Die Diagnose Krebs ist ein Schock, und die Therapie nach der Operation ist oft langwierig. Obwohl sich Behandlungen wie Chemotherapie und Bestrahlung in den letzten Jahren verbessert haben, leiden viele Krebspatienten unter Nebenwirkungen, die ihre Lebensqualität beeinträchtigen können. Die chinesische Medizin bietet hier eine alternative Therapie mit positiven Effekten als Ergänzung zur herkömmlichen Krebsbehandlung.
Chinesische Medizin als Begleittherapie
Die chinesische Medizin wird als Begleittherapie eingesetzt, um die schulmedizinischen Behandlungen wie Operationen, Chemotherapien und Bestrahlungen zu ergänzen. Die Klinik rät den Krebspatienten, die fachärztlich empfohlenen Operationen, Chemotherapien und Bestrahlungen durchzuführen und sich dann zusätzlich einer chinesischen Begleittherapie zu unterziehen. Diese Behandlung basiert auf den Leitkriterien der chinesischen Medizin, insbesondere der chinesischen Arzneitherapie.
Behandlung nach den Leitkriterien der chinesischen Medizin
Unter ganzheitlichen Gesichtspunkten stellen Mediziner chinesische Arzneien in einer individuellen Rezeptur zusammen. Diese bestehen aus Rohsubstanzen wie Knollen, Rinden oder Wurzeln von Pflanzen. Patienten mit Krebserkrankungen trinken die chinesische Arznei als Abkochung. Ärzte passen die Arzneien dem Genesungsverlauf an und führen den Körper zu einem intakten Immunverhalten zurück.
Flankierend setzt die chinesische Medizin Akupunktur, Druckpunktmassagen, Körpertherapien wie Qi Gong und eine vorwiegend vegetarische Ernährung ein.
Dreifacher therapeutischer Effekt
Patienten mit Krebserkrankungen profitieren im Wesentlichen von einem dreifachen therapeutischen Effekt durch die Begleitbehandlung:
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- Besserung der mit den üblichen Maßnahmen verbundenen Probleme: Chinesische Kräuter lindern Funktions- und Befindlichkeitsstörungen nach Operationen, Übelkeit und Erschöpfung nach Chemotherapie sowie Schwäche oder Blutungen nach Bestrahlungen.
- Stärkung des Immunsystems und Stoffwechsels: Eine Stabilisierung des Immunsystems und Stoffwechsels führt neben einer Besserung des Befindens häufig auch dazu, dass eine von Onkologen aufgegebene Therapie sogar mit guter Aussicht auf Erfolg wieder aufgenommen wird.
- Beeinflussung des Tumorwachstums: Die chinesische Medizin zielt darauf ab, das Tumorwachstum selbst zu beeinflussen.
Eine Studie der Universität Yale, USA, belegt, wie sinnvoll die Verzahnung von westlicher und chinesischer Medizin ist: Bei Krebserkrankungen lindert die traditionelle chinesische Arzneitherapie nicht nur Nebenwirkungen der Krebstherapie sondern verstärkt zudem Behandlungseffekte. So fanden die Forscher heraus, dass der Einsatz bestimmter Arzneien beispielsweise die Gewichtsabnahme nach Chemotherapien reduziert. Zudem zeigen sich stärkere Anti-Tumor-Aktivitäten und verminderte Entzündungsprozesse im Darm.
Komplementärmedizin: Ergänzung, nicht Alternative
Das Interesse an alternativer und komplementärer Medizin ist bei Menschen mit Krebs sehr hoch. Rund die Hälfte der Patientinnen und Patienten mit einer Tumorerkrankung probiert während oder nach der Behandlung eine dieser Methoden aus. Bei Patientinnen mit Brustkrebs sind es sogar 90 Prozent, die auf ergänzende Maßnahmen zurückgreifen.
Es ist wichtig zu betonen, dass es sich bei Ayurveda, Traditioneller Chinesischer Medizin oder Homöopathie nicht um Alternativen, sondern um Ergänzungen zur klassischen Krebsmedizin handelt, damit diese besser vertragen wird. Komplementär bedeutet „begleitend“ und ist nicht mit anderen (alternativen) Therapieformen zu verwechseln. Unter dem Begriff Komplementärmedizin wird ein breites Spektrum von Disziplinen und Behandlungsmethoden zusammengefasst, die auf anderen Modellen der Entstehung von Krankheiten und deren Behandlung basieren als die der Schulmedizin. Die Palette umfasst breitgefächerte Methoden von Akupunktur über Homöopathie und Yoga bis hin zur Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).
