Neurologische Störungen bei Kindern umfassen ein breites Spektrum von Erkrankungen, die das Nervensystem betreffen. Da das Nervensystem viele unterschiedliche Aufgaben im Körper wahrnimmt, können sich diese Störungen auf vielfältige Weise äußern. Dieser Artikel beleuchtet die Symptome, Ursachen und Behandlungsansätze neurologischer Störungen bei Kindern, um Eltern und Betroffenen ein besseres Verständnis dieser komplexen Erkrankungen zu ermöglichen.
Symptome neurologischer Erkrankungen bei Kindern
Ein sehr häufiges Symptom neurologischer Erkrankungen sind epileptische Anfälle. Da unser Nervensystem jedoch viele unterschiedliche Aufgaben im Körper wahrnimmt, können auch andere Symptome ein Hinweis auf eine neurologische Erkrankung sein. Hierbei handelt es sich z.B. um:
- Störungen der geistigen Entwicklung
- Eine gestörte Geh- und Greiffunktion
- Lähmungen
Funktionelle Neurologische Störungen (FNS)
Was sind FNS?
Funktionelle neurologische Störungen (FNS), früher auch Konversionsstörungen genannt, sind ein besonderes Gebiet innerhalb der Neurologie. Sie wirken oft rätselhaft, da sie neurologischen Erkrankungen ähneln, aber selbst nach gründlicher Diagnostik ohne pathologischen Befund bleiben. Das bedeutet, dass Gehirn und Organe strukturell intakt sind, die Betroffenen aber dennoch unter echten Symptomen und schweren Beeinträchtigungen leiden.
Der neue Ratgeber zu Konversionsstörungen trägt den Titel «Rätselhafte neurologische Symptome». “Rätselhafte neurologische Symptome” beschreibt ein breites Spektrum von eindrücklichen körperlichen Beschwerden. Sie sehen wie eine neurologische Erkrankung aus, sind aber keine neurologische Erkrankung. Sie teilen als gemeinsames Merkmal, dass alle medizinischen Untersuchungen ohne greifbaren, auffälligen Befund bleiben. Biologisch gesehen scheint alles in Ordnung zu sein. Laboruntersuchen, Bildgebungen und weitere medizinische Diagnostik liefern immer nur Normalbefunde. Auf der anderen Seite leiden die Betroffenen unter echten Symptomen und schweren Beeinträchtigungen. Das macht sie so rätselhaft.
Symptome von FNS
Funktionelle neurologische Störungen nehmen in aller Regel die Form von Bewegungsstörungen, Lähmungen, Wahrnehmungsstörungen oder Anfällen an:
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- Bewegungsstörungen: Dazu zählt zum Beispiel ein unwillkürliches Zittern (Tremor) in der Hand oder einzelnen Fingern, das nur schwer zu kontrollieren ist. Es kann in der Intensität und Geschwindigkeit variieren. Es kann weniger werden, wenn man sich ablenkt oder das Zittern mit der gesunden Hand mitmacht. Andere Betroffene entwickeln Zuckungen (Myoklonien) oder Verkrampfungen (Dystonien). Häufiger sind Veränderungen im Gangbild (z. B. ein „schleifender“ Gang oder ein „Gehen wie auf Eis“).
- Lähmungserscheinungen: Betroffene erleben eine ausgeprägte Schwäche im Arm oder Bein. Die Knie können plötzlich einknicken bis hin zu einem Kraftverlust und Kollabieren. Und das alles bei ganz intakten Nervenleitungen.
- Anfälle: Diese können auf den ersten Blick wie epileptische Anfälle aussehen. Unkontrollierte Bewegungsmuster in Armen und Beinen, im Gesicht, den Augen oder dem Mund. Sie können den gesamten Körper erfassen. Das Bewusstsein verändert sich dabei und die Ansprechbarkeit vermindert sich oder fehlt komplett. Der entscheidende Unterschied zwischen funktionellen und epileptischen Anfällen allerdings: Wenn Ärzt*innen die Gelegenheit haben, während eines funktionellen Anfalls mit einem EEG die Hirnströme abzuleiten, so sehen diese komplett gesund aus! In der Fachsprache nennt man die epileptischen Anfälle auch cerebrale Anfälle; die funktionellen Anfälle werden heute als dissoziative Anfälle bezeichnet. Ältere Bezeichnungen, die teilweise immer noch im Gebrauch sind, lauten nicht-epileptische oder psychogene Anfälle. Die gute Botschaft: Dissoziative Anfälle richten keinerlei Schaden im Gehirn an. Ist der Anfall vorbei, ist alles wieder in Ordnung wie vor dem Anfall. Man muss nur aufpassen, dass man sich nicht durch einen Sturz verletzt. Man braucht keinen Notarzt, keine Notärztin, sondern wartet ab, bis der Anfall sich wieder von selbst beendet.
