Cymbalta und Polyneuropathie: Ein umfassender Überblick

Cymbalta, dessen Wirkstoff Duloxetin ist, wird zur Behandlung verschiedener Erkrankungen eingesetzt, darunter depressive Erkrankungen, generalisierte Angststörungen und Schmerzen bei diabetischer Neuropathie. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Cymbalta und Polyneuropathie, insbesondere im Hinblick auf die Behandlung von Schmerzen, die durch diabetische Neuropathie verursacht werden.

Was ist Cymbalta?

Cymbalta enthält den Wirkstoff Duloxetin, der zu den Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI) gehört. Duloxetin wirkt, indem es die Konzentrationen der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin im Nervensystem erhöht. Diese Neurotransmitter spielen eine wichtige Rolle bei der Stimmungsregulation und Schmerzwahrnehmung. Je nach Dosierung und Wirkort lassen sich unterschiedliche Wirkungen von Duloxetin therapeutisch nutzen: antidepressive, angstlösende und schmerzstillende Effekte.

Anwendungsgebiete von Cymbalta

Cymbalta wird bei Erwachsenen zur Behandlung von folgenden Erkrankungen eingesetzt:

  • Depressive Erkrankungen
  • Generalisierte Angststörung (ein dauerhaftes Gefühl von Angst oder Nervosität)
  • Schmerzen bei diabetischer Neuropathie

Es ist möglich, dass Ihr Arzt Ihnen Duloxetin auch dann noch verschreibt, wenn Sie sich besser fühlen, um ein Wiederauftreten Ihrer depressiven Erkrankung oder generalisierter Angststörung zu verhindern.

Diabetische Polyneuropathie und Cymbalta

Diabetische Polyneuropathie ist eine häufige Komplikation von Diabetes mellitus, bei der Nervenschäden durch hohe Blutzuckerspiegel verursacht werden. Die Beschwerden werden oft als brennend, stechend, reißend, einschießend oder wie ein Elektroschock beschrieben. Es kann zum Gefühlsverlust an der betroffenen Stelle kommen oder Berührung, Wärme, Kälte oder Druck können Schmerzen verursachen.

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Seit 2005 steht mit dem selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Duloxetin (Cymbalta®) eine neue Option zur symptomatischen Schmerztherapie bei Patienten mit Schmerzen aufgrund von diabetischer Polyneuropathie zur Verfügung.

Wie wirkt Cymbalta bei diabetischer Neuropathie?

Duloxetin beeinflusst die absteigenden, hemmenden Schmerzbahnen des Zentralnervensystems. Als selektiver Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer sorgt es dafür, dass diese beiden Substanzen im synaptischen Spalt länger wirken. Das verstärkt die hemmende Wirkung der absteigenden Bahnen.

Studienergebnisse zur Wirksamkeit von Duloxetin

In einer Studie zur Wirkung von Duloxetin nahmen 457 Patienten mit schmerzhafter diabetischer Polyneuropathie teil. Sie hatten seit elf Jahren Diabetes und seit mindestens sechs Monaten täglich Schmerzen. Dabei lag die mittlere Schmerzstärke auf der von null (schmerzfrei) bis zehn (stärkster vorstellbarer Schmerz) reichenden Likert-Skala bei 5,9 Punkten. Die Patienten erhielten drei Monate lang entweder zweimal täglich 60 mg Duloxetin oder einmal täglich 60 mg, 20 mg oder ein Placebo. Sowohl 60 mg als auch 120 mg des Präparats verringerten den Schmerz im Vergleich zum Placebo signifikant. Mit den empfohlenen Dosierungen von täglich 60 und 120 mg Duloxetin (Cymbalta®) kann nach den Ergebnissen einer Studie eine Verringerung der Schmerzintensität um die Hälfte erreicht werden.

Die analgetische Wirksamkeit des selektiven und balancierten Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmers (SSNRI) wurde in drei großen Studien an insgesamt 1363 Patienten mit Schmerzen aufgrund von diabetischer Polyneuropathie (DPNP) unter Beweis gestellt. Die Schmerzen von Patienten mit DPNP wurden durch Duloxetin (1-mal oder 2-mal 60 mg/d) bereits in der ersten Woche der Behandlung und anhaltend bis zum Studienende signifikant reduziert.

Die schmerztherapeutische Behandlung hatte für die betroffenen Patienten einen direkten alltagsrelevanten Nutzen. So wurden allgemeine Aktivitäten wie die Gehfähigkeit, die Arbeitsfähigkeit sowie Beziehungen zu Freunden von den mit Duloxetin (2x 60 mg/d) behandelten Patienten signifikant besser bewertet als unter Plazebo. Parallel zur Besserung der funktionellen Einschränkungen berichteten die mit Duloxetin behandelten Patienten verglichen mit Plazebo über mehr Lebensfreude, eine ungetrübtere Stimmungslage und einen besseren Schlaf.

