Die Anatomie der Clunealnerven ist für die Diagnostik und Therapie schmerzhafter Störungen von Bedeutung, insbesondere im Bereich des unteren Rückens, des Beckens und der unteren Extremitäten. Periphere Nerven spielen hierbei eine bedeutende Rolle, da Nervenkompressionssyndrome unterschiedliche Ursachen haben und v. a. bei Dysbalancen auftreten können. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Überblick über die Anatomie der Clunealnerven, ihre klinische Relevanz und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten bei Nervenkompressionssyndromen.
Einführung in die Clunealnerven
Die Nervi clunium sind Äste der Rückenmarksnerven, die sensible Informationen aus dem Gesäßbereich liefern. Sie werden in drei Gruppen unterteilt:
- Nervi clunium superiores (SCN): Entstammen den ersten drei Lendensegmenten (L1-3) des Rückenmarks.
- Nervi clunium medii (MCN):
- Nervi clunium inferiores (ICN):
Anatomie der Nervi Clunium Superiores (SCN)
Die Nervi clunium superiores (SCN) sind sensible Äste, die aus den dorsalen Rami der Spinalnerven L1 bis L3 hervorgehen. Sie ziehen lateral über den Darmbeinkamm und innervieren die Haut des oberen Gesäßbereichs. Ein Engpass kann beim Übertritt über den Darmbeinkamm auftreten.
Verlauf und Innervation
Die SCN durchdringen die Faszie des Musculus erector spinae und verlaufen dann zwischen dem Musculus multifidus und dem Musculus longissimus hindurch. Anschließend ziehen sie durch oder über den Darmbeinkamm, wo sie anfällig für Kompressionen sein können. Nach dem Übertritt des Darmbeinkamms teilen sich die SCN in mehrere Äste auf, die die Haut des oberen und mittleren Gesäßbereichs innervieren.
Klinische Relevanz
Eine Kompression oder Reizung der SCN kann zu Schmerzen im unteren Rücken und Gesäßbereich führen, die oft als "cluneale Neuralgie" bezeichnet wird. Diese Schmerzen können in die Hüfte und die Oberschenkel ausstrahlen und werden oft durch Bewegung oder Druck auf den Darmbeinkamm verstärkt.
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Mögliche Ursachen für SCN-Kompressionssyndrome
- Erhöhter Muskeltonus: Ein erhöhter paravertebraler Muskeltonus, wie er beispielsweise bei Parkinson-Patienten vorkommt, kann zur Nerveneinklemmung beitragen.
- Anatomische Variationen: Variationen im Verlauf der Nerven oder in der Struktur des Darmbeinkamms können das Risiko einer Kompression erhöhen.
- Trauma: Direkte Traumata im Bereich des unteren Rückens oder des Gesäßes können die SCN schädigen oder reizen.
- Operationen: Orthopädische Eingriffe im Beckenbereich können ebenfalls zu einer Schädigung der SCN führen.
Anatomie der Nervi Clunium Medii (MCN)
Verlauf und Innervation
Klinische Relevanz
Anatomie der Nervi Clunium Inferiores (ICN)
Verlauf und Innervation
Klinische Relevanz
Diagnostik von Clunealnerven-Problemen
Die Diagnose von Clunealnerven-Problemen basiert in der Regel auf einer Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und bildgebenden Verfahren.
Anamnese und körperliche Untersuchung
Die Anamnese umfasst eine detaillierte Beschreibung der Schmerzen, einschließlich Lokalisation, Art, Intensität und auslösenden Faktoren. Bei der körperlichen Untersuchung wird der Arzt den unteren Rücken, das Becken und die Hüften abtasten, um schmerzhafte Bereiche oder Triggerpunkte zu identifizieren. Spezifische Tests, wie z. B. die Palpation der Nerven am Darmbeinkamm, können Hinweise auf eine Nervenkompression liefern.
Bildgebende Verfahren
In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen, CT-Scans oder MRT-Untersuchungen eingesetzt werden, um andere Ursachen für die Schmerzen auszuschließen oder um anatomische Variationen zu identifizieren, die zur Nervenkompression beitragen könnten.
Nervenblockaden
Eine diagnostische Nervenblockade kann helfen, die Diagnose zu bestätigen. Dabei wird ein Lokalanästhetikum in die Nähe des verdächtigten Nervs injiziert. Wenn die Schmerzen nach der Injektion vorübergehend nachlassen, deutet dies darauf hin, dass der Nerv tatsächlich die Schmerzquelle ist.
Behandlung von Clunealnerven-Problemen
Die Behandlung von Clunealnerven-Problemen hängt von der Ursache und dem Schweregrad der Symptome ab. Konservative Maßnahmen werden in der Regel zuerst eingesetzt, während invasive Verfahren in schwereren Fällen in Betracht gezogen werden können.
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Konservative Behandlung
- Schmerzmittel: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs) oder andere Schmerzmittel können helfen, die Schmerzen zu lindern.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskeln zu stärken und zu dehnen, die die Nerven umgeben, und die Körperhaltung zu verbessern.