Aktiver Beitrag zum Therapieerfolg
Eine Krebstherapie mit Operation, Bestrahlung und Chemotherapie kann für Körper und Psyche sehr belastend sein. In dieser Situation hoffen viele Betroffene auf unterstützende und lindernde Effekte aus der Naturheilkunde, zum Beispiel durch Pflanzenextrakte, Akupunktur oder Vitamine. Neben dem Wunsch, mit den Nebenwirkungen besser zurechtzukommen, spielt auch der Gedanke, selbst etwas gegen den Krebs zu tun, eine wichtige Rolle. Es kann hilfreich für den Therapieerfolg sein, wenn Patientinnen und Patienten sich selbst einbringen und aktiv etwas für ihr Wohlbefinden tun. Wichtig ist dabei, dass die Komplementärmedizin keinen Ersatz für eine schulmedizinische Standardbehandlung darstellt, sondern immer eine Ergänzung bleibt.
Wissenschaftliche Beweislage
Die Wirksamkeit der meisten alternativen Verfahren zur Krebsbehandlung ist, anders als bei schulmedizinischen Therapien, wissenschaftlich nicht immer belegt. In der aktuellen Patientenleitlinie finden sich Übersichten komplementärer Therapien zur Verbesserung von Symptomen und Lebensqualität, die wissenschaftlich bewiesen sind.
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Infolge der häufig unsicheren Beweislage zu naturheilkundlichen Verfahren oder naturheilkundlichen Produkten und der Flut von Angeboten ist es für Betroffene und Angehörige oftmals schwer, eine Einschätzung zu treffen. Die Wirksamkeit oder Risiken dieser Therapieangebote sind zu vielschichtig. Hier kann das Behandlungsteam oder die Beratungsstelle für Komplementärmedizin im Tumorzentrum München weiterhelfen.
Fragen an das Behandlungsteam
Im Gespräch mit dem Ärzteteam können die folgenden Fragen helfen, um abzuklären, inwieweit komplementäre Medizin in deinem Fall Anwendung finden kann:
- Kann ich Krankheitssymptome oder Nebenwirkungen einer Tumorbehandlung mit Naturheilkunde erfolgreich lindern (z. B. Leistungsschwäche, Verdauungsstörungen oder Schmerzen)?
- Ich habe etwas über eine naturheilkundliche Behandlung bei meiner Art von Erkrankung gelesen. Macht sie in meinem persönlichen Fall Sinn, ohne meine Tumortherapie zu gefährden?
- Kann ich mein Wiedererkrankungsrisiko mit Hilfe von Komplementärmedizin oder Lebensstiländerungen senken?
- Ich habe ein bekanntes, erhöhtes Tumorrisiko. Kann ich den Ausbruch der Erkrankung naturheilkundlich verhindern?
Die Antworten auf diese Fragen sind so individuell wie eine Krebserkrankung. Wichtig ist daher eine fachkundige Beratung, um eine sichere und wirksame Behandlung der Beschwerden zu erreichen.
Wechselwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen
Manche Mittel können Wechselwirkungen mit Krebsmedikamenten eingehen, deren Wirkung schmälern oder zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. So können hochdosierte Vitaminpräparate während der Chemo- oder der Strahlentherapie deren Wirkung einschränken. Vorsicht ist auch bei pflanzlichen Therapien geboten, da sie Nebenwirkungen fördern oder zu Wechselwirkungen führen können. Onkologinnen und Onkologen haben in der Regel Verständnis für den Wunsch, mehr für die eigene Gesundheit zu tun und geben daher gerne ihre Einschätzung ab.
Natürliche Therapieunterstützung
Am besten unterstützt man seinen Körper mit einem gesunden Lebensstil. Dazu gehören eine ausgewogene, vollwertige Ernährung, moderate Bewegung und genügend Schlaf. So kann man beispielsweise auf natürliche Wirkstoffe oder bewährte Hausmittel zurückgreifen, um Nebenwirkungen der Therapie wie Durchfall, Entzündungen der Mundschleimhaut oder die tumorbedingte chronische Müdigkeit zu lindern.
