Angst ist ein weit verbreitetes Problem, das die Lebensqualität vieler Menschen beeinträchtigt. Sie äußert sich als ein unkontrollierbarer, diffuser und unangenehmer Zustand negativer Gefühle, begleitet von Besorgnis, physiologischen Symptomen wie Anspannung und erhöhter Alarmbereitschaft. Angesichts der potenziellen Nebenwirkungen traditioneller Medikamente suchen viele Betroffene nach alternativen Behandlungsmethoden, darunter auch Cannabis.
Die Frage, ob Cannabis bei Angstzuständen helfen kann, ist komplex und hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die spezifische Sorte, die Dosierung und die individuelle Reaktion des Konsumenten. Cannabis enthält Hunderte von sekundären Pflanzenstoffen, darunter Cannabinoide wie THC und CBD, die mit Rezeptoren im Gehirn interagieren können, die auch von Medikamenten gegen Angstzustände beeinflusst werden.
Die komplexe Beziehung zwischen Cannabis und Angst
Die Wirkung von Cannabis auf Angstzustände kann sehr unterschiedlich sein. Einige Konsumenten berichten von einer Linderung ihrer Symptome, während andere eine Verschlimmerung erleben. Diese unterschiedlichen Reaktionen lassen sich auf die komplexe Zusammensetzung von Cannabis und die individuellen Unterschiede in der Reaktion auf die verschiedenen Inhaltsstoffe zurückführen.
THC: Ein zweischneidiges Schwert
THC (Tetrahydrocannabinol) ist der wichtigste psychoaktive Bestandteil von Cannabis. Es bindet an CB1-Rezeptoren im Gehirn und kann eine Welle von Dopamin und anderen Neurotransmittern auslösen. Während diese Effekte bei manchen Menschen Angst lindern können, können sie bei anderen die Angst verstärken, insbesondere bei neuen Nutzern oder solchen, die empfindlich auf THC reagieren.
Studien haben gezeigt, dass THC eine biphasische Dosisreaktion auslösen kann. Eine Studie aus dem Jahr 2017 ergab, dass niedrigere Dosen von THC (7,5 mg) die Anspannung reduzierten, während höhere Dosen (12,5 mg) sie verstärkten. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Reaktion auf THC von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist und von Faktoren wie dem individuellen Endocannabinoid-Tonus und der genetischen Expression abhängt.
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CBD: Eine vielversprechende Option
CBD (Cannabidiol) ist ein nicht-psychoaktives Cannabinoid, das in den letzten Jahren aufgrund seiner potenziellen therapeutischen Vorteile, einschließlich der Behandlung von Angstzuständen, viel Aufmerksamkeit erregt hat. CBD kann ein klares und entspannendes Gefühl erzeugen, ohne die hemmenden psychoaktiven Wirkungen von THC hervorzurufen.
Forscher untersuchen verschiedene Mechanismen, durch die CBD Angst lindern könnte:
- Hemmung von FAAH: CBD könnte die Fettsäureamid-Hydrolase (FAAH) hemmen, ein Enzym, das das Endocannabinoid Anandamid abbaut. Anandamid spielt eine wichtige Rolle bei der Stimmungsregulation.
- Einfluss auf GABA: Studien untersuchen, wie sich CBD auf die GABA-Werte im Gehirn auswirkt. GABA ist ein Neurotransmitter, der eine beruhigende Wirkung hat.
- Veränderung des Blutflusses im Gehirn: Einige Studien untersuchen, ob CBD den Blutfluss in Regionen des Gehirns verändert, die mit Angst verbunden sind.
Humanexperimente haben gezeigt, dass CBD bei Patienten mit generalisierter Angststörung vor einem simulierten öffentlichen Vortrag die Angst reduzieren kann.
Obwohl CBD im Allgemeinen als sicher gilt, kann es bei manchen Nutzern Nebenwirkungen wie Übelkeit, Abgeschlagenheit und Reizbarkeit hervorrufen. Es kann auch mit einer langen Liste von verschreibungspflichtigen Medikamenten in Wechselwirkung treten.
Terpene: Die aromatische Note
Neben Cannabinoiden enthält Cannabis auch aromatische Moleküle, die als Terpene bekannt sind. Terpene tragen nicht nur zum Duft und Geschmack von Cannabis bei, sondern haben auch ihre eigene Pharmakologie und können die Wirkung von Cannabinoiden beeinflussen. Dieses Phänomen wird als "Entourage-Effekt" bezeichnet.
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Einige Terpene, die in Cannabis vorkommen und potenziell angstlösende Eigenschaften haben, sind:
- Myrcen: Das am häufigsten vorkommende Terpen in Cannabis, das für seinen erdigen, moschusartigen Duft bekannt ist. Es kann schlaffördernde Effekte haben und den Körper entspannen.
- Limonen: Ein Terpen mit zitrusartigem Duft, das in Tierstudien die Fähigkeit gezeigt hat, Serotonin und Dopamin zu erhöhen.
- β-Caryophyllen: Ein Terpen, das sowohl als Terpen als auch als Ernährungs-Cannabinoid klassifiziert wird. Es bindet an den CB2-Rezeptor des Endocannabinoid-Systems.
