Capsaicin-Pflaster zur Behandlung der Post-Zoster-Neuralgie: Eine umfassende Betrachtung

Die Post-Zoster-Neuralgie (PZN), eine häufige und oft schwerwiegende Komplikation nach einer Gürtelrose (Herpes Zoster), kann zu chronischen und quälenden Schmerzen führen. Die Behandlung dieser Schmerzen stellt eine Herausforderung dar, und verschiedene Therapieansätze werden eingesetzt, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Eine vielversprechende Option ist die Anwendung von Capsaicin-Pflastern, die eine gezielte und lokal wirksame Schmerzlinderung ermöglichen.

Einführung in die Post-Zoster-Neuralgie

Nach dem Abheilen einer Gürtelrose entwickeln etwa 15 % der Betroffenen anhaltende Schmerzen im betroffenen Hautbereich. Diese Schmerzen, die als Post-Zoster-Neuralgie bezeichnet werden, können sehr stark sein und bedürfen oft einer speziellen Behandlung. Die PZN ist definiert als das Fortbestehen von Schmerzen mehr als drei Monate nach dem Beginn einer akuten Gürtelrose.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Gürtelrose selbst wird durch die Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht, das nach einer durchgemachten Windpockenerkrankung in den Nervenknoten des Körpers verbleibt. Bei einer Schwächung des Immunsystems kann das Virus reaktiviert werden und entlang der Nervenbahnen einen Hautausschlag und Schmerzen verursachen.

Höheres Alter ist der größte Risikofaktor für die Entwicklung einer PZN. Weitere Risikofaktoren sind starke Schmerzen während der akuten Gürtelrose, ein ausgeprägter Hautausschlag und Schmerzen, die bereits vor dem Auftreten des Ausschlags bestanden.

Symptome

Die Symptome der PZN umfassen anhaltende Schmerzen im betroffenen Gebiet, die oft als brennend, stechend oder einschießend beschrieben werden. Die Schmerzen können sich auf den Bereich des ursprünglichen Ausschlags beschränken, sich aber auch darüber hinaus ausbreiten. Eine ungewöhnlich hohe Empfindlichkeit der Haut (Allodynie) ist ein häufiges Merkmal, bei dem bereits leichte Berührungen starke Schmerzen auslösen können.

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Capsaicin: Der Wirkstoff aus der Chilischote

Capsaicin ist der aktive Inhaltsstoff von Chilischoten und gehört zur Gruppe der Vanilloide. Es ist ein Alkaloid, genauer gesagt ein Fettsäureamid. Capsaicin wird als pharmazeutischer Wirkstoff in Form von Pflastern oder Salben gegen verschiedene Schmerzformen und Durchblutungsstörungen eingesetzt. Typische Anwendungsgebiete sind Schmerzen durch Verspannungen, Sportverletzungen, Nervenschmerzen oder periphere rheumatische Schmerzen.

Wirkmechanismus von Capsaicin

Capsaicin entfaltet seine schmerzhemmende und durchblutungsfördernde Wirkung, indem es Hitze- und Schmerzrezeptoren der Haut aktiviert. Es wirkt auf den TRPV1-Rezeptor (Transient Receptor Potential Vanilloid 1), einen Ionenkanal in den Zellmembranen von sensiblen Nerven. Durch die Aktivierung dieses Rezeptors kommt es zunächst zu einer lokalen Reizung mit Rötung, Brennen und Juckreiz. Diese Reaktion wird durch die Freisetzung des Neurotransmitters Substanz P verursacht.

Nach dieser initialen Reizung folgt eine längere refraktäre Phase, in der das Neuron unempfindlich gegenüber erneuter Capsaicin-Stimulation, aber auch gegenüber anderen schmerzauslösenden Faktoren ist. Die durchblutungsfördernde Wirkung des Capsaicins trägt zusätzlich zur Linderung von Verspannungen und Entzündungen bei, die periphere Schmerzen verursachen können.

Pharmakokinetik von Capsaicin

Capsaicin penetriert die menschliche Haut und erreicht die Epidermis bzw. Dermis. Die Menge an Capsaicin, die pro Stunde aus einem Pflaster freigesetzt wird, ist proportional zur Oberfläche der Applikation. Die systemische Aufnahme von Capsaicin bei der Anwendung von Pflastern ist gering. Die höchste gemessene Konzentration im Blut betrug 4,6 ng/ml unmittelbar nach Entfernen des Pflasters, wobei Capsaicin innerhalb von drei bis sechs Stunden aus dem Kreislauf verschwand.

Die Qutenza-Therapie: Hochdosiertes Capsaicin-Pflaster

Die Qutenza-Therapie ist eine spezielle Behandlungsmethode zur Linderung neuropathischer Schmerzen, insbesondere der Post-Zoster-Neuralgie. Dabei wird ein Pflaster mit hochdosiertem Capsaicin (8 %) direkt auf die betroffene Haut aufgeklebt. Diese gezielte Behandlung führt zu einer deutlichen und langanhaltenden Linderung von Nervenschmerzen.

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Anwendung des Qutenza-Pflasters

Das Qutenza-Pflaster wird unter medizinischer Aufsicht auf die betroffene Hautstelle aufgeklebt. Vor der Anwendung wird das schmerzhafte Hautareal sorgfältig ausgetestet und markiert. Um die initiale Reizung durch das Capsaicin zu reduzieren, wird die Haut in der Regel mit einer Lokalanästhetika-Salbe (z. B. Lidocain 5 %) vorbehandelt.