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Positive Wirkung auf das Körperempfinden wird Elementen der Traditionellen Chinesischen Medizin zugeschrieben, zum Beispiel Akupunktur, Tai-Chi und speziellen Körpermassagen. Meditation und Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung können dir zu mehr Ruhe und Ausgeglichenheit verhelfen. Häufig werden diese Kurse auch von den Krankenkassen angeboten.
Unseriöse Angebote erkennen
Viele Patientinnen und Patienten wollen selbst etwas tun und informieren sich genau über ihre Erkrankung. Doch Vorsicht - die Hoffnung auf weniger Schmerzen oder Nebenwirkungen öffnet auch Türen für ein gutes Geschäft. Bei alternativen Krebstherapien ist deshalb Vorsicht geboten.
Auf folgende Aspekte kann man achten, um unseriöse Inhalte zu erkennen:
- Der Anbieter besteht darauf, dass alle schulmedizinischen Behandlungen wie Chemo- und Strahlentherapie abgebrochen werden.
- Er besteht auf einen langfristigen privaten Behandlungsvertrag.
- Die Wirksamkeit der Therapie wird allein aufgrund von Referenzen, Empfehlungen und Fallberichten behauptet, aber ohne anerkannte wissenschaftliche Publikationen.
- Die Sprache der „Belege" klingt wissenschaftlich und ist für Nicht-Mediziner schwer zu verstehen.
- Die Therapie wirkt angeblich gegen alle Krebserkrankungen in allen Stadien und gegen andere schwere Erkrankungen.
- Die Methode wird als natürlich, sanft und zugleich komplett nebenwirkungsfrei angepriesen.
- Angeblich wurde eine Vielzahl von Erkrankten geheilt, die von Schulmedizinern bereits aufgegeben wurden.
Chinesische Medizin bei Hirntumoren: Spezifische Forschung
Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und von der ShanghaiTech University, China, haben ein Verfahren entwickelt, um Hirntumoren individueller Patienten besonders naturnah im Labor nachzubilden. Tumororganoide, die aus chirurgischem Material in der Kulturschale herangezogen werden, werden heute in der Krebsforschung vielfältig genutzt. Zahlreiche Forschungsgruppen haben bereits Ansätze entwickelt, um auch Hirntumoren, insbesondere die sehr aggressiven Glioblastome, im Labor zu kultivieren. Allerdings ist die Komplexität der Tumoren eine große Herausforderung für diese Forschung.
Das neue Modell von Haikun Liu, DKFZ, setzt auf zerebrale Organoide, die aus induzierten pluripotenten Stammzellen gezüchtet werden. In diesen Organoiden, die gehirnähnliche Bedingungen aufweisen, lassen die Forschenden frisch entnommene Tumorproben heranwachsen. Auf diese Weise entsteht ein Abbild des Tumors, das die Vielfalt der Zelltypen, die komplexe Tumorumgebung und die molekularen Eigenschaften des Ursprungstumors genau nachahmt.
„Mit den IPTOs können wir erstmals nicht nur die Struktur und Heterogenität der Tumoren erhalten, sondern auch ihre Reaktion auf verschiedene Therapien vorhersagen“, erklärt Studienleiter Haikun Liu. Das Besondere: Die Methode ist auf eine breite Palette von Tumoren des Zentralnervensystems anwendbar - von aggressiven Hirntumoren wie Glioblastomen bis hin zu Hirnmetastasen, die bei etwa 20 Prozent aller Krebspatienten auftreten.
Als besonders eindrucksvoll bewerteten die Forschenden die Eignung des IPTO-Modells für Wirksamkeitstests von Chemotherapien oder anderen Krebsmedikamenten auf individuelle Tumoren. Auch in Versuchen mit aus Hirnmetastasen gezüchteten IPTOs spiegelten die Minitumoren in der Kulturschale die Therapieergebnisse mit zielgerichteten Medikamenten genau wider - ein entscheidender Schritt hin zu einer personalisierten Medizin.
