Demenz und Inkontinenz: Medikamentöse Behandlung

Inkontinenz und Demenz stellen komplexe Herausforderungen dar, die oft eine sorgfältige medikamentöse Behandlung erfordern. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der medikamentösen Therapie bei Demenz und Inkontinenz, um Betroffenen und ihren Angehörigen ein umfassendes Verständnis zu ermöglichen.

Einführung

Die Therapie eines bestimmten Krankheitsbildes geht oftmals mit der Einnahme mehrerer Medikamente gleichzeitig einher. Wenn Sie Medikamente nehmen, tun Sie dies sicher nicht zum Vergnügen, sondern weil sie zu einer Therapie gehören. Wenn sich bei Ihnen nun eine Inkontinenz abzeichnet, könnte das auch an der Einnahme eines Ihrer Medikamente liegen. Es ist wichtig zu verstehen, dass Medikamente zwar zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden, aber auch unerwünschte Nebenwirkungen haben können, die sich auf die Kontinenz auswirken.

Ursachen und Zusammenhänge

Es gibt viele Ursachen, die eine Inkontinenz bei Demenz auslösen können. Einige Auslöser können sein: Durch die Demenz werden Hirnregionen zerstört, über welche die Blase gesteuert werden. Manche Medikamente lösen als Nebenwirkung eine Inkontinenz aus. Auch Krankheiten, Blasenentzündungen, psychische Probleme, Unfälle, Operationen usw. können eine Rolle spielen.

Medikamente als Auslöser

Medikamente können auf verschiedene Arten die Kontinenz beeinflussen. So wirken einige direkt auf die Harnblase, weil sie zum Beispiel den Blasenmuskel schwächen. Andere wirken auf den Blasenschließmuskel und können so eine bereits bestehende Belastungsinkontinenz verstärken. Dann gibt es Medikamente, die zu vermehrter Urinausscheidung anregen, was ebenfalls die Blasenfunktion beeinträchtigt.

Typische Arzneistoffe mit Wirkung auf die Kontinenz sind zum Beispiel Diuretika („Wassertabletten“), die die Flüssigkeitsausscheidung erhöhen. Sie werden etwa zur Therapie von Bluthochdruck oder bei einer Herzmuskelschwäche eingesetzt. Sie steigern den Harndrang, die Urinmenge macht der Blase unter Umständen zu schaffen und kann ihr Fassungsvermögen überfordern. Weitere Medikamente mit einer Wirkung auf die Blasenaktivität sind Alpha-Rezeptorenblocker, die zur Behandlung einer gutartigen Vergrößerung der Prostata bei Männern oder gegen Bluthochdruck eingesetzt werden. Sie reduzieren die Spannung des Schließmuskels der Harnblase, was bei bestimmten Therapien sinnvoll ist. ACE-Hemmer zur Blutdrucksenkung können nur indirekt eine bestehende Belastungsinkontinenz verstärken. Denn eine Nebenwirkung dieser Medikamente kann Reizhusten sein. Betablocker sind Medikamente, die den Herzschlag verlangsamen und so den Blutdruck senken. Daher werden Betablocker bei Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Herzschwäche und auch koronarer Herzkrankheit eingesetzt. Auch nach einem Herzinfarkt werden Betablocker eingesetzt, um das Herz zu entlasten. Cholinergika und Cholinesterase-Hemmer werden zur Besserung der kognitiven Funktionen im frühen Stadium der Alzheimer-Demenz eingesetzt. Bei Alzheimer-Patienten nimmt die Anzahl der Nervenzellen im Gehirn ab. Um die Denkleistung der Patienten zu verbessern, sollen die Medikamente die Signalstärke erhöhen. Cholinesterase-Hemmer, die im Gehirn wirken, verhindern den Abbau des wichtigen Neurotransmitter Acetylcholin und verstärken dadurch die Signale der Nerven. Digitaliswirkstoffe und Herzglykoside werden bei chronischer Herzmuskelschwäche (chronische Herzinsuffizienz) und bei Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Prostaglandin wird zur Förderung der Durchblutung bei verschiedenen Krankheitsbildern verschrieben. Jedoch stehen sie unter Verdacht, eine bestehende Dranginkontinenz zu verschlechtern bzw. Schmerzmittel, Medikamente gegen Depressionen oder gegen Erkältung können die Funktion der Muskulatur herabsetzen.