- Wahrnehmungsstörungen: Sie können verschiedene Sinnesorgane betreffen. Taubheitsgefühle im Tastsinn auf der Haut, teilweiser oder vollständiger Sehverlust oder Doppelbilder beim Sehen, aber auch übermäßige Lichtempfindlichkeit, subjektive Störungen des Riechempfindens oder Hörstörungen sind möglich. Auch hier fehlen in aller Regel auffällige Befunde sowohl bei der Untersuchung des Nervensystems wie des betroffenen Sinnesorgans.
Ursachen von FNS
Wir gehen heute davon aus, dass FNS-Symptome aus dem Zusammenspiel angeborener, leicht anspringender Schutz-/Alarmprogramme und psychischen bzw. sozialen Belastungsfaktoren entstehen. Dabei wirken biologische Veranlagung, erlebte Traumata oder gegenwärtige Belastungen oder absehbare, zukünftige Bedrohungen, andauernde Konflikte und aktuelle Stressoren zusammen. Die seelischen Faktoren senken die Schwelle für die Auslösung der Alarmprogramme und letztlich der funktionellen Symptome. Folgende Bedingungen und Mechanismen können individuell in unterschiedlicher Weise beteiligt sein:
- Angeborene Schutzprogramme: Über die Evolution entwickelten sich im Nervensystem Alarmreaktionen (Flucht, Kampf, aber eben auch Schreckstarre, Einfrieren, Veränderungen im Muskeltonus). Die Schwellen zur Auslösung sind bei manchen Kindern niedriger und sensibler ausgebildet. Der “Radarschirm” für Gefahr springt sehr viel leichter an und löst eine Abfolge von körperlichen Folgereaktionen im Organismus aus. Wenn der Radar immer wieder aktiviert wird, kann er in einen Bereitschaftsmodus übergehen. Manchmal braucht es dann nur einen minimalen Trigger, den man gar nicht mehr mitbekommt.
- Lebensgeschichte und Belastungsfaktoren: Belastende Erfahrungen, ungelöste Konflikte, chronische zwischenmenschliche Spannungen oder Zukunftssorgen, die sich am Horizont abzeichnen, können das Alarmsystem „unter Strom setzen“. Es sorgt dafür, vorbereitet und gewappnet zu sein, wenn eine schon einmal erlebte schlechte Erfahrung wieder neu auftauchen könnte. Es ist ständig auf der Hut. Ein sensibles Alarmsystem meint es also eigentlich gut mit dem Kind. Es will es vor Bedrohungen oder erneuter seelischer Verletzung schützen. Aber: Seelischer Stress findet so Eingang in die Verdrahtungen des Nervensystems und damit dessen Kommunikation mit dem Bewegungsapparat oder den Sinnesorganen. Keine Laboruntersuchung und keine Bildaufnahme des Gehirns können solche veränderten Verschaltungen aufspüren und abbilden. Trotzdem wirken sie.
- Dissoziation: Fachleute zählen die FNS zu den sogenannten dissoziativen Störungen. Dissoziation bedeutet Entkopplung. Hier geht es um die Entkoppelung von einzelnen Gehirnbereichen oder bei Bewegungsstörungen oder Lähmungserscheinungen um die Entkoppelung zwischen dem Gehirn und der Muskulatur. Das gelähmte Bein ist für sich gesehen vollkommen gesund. Aber die Muskulatur im Bein ist entkoppelt, also dissoziiert vom Gehirn. Einfach gesprochen: Das Bein macht sein eigenes Ding und das Gehirn auch. Das Gehirn sagt dem Bein: „Steig die Treppe hoch“. Das Bein nimmt die Botschaft aber nur bruchstückhaft oder nur mit maximaler Kraftanstrengung auf. Die Übertragung der Signale funktioniert nicht mehr flüssig. Sehr bildlich gesprochen wie die beeinträchtigte Signalübertragung am Handy bei schlechtem WLAN.