„Wir freuen uns, dass bereits Ärzte aus verschiedenen Ländern an uns herangetreten sind, um zu erörtern, wie das IPTO-Modell eingesetzt werden kann, um schneller und zuverlässiger die besten Behandlungsmöglichkeiten für ihre Patienten zu finden“, betont Liu. Die hochwertigen molekularen Daten aus der medikamentösen Behandlung sollen außerdem gesammelt und für das Training fortgeschrittener KI-Modelle verwendet werden, die dabei helfen können, die beste Behandlung für Hirntumorpatienten zu finden.
Traditionelle Chinesische Medizin: Ganzheitlicher Ansatz
Die klassische chinesische Medizin kennt keine gegen Tumorzellen gerichtete Behandlung; es gibt ebenso keinen eigenständigen Begriff für Krebs und somit auch kein tumorspezifisches Behandlungskonzept. Vielmehr soll durch geeignete Methoden der Organismus in seiner Gesamtheit gestärkt werden. Die chinesische Medizin ist außerdem symptom- bzw. musterorientiert und fragt nach den zugrunde liegenden Ursachen. Da sie sich auf andere Vorstellungen und Denkkonzepte stützt als die rational-materialistisch geprägte abendländische Medizin, sind weder die Begrifflichkeiten der klassischen chinesischen Medizin noch Pathogenitäts- und Therapiekonzepte ohne weiteres zu übertragen. Methoden der chinesischen Medizin können als Ergänzung zur konventionellen Krebsbehandlung in Frage kommen, insbesondere im Bereich der Nachsorge.
Die Theorien der TCM weichen stark von westlichen, wissenschaftsgeprägten Diagnostik- und Therapieprinzipien ab. Der Lehre nach sollen TCM-Behandlungen den gestörten Fluss der Lebensenergie (= Chi) harmonisieren, zu einer Stärkung des inneren Gleichgewichts sowie einer höheren Lebensqualität führen und das Immunsystem aktivieren. Generell ist gegen die komplementäre Anwendung definierter TCM-Maßnahmen (z. B. Akupunktur, Chi-Gong, Tai-Chi) nichts einzuwenden.
Wichtige Hinweise zur Anwendung
Grundsätzlich ist aber bei der Anwendung von Arzneimittelzubereitungen aus anderen Kulturkreisen, wie z. B. Asien, folgendes zu bedenken: Menschen verschiedener Herkunft unterscheiden sich z.T. erheblich in ihren vererbten Reaktionsweisen, z. B. Daher können wirksame Arzneimittel zwar im entsprechenden Kulturkreis sinnvoll sein, bei Menschen mit anderen Erbanlagen hingegen besteht die Möglichkeit, dass die Wirkung ausbleibt bzw. Besondere Vorsicht ist bei der Einnahme von Arzneimitteln geboten, die nicht durch deutsche Behörden zertifiziert wurden. Die Prüfungen von Arznei- bzw. Heilmitteln in der Volksrepublik China auf Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit entsprechen nicht den Anforderungen in unserem Kulturkreis.
Immer wieder werden in den sogenannten pflanzlichen Arzneimitteln gesundheitsschädliche Belastungen mit Schwermetallen oder Pestiziden bzw. unkontrollierte Beimischungen, beispielsweise von synthetischen Hormonen, Blutverdünnungsmitteln, Betäubungs- oder Schlafmitteln, entdeckt. Nicht selten kommen auf Patientinnen und Patienten hohe Kosten für nicht auf Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit geprüfte Verfahren der TCM zu, die zuweilen nicht einmal nach den Regeln der ärztlichen Kunst ausgeführt werden.
Chinesische Heilkräuter als Tumorkiller?
Wirkstoffe, die aus chinesischen Heilkräutern isoliert werden, können Tumore zerstören, bei denen eine klassische Chemotherapie versagt. Studien am Deutschen Krebsforschungszentrum belegen, dass die pflanzlichen Wirkstoffe entartete Zellen des Blutes und des Abwehrsystems zerstören.
Wirkstoffe aus chinesischen Heilkräutern könnten Krebskranken neue Hoffnung geben, bei denen herkömmliche Chemotherapien nicht mehr anschlagen. Forscher am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) hätten Substanzen aus den Heilkräutern isoliert, mit denen die so genannte Chemo-Resistenz der Krebszellen überwunden werden kann, teilte die Deutsche Krebshilfe in Heidelberg mit. Die pflanzlichen Substanzen greifen demnach in andere Signalwege ein als herkömmliche Chemotherapeutika. So könnten sie auch Tumore zerstören, bei denen eine klassische Chemotherapie versagt.