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Inkontinenz bei Demenz

Demenz-Kranke haben oft eine Harninkontinenz. Sie ist meist mit ein Grund dafür, die Patienten im Heim unterzubringen. Unter demenzkranken Menschen ist die Inkontinenzrate mindestens doppelt so hoch wie bei altersentsprechenden nichtdementen Personen. Das liege daran, dass zerebrale Läsionen überwiegend eine Enthemmung des Detrusorreflexes, einem Hirnstammreflex, verursachen. Weitere Ursachen tragen zur Inkontinenz bei, zum Beispiel physiologische Altersveränderungen, bestimmte Arzneimittel oder Multimorbidität. So ist ein bestehender Diabetes mellitus selbst ein Risikofaktor für das Auftreten einer Harninkontinenz.

Medikamentöse Behandlungsansätze bei Demenz

Bei einer Demenz handelt es sich um ein komplexes Syndrom, bei dem die kognitiven Fähigkeiten einer Person beeinträchtigt sind. Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Behandlung einer Demenz eingesetzt werden können. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Medikamente die Krankheit nicht heilen können. Sie dienen dazu, die Symptome zu lindern, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und damit positiv ins Krankheitsgeschehen einzugreifen.

Antidementiva

Antidementiva sind Medikamente, welche die Gedächtnisleistungen, die Lernfähigkeit, die Auffassungsgabe und weitere Hirnfunktionen positiv beeinflussen. Bei den Antidementiva gibt es unterschiedliche Wirkgruppen. Die erste Wirkgruppe wird als Acetylcholinesterase-Hemmer bezeichnet. Diese hemmen den, bei einer Demenz, knappen Botenstoff Acetylcholin, welcher eine wichtige Rolle für das Lernen und Erinnern spielt. Mithilfe dieser Wirkstoffgruppe bleibt der Botenstoff länger im Gehirn erhalten.

Derzeit existieren drei verschiedene Wirkstoffe:

  • Donepezil (ein Medikamentenname ist zum Beispiel Aricept®)
  • Rivastigmin (ein Medikamentenname ist zum Beispiel Exelon®)
  • Galantamin (ein Medikamentenname ist zum Beispiel Reminyl®)

Die Wirksamkeit von Donepezil konnte durch mehrere internationale Studien bestätigt werden, insbesondere bei einer leichten bis moderaten Alzheimer-Krankheit. Sie zeigten eine Wirksamkeit bei der Verrichtung der Alltagsaktivitäten und eine Besserung der kognitiven Leistungsfähigkeit. Auch für Rivastigmin konnte in diversen Studien ein positiver Effekt in Bezug auf die geistige Leistungsfähigkeit und die Aktivitäten des täglichen Lebens nachgewiesen werden. Neben der Alzheimer-Krankheit wird dieses Medikament auch bei der Lewy-Körper-Demenz und bei Demenz im Rahmen der Parkinson-Krankheit eingesetzt. Das aus Schneeglöckchen gewonnene Alkaloid Galantamin wirkt sich positiv auf die Acetylcholinesterase aus. Es wurde in mehreren wissenschaftlichen Studien hinsichtlich der Wirksamkeit in Bezug auf die Kognition (geistige Wahrnehmung), das Verhalten und die Aktivitäten des täglichen Lebens überprüft. Es wird bei der leichten bis mittelgradigen Alzheimer-Krankheit eingesetzt. Die Auswahl des Acetylcholinesterase-Hemmers sollte sich in erster Linie an den jeweiligen Neben- und Wechselwirkungen orientieren, da keine Hinweise für klinisch relevante Unterschiede in der Wirksamkeit der verfügbaren Substanzen vorliegen. Quelle: S3-Leitlinien Demenzen

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Eine weitere Wirkstoffgruppe ist das Memantin (Medikamentennamen sind zum Beispiel Ebixa® oder Axura®). Der Botenstoff Glutamat ist in normalen Mengen unersetzlich für funktionierende Gehirnprozesse, aber in größeren Mengen wirkt er als Zellgift. Bei einer Demenz wird durch gestörte Gehirnprozesse verstärkt Glutamat freigesetzt; dadurch kommt es zum Zellsterben. Memantin kann bei der mittelschweren bis schweren Alzheimer-Krankheit diesen schädigenden Prozess verhindern und somit die Nervenzellen schützen.

