Einführung
Migräne ist eine primäre Kopfschmerzerkrankung, die als funktionelle Störung der neuronalen Aktivierung verstanden werden muss und nicht durch eine strukturelle Läsion im Gehirn verursacht wird. Sie betrifft Frauen dreimal häufiger als Männer und manifestiert sich typischerweise im jungen Erwachsenenalter, oft zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr. Die Kopfschmerzattacken dauern zwischen vier und 72 Stunden, können mehrmals pro Monat auftreten und sind durch einen pulsierenden, halbseitigen Schmerzcharakter gekennzeichnet. Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit sowie Phono- und Photophobie sind häufig. Bis zu 30 % der Betroffenen erleben eine Aura, die der Kopfschmerzphase vorausgeht. Diese Aura umfasst neurologische Symptome wie visuelle Störungen (z. B. Flimmerlichter, Lichtblitze), sensorische Missempfindungen (Kribbeln, Taubheitsgefühle) oder transiente Sprachstörungen. Die Dauer der Aura beträgt typischerweise zwischen 30 und 60 Minuten. Die Migräneattacke wird oft durch Ruhe oder Schlaf beendet, wobei viele Betroffene erst nach einem Nachtschlaf von einer vollständigen Erholung berichten.
Die Betroffenen können eine Prodromalphase erleben, die bis zu zwei Tage vor der Attacke auftreten kann und sich durch unspezifische Symptome wie Heißhunger, Müdigkeit, gastrointestinale Beschwerden oder kognitive Dysfunktionen auszeichnet. Die Pathophysiologie der Migräne umfasst eine komplexe Interaktion von neuronalen und vaskulären Mechanismen. Eine zentrale Rolle spielt die „cortical spreading depression” (CSD), eine sich ausbreitende kortikale Erregungswelle, die mit einer vorübergehenden Dysfunktion neuronaler Netzwerke einhergeht. Zudem sind eine Dysregulation des trigeminovaskulären Systems und neurovaskuläre Entzündungsmechanismen an der Pathogenese beteiligt. Als Triggerfaktoren gelten unter anderem Wetterumschwung, bestimmte Genussmittel (u. a. Alkohol, Schokolade, histaminhaltige Lebensmittel wie z. B. Käse oder Rotwein), körperlicher oder emotionaler Stress sowie hormonelle Schwankungen, insbesondere im Rahmen des Menstruationszyklus.
Kinder mit Migräne zeigen oft eine atypische Präsentation: Die Kopfschmerzen sind nicht immer eindeutig halbseitig lokalisiert und Begleitsymptome wie Licht- und Lärmempfindlichkeit können subtiler sein. Zudem sind die Attacken oft kürzer und können unspezifische Beschwerden wie eine Nahrungsaversion oder Verhaltensänderungen mit sich bringen. Dies führt in der Praxis häufig zu Fehldiagnosen oder einer späten Erkennung der Erkrankung. Migräne hat erhebliche individuelle und gesellschaftliche Auswirkungen. Sie tritt besonders häufig in der „Rushhour des Lebens” auf, in der Phase zwischen Ausbildung, beruflicher Etablierung und Familiengründung. Frauen im Alter zwischen 18 und 50 Jahren sind besonders betroffen, was zu hohen krankheitsbedingten Ausfallzeiten und Einbußen der Lebensqualität führt. Trotz der hohen Prävalenz bleibt die Migräne häufig unerkannt oder wird erst verspätet diagnostiziert.
Eine Studie mit 56.597 Jugendlichen zeigte, dass eine unbehandelte Migräne langfristig mit mehreren Gesundheitsrisiken verbunden ist. So besteht ein 2,1-fach höheres Risiko, in den nächsten zehn Jahren eine zusätzliche affektive Störung zu entwickeln, ein 1,8-fach höheres Risiko für neurotische, stressbedingte und somatoforme Störungen sowie ein 1,6-fach höheres Risiko für Rückenschmerzen. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer adäquaten Therapie für Migränepatienten, um langfristige Gesundheitsrisiken zu minimieren.
