Capsaicin, der Wirkstoff, der Chilischoten ihre Schärfe verleiht, hat sich als ein vielversprechendes Mittel zur Linderung von Schmerzen, insbesondere Nervenschmerzen, etabliert. In diesem Artikel werden wir die Anwendung von Capsaicin-Salbe bei Nervenschmerzen umfassend untersuchen, von den Grundlagen der Wirkungsweise bis hin zu praktischen Anwendungshinweisen und möglichen Nebenwirkungen.
Was ist Capsaicin?
Capsaicin ist eine natürlich vorkommende Substanz, die in verschiedenen Paprika-Arten, insbesondere in Chilischoten, vorkommt. Es ist chemisch gesehen ein Alkaloid und gehört zur Vanilloid-Klasse der Fettsäureamide. Capsaicin ist bekannt für seine Fähigkeit, bei Menschen und anderen Säugetieren ein Gefühl von Schärfe und Hitze hervorzurufen.
Wie wirkt Capsaicin in der Schmerztherapie?
Capsaicin wirkt im Körper über die Hitze- und Schmerzrezeptoren, insbesondere den TRPV1-Rezeptor. Stellen Sie sich vor, Capsaicin ist ein Schlüssel, der spezielle Schlösser in unserer Haut, genannt TRPV1-Rezeptoren, öffnet. Wenn Capsaicin diese Wächter „anspricht“, passiert etwas Interessantes: Zuerst macht es sie überempfindlich, was sich als brennendes oder prickelndes Gefühl auf der Haut bemerkbar macht. Das ist das Zeichen, dass Capsaicin arbeitet.
Normalerweise hilft Substanz P dem Körper, Schmerz zu „fühlen“. Aber Capsaicin bringt die Nerven dazu, so viel Substanz P auf einmal freizusetzen, dass sie quasi „leerlaufen“. Stellen Sie sich vor, es ist, als würde man einen Alarm so lange läuten lassen, bis die Batterie leer ist. Dieser Effekt tritt nicht sofort ein; manchmal dauert es einige Tage, bis eine deutliche Schmerzlinderung spürbar wird.
Capsaicin entfaltet seine schmerzhemmende und durchblutungsfördernde Wirkung, indem es Hitze- und Schmerzrezeptoren der Haut aktiviert. Topisch appliziertes Capsaicin führt zunächst zu einer lokalen Reizung, die sich in einer Rötung und einer brennenden, manchmal juckenden Empfindung äußert. Diese kann auf einen Angriff an peripheren sensorischen C-Fasern der Nerven zurückgeführt werden und ist teilweise durch die Freisetzung des Neurotransmitters Substanz P bedingt. Danach folgt eine längere refraktäre Phase. In dieser ist das Neuron nicht nur gegen eine erneute Capsaicinstimulation unempfindlich, sondern auch gegen andere schmerzauslösende Faktoren. Die durchblutungsfördernde Wärme trägt dazu bei, Verspannungen und Entzündungen als Ursache von peripheren Schmerzen zu lindern.
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Anwendungsgebiete von Capsaicin-Salbe
Capsaicin wird in der Medizin häufig als Schmerzmittel genutzt und findet in der Orthopädie breite Anwendung, da es sich günstig auf Erkrankungen des Bewegungsapparates auswirkt. Typische Anwendungsgebiete sind:
- Neuropathische Schmerzen: Nervenschmerzen, die auf dem Boden einer anderen Grunderkrankung auftreten, wie z.B. Diabetes, Unfälle, Verletzungen, Operationen oder HIV-Infektion.
- Muskel- und Gelenkschmerzen: Capsaicin ist ein geeignetes Mittel bei Muskel- und Gelenkschmerzen, wenn seine schmerzstillende und durchblutungsfördernde Wirkung gewünscht ist.
- Rheumatische Erkrankungen: Betroffene berichten von einer Verbesserung der Beschwerden durch die Anwendung von Capsaicin in Salbenform auf die Gelenke.