Antidepressiva und Neuroleptika

Eine Demenz kann mit einer depressiven Symptomatik einhergehen. Die Betroffenen sind antriebslos, traurig und verzweifelt. Dieses Symptombild kann durch einen Serotoninmangel im Gehirn hervorgerufen werden. Der Botenstoff Serotonin ist für die Stimmung und den Antrieb verantwortlich. Bei Menschen mit Demenz eignen sich die sogenannten Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (kurz: SSRI). Dazu gehören zum Beispiel die Wirkstoffe Citalopram, Fluoxetin, Paroxetin und Sertralin. Diese Medikamente haben nur Einfluss auf den Botenstoff Serotonin und greifen nicht in andere Botenstoffsysteme im Gehirn ein. Neben einer depressiven Symptomatik kann es bei einer Demenz zu psychischen Veränderungen und Verhaltensauffälligkeiten, wie Wahn, Halluzinationen oder Unruhezuständen kommen. Diese können mit Neuroleptika behandelt werden, welche einer ärztlichen Prüfung und Anordnung bedürfen. Entsprechende Wirkstoffe sind zum Beispiel Risperidon, Melperon und Pipamperon. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit dieser Medikamente von Person zu Person unterschiedlich sein kann. Es können Nebenwirkungen auftreten, welche mit der behandelnden Ärztin beziehungsweise dem behandelnden Arzt besprochen werden sollten. Eine ganzheitliche Behandlung von Demenz umfasst ebenfalls nicht-medikamentöse Behandlungen zur Verbesserung der Alltagsfunktionen, wie beispielsweise Gedächtnistraining, Erinnerungsarbeit, körperliches Training und eine gesunde Lebensweise.

Medikamentöse Therapie der Harninkontinenz im Alter

Harninkontinenz als Symptom einer Blasenfunktionsstörung ist im Alter häufig und stellt eine starke Belastung für den betroffenen Patienten und seine soziale Umgebung dar. Eine nicht invasive Basisdiagnostik kann erste Hinweise zur Therapie geben. Schwerwiegende und therapieresistente Fälle müssen bei entsprechender Konsequenz auch invasiv untersucht werden. Eine operative Intervention beim älteren Harninkontinenz-Patienten wird immer dann zu erwägen sein, wenn grundsätzlich Operationsfähigkeit gegeben ist, eine Belastungsinkontinenz oder Mischinkontinenz mit hohem Belastungsanteil vorliegt und konservative Therapieansätze nur eine ungenügende Symptomreduktion erzielen.

Anticholinergika

Zur Behandlung der Dranginkontinenz oder von Drangsymptomen stehen in Deutschland unterschiedliche Anticholinergika zur Verfügung, die sich ihrem Selektivitätsprofil zum Teil unterscheiden. In-vitro-Daten belegen, dass Propiverin, Tolterodin, Fesoterodin und Trospiumchlorid eine ähnlich ausgeprägte Affinität zu allen Muscarin-Rezeptorsubtypen aufweisen. Darifenacin und Solifenacin sind relativ selektiv für M3-Rezeptoren. Alle im Handel befindlichen Substanzen sind signifikant wirksam gegen die Hauptsymptome der Überaktiven Blase und der Dranginkontinenz. Entscheidend für die zentralnervösen Nebenwirkungen ist neben der Passage der Blut-Hirn-Schranke die relative Bindungskapazität an den M1-Rezeptor, während die Blockade der M3-Rezeptoren in der glatten Muskulatur des Detrusors eine zentrale Voraussetzung für die klinische Wirksamkeit ist. Die spezifische Wirkung der verschiedenen Anticholinergika auf die kognitive Leistung älterer Menschen ist für einige Substanzen untersucht. Parameter wie Worterkennung und Erinnerungsfähigkeit sowie generelle Reaktionszeiten wurden überprüft. In den Endpunkten zur kognitiven Funktion zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Darifenacin und Placebo. Die Ergebnisse einer Vergleichsstudie, bei der Darifenacin und retardiertes Oxybutynin verglichen wurden, erbrachten ähnliche Befunde. Auch für retardiertes Tolterodin im Vergleich zu retardiertem Oxybutynin wurden für Tolterodin keine messbaren Veränderungen in den angewendeten Testverfahren gefunden. Für Trospiumchlorid liegen Untersuchungen im Vergleich zu Oxybutynin 20 mg mit Hilfe des Multikanal-EEGs vor. Hierbei fanden sich keine signifikanten EEG-Veränderungen nach Trospiumchlorid.