Behandlungsansätze bei FNS
Das Buch erläutert die vielen unterschiedlichen Behandlungsansätze bei FNS. Krankengymnastik (Physiotherapie), mentale Vorstellungsübungen, Psychotherapie, Teilearbeit setzen auf ganz unterschiedlichen Ebenen an.
Ja, Dissoziation ist wie eine schlecht funktionierende, große Firma. Das Management (bei FNS: das Gehirn) schreibt ständig neue, ausführliche Pläne für die Ausführung der Arbeiten in der Werkshalle. Aber es schickt diese nicht verständlich zu den Mitarbeitenden in die Produktion. Die Pläne kreisen allein im Management umher und finden nicht den Weg zu den Leuten, die die Pläne handwerklich ausführen sollen. Die Mitarbeiterinnen in der Produktion (bei FNS: die Beine, die Hände, die Sinnesorgane) haben es ihrerseits mittlerweile aufgegeben, beim Management noch nachzufragen, sie bekommen sowieso keine klaren Anleitungen. Die Mitarbeitenden in der Werkshalle wirken wie „gelähmt“, machen „sinnlose Bewegungen“ und „sehen nicht mehr klar“. Die Produktion gerät zunehmend ins Stocken. Das Management ist nur mit sich selbst beschäftigt. Die Firma (bei FNS: der ganze Organismus) arbeitet unkoordiniert. Mittlerweile sind alle in heller Aufruhr. So kann es nicht weitergehen! Überall treten Folgeprobleme auf: Die Kundinnen (bei FNS: die Lehrerinnen, Nachbarinnen und Verwandten) fragen verwundert, was denn los sei. Man hat keine schlüssige Antwort parat. Innerhalb der Firma ärgert sich jeder über die jeweils andere Seite und fühlt sich unverstanden. Arbeitsplätze sind in Gefahr (bei FNS: der Schulbesuch gestaltet sich schwierig und die Versetzung ist gefährdet). Bei einer Betriebsversammlung kommt man zu der Einsicht: Alle Teile der Firma (bei FNS: des Organismus) sollten mal miteinander reden und ihre Kommunikationskanäle wieder öffnen und auf Trab bringen. Dann wäre die Entkoppelung (die Dissoziation) überwunden und die Firma könnte wieder wie aus einem Guss als Ganzes handeln.
Auswirkungen von FNS auf den Alltag
Das Buch richtet sich gleichermaßen an betroffene Kinder wie an ihre Bezugspersonen. Über die konkreten körperlichen Symptome und Einschränkungen hinaus ergeben sich auf den unterschiedlichsten Ebenen belastende Lebensveränderungen: Schulausfall, soziale Isolation, Stigmatisierung, Unsicherheit und vielleicht auch Uneinigkeit in der Familie, Sorgen über die weitere Entwicklung der FNS, erzieherische Verunsicherung, emotionale Belastung und vieles mehr:
- Alltag und Mobilität: Funktionelle Lähmungen oder Gangstörungen erschweren selbstständige Bewegung, Sportteilnahme und den Schulweg; dies kann zu längerer Abwesenheit oder Fehlzeiten führen und damit Entwicklungs- und Lernrückstände mit sich bringen.
- Beschäftigung und Rollen: Familien müssen Pflege- und Begleitaufgaben übernehmen; berufliche Einschränkungen für die Eltern, Meinungsverschiedenheiten über die richtige Behandlung innerhalb der Familie, aber auch mit Ärztinnen und Therapeutinnen.
- Soziale Wahrnehmung: Mitschüler*innen und Gleichaltrige reagieren mit Neugier, Mitgefühl oder Ablehnung; das Kind kann sich zurückziehen, peinlich berührt sein oder in eine ungute Sonderrolle in der Klasse geraten.
- Emotionale Folgen: Angst vor Anfällen oder Stürzen, gedrückte Stimmung bis depressive Reaktionen, Schlaf- und Schmerzprobleme und erhöhte Spannungen in der Familie sind häufige Begleiterscheinungen. Eltern fragen sich, wie sie „richtig“ bei auftretenden Symptomen wie zum Beispiel Anfällen in der Öffentlichkeit reagieren sollen. Das Thema FNS kann die Lösung anderer wichtiger Themen in der Familie in den Hintergrund drücken.
