Es gibt wohl kaum eine Beziehung, die dauerhaft von Harmonie geprägt ist. Gerade in längeren Beziehungen kann es vorkommen, dass der Partner einem auf die Nerven geht. Dies ist ein weit verbreitetes Phänomen, das viele Ursachen haben kann. Dieser Artikel beleuchtet die Gründe für dieses Gefühl und bietet Lösungsansätze, um die Beziehung wieder zu verbessern.
Ursachenforschung: Warum geht er mir auf die Nerven?
Das Gefühl, vom Partner genervt zu sein, kann verschiedene Ursachen haben. Oft sind es viele kleine Dinge, die sich summieren und schließlich zu einem Reflex führen, der sich in Aussagen wie „Du gehst mir auf die Nerven!“ entlädt.
Alltagsstress und mangelnde Eigenständigkeit: Die Corona-Krise hat bei vielen Paaren zu einer ungewohnten Nähe geführt, in der man ständig aufeinanderhॉकt. Dies kann dazu führen, dass man den Partner nicht mehr ertragen kann, sich von ihm eingeengt fühlt und die Lust auf Zweisamkeit verliert.
Unterschiedliche Bedürfnisse und Erwartungen: Jeder Mensch hat eigene Bedürfnisse und Vorstellungen davon, wie eine Beziehung sein sollte. Wenn diese Bedürfnisse nicht erfüllt werden oder die Erwartungen des Partners nicht den eigenen entsprechen, kann es zu Reibungen und Streitigkeiten kommen.
Unerfüllte Bedürfnisse nach Maslow: Hinter scheinbar banalen Streits, wie beispielsweise über Unordnung, können tieferliegende Bedürfnisse stecken. Im Falle der Unordnung kann es sich beispielsweise um das Bedürfnis nach Ordnung und Struktur handeln, welches ein Unterpunkt des Themas Sicherheit ist. Wenn der Partner alles liegen lässt, dann untergräbt er damit das Bedürfnis nach einem trauten Heim.
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Veränderungen in der Beziehung: Wenn die anfängliche Verliebtheit verfliegt und der Alltag einkehrt, verändert sich auch die Beziehung. Die rosarote Brille verschwindet, und man nimmt die Schwächen des Partners deutlicher wahr. Dinge, die früher vielleicht gut gefallen haben oder zumindest nicht sonderlich gestört haben, können plötzlich als nervig empfunden werden.
Kommunikationsprobleme: Mangelnde oder fehlerhafte Kommunikation ist eine häufige Ursache für Beziehungsprobleme. Wenn man nicht offen über seine Gefühle und Bedürfnisse spricht, kann es zu Missverständnissen und Frustrationen kommen. Aussagen wie „Du gehst mir auf den Sack, den Geist, den Senkel, die Eier…“ sind zurückweisend und verletzend und tragen nicht zu einer konstruktiven Problemlösung bei.
Projektion eigener Konflikte: Psychologen sind sich einig, dass das Gefühl, von jemandem genervt zu sein, oft mit uns selbst zu tun hat. Wir projizieren unsere eigenen Gefühle, Eigenschaften und inneren Konflikte auf andere Menschen. Anstatt uns mit unseren eigenen Problemen auseinanderzusetzen, spiegeln wir unsere Traumata und laden sie auf die Person ab, die uns vermeintlich schon mit ihrer bloßen Existenz furchtbar aufregt.
Hormonelle Veränderungen: Hormonelle Veränderungen, wie sie beispielsweise während der Schwangerschaft, nach der Geburt oder in den Wechseljahren auftreten, können sich auf die Stimmung und das Empfinden einer Frau auswirken und dazu führen, dass sie ihren Partner anders wahrnimmt.
Veränderungen im Charakter: Die Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens sammeln, wirken sich auch auf die Entwicklung unseres Charakters aus. Wenn wir im privaten oder beruflichen Umfeld scheitern, kann das zu Verbitterung und Rückzug führen. Ähnlich ist es aber auch mit jemandem, dem Erfolg und möglicherweise auch Macht zu Kopfe steigen.
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Auseinanderleben: Im Laufe der Zeit können sich Partner auseinanderleben. Sie entwickeln unterschiedliche Interessen, Werte und Lebensziele. Dann kann es sein, dass da plötzlich ein Mensch vor uns sitzt, der uns fremd geworden ist. Der vielleicht Dinge sagt und tut, mit denen wir uns gar nicht mehr verbinden können, und unsere Bedürfnisse nicht mal mehr wahrnimmt.
Lösungsansätze: Was kann ich tun, wenn er mich nervt?
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Partner Ihnen auf die Nerven geht, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Situation zu verbessern.
Offene Kommunikation: Das A und O jeder Beziehung ist eine offene und ehrliche Kommunikation. Sprechen Sie mit Ihrem Partner über Ihre Gefühle und Bedürfnisse. Versuchen Sie, ihm zu erklären, was Sie stört und warum. Achten Sie dabei auf einen respektvollen Ton und vermeiden Sie Vorwürfe. Es ist wichtig, sich darüber klarzuwerden, welche Flausen einem die Haare zu Berge stehen lassen und welches Grundmotiv dahintersteckt.