Diagnose und Differenzialdiagnostik der Migräne
Migräne wird oft nicht erkannt oder sie wird unterschätzt, sei es aus Unwissenheit oder aufgrund fehlender Kenntnisse über Behandlungsstrategien. Eine korrekte Diagnose ist jedoch essenziell, um eine adäquate Versorgung zu gewährleisten.
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Aura-Symptome: Mindestens eines der folgenden Symptome: visuelle Phänomene (z. B. Flimmerskotom, kaleidoskopartige Lichterscheinungen), sensible Störungen (z. B. Missempfindungen, Taubheitsgefühle), Sprach- oder Sprechstörungen (Aphasie), Hirnstammsymptome (z. B. Tinnitus, Schwindel, plötzliche Tonusverluste), motorische Defizite (v. a. Zusätzliche Kriterien: Mindestens drei der folgenden Merkmale: allmähliche Entwicklung der Aura-Symptome, sukzessive Abfolge verschiedener Aura-Symptome, Dauer der Aura zwischen fünf und 60 Minuten, einseitige Aura-Symptome, mindestens ein positives Aura-Symptom (z. B.
DifferenzialdiagnostikDie Differenzierung zwischen primären und sekundären Kopfschmerzerkrankungen ist essenziell. Sekundäre Ursachen wie intrakranielle Raumforderungen oder Entzündungen müssen ausgeschlossen werden. Eine Bildgebung ist nicht zwingend erforderlich, sofern die Anamnese und neurologische Untersuchung keine Hinweise auf eine strukturelle Ursache geben. Eine besondere diagnostische Herausforderung stellen zufällige Befunde in der Bildgebung dar, etwa unspezifische weiße Substanzläsionen, die differenzialdiagnostisch von Läsionen bei Multipler Sklerose abgegrenzt werden müssen. Dies sollte vorab mit den Patienten kommuniziert werden. Eine strukturierte Anamnese und klinische Untersuchung stehen im Vordergrund. In welcher Frequenz und in welcher Ausprägung treten die Schmerzen auf? Wie reagieren Sie auf Bewegung? Migräne: Besserung in dunkler Umgebung, Bewegung verstärkt den Schmerz. Spannungskopfschmerz: Bewegung oft hilfreich.
Akuttherapie und Prophylaxe
Die Akuttherapie der Migräne umfasst v. a. nicht steroidale Antirheumatika (NSAR), wie Ibuprofen oder Diclofenac, sowie spezifische Migränemedikamente aus der Gruppe der Triptane (z. B. Sumatriptan oral oder subkutan). Begleitend kann die Behandlung von Übelkeit und Erbrechen mit Antiemetika wie Metoclopramid erforderlich sein. Eine problematische Nebenwirkung der wiederholten Analgetikatherapie ist der medikamentenassoziierte Kopfschmerz, weshalb Aufklärung und ein strukturiertes Vorgehen mit einem möglichst sparsamen Analgetikaeinsatz essenziell ist. Generell wird empfohlen, Akutanalgetika wie Ibuprofen nicht häufiger als an zehn Tagen im Monat einzunehmen, Triptane noch seltener. Neben der Akuttherapie spielen prophylaktische Maßnahmen eine entscheidende Rolle, insbesondere bei häufigen oder schweren Verläufen. Hierzu zählen nicht pharmakologische Ansätze wie eine Lebensstilmodifikation sowie die medikamentöse Prophylaxe mit Betablockern, Antikonvulsiva, Antidepressiva, Calciumkanalantagonisten oder mit monoklonalen Antikörpern gegen das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP). Bei chronischer Verlaufsform ist auch eine Behandlung mit Botulinumtoxin möglich.