- Arthrose: Wärme von außen ist hilfreich und kann durch Capsaicin zugeführt werden, um Gelenkschmerzen zu lindern.
- Schmerzhafte Muskelverspannungen (Myopathien): Capsaicin ist besonders geeignet, weil der Muskel durch das andauernde Zusammenziehen (Kontraktion) meist minderdurchblutet ist und dadurch die Durchblutung wieder hergestellt werden kann.
- Schuppenflechte (Psoriasis): Capsaicin kann dazu beitragen, den Juckreiz zu verringern.
Vorteile von Capsaicin in der Schmerztherapie
Die Anwendung von Capsaicin in der Schmerztherapie bietet vielfältige Vorteile, die durch wissenschaftliche Studien gestützt werden:
- Linderung neuropathischer Schmerzen: Studien haben gezeigt, dass Capsaicin besonders effektiv bei der Linderung neuropathischer Schmerzen ist.
- Langfristige Wirkung: Die langfristige Anwendung von Capsaicin kann zur Schmerzlinderung beitragen, insbesondere bei chronischen Schmerzzuständen.
- Patientenfreundliche Anwendung: Die topische Anwendung von Capsaicin in Form von Cremes oder Pflastern ermöglicht eine gezielte und patientenfreundliche Therapieoption.
- Alternative Therapieoption: Capsaicin bietet eine alternative therapeutische Option, insbesondere für Patienten, die auf herkömmliche Schmerzmittel nicht gut ansprechen.
- Minimierung von Nebenwirkungen: Im Vergleich zu systemischen Schmerzmitteln können topische Anwendungen von Capsaicin Nebenwirkungen minimieren.
- Gezielte Wirkung: Im Gegensatz zu Schmerztabletten, die im ganzen Körper wirken, entfalten Capsaicin-Pflaster ihre Wirkung direkt an der betroffenen Stelle.
Anwendung von Capsaicin-Salbe
Capsaicin kann extern (äußerlich) und topisch (örtlich begrenzt) angewendet werden. Die Darreichungsform ist in Form von fetthaltigen Salben oder Pflastern, die ebenfalls fettig beschichtet sind (lipophil). Dies dient dazu, die natürliche Schutzbarriere der Haut zu überwinden, damit der Wirkstoff möglichst tief ins Gewebe eindringen kann.
Capsaicin-Salbe
Capsaicin-Salben sollen dreimal am Tag dünn aufgetragen werden, solange bis die Schmerzen abnehmen, dies dauert manchmal auch drei Wochen. Die Salben liegen in unterschiedlichen Konzentrierungen vor. Je nach Stärke der Beschwerden können höhere oder niedrigere Dosierungen notwendig sein, hierzu berät am besten der Arzt oder Apotheker. Capsaicin Salben sollen dreimal am Tag dünn aufgetragen werden, solange bis die Schmerzen abnehmen, dies dauert manchmal auch drei Wochen.
Capsaicin-Pflaster
Capsaicin Pflaster enthalten als Wirkstoff meist nur Capsaicin, die Salben sind häufig Kombinationspräparate, die auch noch andere pflanzliche Stoffe enthalten. Die Pflaster sollten 30 (zum Beispiel bei HIV Nervenschmerzen) oder 60 Minuten lang (zum Beispiel nach Gürtelrose) appliziert werden. Manchmal ist die erste Empfindung auf der Haut durch die Pflaster extrem schmerzhaft. 8 %iges Capsaicin-Pflaster kann die Lebensqualität bei zwei Drittel der Patienten mit peripheren neuropathischen Schmerzen (PNP) zumindest kurzfristig verbessern.
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Wichtige Hinweise zur Anwendung
- Capsaicin-Salben und -Cremes werden direkt auf die schmerzende Stelle aufgetragen - bei Rücken- und Nackenschmerzen, bei Gelenkbeschwerden oder anderen Formen muskulärer Schmerzen.
- Sanft einmassiert, entfalten sie nach ca. 30 Minuten ihre maximale Wirkung, entspannen das Gewebe und lindern die Schmerzen.