Duloxetin

Duloxetin wurde zur medikamentösen Therapie der weiblichen Belastungsinkontinenz zugelassen. Wirksamkeit und Verträglichkeit von Duloxetin bei Belastungsinkontinenz wurden in vier randomisierten, placebokontrollierten und doppelblind konzipierten Studien der Phase 2 und 3 mit mehr als 1 900 Patientinnen dokumentiert. Die tägliche Einnahme von 2 × 40 mg Duloxetin senkte die Häufigkeit der Inkontinenzepisoden signifikant um mehr als 50 Prozent. Der Wirkmechanismus beruht auf der Stimulation von Motoneuronen des Nervus pudendus, die im sakral gelegenen Onuf-Nucleus entspringen. Duloxetin stärkt so die Kontraktilität des Sphinkters, ohne das koordinierte Zusammenwirken von Blase und Harnröhre zu beeinträchtigen. Die Hauptnebenwirkung ist Übelkeit, die bei circa 25 Prozent der Patientinnen auftrat. Eine einschleichende Dosierung soll dem entgegenwirken. Die Indikation zum Einsatz bei älteren Patienten wird derzeit eher selten gestellt. Obwohl Duloxetin bei der Post-Prostatektomie-Inkontinenz des Mannes regelmäßig Wirksamkeit zeigt, fehlt bis heute eine entsprechende Zulassungsstudie.

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Nicht-medikamentöse Therapie

Neben der medikamentösen Therapie gibt es auch nicht-medikamentöse Ansätze, die bei Inkontinenz und Demenz hilfreich sein können:

Beckenbodengymnastik und Blasenmanagement

Physikalische Maßnahmen und Verhaltensinterventionen spielen im Alter neben einer die Risiken und Nebenwirkungen berücksichtigenden medikamentösen Therapie eine wichtige Rolle. In einer Cochrane-Analyse aus 13 randomisierten Studien mit 714 Frauen wurde der Wert der Beckenbodengymnastik gegenüber Placebo bei weiblicher Belastungsinkontinenz untersucht. Die Wahrscheinlichkeit, wieder kontinent zu werden, war in der Verumgruppe 17-mal und damit signifikant erhöht. Zum Blasenmanagement gehört das Miktions-, das Toiletten- und das Beckenbodentraining. Für die Inkontinenz des Älteren haben insbesondere das Toiletten- und Beckenbodentraining Bedeutung. Diese Therapiemaßnahmen müssten jedoch unter Berücksichtigung der Mobilität, Motivation und auch der Kognition des Betreffenden individuell konzipiert werden. Unter einer professionellen Betreuung und Therapieanleitung werden die größten Erfolge erzielt. Man sollte auch immer Kombinationen aus medikamentöser Therapie mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen in Erwägung ziehen. Aktive Maßnahmen wie das funktionelle Beckenbodentraining werden unterstützt von passiven Anwendungen in Form zum Beispiel von Elektrotherapie. Des Weiteren ergänzen kognitive Ansätze im Sinne einer Konditionierung der Verhaltensweisen und Aufschubstrategien das Behandlungskonzept. Auch Entspannungsverfahren können zu einer Drangreduzierung beitragen. Eine Magnetstimulationsbehandlung kann eine sinnvolle Ergänzung sowohl eines Beckenbodentrainings als auch eines Blasentrainings im Alter sein.

Tipps zum Umgang mit Inkontinenz bei Demenz

Menschen ohne Demenz gehen mit der Inkontinenz ganz anders um. Sie wissen um ihr Problem, lassen es adäquat behandeln, beugen mit entsprechender Gymnastik vor und verwenden Einlagen oder anderes Inkontinenzmaterial. Bei Menschen mit Alzheimer/Demenz ist das anders. Sie erkennen vielleicht noch das Problem, haben aber ab einem gewissen Stadium der Erkrankung keine Lösung mehr parat. Die Erkrankten sind auf die Hilfe ihrer Angehörigen angewiesen.