Eine erfolgreiche Prophylaxe sollte zu einer mindestens 50%igen Reduktion der Kopfschmerztage führen. Dies lässt sich anhand validierter Instrumente wie dem „Migraine Disability Assessment”-(MIDAS-)Fragebogen der eine Verbesserung von mindestens 30 % erfordert, oder dem Headache Impact Test (HIT-6), der eine Reduktion um mindestens fünf Punkte als klinisch relevant definiert, objektivieren. Die Indikation für eine Migräneprophylaxe ergibt sich insbesondere bei Patienten mit hohem Leidensdruck, selbst wenn die Attackenfrequenz niedrig ist. Bereits eine Migräneattacke einmal pro Monat kann ausreichen, wenn die individuelle Belastung erheblich ist. Darüber hinaus ist eine Prophylaxe zu erwägen, wenn die Attackenfrequenz drei bis fünf pro Monat übersteigt, ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz droht oder die Wirksamkeit der Akuttherapie unzureichend ist. Medikamenteninduzierte Kopfschmerzen treten typischerweise auf, wenn Analgetika wie z. B. NSAR an mehr als zehn Tagen pro Monat oder Triptane an mehr als fünf Tagen eingenommen werden. Die pathophysiologischen Mechanismen sind noch nicht abschließend geklärt, jedoch scheint eine Entzugssymptomatik durch wiederholte Medikamenteneinnahme eine Rolle zu spielen. In schweren Fällen kann ein stationärer Entzug erforderlich sein. Weitere Indikationen für eine Prophylaxe sind Migräneattacken, die >72 Stunden andauern, ein mangelndes Ansprechen auf empfohlene Akuttherapeutika oder eine schlechte Verträglichkeit dieser Medikamente, etwa gastrointestinale Nebenwirkungen bei NSAR oder starke Sedierung bei Triptanen. Ebenso ist eine Prophylaxe angezeigt, wenn die Attacken mit belastenden Aura-Symptomen wie bei der hemiplegischen Migräne oder mit erhöhter Schlaganfallgefahr, etwa nach einem migränösen Infarkt, einhergehen. Die leitlinienkonforme pharmakologische Prophylaxe umfasst Antikonvulsiva, Antidepressiva, Calciumkanalantagonisten oder Betablocker. Im gegebenen Kontext liegt der Fokus jedoch auf alternativen, nicht pharmakologischen Präventionsstrategien, insbesondere auf orthomolekularen Ansätzen. Deren potenzielle Wirksamkeit und Implementierung werden im Folgenden diskutiert.
Orthomolekulare Prophylaxe: Coenzym Q10 und andere Mikronährstoffe
Die Migräne wird unter anderem mit einer beeinträchtigten mitochondrialen Funktion im Gehirn in Verbindung gebracht. Im Rahmen der orthomolekularen Prophylaxe werden Mikronährstoffe gezielt eingesetzt, um die Widerstandsfähigkeit des Gehirns gegenüber Migräneattacken zu erhöhen. Besonders relevant sind hierbei Magnesium, Riboflavin (Vitamin B2) und Coenzym Q10, die jeweils essenzielle Aufgaben in der mitochondrialen Energieproduktion erfüllen.