- Nicht anzuwenden sind Capsaicin-Salben auf verletzter Haut, im Gesicht oder auf Schleimhäuten. Auch außerhalb des schmerzenden Bereiches sollte das Produkt nicht aufgetragen werden.
- Es empfiehlt sich also, zum Cremen Handschuhe zu tragen oder mindestens die Hände direkt danach gründlich mit fettlösender Seife zu waschen - bevor auch sie Capsaicin-warm werden.
- Capsaicin-Pflaster müssen von einem Arzt oder unter der Aufsicht eines Arztes angewendet werden.
- Schmerzhafte Hautreale sollten von einem Arzt ermittelt und auf der Haut markiert werden.
- Das Behandlungsareal kann vor der Applikation mit einem topischen Anästhetikum behandelt oder dem Patienten kann ein orales Analgetikum verabreicht werden, um eventuelle applikationsbedingte Beschwerden zu reduzieren.
Mögliche Nebenwirkungen von Capsaicin
Die Nebenwirkungen von Capsaicin sind in der Regel mild und vorübergehend. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:
- Reizung, Rötung und Blasenbildung der Haut
- Jucken und Brennen der Haut (insbesondere bei erstmaliger Anwendung)
- Quaddeln (als Zeichen einer allergischen Reaktion)
- Im Magen-Darm-Trakt kann es zu Unruhe kommen, das heißt die Verdauung wird angekurbelt und es kann auch zu Durchfall kommen.
- Erbrechen (eher selten und meist auf dem Boden einer zusätzlich vorliegenden Magenschleimhautentzündung)
- Blutdrucksenkende Wirkung (bei Einnahme)
- Vorübergehender Blutdruckanstieg (während und kurz nach der Behandlung mit Capsaicin-Pflastern)
Bei einer starken allergischen Reaktion können weiterhin Luftnot, Schwindel, Schwellungen im Gesichts- und Atembereich sowie Bewusstlosigkeit und Kollabieren (Zusammenklappen) auftreten.
Gegenanzeigen für die Anwendung von Capsaicin
Es gibt bestimmte Situationen, in denen die Anwendung von Capsaicin vermieden werden sollte:
- Überempfindlichkeit gegen die Inhaltsstoffe
- Offene Verletzungen, Entzündungen der Haut und Ekzeme
- Kinder unter 12 Jahren (in der Regel)
- Schwangerschaft (nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung)
- Stillzeit (in der Regel nicht empfohlen)
- Speiseröhren- und Magenschleimhautentzündungen, Sodbrennen, Aufstoßen und Magenkrämpfe (bei innerlicher Anwendung)
- Offene Stellen in der Mundschleimhaut, nach einer Zahn-OP, Aphten oder Pilzinfektionen des Mundes (Soor) (bei innerlicher Anwendung)
- Akute Entzündungen der Muskeln oder Gelenke
- Haut, die nach einem Sturz nicht mehr intakt ist (also auf Schürfwunden, offenen Hautstellen etc.)
Was tun, wenn Capsaicin nicht wirkt?
Wie bei jeder Substanz kann auch bei Capsaicin irgendwann eine gewisse Gewöhnung entstehen. In diesem Fall kann versucht werden, die Dosis im Rahmen der medizinischen Möglichkeiten zu steigern oder auf andere Behandlungsmethoden umzusteigen. Manche Menschen bevorzugen ohne eher kühlende als erhitzende Präparate und man kann Mentholsalbenverbände (zum Beispiel in „Tigerbalsam“ enthalten) ausprobieren. Herkömmliche Salben, wie Diclofenac („Voltaren“), sind Alternativen zu Capsaicin. Es gibt auch Wärmepflaster, die ohne Capsaicin wirken, sondern die eigene Körperwärme spiegeln und verstärken. Zusätzlich können auch verschreibungspflichtige Schmerztherapeutika helfen. Bei neuropathischen Schmerzen kann die Substanz Gabapentin oder Pregebalin (obwohl Letzteres ein hohes Suchtrisiko hat) eingesetzt werden.
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