Das zugeschnittene Pflaster wird dann auf das markierte Areal aufgeklebt und für eine bestimmte Zeit belassen: 30 Minuten an den Füßen und 60 Minuten an anderen Körperstellen. Nach der Behandlung wird die Haut mit einem speziellen Reinigungsgel gereinigt, um Capsaicin-Rückstände zu entfernen.

Wirksamkeit der Qutenza-Therapie

Die Wirksamkeit von Capsaicin-Pflastern wurde in kontrollierten klinischen Studien an Patienten mit verschiedenen neuropathischen Schmerzen nachgewiesen, darunter HIV-assoziierte Neuropathie, diabetische Neuropathie und Post-Zoster-Neuralgie. Eine Schmerzlinderung wurde bereits in der ersten Woche bei PZN, in der zweiten Woche bei HIV-AN und in der dritten Woche bei schmerzhafter diabetischer Neuropathie beobachtet. Die Wirkung hielt während des 12-wöchigen Studienzeitraums an.

Eine Studie aus Wiesbaden (Pain Pract 2024) wertete Daten von 97 Patienten mit neuropathischen Schmerzen aus und fand heraus, dass nach mindestens dreimaliger Capsaicin-Therapie 32 % der Teilnehmer eine niedrigere Schmerzintensität aufwiesen und 53 % eine relevante Verbesserung angaben. Bei Patienten, die gleichzeitig Opioide einnahmen, konnte die Tagesdosis nach zwei Jahren reduziert werden.

Ein Fallbeispiel zeigte, dass ein 68-jähriger Patient mit Post-Zoster-Neuralgie im Bereich des Trigeminusastes V1 trotz starker Medikation (Gabapentin, Oxcarbazepin, Tapentadol, Amitriptylin) unter stärksten Schmerzen litt. Nach einer Behandlung mit Capsaicin 8 % für 60 Minuten kam es bereits nach einer Woche zu einer deutlichen Schmerzlinderung und phasenweise sogar zu Schmerzfreiheit.

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Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen

Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen der Qutenza-Therapie sind vorübergehendes Brennen, Schmerzen, Rötung und Juckreiz an der Applikationsstelle. Diese Reaktionen klingen in der Regel innerhalb von 24 Stunden ab und können mit Cold Packs und lokalanästhetischen Salben gelindert werden.

Während und kurz nach der Behandlung kann es zu einem vorübergehenden Blutdruckanstieg kommen, weshalb der Blutdruck während der Behandlung überwacht werden sollte. Bei Patienten mit instabiler Hypertonie oder kardiovaskulären Erkrankungen sollte das Risiko unerwünschter Ereignisse sorgfältig abgewogen werden.

Capsaicin-Pflaster dürfen nur auf intakter Haut ohne Effloreszenzen angewendet werden. Bei Patienten mit diabetischer Neuropathie sollte vor jeder Applikation eine sorgfältige Untersuchung der Füße erfolgen, um Hautläsionen zu erkennen. Bei Patienten mit beeinträchtigter Wahrnehmung in den Füßen ist Vorsicht geboten.

Kontraindikationen

Es liegen keine bzw. wenige Daten über die Anwendung von Capsaicin bei Schwangeren vor. Das Stillen sollte während der Pflaster-Behandlung unterbrochen werden. Die Creme darf nicht in der Nähe der Augen oder auf Schleimhäute aufgebracht werden.

Vorteile der lokalen Capsaicin-Behandlung

Die lokale Behandlung mit Capsaicin-Pflastern hat gegenüber systemischen Therapien den Vorteil, dass die Substanz nur dort wirkt, wo sie gebraucht wird. Die lokal angewendeten Substanzen gelangen in der Regel nicht in den Blutkreislauf, was das Risiko von Nebenwirkungen reduziert.

Gerade bei älteren Menschen mit vielfältigen Vorerkrankungen ist die lokale Anwendung von Capsaicin eine schonende Alternative zu oralen Medikamenten, die potenziell zu unerwünschten Wechselwirkungen führen können. Durch die Anwendung topischer Wirkstoffe können adjuvante orale Medikamente niedriger dosiert oder teilweise vermieden werden.

Weitere Behandlungsoptionen bei Post-Zoster-Neuralgie

Neben der Capsaicin-Therapie stehen verschiedene andere Behandlungsoptionen zur Verfügung, um die Schmerzen bei Post-Zoster-Neuralgie zu lindern:

  • Lokale Behandlung: Lokalanästhetika (z. B. Lidocain) können als Salbe oder Pflaster auf den schmerzenden Bereich aufgetragen werden.
  • Medikamente: Bei leichten Beschwerden können einfache Schmerzmittel (z. B. Paracetamol) eingenommen werden. In einigen Fällen werden starke, verschreibungspflichtige Schmerzmittel (Opioide) eingesetzt. Nervenschmerzen können mit Antiepileptika (z. B. Gabapentin, Pregabalin) und/oder Antidepressiva (z. B. Amitriptylin) behandelt werden.
  • Weitere Maßnahmen: Bei langwierigen Verläufen wird eine multimodale Schmerztherapie empfohlen, die nicht-medikamentöse Verfahren wie Psychotherapie, Physiotherapie und Entspannungstechniken umfasst.
  • Impfung: In Deutschland sind zwei Impfstoffe gegen Gürtelrose für Personen ab 50 Jahren zugelassen. Die Impfung mit dem Totimpfstoff wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Personen über 60 Jahre empfohlen.

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