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Magnesium
Magnesium nimmt eine Schlüsselrolle ein, da es als direkter Stabilisator verschiedener Prozesse der Atmungskette fungiert. Studien mit dem Einsatz von Magnetresonanzspektroskopie zeigten, dass die Magnesiumkonzentration in bestimmten Hirnregionen bei Patienten mit Migräne variiert. Magnesiumionen (Mg2+) spielen eine zentrale Rolle in der zellulären Energiehomöostase und sind essenziell für zahlreiche enzymatische Prozesse, insbesondere im Kontext der mitochondrialen Funktion. In Geweben mit mitochondrialer Dysfunktion ist eine Verringerung des zytosolischen freien Mg²⁺ eine unmittelbare Folge des bioenergetischen Defizits, da die Homöostase dieses Kations eng mit der Verfügbarkeit von Adenosintriphosphat (ATP) verknüpft ist. In der Pathophysiologie primärer Kopfschmerzerkrankungen wie Migräne und Clusterkopfschmerz wurde eine Reduktion sowohl des zytosolischen freien Mg²⁺ als auch der durch ATP-Hydrolyse freigesetzten Energie beobachtet. Diese Befunde deuten auf eine gestörte zelluläre Energieversorgung in betroffenen neuronalen Netzwerken hin, was mit bekannten Störungen des mitochondrialen Metabolismus bei diesen Erkrankungen übereinstimmt. Die Dysregulation von Mg²⁺ könnte daher nicht nur eine Konsequenz des bioenergetischen Defizits darstellen, sondern auch pathophysiologisch zur Sensibilisierung neuronaler Strukturen und somit zur Schmerzentstehung beitragen. Insbesondere bei Migräne mit Aura und hemiplegischer Migräne konnte eine signifikant verringerte Magnesiumkonzentration festgestellt werden. Die prophylaktische Gabe von oralem Magnesium sowie die Akuttherapie mit hochdosiertem intravenösen Magnesium sind wirksam. Aufgrund seiner zentralen Rolle in der Pathophysiologie der Migräne stellt Magnesium eine einfache, kostengünstige, sichere und gut verträgliche Behandlungsoption dar. In einer prospektiven, multizentrischen, placebokontrollierten und doppelblinden randomisierten Studie mit 81 Patienten wurde über einen Zeitraum von 16 Wochen der Effekt von Magnesium auf die Migränehäufigkeit untersucht. Nach einer vierwöchigen Baseline-Phase folgte eine zwölfwöchige Interventionsphase, in der die Teilnehmer täglich 600 mg (24 mmol) Trimagnesiumdicitrat oder Placebo erhielten. In der Magnesiumgruppe nahm die Anfallshäufigkeit signifikant um 41,6 % ab, während die Reduktion unter Placebo 15,8 % betrug. Zudem verringerte sich die Anzahl der Tage, an denen eine Akutmedikation erforderlich war, deutlich. Vergleichsstudien zeigten zudem, dass Magnesium eine eigenständige therapeutische Wirkung hat, ein additiver Effekt auf Valproat konnte nicht nachgewiesen werden. Durch den membranstabilisierenden Effekt und den dadurch bedingten Einfluss auf die Erregungsleitung der Nerven können Magnesiumdefizite bei der Pathogenese von Migräneanfällen eine wichtige Rolle spielen. Migränepatienten weisen häufig einen suboptimalen Magnesiumstatus auf und sprechen gut auf eine Supplementierung an.
Riboflavin (Vitamin B2)
Ein weiterer wichtiger Faktor für die mitochondriale Funktion ist Riboflavin, das für die Stabilisierung der Atmungskette notwendig ist. Retrospektive Studien haben gezeigt, dass niedrige Riboflavinspiegel mit einer höheren Migräneausprägung assoziiert sind. In einer retrospektiven Studie mit 154 Kindern wurden über einen Zeitraum von drei Jahren die Merkmale und das Therapieansprechen bei chronischen täglichen Kopfschmerzen untersucht. Bei den 19 Patienten mit Migräne lag der durchschnittliche Riboflavinspiegel bei 8,1 nM/l wobei davon zehn Patienten Werte <6,2 nM/l aufwiesen. Ein signifikanter Anteil der untersuchten Kinder zeigte somit erniedrigte Riboflavinwerte, was auf einen möglichen kausalen Zusammenhang zwischen Riboflavinmangel und Migräne hinweist. In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie mit 55 Patienten wurde über drei Monate die Wirkung von täglich 400 mg Riboflavin auf Migräne untersucht. Im Vergleich zur Kontrollgruppe führte die Riboflavinbehandlung zu einer signifikanten Reduktion der Anfallshäufigkeit und einer Verringerung der Schwere der Attacken. Vitamin B2 (Riboflavin) ruft eine unbedenkliche Gelbfärbung des Urins hervor.