Umgang mit FNS im Alltag
Für Eltern ist die Diagnose FNS und das Leben damit oft sehr herausfordernd. Jedes Kind, jede Familie ist anders. Jeder geht anders mit der Situation um. Das ist zunächst gut und richtig so und verdient Respekt. Gleichwohl lassen sich einige allgemeine Empfehlungen formulieren, deren Umsetzung sich als sinnvoll herausgestellt haben:
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- Sorgfältige medizinische Abklärung und offene Kommunikation mit den Fachleuten. Es gibt keine „dummen Fragen“ an die Fachleute. Alles darf gefragt werden. Wiederholungsuntersuchungen zur inneren Beruhigung aus Angst vor einer unentdeckten, schweren Erkrankung sollte man jedoch in Grenzen halten. Mögliche Sorgen vor einer übersehenen Grunderkrankung offen anzusprechen, führt weiter als ein „doctor shopping“ von einem Arzt zum anderen oder von einer Untersuchung zur nächsten. Da dreht man sich schnell im Kreise und die Hoffnung auf grundlegende Beruhigung wird faktisch doch nicht eingelöst, sondern nur kurzfristig vertagt.
- Alltagsstruktur bewahren: So weit wie möglich Schule, Alltagsroutinen und soziale Aktivitäten beibehalten - je länger Betroffene aus ihren früheren Routinen und Gewohnheiten aussteigen, desto schwerer wird später der Wiedereinstieg. Viele Schwierigkeiten im Alltag kann man übrigens „lösungsorientiert“ schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt angehen, auch wenn man die Diagnose noch nicht richtig verstanden oder emotional verdaut hat.
- Physiotherapie und mentales Training: Krankengymnastik und Vorstellungsübungen sind konkrete, wirksame Maßnahmen, um motorische Funktionen Schritt für Schritt wiederherzustellen und Dissoziation zu überwinden.
- Psychotherapie suchen: Therapeutische Ansätze werden individuell angepasst; oft ist ein „multimodaler“ Mix aus verschiedenen Ansätzen sinnvoll. Mit den Therapeuten gemeinsam die vorrangigen persönlichen Ziele identifizieren und vereinbaren. Offen an die Therapeuten zurückmelden, wenn Sie ein Störgefühl bei bestimmten Methoden haben.
- Eltern-Team bilden: Eine beiderseitig respektvolle Abstimmung zwischen den Elternteilen über das Grundverständnis und das therapeutische Vorgehen ist wichtig, nicht zuletzt, um dem Kind das Gefühl zu ersparen, zwischen den Stühlen zu sitzen.
- Umgang mit Zweifeln: Zweifel an so „rätselhaften Störungen“ sind normal. Da ist es hilfreich, manche verbleibende Unsicherheit partnerschaftlich einfach zusammen auszuhalten. Man kommt in einen Prozess, immer tiefer zu verstehen und weiter zu lernen. Man wird Experte in eigener Sache. Man konzentriert sich pragmatisch auf die nächsten guten Schritte für die nähere Zukunft, manchmal zwei Schritte vorwärts und dann auch mal einen Schritt zurück.
- Kommunikation: Kommunikation ist ein wichtiges Thema - sowohl innerhalb der Familie als auch nach außen. Abgestimmte Sprachregelungen gegenüber Lehrerinnen, Verwandten, Kolleginnen usw. sind zentral. Informationen zum Störungsbild sollten so weit wie möglich wahr…
Periphere Neuropathien
Krankheiten der peripheren Nerven treten bei Kindern seltener als bei Erwachsenen auf. Sie können sehr verschiedene Ursachen haben. Akute para- sowie postinfektiöse Neuritiden und hereditäre Polyneuropathien machen jeweils etwa 1/3 der Gesamtzahl der Fälle aus. Klinisch manifestieren sich die peripheren Neuropathien mit Muskelschwäche, Verlust der Muskeleigenreflexe und Muskelatrophie. Sensibilitätsstörungen unterschiedlichen Ausmaßes können hinzutreten, wobei die Funktion der großen sensiblen Fasern (Berührung, Tiefensensibilität) meist mehr betroffen ist als die der kleinen (Schmerz, Temperatur). Im ausgeprägten Fall kann eine neuropathische Ataxie auftreten. Vegetative Funktionsstörungen im Bereich der Haut (Kälte, Hypohidrose), aber auch autonome Regulationsstörungen durch Beeinträchtigung von vegetativen Steuerfunktionen können hinzutreten. Bei Polyneuropathien ist die Symptomatik überwiegend symmetrisch ausgebildet und distal im Bereich vor allem der unteren Extremitäten betont.