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Dosierung und Anwendung

Die übliche Dosis bei depressiven Erkrankungen und Schmerzen bei diabetischer Polyneuropathie beträgt 1-mal täglich 60 mg Duloxetin. Bei generalisierter Angststörung beträgt die übliche Start-Dosis 1-mal täglich 30 mg, danach erhalten die meisten Patienten 1-mal täglich 60 mg. Abhängig vom Ansprechen der Therapie kann die Dosis bis zu 120 mg pro Tag erhöht werden.

Cymbalta ist zum Einnehmen bestimmt. Schlucken Sie Ihre Kapsel unzerkaut mit Wasser. Duloxetin beginnt bei den meisten Patienten mit depressiven Erkrankungen oder generalisierter Angststörung innerhalb von 2 Wochen nach Behandlungsbeginn zu wirken. Duloxetin beginnt bei den meisten Patienten mit Schmerzen bei diabetischer Neuropathie innerhalb von 1 Woche nach Behandlungsbeginn zu wirken. Damit Sie an die Einnahme von Cymbalta denken, ist es für Sie möglicherweise einfacher, wenn Sie die Hartkapseln täglich etwa zu den gleichen Zeiten einnehmen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie lange Sie die Cymbalta Behandlung durchführen sollen. Beenden Sie die Therapie mit Cymbalta nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt.

Wichtige Hinweise vor der Einnahme von Cymbalta

Bevor Sie mit der Einnahme von Cymbalta beginnen, sollten Sie Ihren Arzt informieren, wenn Sie:

  • andere Arzneimittel zur Behandlung von depressiven Erkrankungen einnehmen.
  • Johanniskraut (Hypericum perforatum), ein pflanzliches Präparat, einnehmen.
  • eine Nierenerkrankung haben.
  • epileptische Anfälle hatten oder haben.
  • an Manie litten oder leiden.
  • an einer manisch-depressiven Erkrankung leiden.
  • eine Augenerkrankung haben, wie eine spezielle Art des Glaukoms (erhöhter Augeninnendruck).
  • in der Vergangenheit Blutungsstörungen (Neigung zur Bildung von Blutergüssen) hatten.
  • ein Risiko für niedrige Natrium-Blutspiegel haben (z.B. wenn Sie Diuretika einnehmen, insbesondere wenn Sie älter sind).
  • momentan mit einem anderen Arzneimittel behandelt werden, das die Leber schädigen kann.
  • andere Arzneimittel einnehmen, die Duloxetin enthalten.

Cymbalta kann ein Empfinden von innerer Unruhe oder ein Unvermögen, still zu sitzen oder still zu stehen, verursachen. Wenn dies bei Ihnen auftreten sollte, dann informieren Sie Ihren Arzt.

Arzneimittel wie Cymbalta (sogenannte SSRI/SNRI) können Symptome einer sexuellen Funktionsstörung verursachen. In bestimmten Fällen blieben diese Symptome nach Beendigung der Behandlung bestehen.

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Wenn Sie depressiv sind oder unter Angststörungen leiden, können Sie manchmal Gedanken daran haben, sich selbst zu verletzen oder Suizid zu begehen. Gehen Sie zu einem Arzt oder suchen Sie unverzüglich ein Krankenhaus auf, wenn Sie zu irgendeinem Zeitpunkt Gedanken daran entwickeln, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen.

Gegenanzeigen

Cymbalta darf nicht eingenommen werden, wenn Sie:

  • überempfindlich (allergisch) gegen Duloxetin oder einen der sonstigen Bestandteile von Cymbalta sind.
  • eine Lebererkrankung haben.
  • eine schwere Nierenerkrankung haben.
  • ein anderes Arzneimittel, einen sogenannten Monoaminoxidase-Hemmer (MAO-Hemmer) einnehmen oder in den letzten 14 Tagen eingenommen haben.
  • Fluvoxamin einnehmen, das üblicherweise zur Behandlung von depressiven Erkrankungen angewendet wird oder Ciprofloxacin oder Enoxacin, die zur Behandlung verschiedener Infektionen angewendet werden.
  • andere Arzneimittel einnehmen, die den Wirkstoff Duloxetin enthalten.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie Bluthochdruck oder eine Herzerkrankung haben. Ihr Arzt wird Ihnen sagen, ob Sie Cymbalta einnehmen können.

