Chaga: Wirkung auf das Gehirn und wissenschaftliche Erkenntnisse

Der Chaga-Pilz, wissenschaftlich bekannt als Inonotus obliquus, ist ein in kalten Regionen wie Sibirien, Skandinavien, Nordkanada und Alaska beheimateter Vitalpilz. Auf Birken wachsend, wird er in der Volksmedizin seit Jahrhunderten in Russland, Korea, Japan und China verwendet. Heute erfreut sich Chaga auch im Westen großer Beliebtheit, wo er in Form von Tee, Kapseln, Pulver, Extrakten und Hautcremes angeboten wird.

Was ist Chaga?

Oft als "Perle des Nordens" bezeichnet, wird der Chaga-Pilz seit der Antike in der Volksmedizin verwendet. Seit dem 12. Jahrhundert wird er in Sibirien zur Immunstärkung eingesetzt. Der Chaga beginnt sein Wachstum im Inneren noch lebender Bäume, meist Birken. Nach einigen Jahren bricht die Baumrinde auf und es bildet sich eine harte und unförmige Wucherung, die außen schwarz und spröde und im Inneren braun und krümelig ist. Diese Wucherungen können bis zu 80 Jahre am Baum wachsen und bei alten Bäumen Durchmesser von über 50 cm erreichen. Der Baum stirbt schließlich ab. Geerntet und verwendet wird der Chaga in Form der Sklerotien.

Inhaltsstoffe und ihre Eigenschaften

Chaga enthält eine beeindruckende Vielfalt an bioaktiven Verbindungen, darunter Polysaccharide, Triterpene, Melanin und Polyphenole. Diese Inhaltsstoffe sind für die potenziellen gesundheitlichen Vorteile des Pilzes verantwortlich.

  • Polysaccharide: Insbesondere Beta-Glucane sind bekannt für ihre immunstärkenden Eigenschaften. Sie können die Aktivität von Immunzellen wie Makrophagen und T-Zellen verbessern und so die körpereigene Abwehr gegen Infektionen und Krankheiten unterstützen.
  • Triterpene: Diese Verbindungen, darunter Inotodiol, zeigen in Zell- und Tiermodellen Wirkmechanismen, die mit Entzündungsprozessen und Zellregulation zusammenhängen.
  • Melanin: Chaga ist reich an Melanin, einem Pigment, das für die dunkle Farbe der äußeren Schicht verantwortlich ist. Melanin wirkt als starkes Antioxidans und kann Zellen vor Schäden durch freie Radikale schützen.
  • Antioxidantien: Chaga enthält eine Vielzahl von Antioxidantien, einschließlich phenolischer Verbindungen und Flavonoiden. Diese helfen, freie Radikale zu neutralisieren, die durch oxidative Stressprozesse im Körper entstehen und zu Zellschäden und chronischen Krankheiten führen können.
  • Betulin: Eine Vorstufe der Betulinsäure. Chaga nimmt den Stoff im Laufe seines Lebens auf und ist daher nur bei Pilzen zu finden, die bereits einige Jahre an der Birke wachsen konnten. Betulinic Acid hat in präklinischen Studien vielversprechende entzündungshemmende und Antitumor-Eigenschaften gezeigt.

Traditionelle Anwendungen und moderne Forschung

Seit der Antike wird der Schiefe Schillerporling in der Volksmedizin verwendet. In Sibirien wurde der Pilz seit dem 12. Jahrhundert als Hausmittel zur Immunstärkung eingesetzt. Auch bei Herz- und Lebererkrankungen, Diabetes und Krebs wurde der Pilz empfohlen. Am häufigsten fand der Pilz Anwendung in Form von Aufgüssen, Inhalationen, wässrigen Auszügen oder antiseptischen Seifen. Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Chaga-Aufgüsse in Sibirien sogar als Ersatz für Tee verwendet.

Neuere Studien konnten viele der positiven Eigenschaften des Chaga bestätigen, die den Pilz in der Volksmedizin so beliebt machten. Diese beziehen sich jedoch nur auf Ergebnisse aus In-vitro-Studien (Reagenzglas) und aus In-vivo-Studien an Tieren.

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Mögliche gesundheitliche Vorteile

Chaga wird eine Vielzahl von gesundheitlichen Vorteilen zugeschrieben, die jedoch noch weiterer Forschung bedürfen:

Unterstützung des Immunsystems

Chaga-Polysaccharide, insbesondere Beta-Glucane, können die Aktivität von Immunzellen wie Makrophagen und natürlichen Killerzellen fördern. Studien konnten zeigen, dass die Polysaccharide aus dem Chaga die Zellvermehrung der Lymphozyten (einer Art der Leukozyten) bei Mäusen erhöhte. Weiters stieg durch den Chaga die Sekretion von Zytokinen, die im Immunsystem als Botenstoffe fungieren. Sie dienen der Kommunikation zwischen den verschiedenen Abwehrzellen, die auf diese Weise ihren gemeinsamen Kampf gegen Krankheitserreger koordinieren.

Entzündungshemmende Wirkung

In Chaga enthaltene Triterpene und Polyphenole wirken entzündungshemmend. Studien an Ratten, denen sieben Tage lang Chaga-Extrakt verabreicht wurde, zeigten beispielsweise, dass dieser sie vor Entzündungen schützte.