- Manuelle Therapie: Manuelle Therapie, wie z. B. Chiropraktik oder Osteopathie, kann helfen, Blockaden im Bereich der Wirbelsäule und des Beckens zu lösen und die Nervenfunktion zu verbessern.
- Nervenblockaden: Therapeutische Nervenblockaden mit Lokalanästhetika und Kortikosteroiden können helfen, die Entzündung um die Nerven zu reduzieren und die Schmerzen zu lindern.
Invasive Behandlung
- Kryoneurolyse: Die Kryoneurolyse ist eine Technik, bei der Kälte eingesetzt wird, um die Nervenfunktion vorübergehend zu unterbrechen. Dabei wird eine Sonde in die Nähe des betroffenen Nervs eingeführt und auf eine Temperatur von bis zu -70 Grad Celsius abgekühlt. Dies führt zu einer lokalen Betäubung und kann die Schmerzen für mehrere Wochen oder Monate lindern.
- Neurolyse: In schwereren Fällen kann eine Neurolyse in Betracht gezogen werden, bei der der Nerv chirurgisch dekomprimiert oder durchtrennt wird.
- Minimalinvasive Chirurgie: Minimalinvasive chirurgische Techniken können verwendet werden, um den Nerv zu dekomprimieren oder um anatomische Strukturen zu korrigieren, die zur Nervenkompression beitragen.
Kryoneurolyse im Detail
Die Kryoneurolyse ist eine spezielle Technik zur langfristigen Schmerzlinderung in der interventionellen Schmerztherapie. Bei der Kryoanalgesie, auch Kryoanalgesie oder Kryoneurolyse genannt, handelt es sich um eine spezielle Technik zur langfristigen Schmerzlinderung in der interventionellen Schmerztherapie. Die moderne Kryoanalgesie geht auf Cooper et al. zurück, die 1961 ein Gerät entwickelten, das flüssigen Stickstoff in einer hohlen Röhre verwendete, die an der Spitze isoliert war und eine Temperatur von - 190° C erreichte. Lloyd et al. schlugen vor, dass die Kryoanalgesie anderen Methoden der peripheralen Nervenzerstörung, einschließlich Alkohol-Neurolyse, Phenol-Neurolyse oder chirurgischen Läsionen, überlegen sei. Die Anwendung von Kälte auf Gewebe erzeugt eine Leitungsblockade, ähnlich der Wirkung von Lokalanästhetika. Langfristige Schmerzlinderung durch Nervengefrieren tritt auf, weil Eiskristalle eine vaskuläre Schädigung des Vasonervorums verursachen, die ein schweres endoneurales Ödem erzeugt. Die Kryoanalgesie stört die Nervenstruktur und erzeugt eine Wanddegeneration, lässt aber die Myelinscheide und das Endoneurium intakt. Die klinischen Anwendungen der Kryoanalgesie reichen von der Anwendung bei kraniofazialen Schmerzen bis hin zur Trigeminusneuralgie, hinteren Ohrmuschelneuralgie und Glossopharyngeusneuralgie; Schmerzen in der Brustwand bei verschiedenen Zuständen, einschließlich Neuralgien nach Thorakotomie, anhaltende Schmerzen nach Rippenfrakturen und postherpetische Neuralgien im thorakalen Bereich; abdominale und pelvine Schmerzen sekundär zu ilioinguinalen, iliohypogastrischen, genitofemoralen und subgastrischen Neuralgien; Pudendusneuralgie; Schmerzen im unteren Rücken und in den unteren Extremitäten sekundär zu lumbalen Facettengelenkspathologien, Pseudosciatica, Schmerzen mit Beteiligung des intraspinösen Bandes oder des supraglutealen Nervs, Schmerzen im Iliosakralgelenk, Neuralgie der Cluneal Nerven, Obturator-Neuralgie und verschiedene Arten von peripherer Neuropathie; und Schmerzen in den oberen Extremitäten sekundär zu suprascapularer Neuritis und anderen Zuständen peripherer Neuritis.
Fallbeispiel: Behandlung von Clunealnerven-Schmerzen bei einer Parkinson-Patientin
Ein Fall aus der neurochirurgischen Abteilung des Kushiro Rosai Hospital in Japan beschreibt die Behandlung einer 76-jährigen Patientin mit Morbus Parkinson, die unter zunehmenden Rückenschmerzen litt. Die Schmerzen strahlten ins rechte Bein aus und waren mit einem Taubheitsgefühl verbunden. Bei der Palpation wurden zwei extrem berührungsempfindliche Punkte festgestellt, die den Nervi clunium superiores und medii zuzuordnen waren. Zunächst wurde eine Nervenblockade mit einem Lokalanästhetikum durchgeführt, die zu einer deutlichen Verbesserung der Schmerzen führte. Im weiteren Verlauf stellte sich erneut ein rechtsseitiger Schmerz mit Berührungsempfindlichkeit um den MCN-Triggerpunkt ein. Daraufhin entschlossen sich die Ärzte zur Neurolyse, bei der das LPSL exzidiert und dadurch der MCN entlastet wurde. Danach besserten sich die Beschwerden dauerhaft.
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