfällen kommt. Ein epileptischer Anfall entsteht durch eine plötzliche, unkontrollierte elektrische Entladung einer Gruppe von Nervenzellen im Gehirn. Je nachdem, welche Hirnregionen betroffen sind, können sich die Anfälle unterschiedlich äußern.
Formen von Anfällen
Es gibt verschiedene Arten von epileptischen Anfällen:
- Generalisierte tonisch-klonische Anfälle (Grand Mal): Diese Anfälle sind die dramatischsten. Der Betroffene stürzt bewusstlos zu Boden, die Muskeln des ganzen Körpers verkrampfen sich (tonische Phase), und es kommt zu starken Zuckungen der Arme und Beine (klonische Phase). Die Atmung kann kurzzeitig blockiert sein, was zu einer bläulichen Verfärbung der Haut führen kann.
- Absencen: Diese Anfälle äußern sich durch kurze Bewusstseinspausen, in denen der Betroffene nicht ansprechbar ist. Nach dem Anfall setzt er seine Tätigkeit fort, als wäre nichts geschehen.
- Fokale Anfälle: Diese Anfälle sind auf einen umschriebenen Bereich des Gehirns begrenzt. Sie können sich durch rhythmische Zuckungen oder Verkrampfungen einzelner Gliedmaßen äußern, wobei der Betroffene meist bei Bewusstsein bleibt.
- Fokal-komplexe Anfälle (Temporallappenepilepsie): Bei diesen Anfällen bewegen sich die Erkrankten stereotyp und ohne erkennbaren Sinn oder stoßen unverständliche Laute aus. Sie sind nicht ansprechbar und nehmen keine Schmerzen wahr.
Manchmal kündigt sich ein epileptischer Anfall durch eine sogenannte Aura an, die Stunden oder Tage vorher durch Unruhe oder Verstimmtheit auftreten kann. Eine Aura kann auch isoliert auftreten und beinhaltet Geruchs- oder Geschmackshalluzinationen, ein unangenehmes Druckgefühl, Empfindungsstörungen oder Déjà-vu-Erlebnisse.
Ursachen von Epilepsie
Die Ursachen von Epilepsie sind vielfältig. In etwa der Hälfte der Fälle lässt sich eine strukturell-metabolische Ursache feststellen. Dazu gehören:
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- Schädigungen des Gehirns: Schlaganfall, Infektionen des Zentralnervensystems, Stoffwechselstörungen, Hirntumore.
- Hirnverletzungen: Unfälle.
- Sauerstoffmangel während der Geburt oder Fehlentwicklung des Gehirns: Bei Kindern.
- Genetische Disposition: Sowohl der Onkel des Mädchens (Kaiser Ferdinand I. von Österreich) als auch zwei Groß-Onkel (die Erzherzöge Karl und Rudolph von Österreich) hatten an rezidivierenden epileptischen Anfällen gelitten.
Diagnose von Epilepsie
Die Diagnose von Epilepsie wird von einem Neurologen gestellt. Wichtige Bestandteile der Diagnostik sind:
- Beschreibung der Anfälle: War der Betroffene bei Bewusstsein? Hatte er die Augen geöffnet oder geschlossen? Wie lange brauchte er, um sich zu erholen?
- Blutuntersuchung: Zum Ausschluss anderer Erkrankungen, die Krampfanfälle auslösen könnten. Einige Stunden nach einem Anfall ist typischerweise das Enzym Kreatinkinase erhöht.
- Elektroenzephalogramm (EEG): Hier können für Epilepsie typische Veränderungen nachweisbar sein.
- Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes: Zur Darstellung von Hirnstrukturen.
Behandlung von Epilepsie
Nach einem einzelnen epileptischen Anfall ist in der Regel noch keine medikamentöse Therapie notwendig. Wenn aber weitere Anfälle folgen oder die Diagnostik auf eine beginnende Epilepsie hinweist, wird der Arzt zum Einsatz von Medikamenten raten.
Medikamentöse Therapie
Mit einer optimalen medikamentösen Therapie werden bis zu 70 Prozent der Patienten anfallsfrei. Für die Behandlung stehen über 20 verschiedene Antiepileptika zur Verfügung, die ein erfahrener Neurologe einzeln oder in Kombination einsetzt. Viele dieser Medikamente blockieren die Reizübertragung und lähmen die Gehirnströme.