Diagnostik
Die differenzialdiagnostische Aufarbeitung erfordert in jedem Fall eine detaillierte Anamnese (Familienanamnese - ggf. Untersuchung von Familienmitgliedern, Toxinbelastung) sowie klinische und elektrophysiologische Untersuchungen.
Hereditäre Polyneuropathien (PNP)
Die hereditären Polyneuropathien (PNP) gehören mit einer Prävalenz von 20-40/100.000 zu den häufigsten Erbkrankheiten. Sie sind jedoch genetisch, pathologisch und elektrophysiologisch heterogen. Unter dem Akronym CMT (Charcot-Marie-Tooth) sind inzwischen mehr als 70 Gene identifiziert worden, viele davon jedoch bislang nur in einzelnen Familien.
Die Klinik entspricht dem klassischen Charcot-Marie-Tooth-Syndrom (CMT) mit symmetrischer Schwäche und Atrophie der distalen Beinmuskeln (peroneale Muskelatrophie), Abschwächung der Muskeleigenreflexe und neurogenem Hohlfuß. Distale Sensibilitätsstörungen sind in der Regel gering ausgeprägt. Die Expression der Krankheit ist außerordentlich variabel. Meist manifestiert sie sich in den ersten zwei Lebensjahrzehnten mit Fußfehlstellung und Fußheberschwäche, selten Schmerzen im Bereich der Waden. Die Progredienz ist gering, diese Patienten werden meist nicht gehunfähig. Nach vielen Jahren kann sich die Symptomatik auf die Hand- und Oberschenkelmuskulatur ausdehnen. Viele Fälle bleiben bis ins höhere Alter nahezu symptomlos und werden erst im Rahmen einer Familienuntersuchung entdeckt.
Hereditäre sensorisch-autonome Neuropathien (HSAN)
Als hereditäre sensorisch-autonome Neuropathien (HSAN) wird eine Gruppe von extrem seltenen (2-3 % der chronischen Neuropathien im Kindesalter) hereditären Polyneuropathien klassifiziert, die klinisch in erster Linie durch distal betonte sensible Funktionsstörungen und evtl. autonome Symptome und nur durch allenfalls geringe motorische Störungen charakterisiert ist.
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Die autosomal-dominant vererbten HSAN1-Erkrankungen (HSAN1A-F) beginnen frühestens im 2. Lebensjahrzehnt und sind zu Beginn durch Störungen des Schmerz- und Temperatursinns charakterisiert. Später treten der Ausfall anderer sensibler Qualitäten und spontane Schmerzen hinzu. Die HSAN-Typen 2-5 werden autosomal-rezessiv vererbt und manifestieren sich bereits im Säuglingsalter.
Metabolische Polyneuropathien
Demyelinisierende oder auch neuroaxonale Polyneuropathien finden sich bei vielen neurometabolischen und neurodegenerativen Krankheiten. Zu den metabolischen Krankheiten mit im Vordergrund stehender Polyneuropathie gehören das Refsum-Syndrom und die Adrenomyeloneuropathie, die A(Bassen-Kornzweig)- und Hypo-Betalipoproteinämie, die An-Alphalipoproteinämie (Tangier) und die Vitamin-E-Malabsorption.
Vitaminmangelneuropathien
Vitaminmangelneuropathien kommen bei Fehlernährung, Resorptionsstörungen und parenteraler Ernährung durch Mangel des Vitamin-B-Komplexes (B1, B2, B6, B12) und von Vitamin E zustande. Die Prophylaxe und Behandlung besteht in der Therapie der Grundkrankheit und Substitution.
Toxische Polyneuropathien
Eine toxische Ursache ist bei chronischen Polyneuropathien immer zu erwägen. Diagnostische Hinweise geben die Anamnese und gezielte Laboruntersuchungen. Die periphere Neurotoxizität von Vincristin ist obligat und gilt als dosislimitierender Faktor. Aktuell und auch für das Kindes- und Jugendalter relevant sind Neuropathien als Folge des missbräuchlichen Schnüffelns von Lösungsmitteldämpfen.