- Pinen: Verantwortlich für den frischen Geruch von Kiefern, setzt Pinen ein erdiges und kiefernartiges Aroma frei.
Auswahl der richtigen Sorte
Die Wahl der richtigen Cannabissorte ist entscheidend, wenn man Cannabis gegen Angstzustände einsetzen möchte. Es ist wichtig, die Sorte und die Mischung der sekundären Pflanzenstoffe zu wählen, die für einen selbst am besten geeignet sind.
- CBD-reiche Sorten: Für viele Angstpatienten ist CBD eine praktikablere Option als THC. Sorten mit einem hohen CBD-Gehalt können helfen, die Angst über den Tag hinweg unter Kontrolle zu halten.
- Ausgewogene CBD-zu-THC-Verhältnisse: CBD-zu-THC-Verhältnisse von 1:1 bieten eine ausgeglichene Wirkung, während Verhältnisse von 8:1 oder höher fast überhaupt keine psychoaktive Wirkung liefern. CBD scheint THC am CB1-Rezeptor zu blockieren, was helfen könnte, die Intensität von THC zu reduzieren.
- Berücksichtigung des Terpenprofils: Das Terpenprofil einer Sorte kann ihre Wirkung erheblich beeinflussen. Sorten mit hohem Myrcen-Gehalt können beispielsweise entspannender wirken, während Sorten mit hohem Limonen-Gehalt stimmungsaufhellender sein können.
Einige empfohlene Sorten gegen Angstzustände sind:
- CBDrelax: Eine Sorte mit hohem CBD-Gehalt (15%) und niedrigem THC-Gehalt (4%), die speziell für Entspannung entwickelt wurde.
- CBD Auto 1:1: Eine Sorte mit einem ausgewogenen 1:1-Verhältnis von THC zu CBD, die eine sanfte und ausgewogene Wirkung bietet.
- Black Beauty CBD: Eine Sorte mit einem niedrigen THC-Gehalt und einem CBD-Gehalt von über 4%, die für ihre entspannende Wirkung und ihr einzigartiges Aussehen bekannt ist.
- Red Cross CBD: Eine medizinische Sorte mit hohem CBD-Gehalt und niedrigem THC-Gehalt, die bei Stress, Angst und Schlafproblemen helfen kann.
- CBD Skunk Haze: Eine Sorte, die die legendäre Skunk-Genetik mit hohem CBD-Gehalt kombiniert und eine sanfte Entspannung bietet.
- CBD Critical Mass: Eine Sorte mit hohem Indica-Anteil (80%) und niedrigem THC-Gehalt, die für tiefe körperliche Entspannung sorgt.
- Stress Killer: Obwohl sie in erster Linie eine sativadominierte Sorte ist, besitzt sie immer noch einen starken Indica-Anteil. Sie hat einen THC Gehalt von 11%, wobei sie auch reich an CBD ist, um einen Rausch mit einem klaren Kopf zu liefern.
- Royal Jack Automatic: Wegen dem recht hohen Indica-Anteil bewirkt sie ein Gefühl eher etwas mehr "stoned" zu sein, was hilft, wenn die Angst sich aufzubauen beginnt und man etwas Zeit für sich selbst braucht.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Wirkung von Cannabis individuell variieren kann. Es wird empfohlen, mit einer niedrigen Dosis zu beginnen und die Reaktion des Körpers zu beobachten, bevor man die Dosis erhöht.
Cannabis als Teil eines umfassenden Ansatzes
Cannabis kann bei manchen Menschen mit Angstzuständen einen großen Unterschied machen, sollte aber nicht überbeansprucht werden oder der einzige Rettungsanker sein. Es kann Teil eines umfassenderen holistischen Ansatzes sein, der auch andere Strategien zur Stressbewältigung und Angstlinderung umfasst:
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- Psychotherapie: Eine Form der Gesprächstherapie, bei der Psychotherapeuten ihren Patienten helfen, ihre Symptome, Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen zu verstehen. Techniken wie kognitive Verhaltenstherapie (KVT) und dialektische Verhaltenstherapie (DVT) können eingesetzt werden.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann dazu beitragen, die Stimmung zu stabilisieren und Stress abzubauen.
- Meditation: Regelmäßige Meditation kann helfen, den Geist zu beruhigen und die Achtsamkeit zu fördern.
- Bewegung: Körperliche Aktivität kann Stress abbauen und die Stimmung verbessern.
- Kommunikation: Offene und ehrliche Kommunikation mit Freunden, Familie oder einem Therapeuten kann helfen, Emotionen zu verarbeiten und Unterstützung zu finden.
Rechtliche Aspekte und Verfügbarkeit
Die rechtliche Situation bezüglich Cannabis ist von Land zu Land unterschiedlich. In einigen Ländern ist Cannabis für medizinische Zwecke legal, während es in anderen Ländern illegal ist. Es ist wichtig, sich über die Gesetze in der eigenen Region zu informieren, bevor man Cannabis konsumiert.
Medizinisches Cannabis ist in spezialisierten Apotheken erhältlich. Um ein passendes Produkt zu erhalten, benötigt man in der Regel eine Verordnung für medizinisches Cannabis auf Rezept. Die Apotheke kann dann über die verfügbaren Sorten und deren spezifische Wirkungen beraten, um die für einen selbst geeignete Auswahl zu treffen.
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