  • Problem Nr. 1: Der Mensch mit Demenz findet die Toilette nicht mehr. Lassen Sie in der Wohnung die Badtüre/Toilettentüre offen stehen. So muss ihr Angehöriger nicht suchen, hinter welcher Tür sich jetzt die Toilette befindet. Eine weitere hilfreiche Orientierungshilfe sind Schilder an der Türe. Beschriften Sie die Türe jedoch „in der Sprache des Angehörigen“, also mit Worten, die er selbst auch benutzt. Wenn der demente Vater also von einem Clo spricht oder wie viele ältere Leute auch noch von einem Abort, dann beschriften Sie die Türe auch mit diesen Worten. Wenn bei Nacht Orientierungsprobleme auf dem Weg zur Toilette auftreten, kann es hilfreich sein den Weg zur Toilette und die Toilette selbst gut auszuleuchten. Eine Alternative wären Bewegungsmelder. Bewegungsmelder erfassen Bewegungen in einem bestimmten Umkreis und schalten automatisch das Licht ein. (Bewegungsmelder reagieren allerdings auch auf Hund, Katze, Maus). Wenn Sie mit dem dementen Menschen zum Arzt, zu Freunden oder ins Restaurant gehen, wird er vermutlich nicht wissen, wo die Toilette ist. Womöglich ist ihm die ganze Umgebung fremd.
  • Problem Nr. 2: Es reicht zeitlich nicht mehr auf die Toilette. Um nicht schon am frühen Morgen als Pflegeperson und Pflegebedürftiger in Stress zu kommen, kann es hilfreich sein, den Herren eine Urinflasche und den Damen ein Steckbecken zu geben, um den ersten Toilettengang im Bett verrichten zu können. Auch mit einem Toilettenstuhl kann schnelle Abhilfe geschaffen werden. Manchen Menschen mit Demenz können auch bestimmte Toilettenzeiten antrainiert werden. Das Ziel sollte dann sein, zu bestimmten Zeiten den Angehörigen zur Toilette zu begleiten oder ihn zu diesen Zeiten aufzufordern, selbstständig zur Toilette zu gehen. Es bietet sich zum Beispiel an zu trainieren, gleich morgens nach dem Aufstehen zur Toilette zu gehen, oder vor dem Essen (dabei kann man gleich das Händewaschen mit verbinden) vor allem aber auch vor dem Schlafengehen. Die Zeiten sind individuell auf den einzelnen Menschen abzustimmen. Es gibt auch die Möglichkeit, regelmäßig den Betroffenen an einen Toilettengang zu erinnern. Aber hier kann der Schuss auch nach hinten losgehen, weil sich der Angehörige vielleicht kontrolliert oder bevormundet vorkommt.
  • Problem Nr. 3: Der demente Mensch kann sich nicht mehr richtig artikulieren. Im Anfangsstadium der Demenz wird sich der Erkrankte wohl noch in gewohnter Weise artikulieren können. Mit fortgeschrittener Demenz wird die Verständigung immer schlechter werden.
  • Problem Nr. 4: Die Toilette wird nicht mehr erkannt oder löst Ängste aus. Mit der Demenz kommen nicht nur Orientierungsprobleme. Auch der Gang wird unsicherer. Das Hinsetzen auf die Toilette kann bei dem Angehörigen Ängste auslösen. Vielleicht glaubt er, er fällt daneben. Und oftmals kann er die Toilette auch nicht mehr richtig erkennen. Mit einer erhöhten Toilette muss der gehandicapte Angehörige nicht so weit nach unten und fühlt sich sicherer. Außerdem kann er auch wieder leichter aufstehen. Die Toilette kann entweder über eine extra hohe WC-Keramik (auch Senioren-WC oder Komfort-WC gekannt) oder über eine Toilettensitzerhöhung erhöht werden. Beides sind Hilfsmittel und werden unter gewissen Voraussetzungen von der Krankenkasse bezahlt. Menschen mit Demenz haben oft ein Problem mit Ton-in-Ton-Umgebungen. So wie sie sich schwer tun, einen weißen Teller auf einer weißen Tischdecke zu erkennen, so haben sie auch möglicherweise ein Problem damit, in einem weiß gefliesten Raum einen weißen Toiletten-Sitz auf einem weißen WC zu erkennen. Hier ist Farbe angesagt und ein farbiger Toilettensitz kann deshalb sehr hilfreich sein. Leider vergisst der eine oder andere Demenzpatient, dass er den Toilettendeckel öffnen muss. Einfacher geht es, wenn der Toilettendeckel immer geöffnet ist. Haltegriffe erleichtern ebenfalls das Hinsetzen und wieder Aufstehen und geben dem demenziell veränderten Menschen Sicherheit. Auch Haltegriffe sind Hilfsmittel die Sie bei der Krankenkasse beantragen können.
  • Problem Nr. 5: Falsche Kleidung. Ist der Weg zur Toilette zu lang und lässt sich dann auch noch die Hose nicht richtig öffnen, kann dies mit die Ursache sein, dass der zu pflegende Angehörige einfach den Urin nicht mehr halten kann. Das Ausziehen von Kleidungsstücken muss oftmals schnell gehen. Knöpfe an der zu öffnenden Kleidung sind daher eher unpraktisch. Besser sind Schlupfhosen wie z.B. Jogginghosen oder aber auch Kleidung mit Klett- oder Reißverschluss. Auch Gürtel sind nicht besonders geeignet. Vielleicht könnten Hosenträger hier die bessere Variante sein. Wenn Sie merken, dass der demente Mensch vergisst die Kleidung vor dem Toilettengang herunter zu ziehen, sollten Sie ihn charmant an diese Notwendigkeit erinnern. Es gibt für die unterschiedlichsten Krankheitsformen spezielle Pflegewäsche.
  • Problem Nr. 6: Unebenheiten, Stolperfallen, Treppenstufen. Menschen mit Demenz brauchen Sicherheit. Das betrifft auch den Weg zur Toilette, unabhängig davon ob dieser Weg noch alleine oder mit Begleitung gegangen wird. Auch Treppenstufen in der Wohnung sind nicht besonders geeignet und gehören entsprechend abgesichert. Prinzipiell sind Stürzen vorzubeugen, da gerade bei älteren Menschen Oberschenkelhalsbrüche eine häufige Folge von Stürzen sein können. Manchmal brauchen die Patienten eine kleine Stütze oder die Möglichkeit sich festhalten zu können. Vorsicht ist bei instabilen Möbelstücken geboten, die womöglich ein Abstützen durch den Dementen nicht „überleben“. Beobachten Sie Ihren Angehörigen. Vielleicht hilft es ihm auch, wenn an der Wand Haltegriffe angebracht werden, um sicherer gehen zu können. Wird ein Rollator benötigt, sollten die Gänge schon bis zur Toilette mit diesem begehbar sein. So wie allgemein die Wohnung behindertengerecht auf den speziellen Fall ausgerichtet sein sollte. Alters- und krankheitsbedingt sind ältere Menschen nicht mehr so sicher auf den Beinen. Manchmal hilft ein Treppenlift, um die Betroffenen sicher von einer Etage in die andere zu bringen.
  • Problem Nr. 7: Harntreibende Getränke. Es gibt Getränke die harntreibend sind wie zum Beispiel bestimmte Tees. Auch Kaffee löst bei vielen Menschen einen Harndrang aus. Tipp: Auch bei Menschen mit Demenz muss darauf geachtet werden, dass sie genügend Flüssigkeit zu sich nehmen.
  • Problem Nr. 8: Wechselwirkungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten. Ja eine Inkontinenz kann auch einfach nur durch Wechselwirkungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten ausgelöst werden. Tipp: Sprechen Sie mit dem behandelnden Arzt und fragen Sie nach, ob durch die verabreichten Medikamenten evtl.