Viele klassische Antiepileptika werden durch Leberenzyme abgebaut und verstärken deren Aktivität. Dadurch beschleunigen sie auch die Verstoffwechslung anderer Medikamente, was unter Umständen die Wirkung lebenswichtiger Arzneistoffe erheblich einschränken kann. Häufig bewirkt die Enzyminduktion auch einen Vitaminmangel, vor allem am Vitamin D.
Epilepsiechirurgie
Bei etwa 30 Prozent aller Epileptiker treten trotz richtig ausgewählter und in ausreichender Dosierung eingesetzter Medikamente weiterhin Anfälle auf. Eine mögliche Lösung ist dann die Epilepsiechirurgie - vorausgesetzt, es handelt sich um fokale Epilepsie, bei der die Entladungen im Gehirn von einer genau umschriebenen Stelle ausgehen. Nach umfangreichen Voruntersuchungen entfernen Chirurgen bei einem solchen Eingriff die betroffene Hirnregion.
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Neurostimulation
Alternativ lässt sich bei manchen Patienten auch durch Neurostimulation ein Rückgang der Anfallshäufigkeit und -schwere erreichen. Dabei implantiert ein Neurochirurg kleine Elektroden in bestimmten Hirnbereichen oder zuführenden Nerven und verbindet diese mit einem Schrittmacher, der unter dem Schlüsselbein eingepflanzt wird. In Studien haben sich die Vagusnerv- und die Tiefe Hirnstimulation als erfolgreich bei Epilepsie erwiesen.
Epilepsie in der Geschichte
Epilepsie hat die Menschheit zu allen Zeiten beschäftigt und ist eng mit Aberglauben und Stigmatisierung verbunden. In der Antike galt die Krankheit als "heilige Krankheit", da man glaubte, dass die Anfälle von Göttern verursacht wurden. Julius Cäsar litt an Epilepsie, was in seinen Biografien erwähnt wird. Im Mittelalter wurde Epilepsie oft als Besessenheit durch Dämonen interpretiert, was zu Ausgrenzung und Diskriminierung der Betroffenen führte.
Im Laufe der Geschichte gab es jedoch auch Fortschritte im Verständnis und in der Behandlung von Epilepsie. Im 19. Jahrhundert wurden spezialisierte Kliniken gegründet, und die Forschung konzentrierte sich auf die Identifizierung der Ursachen und die Entwicklung wirksamerer Therapien.
Berühmte Epilepsiekranke in der Kunst
Viele berühmte Epilepsiekranke wurden zu Lebzeiten oder auch posthum von Künstlern in Gemälden oder Skulpturen festgehalten. Ein Beispiel ist das Gemälde von Giovanni Bizzelli, das Johanna von Österreich und ihren Sohn Filippo zeigt, der an Epilepsie litt und jung verstarb. Auch Darstellungen des Völkerapostels Paulus, der während seines Anfalls gezeigt wird, sind häufig.
Leben mit Epilepsie
Epilepsie kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Die unberechenbaren Anfälle können Angst und Unsicherheit verursachen. Es gibt jedoch Möglichkeiten, das Leben mit Epilepsie zu gestalten und die Lebensqualität zu verbessern.
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Was tun bei einem Anfall?
- Ruhe bewahren!
- Verletzungen verhindern: Gefährliche Gegenstände aus dem Umfeld entfernen oder abpolstern.
- Den Betroffenen während des Anfalls und danach nicht alleine lassen, bis er wieder voll bei Bewusstsein ist.
- Auf keinen Fall gewaltsam versuchen, die krampfartigen Bewegungen zu unterbinden, festgehaltene Gegenstände zu entfernen oder etwas zwischen die verkrampften Kiefer zu schieben.
- Einen Notarzt rufen, wenn:
- der Anfall länger als 5 Minuten anhält.
- sich ein Anfall innerhalb von weniger als einer Stunde wiederholt.
- Verletzungen anzunehmen sind.
- nicht bekannt ist, ob es sich um einen epileptischen Anfall handelt.
Fahrtauglichkeit bei Epilepsie
Wer an Epilepsie erkrankt ist und mindestens zwei spontane Anfälle erlitten hat, muss mindestens ein Jahr anfallsfrei sein, um privat selbst Autofahren zu dürfen. Die öffentliche Personenbeförderung ist zum Beispiel ausgeschlossen. Nimmt ein Epileptiker über mehrere Jahre verschiedene Medikamente ein, um keine Krampfanfälle zu bekommen, muss eine Anfallsfreiheit von zwei Jahren gegeben sein.
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