Demenzursachen: Ein Blick auf die Graue Substanz und Risikofaktoren

Die Demenz ist ein Syndrom, das durch einen deutlichen Verlust neuropsychologischer Leistungen gekennzeichnet ist, der so schwerwiegend ist, dass der Alltag nicht mehr wie gewohnt bewältigt werden kann. Im Gegensatz zu angeborenen oder früh erworbenen Minderbegabungen stellt die Demenz einen Verlust des vorher vorhandenen Leistungsvermögens dar. Es ist keine normale Folge des Alterns, sondern eine ernsthafte Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz. Sie ist gekennzeichnet durch den allmählichen Abbau von Nervenzellen im Gehirn, was zu einem fortschreitenden Verlust der kognitiven Fähigkeiten führt. Typische Symptome sind Gedächtnisstörungen, Sprachprobleme und Persönlichkeitsveränderungen.

Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Ursachen der Demenz, insbesondere die Rolle der grauen Substanz im Gehirn und die vielfältigen Risikofaktoren, die zu dieser Erkrankung beitragen können.

Demenz: Definition, Fakten und Formen

Demenz ist ein Sammelbegriff für verschiedene Krankheitsbilder, die mit einem fortschreitenden Verlust geistiger Fähigkeiten einhergehen. Dazu zählen Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, der Sprache, der Orientierung sowie des Denkens und der Alltagsbewältigung. Der Begriff „Demenz“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich „abnehmender Verstand“.

Von demenziellen Erkrankungen sind ca. 9 % der über 65-jährigen Menschen in Deutschland betroffen. Die Wahrscheinlichkeit, zeitlebens eine Demenz zu entwickeln, ist indessen wesentlich höher. Bei der augenblicklichen Lebenserwartung stirbt etwa ein Drittel der älteren Menschen im Zustand einer Demenz.

Demenz ist nicht gleich Demenz, denn es gibt über 50 unterschiedliche Erkrankungsformen. Die häufigsten sind:

Lesen Sie auch: Fortgeschrittene Demenz: Ein umfassender Überblick

  • Alzheimer-Demenz: Sie tritt am häufigsten auf (60-70 % aller Demenzerkrankungen weltweit) und ist durch den Verlust von Nervenzellen in Bereichen für Gedächtnis, Sprache und Denken gekennzeichnet.
  • Vaskuläre Demenz: Sie ist die zweithäufigste Demenzform und wird durch Durchblutungsstörungen im Gehirn verursacht, die zu Schädigungen und Absterben von Nervenzellen führen.
  • Lewy-Body-Demenz: Sie ist durch Ablagerungen von Lewy-Körperchen in den Nervenzellen des Gehirns gekennzeichnet, was zu Verwirrtheit, Gedächtnisstörungen, Halluzinationen und Bewegungsstörungen führen kann.
  • Parkinson-Demenz: Etwa 30-40 % aller Parkinson-Erkrankten entwickeln im Verlauf eine Demenz, die sich durch Gedächtnis- und Orientierungsstörungen sowie verlangsamtes Denken und Sprechen äußert.
  • Frontotemporale Demenz: Diese seltene Demenzform betrifft vor allem jüngere Menschen (zwischen 50 und 60 Jahren) und führt zu Veränderungen im Sozialverhalten, der Sprache und erst später im Gedächtnis.
  • Chronisch traumatische Enzephalopathie: Diese seltene Form wird durch häufige Kopfverletzungen verursacht und führt zu kognitiven und motorischen Störungen sowie Verhaltens- und Wesensveränderungen.

Die genaue Bestimmung der Demenzform ist entscheidend für die Therapie und Prognose. Während Alzheimer bisher nicht heilbar ist, können andere Formen, insbesondere die vaskuläre Demenz, durch gezielte Behandlung der Ursachen besser beeinflusst werden.

Die Rolle der Grauen Substanz

Die graue Substanz des Gehirns, die vorwiegend aus den Zellkörpern der Nervenzellen besteht, spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung der Demenz. Die Hirnrinde, der äußere Mantel des Gehirns, ist der bekannteste Teil der grauen Substanz.

Im Gehirn von Alzheimer-Patienten finden sich Beta-Amyloid-Ablagerungen, sogenannte senile Plaques, in besonders hoher Dichte in der grauen Gehirnsubstanz. Die Ablagerungen bestehen aus einem zentralen Amyloid-Kern, der von krankhaft veränderten Nervenzellfortsätzen, verminderten Synapsen und aktivierten Astrozyten umgeben wird. Darüber hinaus ist für die Alzheimer-Krankheit der Verlust von Synapsen und im späteren Verlauf das Absterben von Nervenzellen typisch. Auch die veränderte Konzentration an bestimmten Botenstoffen bzw. Neurotransmittern im Gehirn ist charakteristisch. Das betrifft vor allem Glutamat und Acetylcholin. Beide Stoffe haben eine zentrale Bedeutung, da sie für die normale Funktion der Nervenzellen und die Signalübertragung zwischen den Neuronen verantwortlich sind.