Coenzym Q10: Ein Schlüsselelement in der Migräneprophylaxe
Coenzym Q10, ein essenzieller Bestandteil der mitochondrialen Atmungskette, hat in klinischen Studien ebenfalls vielversprechende Ergebnisse gezeigt. In einer randomisierten, kontrollierten Studie mit 42 Patienten wurde über drei Monate die Wirkung von 300 mg Coenzym Q10 täglich auf die Migräne untersucht. Im Vergleich zur Placebogruppe führte die Behandlung zu einer signifikanten Reduktion der Anfallshäufigkeit, zu einer Verkürzung der Migränedauer sowie zu einer Verringerung der Intensität der Migräneanfälle. Zudem zeigte sich eine Verbesserung der Lebensqualität. Coenzym Q10 wurde gut vertragen - ohne schwerwiegende Nebenwirkungen.
Eine weitere Studie, vorgestellt von Dr. Peter Sandor von der Universität Zürich bei der Jahrestagung der American Academy of Neurology in San Francisco, untersuchte die Wirkung von Coenzym Q10 in einer doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studie. Mit dem Q10-Präparat nahm die Attackenhäufigkeit von durchschnittlich 4,4 auf 3,2 pro Monat ab, in der Placebogruppe änderte sich nichts. Auch die Zahl der Kopfschmerz-Tage sowie die mit Übelkeit wurden mit dem Präparat reduziert. Jeder zweite der Verumgruppe war Responder, in der Placebogruppe nur 14 Prozent. Es wird vermutet, dass eine Abnahme der Energiereserve in Mitochondrien einer der Gründe für Migräneattacken sein könnte, so Sandor. Das Coenzym Q10 könnte diese Energiereserven auffüllen.
In einer offenen, nicht randomisierten Beobachtungsstudie mit 155 pädiatrischen Patienten und jungen Erwachsenen (drei bis 22 Jahre) wurde über drei Monate der Zusammenhang zwischen Coenzym-Q10-Mangel und Migräne sowie die Wirkung einer gezielten Supplementierung untersucht. Die Patienten erhielten 1 bis 3 mg/kg Coenzym Q10 täglich. Bei 32,9 % der Teilnehmer lagen die Coenzym-Q10-Werte unterhalb des Referenzbereiches. Unter der Supplementierung zeigte sich eine Reduktion der Frequenz, Dauer und Intensität der Attacken.
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Coenzym Q10 (CoQ10) schützt die Zellen vor freien Radikalen. Zudem wird es für die Bildung von Adenosintriphosphat (ATP) benötigt, dem Hauptenergieträger jeder Körperzelle. Besonders Organe mit hohem Energiebedarf (Herz, Muskulatur, Leber, Gehirn) sind auf ausreichend CoQ10 angewiesen. In kleinen Mengen ist es in verschiedenen Lebensmitteln enthalten. Über die Ernährung allein lässt sich der Bedarf jedoch meist nicht ausreichend decken. Zudem sinkt ab dem 40. Lebensjahr die körpereigene CoQ10-Synthese. Eine erhöhte Indikation besteht v. a. bei Senioren, hoher (oxidativer) Stressbelastung, psychiatrischen, neurologischen und kardiovaskulären Leiden.
Warum Q10 so viel Aufmerksamkeit verdient
Coenzym Q10, auch bekannt als Ubichinon (oxidierte Form) bzw. Ubichinol (reduzierte Form), ist ein vitaminähnlicher, fettlöslicher Stoff, der in jeder Zelle des menschlichen Körpers vorkommt. Es spielt eine zentrale Rolle in der Energieproduktion in den Mitochondrien - den „Kraftwerken“ der Zellen - und wirkt gleichzeitig als starkes Antioxidans, das Zellschäden durch freie Radikale verhindert. Obwohl unser Körper Q10 selbst synthetisieren kann, nimmt diese Fähigkeit mit dem Alter, bei bestimmten Erkrankungen und unter Einfluss einiger Medikamente deutlich ab.
