Einführung
Depressionen sind oft von körperlichen Symptomen begleitet, die die Diagnose erschweren können. Duloxetin (Cymbalta®) ist ein selektiver Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI), der sowohl bei Depressionen als auch bei bestimmten Schmerzzuständen eingesetzt wird. Dieser Artikel beleuchtet die Wirksamkeit von Duloxetin bei Depressionen, Schmerzen und potenziellen Anwendungen bei Migräne.
Depression und körperliche Symptome
Viele Patienten mit Depressionen klagen beim Arztbesuch nicht über ihre Stimmungsstörungen, sondern über körperliche Beschwerden wie Kopf- und Rückenschmerzen, Krämpfe, Nackenverspannungen, Muskelschmerzen, abdominelle Beschwerden und Beklemmungen in der Brust. Diese somatischen Beschwerden können die psychischen Symptome einer Depression verdecken. Oberstes Therapieziel sollte die Remission sein.
Duloxetin: Ein dual wirksames Antidepressivum
Duloxetin wirkt dual, indem es die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin im Gehirn hemmt. Dieser Mechanismus beeinflusst sowohl die psychischen als auch die körperlichen Symptome der Depression positiv. Es wurde weltweit an mehr als 6.000 erwachsenen Patienten mit Major Depressive Disorder geprüft.
Dosierung und Anwendung
Die übliche Start- und Erhaltungsdosis beträgt 60 mg Duloxetin täglich. Laut Zulassung kann diese Menge auch zweimal täglich gegeben werden. Ob Patienten, die auf die Anfangsdosis nicht ansprechen, von einer Erhöhung profitieren, ist noch nicht erwiesen.
Wirksamkeit bei Depressionen
In vier Akutstudien wurde die antidepressive Wirkung von Duloxetin nachgewiesen. Bereits nach zwei Wochen zeigten viele Patienten eine bessere Reaktion auf Duloxetin als auf Placebo, und auch die Angst ging signifikant zurück. Nach neun Wochen Behandlungszeit mit 60 mg Duloxetin täglich wurde eine Remissionsrate von 44 Prozent erreicht (verglichen mit 16 Prozent unter Placebo). In einer Vergleichsstudie waren 40 und 80 mg Duloxetin signifikant wirksamer als Placebo, während niedrig dosiertes Paroxetin (20 mg täglich) keine signifikante Wirkung zeigte.
Lesen Sie auch: Dopamin und Cymbalta: Was Sie wissen müssen
Langzeitwirkung
Nach 52 Behandlungswochen mit täglich 80 bis 120 mg Duloxetin lag die Remissionsrate bei über 80 Prozent. Allerdings brach jeder sechste Patient die Medikation wegen Nebenwirkungen ab.
Wirksamkeit bei Schmerzen
Studien haben gezeigt, dass Duloxetin auch bei körperlichen Beschwerden, insbesondere Schmerzen, wirksam ist. Täglich 60 mg Duloxetin über neun Wochen reduzierten Rückenschmerzen um annähernd 50 Prozent, Schulterschmerzen um rund 40 Prozent und Kopfschmerzen um etwa 35 Prozent. Die analgetische Wirkung entfaltet sich dabei unabhängig von der antidepressiven Wirkung.
Diabetische Polyneuropathie
Duloxetin ist zur Behandlung von Schmerzen bei diabetischer Polyneuropathie zugelassen. In einer Studie erhielten 216 Patienten mit DPNP über drei Monate einmal täglich Duloxetin. Nach acht Wochen konnten die Wissenschaftler bei 53 Prozent der Teilnehmer eine klinisch signifikante Schmerzverminderung feststellen. Bei drei von vier Patienten dieser Responder-Gruppe hielt der schmerzreduzierende Effekt bis Studienende an.
Fibromyalgie
Die Anwendung von Duloxetin zur Schmerzlinderung bei Fibromyalgie geschieht in Deutschland, Österreich und der Schweiz "off-label", also außerhalb des Zulassungsbereichs.
Verträglichkeit und Sicherheit
Duloxetin besitzt keine klinisch relevante Affinität zu muskarinen, histaminergen und cholinergen Rezeptoren, wodurch das potenzielle Risiko für kardiologische und metabolische Nebeneffekte im Vergleich zu den klassischen Trizyklika niedrig ist. Duloxetin verursacht keine Sedierung, keine Verlängerung der QTc-Strecke und keine klinisch relevante Gewichtszunahme. In der ersten Behandlungswoche kann Übelkeit auftreten, auch der Blutdruck kann in etwa 0,8 Prozent der Fälle geringfügig angehoben werden.