Mögliche Nebenwirkungen

Wie alle Arzneimittel kann Cymbalta Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen. Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen, die meist nur zu Behandlungsbeginn berichtet wurden, waren:

  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen
  • Mundtrockenheit
  • Schläfrigkeit
  • Schwindel

Häufig auftretende Cymbalta-Nebenwirkungen sind sexuelle Störungen, Schlafstörungen, anormale Träume, Schwindel, Zittern oder ein Taubheitsgefühl. Des Weiteren kann es bei der Anwendung zu verschwommenem Sehen, Tinnitus, Ausschlag oder Muskelschmerzen kommen. Vermehrtes Schwitzen, erhöhter Blutdruck, Appetitsverlust mit Gewichtsabnahme sind ebenfalls möglich.

Gelegentlich geht die Anwendung von Cymbalta mit innerer Unruhe oder Suizidgedanken einher. Koordinationsstörungen, Schwierigkeiten beim Harnlassen, Nasenbluten oder verlängerte Menstruationsblutungen, blutiges Erbrechen, schwarzer Stuhl oder Leberentzündungen sind weitere gelegentlich auftretende Nebenwirkungen.

Selten kommt es im Zusammenhang mit Cymbalta zu schweren allergischen Reaktionen (Atemnot, Schwellungen der Zunge etc.). Verminderte Schilddrüsenfunktion mit Müdigkeit und Gewichtszunahme können weitere Nebenwirkungen sein. Auch schwerwiegende Symptome wie Ohnmacht, Krampfanfälle, suizidales Verhalten, Manie, Halluzinationen, Glaukom, Leberversagen oder das Serotonin-Syndrom sind möglich.

Sollten bei Ihnen schwere oder nicht genannte Nebenwirkungen auftreten, dann suchen Sie bitte sofort einen Arzt auf.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden bzw. vor Kurzem eingenommen/angewendet haben, auch wenn es sich um nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel handelt.

Teilen Sie Ihrem Arzt ebenfalls mit, wenn Sie eines der folgenden Arzneimittel einnehmen:

  • Monoaminoxidase-Hemmer (MAO-Hemmer)
  • Arzneimittel, die Schläfrigkeit verursachen
  • Arzneimittel, die den Serotonin-Spiegel erhöhen
  • Orale Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmer

Duloxetin ist ein moderater Inhibitor von CYP2D6. Es kann deshalb zu Wechselwirkungen bei gleichzeitiger Anwendung mit über CYP2D6 metabolisierten Wirkstoffen kommen (z.B. Risperidon, trizyklische Antidepressiva wie Nortriptylin, Amitriptylin und Imipramin, Flecainid, Propafenon und Metoprolol).

Schwangerschaft und Stillzeit

Teilen Sie bitte Ihrem Arzt mit, wenn Sie während der Behandlung mit Cymbalta schwanger werden oder wenn Sie beabsichtigen schwanger zu werden. Sie dürfen Cymbalta nur einnehmen, nachdem Sie mit Ihrem Arzt über einen möglichen Nutzen der Behandlung und mögliche Risiken für Ihr ungeborenes Kind gesprochen haben.

Die Anwendung von Cymbalta in der Stillzeit wird nicht empfohlen. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker um Rat.

Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen

Cymbalta kann dazu führen, dass Sie sich müde oder schwindlig fühlen. Sie dürfen sich nicht an das Steuer eines Fahrzeuges setzen, keine Werkzeuge oder Maschinen bedienen, bevor Sie wissen, wie Cymbalta bei Ihnen wirkt.

Alternativen zu Cymbalta

Neben Duloxetin gibt es weitere SNRI, die zur Behandlung neuropathischer Schmerzen eingesetzt werden können:

  • Desvenlafaxin
  • Milnacipran
  • Venlafaxin

Ein Vorteil von Milnacipran ist, dass der Wirkstoff nicht über Cytochrom-P450-Enzyme metabolisiert wird und somit ein geringeres Interaktionspotenzial aufweist.

In einer Studie waren Amitriptylin, Duloxetin und Pregabalin in der Therapie chronisch neuropathischer Schmerzen bei Patienten mit diabetischer Polyneuropathie gleich wirksam und einer Behandlung mit Plazebo überlegen.

Bedeutung einer frühzeitigen Schmerztherapie

Bei Patienten mit neuropathischen Schmerzen sollte möglichst frühzeitig schmerztherapeutisch interveniert werden. Hintergrund für die Forderung nach einer raschen analgetischen Therapie sind Erkenntnisse zur Schmerzchronifizierung. So weiß man heute, dass repetitive Schmerzreize Sensibilisierungsvorgänge im Gehirn induzieren und dadurch zu dauerhaften Veränderungen in der Schmerzmatrix führen können. Langfristig kann dies bedeuten, dass sich der Schmerz intensiviert und schwieriger zu behandeln ist.

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