Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das fast jeder Mensch im Laufe seines Lebens erfährt. Während gelegentliche Kopfschmerzen meist harmlos sind und mit einfachen Mitteln behandelt werden können, stellen chronische Kopfschmerzen, insbesondere Migräne, eine erhebliche Belastung für die Betroffenen und die Gesellschaft dar. Migräne ist eine der häufigsten und schmerzhaftesten Ursachen für chronische Kopfschmerzen. Laut Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. leiden ca. 10-15% der Bevölkerung an Migräne. Im Erwachsenenalter sind Frauen etwa dreimal häufiger betroffen als Männer.
Die Medizin geht davon aus, dass es durch bestimmte Auslöser, wie Stress, Krankheit etc., zu einem Energiemangel im Hirnstamm kommt. Dieser Energiemangel kann eine Kaskade von Ereignissen auslösen, die letztendlich zu einer Migräneattacke führen.
Migräne: Ursachen und Auswirkungen
Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die von einer Vielzahl von Symptomen begleitet sein kann. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Wiederkehrende, oft einseitige Kopfschmerzen
- Pulsierende Schmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
- Licht- und Geräuschempfindlichkeit
Diese Symptome können die Lebens- und Schlafqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen. Migräne kann zu Arbeitsunfähigkeit, sozialer Isolation und einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität führen.
Die Rolle von Coenzym Q10 bei Migräne
Coenzym Q10 (CoQ10) spielt eine Schlüsselrolle bei der zellulären Energieproduktion und ist ein zentrales Antioxidans in den Zellen. Es ist ein wichtiger Bestandteil der mitochondrialen Atmungskette, wo es Elektronen transportiert und somit die Produktion von Adenosintriphosphat (ATP) ermöglicht, der Hauptenergiequelle der Zelle. Die Energiebildung im Organismus ist somit sehr stark von Coenzym Q10 abhängig.
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CoQ10-Mangel bei Migränepatienten
Klinische Studien deuten darauf hin, dass bei Migräne der Coenzym-Q10-Status unter den normalen Werten liegt. Ein niedriger Q10- Spiegel kann zu einer Störung der ATP-Produktion führen, was wiederum die Funktion der Zellen beeinträchtigen und Migräneattacken auslösen kann. Vermutet werde, daß eine Abnahme der Energiereserve in Mitochondrien einer der Gründe für Migräneattacken sein könne, so Sandor. Das Coenzym Q10 könnte diese Energiereserven auffüllen.
CoQ10 als Therapieoption
Die Erkenntnis, dass Migränepatienten häufig einen CoQ10-Mangel aufweisen, hat zur Entwicklung von CoQ10-Supplementen als Therapieoption geführt. Mehrere Studien haben die Wirksamkeit von CoQ10 bei der Migräneprophylaxe untersucht.
Eine doppelblinde Placebo-kontrollierte Studie, die von Dr. Peter Sandor von der Universität Zürich bei der Jahrestagung der American Academy of Neurology in San Francisco vorgestellt wurde, zeigte vielversprechende Ergebnisse. Mit dem Q10-Präparat nahm die Attackenhäufigkeit von durchschnittlich 4,4 auf 3,2 pro Monat ab, in der Placebogruppe änderte sich nichts. Auch die Zahl der Kopfschmerz-Tage sowie die mit Übelkeit wurden mit dem Präparat reduziert. Jeder zweite der Verumgruppe war Responder, in der Placebogruppe nur 14 Prozent.
Eine weitere placebokontrollierte Doppelblindstudie bestätigte, dass die Nahrungsergänzung mit Coenzym Q10 bei Migräne nicht nur ein Placeboeffekt ist, sondern messbare Veränderungen im Körper bewirkt: Linderung der Symptome, die Abnahme des Migränemarkers CGRP sowie eines Entzündungsmarkers. Neurologe Prof. Hashemilar und Kollegen der Tabriz University of Medical Sciences im Iran untersuchten nun genauer, auf welche Entzündungsmarker im Körper die Nahrungsergänzung mit Coenzym Q10 einwirkt und ob auch der bisher einzig bekannte Migränemarker im Blut, das CGRP, davon beeinflusst wird. Die Blutkonzentration von CGRP, einem kleinen Eiweißstoff, ist typischerweise während einer Migräneattacke deutlich erhöht. Im Vergleich zum Vorbehandlungszeitraum und im Vergleich zur Placebogruppe bewirkte die Einnahme von Coenzym Q10 eine klare messbare Abnahme des Migränemarkers CGRP sowie des Entzündungsmarkers TNF-α. Auch die Menge an Coenzym Q10 im Blut nahm bei den Patientinnen der aktiven Behandlungsgruppe deutlich zu. Tatsächlich litten die Frauen, die Coenzym Q10 eingenommen hatten deutlich seltener unter Migräne. Diese Studie bestätigt damit frühere Untersuchungen über den Nutzen einer Nahrungsergänzung mit Coenzym Q10 zur ergänzenden Therapie von Migräne. Die Einnahme senkte die Häufigkeit und den Schweregrad der Attacken. Der Effekt der Nahrungsergänzung zeigte sich auch im Blutbild der Patientinnen mit gesenkter CGRP-Konzentration und reduzierter Entzündungsaktivität (TNF).