Studien deuten darauf hin, dass ein Q10-Mangel - insbesondere in den Mitochondrien der Nervenzellen - mit einer erhöhten Anfälligkeit für Migräne einhergehen kann.
Kombinationstherapie mit Migravent®
Die kombinierte Anwendung von Magnesium (600 mg), Riboflavin (400 mg) und Coenzym Q10 (150 mg) wurde ebenfalls untersucht. In einer randomisierten, placebokontrollierten, doppelblinden Studie mit 130 Teilnehmenden zeigte sich eine signifikante Reduktion der Schmerzintensität und der Zahl schwerer Migräneattacken. Die Mikronährstoffkombination war gut verträglich und zeigte keine gravierenden Unverträglichkeiten.
Migränepatient*innen haben sehr häufig einen Mangel an Magnesium, Vitamin B2 (Riboflavin) und Coenzym Q10. Die Nervenzellen benötigen für ihre anspruchsvollen Aufgaben besonders viel Energie, die sie in den Mitochondrien gewinnen. Aktuelle Studien zeigen, dass die Entstehung der Migräne mit einer Störung des Energiestoffwechsels des Gehirns einhergehen kann. Damit verbunden ist eine Abnahme der ATP-Konzentration - des zentralen Energieträgers im Stoffwechselprozess. Dies kann Migräneattacken auslösen. Die ATP-Bildung (ATP = Adenosintriphosphat) erfolgt über eine Kette von 5 nacheinander ablaufenden komplizierten biochemischen Prozessen.
Die Ergebnisse einer Studie mit Migravent® zeigten, dass die einzigartige Mikronährstoff-Kombination die Migränesymptome deutlich und signifikant reduziert, bei signifikanter Verbesserung der Lebensqualität. An der placebo-kontrollierten Doppelblindstudie nahmen 130 Patienten im Alter zwischen 18 bis 65 Jahren teil. Sie erhielten täglich über drei Monate entweder ein Scheinpräparat (Placebo) oder 2×2 Kapseln des Wirkstoffs. Die Studie zeigt, dass eine Behandlung mit hochdosiertem Magnesium, Riboflavin und Coenzym Q10 die Ausprägung von Migränesymptomen gegenüber Placebo deutlich und signifikant senkt und damit die Lebensqualität erhöht. Der Vorteil dieser Kombination ist neben der natürlichen Zusammensetzung die gute Verträglichkeit, Gegenanzeigen bestehen nicht. Somit ist die Wirkstoffkombination eine interessante Therapiemöglichkeit für Patienten, die primär eine natürliche Migräneprophylaxe einsetzen möchten.
Die Studie wurde von Migräneärzten aus Deutschland durchgeführt, die die Wirksamkeit einer 3er Kombination aus hochdosiertem Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 bei Migräne nachweisen konnten. Die international publizierte Studie* zeigt, dass die einzigartige Mikronährstoff-Kombination die Migränesymptome deutlich und signifikant reduziert, bei signifikanter Verbesserung der Lebensqualität. An der placebo-kontrollierten Doppelblindstudie nahmen 130 Patienten im Alter zwischen 18 bis 65 Jahren teil. Sie erhielten täglich über drei Monate entweder ein Scheinpräparat (Placebo) oder 2×2 Kapseln des Wirkstoffs.