Cerebralparesen (CP)
Cerebralparesen (CP) sind bedingt durch eine frühkindliche Hirnschädigung und führen zu Aktivitätseinschränkungen des Kindes. Diese können sehr mild ausgeprägt sein und beispielsweise nur zu einer leichten Auffälligkeit beim Gehen oder im Handgebrauch führen. Das Spektrum umfasst jedoch auch Kinder mit schweren motorischen Störungen, Beeinträchtigungen der Kommunikation, der geistigen Entwicklung sowie des Schluckens und somit der Ernährung. Oft tritt außerdem eine Epilepsie auf.
Ursachen
Der Begriff Cerebralparese beschreibt eine Gruppe von Erkrankungen. Deren Ursache ist eine Schädigung des Gehirns zu einem frühen, noch unreifen Zeitpunkt. Dieser kann in der Schwangerschaft, um den Geburtszeitpunkt herum oder in der Neugeborenenzeit liegen.
Symptome
Aufgrund der Unreife des Nervensystems zeigen sich bei Säuglingen häufig noch keine klaren Zeichen für das Vorliegen einer Cerebralparese. Bei diesen Kindern fällt erst in den ersten Lebensmonaten auf, dass sie zum Beispiel eine Körperseite weniger stark bewegen als die andere oder dass sie die Meilensteine der motorischen Entwicklung nicht altersgemäß erreichen. Im weiteren Verlauf kommen dann neurologische Symptome hinzu, die die Diagnose eindeutig machen: Eine reduzierte Muskelkraft, eine zu niedrige oder zu hohe Grundspannung in der Muskulatur (Muskeltonus), Schwierigkeiten im Sitzen, Stehen oder Gehen sowie ein eingeschränkter Hand- und Armgebrauch sind die häufigsten motorischen Zeichen. Andere Auffälligkeiten, wie eine beeinträchtigte Sprachentwicklung oder eine nicht altersgemäße geistige Entwicklung, können je nach Art der Cerebralparese hinzukommen.
Diagnostik
- der Krankengeschichte des Kindes mit Erfassung möglicher Risikofaktoren, zum Beispiel Frühgeburtlichkeit
- dem Befund einer ausführlichen entwicklungsneurologischen und neuroorthopädischen klinischen Untersuchung des Kindes
- der Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns zur Darstellung der zugrunde liegenden Hirnläsion.
Diese detaillierte Diagnostik verfolgt den Zweck, die Diagnose einer Cerebralparese zu sichern und andere Erkrankungen, die einer Cerebralparese nur ähneln, auszuschließen.
Diagnostische Verfahren
Bei Krankheiten des Nervensystems sind häufig umfangreiche Untersuchungen notwendig, um die genaue Ursache diagnostizieren zu können. Neben Blutuntersuchungen sind je nach Fragestellung z. B. noch eine Kernspintomografie des Gehirns, ein EEG (Elektroenzephalografie) oder vielleicht auch eine Nervenwasseruntersuchung (Lumbalpunktion) erforderlich. Für einige dieser Untersuchungen müssen kleine Kinder eine Kurznarkose erhalten. So ist zumindest im Beginn der Behandlung ein stationärer Aufenthalt manchmal nicht zu vermeiden.
Bildgebende und neurophysiologische Untersuchungsmethoden ermöglichen eine präzise und schnelle Diagnostik des neurologischen Krankheitsbildes. Neben der ausführlichen körperlichen Untersuchung werden nach Bedarf folgende Untersuchungen durchgeführt.
Therapieziele
Oberstes Therapieziel ist die vollständige Heilung des Patienten. Wenn diese nicht zu erreichen ist, weil die Schädigung des Nervensystems nicht vollständig zur Abheilung gebracht werden kann, wird versucht, die Beeinträchtigungen soweit zu vermindern, dass eine aktive Teilhabe am öffentlichen Leben, bei Kindern und Jugendlichen z. B. der Schulbesuch, möglich wird. In diesen Fällen muss oft in Zusammenarbeit mit dem Haus- oder Kinderarzt ein umfangreiches Therapiekonzept unter Verwendung von Medikamenten aber auch Übungsbehandlungen (Physiotherapie) und weiteren Fördermaßnahmen (Frühförderung, Ergotherapie, Sehschule) erstellt werden. Außerdem beraten wir bei der Beschaffung von Hilfsmitteln (Rollstuhl) sowie möglicher finanzieller und personeller Unterstützung (Pflegedienst).
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