Hilfsmittel und Anpassungen im Alltag

  • Aufsaugende Hilfsmittel: Geeignete Inkontinenzprodukte und regelmäßiger Wechsel.
  • Toilettenhilfen: Erleichtern das sichere Hinsetzen und Aufstehen.
  • Orientierungshilfen: Ausreichende Beleuchtung, klare Kennzeichnung der Toilette.
  • Ernährung: Ausgewogene Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Vermeidung harntreibender Substanzen.
  • Hautpflege: Schutz der Haut vor Feuchtigkeit und aggressiven Stoffen im Urin.

Bedeutung der ärztlichen Beratung

Bei der Einnahme von Medikamenten sollten sie nicht experimentieren! Die Therapie eines bestimmten Krankheitsbildes geht oftmals mit der Einnahme mehrerer Medikamente gleichzeitig einher. Ihr Arzt ist dabei ihr vertrauensvoller Ansprechpartner, der sie über mögliche Risiken und Nebenwirkungen aufklären sollte. Zusammensetzung, Einnahmezeitpunkt und Dosierung spielen eine fundamentale Rolle und dürfen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Denn, weicht einer der Parameter geringfügig ab, kann das grundlegende Auswirkungen auf Ihren gesundheitlichen Zustand haben. Sprechen Sie in jedem Fall eine mögliche Inkontinenz an, wenn Sie sich unsicher sind. Auf keinen Fall sollten Sie Medikamente eigenmächtig absetzen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, welche Symptome bei Ihnen auftreten. Wenn er feststellt, dass bestimmte Medikamente für die Harninkontinenz verantwortlich sind, kann er gegensteuern. Er kann prüfen, ob die weitere Einnahme unbedingt erforderlich ist.

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