Die Frage, ob gewalthaltige Videospiele wie Call of Duty (CoD) Aggressionen fördern, ist seit Jahren ein viel diskutiertes Thema. Regelmäßig schlagen Fernsehsender und Behörden Alarm, befeuert durch Hörensagen und Vorurteile. Sittenwächter scheinen in jedem neuen "Ballerspiel" eine Gefahr zu sehen. Doch was ist dran an diesen Behauptungen? Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieser Debatte, stützt sich auf vorhandene Studien und Meinungen aus der Spielergemeinde und versucht, ein differenziertes Bild zu zeichnen.
Die Zensur-Debatte und ihre Hintergründe
Immer wieder gibt es Diskussionen um die Zensur von Call of Duty-Spielen, insbesondere in Deutschland. So wurde beispielsweise bei "Call of Duty: Black Ops" eine Szene zensiert, in der ein Genickbruch vorkam. Entwickler Treyarch selbst zensierte seinen Shooter. "It was a contextual kill where you were twisting the neck. It was too much."
Die deutsche Fassung wird oft als "brutalstes Spiel aller Zeiten" bezeichnet, was sich jedoch durch die vorgenommene Zensur relativiert. Kritiker bemängeln, dass solche Zensuren übertrieben sind, da die Spiele ohnehin erst ab 18 Jahren freigegeben sind. Andere weisen darauf hin, dass auch internationale Versionen des Spiels Zensuren enthalten können.
Studienlage: Verstärken Killerspiele Aggressionen?
Entgegen der weit verbreiteten Meinung gibt es keine eindeutigen Beweise dafür, dass Killerspiele Aggressionen verstärken oder Hemmschwellen abbauen. Zahlreiche Studien haben dies widerlegt. Die CSU wird kritisiert, weil sie "jeden Schwachsinn nachplappert, der im Elternbeirat und am Stammtisch auf Links gezogen wird". Innenminister Herrmann erfülle lediglich seinen Job, indem er sage, was der Parteiführung in den Kram passt.
Eine über zehn Jahre durchgeführte Studie hat erwiesen, dass gewalthaltige Videospiele nicht zu einem aggressiveren Verhalten bei Kindern und Jugendlichen führen. Auch Videospiele mit einem hohen Gewaltgrad sollen keine Agressionen fördern. Die Studie wurde über einen Zeitraum von zehn Jahren durchgeführt, in der die Auswirkungen gewalthaltiger Spiele in Bezug auf junge Menschen untersucht wurden. Das Ganze wurde anhand einer Gruppe aus Kindern und Jugendlichen in einer amerikanischen Großstadt beurteilt. Um die erfassten Daten zu analysieren, wurde ein personenzentrierter Ansatz verfolgt. Dadurch können die ermittelten Ergebnisse genauer dargestellt werden. Bei klassischen Studien gehen die Forscher variablenzentriert vor. Bei der Studie spielten 73 Prozent der teilnehmenden Personen harmlose Videospiele, während 23 Prozent Spiele mit einem maßvollen Anteil an Gewalt spielten. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass Mädchen friedlichere Videospiele als Jungs bevorzugen. Interessant ist die Tatsache, dass die Gruppe mit einem hohen Gewaltanteil bei Videospielen über die Jahre nicht aggressiver war, als die Gruppe mit einem niedrigen Anteil an Gewalt. Dass bereits Kinder Videospiele ohne Jugendfreigabe konsumieren, ist trotzdem nicht unbedingt sinnvoll. Als Ursache für Aggressionen bei Jugendlichen können sie aber nicht herhalten.
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Eine Metastudie der Massey University in Neuseeland, die 28 Studien aus den letzten Jahren untersuchte, kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Sie zeigte, dass das Spielen von Computerspielen nicht zu mehr Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen führt. Zwischen gewalthaltigen Videogames und Aggression ließ sich zwar ein sehr geringer, statistisch vorhandener Zusammenhang feststellen, der allerdings beinahe gegen null geht und somit nicht als relevanter, langfristiger Effekt gelten kann.
Es wird jedoch betont, dass viele Einflussfaktoren den Aggressivitätsgrad einer Person beeinflussen und nicht alle in einer einzigen Studie erfasst werden können. Studien, die unter Laborbedingungen durchgeführt werden, lassen sich nicht unbedingt auf das reale Leben übertragen.
Die Rolle der Medien und die öffentliche Wahrnehmung
Oftmals wird in den Medien eine einseitige und reißerische Berichterstattung betrieben, wenn es um das Thema Killerspiele geht. So wurde beispielsweise der RTL-Beitrag zu "Call of Duty: Black Ops" kritisiert, weil er das Spiel als "brutalstes Spiel aller Zeiten" bezeichnete und die psychologischen Untersuchungen aus dem Kontext riss. Es wird bemängelt, dass solche Beiträge eher der Verdummung dienen und von den wahren Problemen ablenken.
Die Spielergemeinde kritisiert, dass solche Meldungen oft aufgeblasen und emotionalisiert werden, was zu einer Hexenjagd und Vorurteilen führt. Es wird gefordert, dass eine vernünftige Diskussion ohne emotionales Rumgebrülle stattfinden sollte.