Weitere Studien und Forschungsergebnisse
Dr. Shoeibi und Kollegen von der iranischen Mashhad University of Medical Science (2017) untersuchten den Beitrag von Coenzym Q10 systematischer bei erwachsenen Patienten. 80 Patienten mit nach den Kriterien der internationalen Kopfschmerz-Gesellschaft diagnostizierter Migräne nahmen teil. Sie sollten entweder ihre übliche Präventionsmedikation alleine einnehmen, oder wurden einer zusätzlichen Einnahme von täglich 100 mg Coenzym Q10 zugeordnet. 36 Patienten nahmen Coenzym Q10 ein, 37 Patienten dienten als Kontrolle. Die Anzahl der Anfälle pro Monat fiel in der Nahrungsergänzungs-Gruppe um 1,6, im Vergleich zu 0,5 in der Kontrollgruppe. Mit der zusätzlichen Aufnahme des Coenzyms litten die Patienten also jeden Monat unter einer Migräneattacke weniger. Auch die Stärke der Attacken war geringer mit Einnahme von Coenzym Q10. Um eine 50%ige Reduktion der monatlichen Anfallshäufigkeit zu erreichen, waren rein rechnerisch 1,6 Behandlungen nötig. Die Studie legt damit nahe, dass das Nahrungsergänzungsmittel Coenzym Q10 nebenwirkungsarm die Häufigkeit, Dauer und Schwere von Migräneattacken positiv beeinflussen kann. Die Coenzym Q10 Dosierung in handelsüblichen Kapseln ist typischerweise ungefähr 100 mg. Nach einer anderen Studie schwanken die Inhalte der käuflich erhältlichen Kapseln zwar recht stark. Im Prinzip entspricht dies aber der Dosis, die in dieser Studie eingesetzt wurde. Nach den Angaben des deutschen Bundesministeriums für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit kann diese Menge bedenkenlos als Nahrungsergänzung von nicht schwangeren oder stillenden Erwachsenen eingenommen werden.
In einer Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie wurde die Wirksamkeit einer fixen Kombination aus Magnesium, Vitamin B2, Coenzym Q10 und weiteren Vitaminen und Mineralstoffen an 150 Migränepatientinnen mit und ohne Aura untersucht. Die Studienteilnehmerinnen nahmen über drei Monate entweder das Prüfpräparat (Verum) oder ein Scheinpräparat (Placebo) ein. Weder Arzt/Ärztin noch Patientin wussten, welches Präparat die Teilnehmenden erhielten (doppelblindes Design). Die Dosierung betrug zweimal täglich zwei Kapseln. Teilnehmen konnten Patientinnen, die mindestens drei Migräneattacken pro Monat hatten. Magnesium ist ein wichtiger Mineralstoff, der sich in der Migräneprophylaxe bewährt hat. Coenzym Q10 ist ein lebenswichtiger Baustein in den Mitochondrien jeder Zelle. In einem Online-Tagebuch dokumentierten die Studienteilnehmer*innen den Verlauf der Migräne (Auslöser, Dauer, Intensität), Begleitsymptome und den Bedarf an Akut-Medikamenten.
Taurin und Serotonin
Der Serotoninspiegel steht in engem Zusammenhang mit dem Schmerzempfinden. Häufig können Migräneattacken und Spannungskopfschmerzen direkt mit erniedrigten Serotoninwerten bei den betroffenen Patienten in Verbindung gebracht werden. Die schwefelhaltige Aminosäure Taurin ist durch ihre ausgeprägten antioxidativen Eigenschaften für ihre stabilisierende und schützende Wirkung auf Nervenmembranen bekannt. Von besonderer Bedeutung ist Taurin durch seine analgetische Wirkung. Diese beruht auf einem regulatorischen Effekt bezüglich der intrazellulären Calciumhomöostasis, die mit der Schmerzwahrnehmung in Zusammenhang steht.
Nicht pharmakologische Migräneprophylaxe
Zu den etablierten nicht medikamentösen Maßnahmen in der Migräneprophylaxe gehören Beratungsgespräche, Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, regelmäßiges aerobes Ausdauertraining sowie kognitive Verhaltenstherapie, Biofeedbacktherapie und weitere Ansätze.