Lesen Sie auch: Dosierung und Wirkung von Cymbalta bei Neuropathie
Häufige Nebenwirkungen
Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen sind Übelkeit, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen und Diarrhö, die gewöhnlich zu Behandlungsbeginn auftreten und vorübergehend sind.
Kardiovaskuläre Sicherheit
Präklinische und klinische Untersuchungen zeigten keinen klinisch relevanten Einfluss von Duloxetin auf kardiovaskuläre Parameter. Im Vergleich zu Venlafaxin und TZA scheint Duloxetin ein geringeres Potenzial zu haben, Arrhythmien zu induzieren.
Leberfunktion
Ein Anstieg von Leberenzymwerten ist eine bekannte Nebenwirkung von Duloxetin. Deshalb sollte Duloxetin bei Patienten, die eine Leberschädigung haben oder die andere Arzneimittel einnehmen, die zu einer Leberschädigung führen können, mit Vorsicht angewendet werden.
Gewicht
Mit Duloxetin kommt es nur bei weniger als 1% der Patienten zu einer Gewichtszunahme, häufiger wird eine Gewichtsabnahme beobachtet.
Sexuelle Funktionsstörungen
Insgesamt scheinen sexuelle Funktionsstörungen mit Duloxetin weniger häufig aufzutreten als mit SSRI und TZA.
Lesen Sie auch: Umfassender Überblick: Cymbalta und Polyneuropathie
Suizidalität
Wie bei anderen Antidepressiva besteht auch bei der Therapie mit Duloxetin das Risiko für Suizidgedanken und -handlungen. Patienten sollten daher engmaschig überwacht werden.
Duloxetin bei Migräne
Obwohl Duloxetin nicht primär zur Behandlung von Migräne zugelassen ist, gibt es Hinweise darauf, dass es bei einigen Patienten mit Migräne wirksam sein könnte. Dies liegt möglicherweise an der dualen Wirkungsweise von Duloxetin, die sowohl auf Serotonin- als auch auf Noradrenalin-Systeme im Gehirn wirkt. Eine Dysregulation dieser Neurotransmitter kann bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielen.
Studienlage
Es gibt begrenzte Studien zur direkten Wirksamkeit von Duloxetin bei Migräne. Einige Studien deuten darauf hin, dass Antidepressiva, insbesondere solche, die auf Serotonin und Noradrenalin wirken, bei der Migräneprophylaxe helfen können. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Evidenzlage hierzu noch nicht ausreichend ist und weitere Forschung erforderlich ist.
Mögliche Vorteile
- Schmerzlinderung: Duloxetin kann bei der Linderung chronischer Schmerzen helfen, die oft mit Migräne einhergehen.
- Stimmungsverbesserung: Da Migräne oft mit Depressionen und Angstzuständen assoziiert ist, kann Duloxetin durch seine stimmungsaufhellende Wirkung einen zusätzlichen Nutzen bieten.
- Reduktion von Begleiterkrankungen: Duloxetin kann gleichzeitig Depressionen, Angststörungen und chronische Schmerzen behandeln, die häufig bei Migränepatienten auftreten.
Mögliche Nachteile
- Nebenwirkungen: Wie alle Medikamente kann auch Duloxetin Nebenwirkungen verursachen, die die Lebensqualität beeinträchtigen können.
- Nicht für alle geeignet: Duloxetin ist nicht für jeden Migränepatienten geeignet, insbesondere nicht für Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen oder bei gleichzeitiger Einnahme bestimmter Medikamente.
- Keine Akuttherapie: Duloxetin ist nicht zur Akutbehandlung von Migräneattacken geeignet, sondern wird eher zur Prophylaxe eingesetzt.
Alternative Migräneprophylaxe
Substanzen mit gesicherter Wirkung sind die BetaRezeptorenblocker Metoprolol und Propanolol sowie Flunarizin. Substanzen mit möglicher Wirkung sind die Serotonin-Antagonisten (Pizotifen, Methysergid und Lisurid), Dihydroergotamin, Cyclandelat, nichtsteroidale Antirheumatika, Acetylsalicylsäure und Valproinsäure.