Aggressionen im Spiel: Frustrationstoleranz und Kompetenzerleben
Auch wenn gewalthaltige Inhalte nicht grundsätzlich zu Aggressionen führen, können bestimmte Spielmechaniken und Frustrationen im Spiel selbst Aggressionen auslösen. Dies betrifft jedoch nicht nur Call of Duty, sondern generell kompetitive Online-Spiele.
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Hey Leute, also mir ist aufgefallen, dass es einige Menschen gibt, die von Call of Duty oder FIFA Aggressionen bekommen, wenn die zB oft verlieren oder naja ihr wisst schon. Mich interessiert, ob die, die von Videospielen Aggressionen bekommen, eine Minderheit sind, oder ob es mehr Menschen haben als man denkt. Ich meine nicht, dass man allgemein aggressiver wird über längere Zeiträume, ohne dass man spielt, sondern nur beim Spielen.
Die Frust Toleranz mancher Leute ist halt gering und dann gepaart mit der häufigen Verfügbarkeit und lang andauernden Spielesession häuft sich das nur schneller. Generell macht pvp online aggressiv unabhängig von den Spielen.
Eine Studie ergab, dass nicht nur der Inhalt, sondern auch die Spielmechanik schuld sein kann. Es wurde festgestellt, dass aggressives Verhalten eher auftritt, wenn Spieler in ihrer Kompetenz eingeschränkt sind und das Gefühl haben, das Spiel nicht zu meistern. Dies kann beispielsweise durch eine unlogische Bedienung oder unfair gestaltete Spielmechaniken verursacht werden.
Call of Duty: Design und Mechanismen, die Frust verstärken können
Der Multiplayer-Modus von Call of Duty ist stark auf Belohnungen und ein positives Spielgefühl ausgerichtet. Durch Levelaufstiege, Trophäen und freischaltbare Inhalte wird der Spieler motiviert und in einem ständigen Flow gehalten. Wenn dieser Zyklus jedoch durch feindliche Abschüsse unterbrochen wird, kann dies zu Frustration und Wut führen. Je länger man von den positiven Rückmeldungen ferngehalten wird, desto wütender und frustrierter kann man reagieren. Dieser Zustand ist vergleichbar mit der erzwungenen Abstinenz eines Süchtigen von einer Droge.
Die hohe Spielgeschwindigkeit und die Möglichkeit, nach dem Tod schnell wieder ins Spiel einzusteigen, verstärken diesen Effekt noch. Es bleibt kaum Zeit, um sich abzuregen, bevor man wieder in die nächste Runde startet.
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Strategien im Spiel: Camping als Ausdruck von Frustration oder Taktik?
Eine weitere Quelle für Frustration in Call of Duty ist die Taktik des "Camping", bei der Spieler an einer Stelle verharren und auf Gegner warten. Dies wird oft als unfair und frustrierend empfunden, da es den Spielfluss unterbricht.
Die Spielerin erklärt, dass sie eine Camperin ist und sich nicht schämt, das zuzugeben. Um ihre im Alter schlechter gewordenen Reflexe zu kompensieren, müsse sie strategisch spielen - und Camping sei für sie eine valide Strategie, um am Leben zu bleiben und ein paar Kills zu erzielen. Außerdem habe sie Spaß am Campen und stellt abschließend fest: „Es gibt kein Gesetz, das mich vom Camping abhält.
Es wird jedoch angemerkt, dass es auf die Art des Campens ankommt. Das Halten von sogenannten Power-Positionen kann durchaus eine valide Strategie sein, die auch von besseren Spielern genutzt wird. Wichtig ist dabei, den Spawn und die Laufrichtung der Gegner richtig vorherzusagen und sich entsprechend zu positionieren.
Skill-basiertes Matchmaking (SBMM): Fluch oder Segen?
Ein weiterer Aspekt, der in der Call of Duty-Community für Diskussionen sorgt, ist das Skill-basierte Matchmaking (SBMM). Dieses System soll dafür sorgen, dass Spiele ausgeglichen sind und Anfänger nicht gegen Profis antreten müssen.
Kevin Hungerbühler - besser bekannt unter seinem Gamertag «Ehmv» - gehört zu den besten «Call of Duty»-Spielern der Schweiz. Der 27-jährige Luzerner erklärt im Interview, was es mit dem SBMM auf sich hat und warum es einen Teil der Community in Rage versetzt.
In der Beta zu «Call of Duty Modern Warfare 3» hat sich gezeigt, dass das System viel zu aggressiv ist. Bereits nach ein bis zwei Runden spielst du als guter Spieler nur noch gegen Spieler auf deinem Level. Das macht überhaupt keinen Spass mehr. Für Gelegenheitsspielerinnen ist es hingegen toll. Sie kommen dank SBMM nicht mehr in Lobbys, in denen sie von wesentlich besseren Spielerinnen überfahren werden.
Für erfahrene Spieler kann das SBMM jedoch frustrierend sein, da sie ständig gegen gleichwertige Gegner spielen müssen und kaum noch die Möglichkeit haben, sich zu entspannen und "einfache" Kills zu erzielen. Es wird vermutet, dass Activision das SBMM einsetzt, um Casuals enger ans Spiel zu binden und sie dazu zu bringen, mehr Geld für Skins etc. auszugeben.