Antioxidative Wirkung

Chaga enthält Melanin und Polyphenole, die als starke Antioxidantien wirken. Studien haben gezeigt, dass Chaga DNA-Schäden durch oxidative Belastung in menschlichen Lymphozyten reduzieren kann.

Unterstützung der Verdauungsgesundheit

Traditionell wird Chaga zur Linderung von Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt. Die entzündungshemmenden Eigenschaften können dazu beitragen, die Schleimhaut zu schützen. Studien zeigten, dass der Chaga die Vermehrung der nützlichen Darmbakterien fördert.

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Unterstützung bei Diabetes

Studien konnten zeigen, dass sich der Chaga positiv auf die Insulinresistenz auswirkt. Auch auf die Darmflora hat der Pilz eine regulierende Wirkung. Nicht zuletzt trägt der Chaga zum Schutz und zur Reparatur der Inselzellen bei.

Antivirale Wirkung

Ein Artikel aus dem Jahr 2020, der sich speziell mit Kräutern und Pilzen als alternative Behandlung von COVID-19 beschäftigte, betont dabei vor allem die vielversprechenden Wirkungen des Chaga. Antivirale Wirkungen konnten sowohl in Tier- als auch in Zellstudien nachgewiesen werden. Diese waren unter anderem bei Herpesviren und Influenzaviren zu beobachten.

Förderung der Hautgesundheit

Durch die im Pilz enthaltenen Antioxidantien und das breite Spektrum seiner Inhaltsstoffe hat dieser außerdem eine reinigende, schützende und verjüngende Wirkung auf die Haut. Der Chaga ist daher bereits Bestandteil vieler Kosmetikartikel. In einer Studie von 1973 erwies sich die Einnahme eines Chaga-Extraktes als wirksam bei Schuppenflechte (Psoriasis).

Chaga und Psyche: Unterstützung der mentalen Gesundheit

Chaga scheint neuroprotektive Effekte zu besitzen. Wang et al. berichteten, dass Chaga in Mäusen die Corticosteron-Ausschüttung senkte und angstähnliches Verhalten reduzierte. Gleichzeitig wurde die Expression antioxidativer Enzyme im Gehirn gesteigert, was auf eine potenzielle Schutzwirkung vor stressbedingten Schäden hindeutet.

Anwendung und Dosierung

Chaga kann in verschiedenen Formen eingenommen werden, darunter als Tee, Pulver, Kapseln oder Tinktur. Am häufigsten wird der Pilz in Form von Tee aus Chaga-Pilz-Stückchen verwendet. Dies ist auch die traditionelle Form der Anwendung.

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  • Chaga-Tee: Für Chaga-Tee 1-2 TL auf eine Tasse, 10-15 Minuten ziehen lassen.
  • Chaga-Kapseln oder -Tabletten: Häufig werden etwa 1000 mg täglich empfohlen.
  • Chaga-Extrakt: Extrakte unterscheiden sich je nach Herstellung (heißer Wasserextrakt vs. Dual‑Extrakt); prüfen Sie Standardisierungen (z. B. Gehalt an Polysacchariden, ggf. Triterpenen).

Es ist wichtig, bei der Einnahme eines neuen Supplements wie Chaga vorsichtig zu sein und bei auftretenden Nebenwirkungen den Konsum sofort zu beenden und medizinischen Rat einzuholen. Bei langfristigem und/oder hohem Verbrauch von Chaga sollte ebenfalls ein Arzt zu Rate gezogen werden, um das Risiko von Nebenwirkungen, insbesondere Nierenproblemen, zu minimieren.

Mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Obwohl Chaga allgemein als sicher gilt, gibt es einige wichtige Aspekte zu beachten:

  • Wechselwirkungen mit Medikamenten: Chaga kann möglicherweise mit bestimmten Medikamenten interagieren, insbesondere mit Blutverdünnern und Diabetes-Medikamenten.
  • Allergische Reaktionen: Obwohl es selten vorkommt, können manche Menschen allergisch auf Chaga reagieren.
  • Oxalsäuregehalt: Chaga enthält Oxalsäure, die in großen Mengen zu Nierenproblemen oder Nierensteinen führen kann.
  • Qualität und Dosierung: Die Qualität und Dosierung der verfügbaren Chaga-Produkte kann stark variieren.

Es ist ratsam, sich mit einem Arzt zu besprechen, bevor Chaga eingenommen wird, insbesondere für Menschen mit Vorerkrankungen und wenn bereits Medikamente eingenommen werden.

Woran erkenne ich ein gutes Chaga‑Produkt?

Achten Sie beim Kauf von Chaga-Produkten auf folgende Kriterien:

  • Rohstoffteile: Sklerotium („Chaga‑Konkretion“) vs. Myzel.
  • Extraktion: Heißwasser (Polysaccharide) vs. Dual‑Extrakt (Polysaccharide, Triterpene).
  • Standardisierung: transparente Angaben (z. B. Gehalt an Polysacchariden, ggf. Triterpenen).
  • Nachhaltige Beschaffung: Unkontrollierte Wildernte kann Bestände belasten.

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