Eine Chemotherapie zerstört Krebszellen unter anderem, indem sie den programmierten Zelltod im Tumor auslöst. Die Zellen sterben ab. Werden Krebszellen allerdings unempfindlich gegenüber der Therapie, hat dies fatale Folgen. Die Medikamente wirken nicht mehr, und die bösartigen Zellen wachsen ungehemmt weiter. „Wirkstoffe, die aus den chinesischen Heilkräutern isoliert wurden, könnten in solchen Fällen neue Hoffnung geben: Sie machen die Krebszellen wieder empfindlich für das Zelltod-Signal“, erklärte DKFZ-Projektleiter Peter Krammer.
Die Moleküle mit den wissenschaftlichen Namen Wogonin und Rocaglamid wurden aus Kräutern gewonnen, die in der chinesischen Heilkunde eingesetzt werden. Sie wirken zum Beispiel bei Entzündungen. Im Labor wiesen die Wissenschaftler nach, dass die pflanzlichen Wirkstoffe entartete Zellen des Blutes und des Abwehrsystems zerstören. Bösartige Tumore in Mäusen seien durch die Behandlung sogar stark geschrumpft. Gesunde Zellen werden dabei nicht oder nur geringfügig geschädigt.
Skorpiongift in der TCM gegen Gliome
Skorpiongift wird häufig in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) eingesetzt. Der Chinesische Goldene Skorpion (Mesobuthus martensii) ist ein gefährliches Tier, aber vielleicht ein nützliches für den Menschen. Denn Extrakte aus dem Gift des Skorpions werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) schon länger gegen neurologische Erkrankungen wie chronische Schmerzen, Lähmungen, Schlaganfälle oder Epilepsie eingesetzt.
Die Mediziner identifizierten gemeinsam mit chinesischen Mikrobiologen zwei neue Wirkstoffe auf der Basis des Skorpiongifts, mit denen sich das Wachstum von Gliomen stoppen ließ. Das Team um den Neurowissenschaftler Dr. Nicolai Savaskan stellte zwei Eiweiße (Peptide) aus dem Skorpiongift her - CA4 und CTX-23. Beide Substanzen sind Abkömmlinge des Chlorotoxin, einem Eiweiß aus dem Skorpiongift. Sie konnten zeigen, dass die beiden Stoffe CA4 und CTX-23 Hirntumore an der schnellen Zellteilung hinderten und deren Gefäßbildung blockierten.
„Die beiden Skorpiongift-Abkömmlinge, die wir gefunden haben, sind ein gutes Beispiel für eine fruchtbare Verbindung der traditionell-chinesischen Heilkunst mit der Schulmedizin - und vielversprechende Therapeutika für unsere Patienten“, so die Forscher. Lange Zeit bezweifelten Schulmediziner den Nutzen vieler Behandlungsmethoden der chinesischen Heilkunst.
Etwa 40 Prozent der Hirntumoren sind Gliome. Sie entstehen aus den Gliazellen im Gehirn und zählen zu den tödlichsten Krebsarten. Das häufigste Gliom ist das Glioblastom (ca. 50 Prozent), gefolgt vom Astrozytom (ca. 30 Prozent), Oligodendrogliom (ca. 8 Prozent) und dem Ependymom (ca. 6 Prozent). Außerdem gibt es Mischgliome. Glioblastome treten vor allem im Großhirn von Erwachsenen auf. Der Altersgipfel liegt zwischen dem 45. und 70. Die Gehirntumoren werden nach ihrem biologischen Verhalten in 4 Grade eingeteilt (WHO Grad 1-4). Grad 1 Tumoren sind gutartig. Grad 4 Tumoren sehr bösartig. Nur die Grad 1 Tumoren haben eine klare Grenze zum Hirngewebe. Alle anderen Gliome infiltrieren das umliegende Hirn - deshalb entstehen häufig Rückfälle (Rezidive), selbst nach vollständiger Tumorentfernung. Gliome sind schwer behandelbar.
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