Eine Meta-Analyse von Sazali et al. (2021) kam zu dem Schluss, dass CoQ10 eine wirksame und sichere Option für die Migräneprophylaxe bei Erwachsenen sein kann.
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Dosierung und Anwendung
Die empfohlene Dosierung von CoQ10 zur Migräneprophylaxe variiert je nach Studie und individuellem Bedarf. In den meisten Studien wurden Dosierungen zwischen 100 und 300 mg pro Tag verwendet. Es ist ratsam, die Einnahme von CoQ10 mit einem Arzt oder Apotheker zu besprechen, um die optimale Dosierung und Anwendungsdauer festzulegen.
Weitere Vitalstoffe bei Migräne
Neben Coenzym Q10 gibt es weitere Vitalstoffe, die bei der Migräneprophylaxe eine Rolle spielen können.
Magnesium
Magnesium ist ein essenzielles Mineral, das an zahlreichen Stoffwechselprozessen beteiligt ist, einschließlich der Energieproduktion, Muskelkontraktion und Nervenfunktion. Durch den membranstabilisierenden Effekt und den dadurch bedingten Einfluss auf die Erregungsleitung der Nerven können Magnesiumdefizite bei der Pathogenese von Migräneanfällen eine wichtige Rolle spielen. Migränepatienten weisen häufig einen suboptimalen Magnesiumstatus auf und sprechen gut auf eine Supplementierung an. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Magnesium die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren kann.
Riboflavin (Vitamin B2)
Riboflavin ist ein wasserlösliches Vitamin, das eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel spielt. Es ist ein Vorläufer der Coenzyme FMN und FAD, die für die Funktion der Atmungskette unerlässlich sind. Klinische Studien mit 400 mg Riboflavin als Monosubstanz konnten die Wirksamkeit bei der Attackenreduktion in der generellen Migräne-Prophylaxe belegen. Eine Meta-Analyse von Chen et al. (2022) bestätigte die positive Wirkung von Riboflavin auf die Migräneprophylaxe.
Selen
Selen übernimmt eine Schlüsselrolle in der Abwehr Freier Radikale. Damit sie Freie Radikale eliminieren können, benötigt jedes für sich 4 Selen-Atome im Zentrum.
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Mutterkraut
Neben klassischen Nährstoffen hat sich die Heilpflanze Mutterkraut als effektive natürliche Prophylaxe bei Migräne bewährt. Der enthaltene Wirkstoff Parthenolid hemmt die Freisetzung von entzündungsfördernden Substanzen im Gehirn und reduziert so die Gefäßerweiterungen, die Migräneanfälle auslösen.
Weitere Therapieoptionen bei Migräne
Vitalstoffe sind bei ständigen Kopfschmerzen hochwirksam und sollten immer eine Therapieoption darstellen. Standard der medikamentösen Migräne-Prophylaxe sind Betablocker, Kalziumkanal-Blocker, Antikonvulsiva oder Botulinumtoxin, wenn all diese Therapieoptionen wirkungslos bleiben (oder Kontraindikationen vorliegen), können gemäß neuer Leitlinienergänzung auch moderne Antikörper zum Einsatz kommen.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
Eine nicht-medikamentöse Maßnahme, deren Wirkung wissenschaftlich belegt ist und die auch in den Leitlinien empfohlen wird, ist regelmäßiger Ausdauersport. Regelmäßiger Ausdauersport kann die Anfallsfrequenz bei Menschen mit Migräne senken.
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