Bedürfnisse erkennen und kommunizieren: Wer sich selbst gut kennt, kann das auch nach außen hin kommunizieren. Machen Sie sich bewusst, welche Bedürfnisse Sie haben und wie Sie diese kommunizieren können.
Abgrenzung und Freiraum: Gerade in Zeiten großer Nähe ist es wichtig, sich auch mal voneinander abzugrenzen und Freiräume zu schaffen. Ziehen Sie sich für einen Abend zurück, treffen Sie sich mit Freunden oder gehen Sie einem Hobby nach.
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Gemeinsame Zeit gestalten: Nehmen Sie sich bewusst Zeit für gemeinsame Aktivitäten, die Ihnen beiden Spaß machen. Unternehmen Sie etwas Neues, um Schwung in die Beziehung zu bringen.
Die Perspektive des Partners einnehmen: Versuchen Sie, die Situation aus der Sicht Ihres Partners zu betrachten. Warum verhält er sich so, wie er sich verhält? Was sind seine Bedürfnisse und Beweggründe?
Eigene Anteile erkennen: Hinterfragen Sie sich, warum Sie sich über bestimmte Verhaltensweisen Ihres Partners ärgern. Hat es vielleicht etwas mit Ihnen selbst zu tun? Projizieren Sie eigene Gefühle oder Konflikte auf ihn?
Akzeptanz üben: Nicht jede Macke des Partners muss man ändern. Manchmal ist es einfacher, bestimmte Verhaltensweisen zu akzeptieren und sich darauf zu konzentrieren, die positiven Seiten der Beziehung zu sehen.
Veränderung anstreben: Wenn Akzeptanz nicht möglich ist, kann man versuchen, bestimmte Verhaltensweisen des Partners zu verändern. Dies sollte jedoch immer in Absprache und auf freiwilliger Basis geschehen.
Professionelle Hilfe suchen: Wenn Sie alleine nicht weiterkommen, kann eine Paartherapie oder -beratung helfen. Ein Therapeut kann Ihnen dabei helfen, Ihre Kommunikationsmuster zu verbessern, Konflikte zu lösen und neue Perspektiven zu entwickeln.
Trennung in Erwägung ziehen: Wenn alle Stricke reißen und die Beziehung unerträglich geworden ist, kann eine Trennung die beste Lösung sein. Dies sollte jedoch immer als letzter Ausweg betrachtet werden.
Drei Möglichkeiten, mit Problemen fertig zu werden: Akzeptanz, Veränderung oder Trennung
Wenn Ihr Partner Sie mit seinem Verhalten zur Weißglut treibt, bleiben Ihnen drei Möglichkeiten, mit den Problemen fertig zu werden:
- Akzeptanz: Auch wenn es manchmal schwerfällt, kann es langfristig gesehen einfacher sein, eine bestimmte Verhaltensweise zu akzeptieren. Damit ist nicht gemeint, dass Sie seufzend und traurig resignieren. Nein! Es geht vielmehr darum, ob Sie bereit sind, Ihren Partner mit all seinen Fehlern wirklich zu lieben.
- Veränderung: Wenn Sie das mit dem Akzeptieren nicht hinbekommen, weil vielleicht Geduld nicht zu Ihren starken Eigenschaften zählt, bleibt auch noch die etwas anstrengendere Variante der Veränderung. Diese kann sowohl auf Ihrer Seite stattfinden, im Fall der Socken sollte aber auch Ihr Partner bereit sein, irgendetwas in Zukunft besser zu machen.
- Trennung: Die dritte Möglichkeit ist, einfach zu gehen. Eine Trennung ohne Streit und große Dramen. Menschen sind verschieden und manche passen schlicht und ergreifend nicht zusammen.
Konstruktiver Streit als Chance
Streitigkeiten sind bei den meisten Menschen nicht unbedingt ganz oben auf der Wunschliste. Sie verursachen unangenehme Gefühle wie Verlassensangst, Wut oder auch Verzweiflung. Doch richtig angewendet, können Streits einer Beziehung richtiggehend Aufwind geben. Wenn Sie sich angewöhnen, herumliegende Socken nicht als Kampfansage an Ihre Person zu sehen und darauf mit den entsprechenden Geschützen zu reagieren, sondern versuchen sich über Ihre Bedürfnisse klar zu werden und diese auszudrücken, können Sie und Ihr Partner anfangen, sich wirklich zu verstehen.
Die Bedürfnisse des Partners erkennen
Es ist wichtig, die Bedürfnisse des Partners zu erkennen und zu respektieren. Stell dir ein Bedürfnis vor, wie ein Gefäß, das gefüllt werden will. Was braucht meine Partnerin in ihrer Unterschiedlichkeit? An welcher Stelle kommen wir beide zusammen und haben das gleiche Bedürfnis? Jeder ist für sein Glück in erster Linie selbst verantwortlich. Wer gut für andere da sein will, muss erst für sich selbst gut sorgen. Wer selbst mit sich klar und gut ist, ist dann auch in der Lage, mit ehrlichem Interesse und Neugier dafür, was der andere brauchen könnten. Aber auch, darauf zu achten, was man miteinander gemeinsam hat und gemeinsam gut kann. Was es für gute Gründe gibt, aneinander festzuhalten.