Eine Studie hat gezeigt, dass Menschen möglicherweise anfälliger für den altersbedingten Verlust der grauen Substanz geworden sind im Austausch für mehr geistige Kapazität und größere Hirnrinde. Dies deute "auf einen Zusammenhang zwischen der evolutionären Entwicklung bestimmter kortikaler Areale beim Menschen und einer erhöhten Anfälligkeit für neurodegenerative Prozesse hin". Mit zunehmendem Alter kommt es zu deutlichen Veränderungen in der Morphologie und Organisation des menschlichen Gehirns mit einem ausgeprägten räumlichen Muster, das teilweise auf Zellatrophie im späteren Leben zurückzuführen ist. Zellatrophie, Gewebeschwund in der grauen Hirnsubstanz, tritt auch bei Schimpansen auf, so das Ergebnis, jedoch in viel geringerem Ausmaß. Dieser Prozess in der grauen Hirnsubstanz kann durch altersbedingte Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und andere neurodegenerative Erkrankungen weiter beschleunigt werden. Bei neurodegenerativen Erkrankungen kann man eine stärkere und schnellere Atrophie in bestimmten Arealen wie beispielsweise dem Hippocampus sehen.

Eine weitere Studie hat herausgefunden, dass die Gehirnflächen der Menschen sich tatsächlich in nur fünf Prozent gleichen. Diese Flächen befinden sich erstaunlicherweise sehr konzentriert in Hirnarealen die dazu dienen, den Körper wahrzunehmen. Dazu zählt zum Beispiel das Kribbeln, das entsteht, wenn eine Ameise über die Nase läuft oder das Gefühl, das man hat, wenn man mit bloßen Händen einen Teig knetet. Die Autoren vermuten daher, dass die Menschen sich am besten verstehen, wenn sie über einfache Köperwahrnehmungen kommunizieren. Für die Studie wurde die äußere, graue Substanz des Hirns, auch Kortex genannt, untersucht. Sie ähnelt - verglichen mit einer Frucht - der Fruchtschale, während die andere Hauptsubstanz des Hirns, die Weiße Substanz, dem Fruchtfleisch ähnelt. Die Hirnzellen in der Grauen Substanz spielen die gleiche Rolle wie die Computer, während die Weiße Substanz mit den Verbindungs-Kabeln zwischen den Computer vergleichbar ist. Die Dicke der Grauen Substanz kann etwas über die Funktion eines Hirnareals aussagen. So ist der Kortex des Tastsinns sehr dünn. Die Dicke des Kortex kann auch etwas über das Alter oder die Gesundheit des Hirns aussagen. So haben Menschen mit Alzheimer-Demenz im Allgemeinen einen sehr dünnen Kortex.

Lesen Sie auch: Wechselwirkungen zwischen Schmerzmitteln und Demenz

Ursachen und Risikofaktoren im Detail

Die genauen Ursachen von Demenzerkrankungen sind bis heute nicht vollständig geklärt. Sicher ist jedoch: Es gibt eine Reihe von Risikofaktoren, die die Entstehung einer Demenz begünstigen können. Einige davon - wie das Alter, die genetische Veranlagung oder das Geschlecht - sind nicht beeinflussbar. Andere hingegen stehen in engem Zusammenhang mit dem Lebensstil und lassen sich gezielt verändern.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass weltweit bis zu 45 Prozent aller Demenzerkrankungen verhindert oder zumindest hinausgezögert werden könnten, wenn diese veränderbaren Risikofaktoren frühzeitig erkannt und reduziert würden.

Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:

  • Alter: Das Risiko, an einer AD zu erkranken, ist deutlich alterskorreliert. In Europa sind nur 0,035 % aller 45- bis 64-Jährigen, aber mehr als 20 % aller über 90-Jährigen von einer AD betroffen.
  • Genetische Veranlagung: Eine positive Familienanamnese ist nach dem Alter der wichtigste Risikofaktor für die AD. Die AD ist jedoch genetisch komplex und heterogen und folgt einer altersabhängigen Dichotomie mit einer seltenen familiären Form mit frühem Beginn und einer häufigen sporadischen Form mit spätem Beginn. Die familiäre Form der AD betrifft unter 1 % der Patienten, folgt einem autosominal-dominanten Vererbungsmuster und zeigt einen Symptombeginn meist vor dem 65. Lebensjahr.
  • Apolipoprotein-E4-Polymorphismus: Das ɛ4-Allel des Apolipoprotein-E(APOE)-Gens auf Chromosom 19 wurde konsistent mit Odds-Ratios von ungefähr 3 für heterozygote und über 10 für homozygote Allelträger in Verbindung gebracht. Im Kontrast zu den drei bekannten autosomal-dominant vererbten Risikogenen ist das APOEɛ4-Allel jedoch weder notwendig noch ausreichend, um zu einer AD zu führen. Es ist vielmehr abhängig von der Gendosis mit einem früheren Erkrankungsalter assoziiert.
  • Geringe Bildung: Geistige Anregung stärkt das Gehirn. Menschen, die in jungen Jahren wenig schulische oder berufliche Bildung erhalten, haben ein erhöhtes Risiko, im Alter an Demenz zu erkranken.
  • Bluthochdruck: Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck - vor allem im mittleren Lebensalter - steigert das Risiko für alle Demenzformen erheblich.
  • Übergewicht: Vor allem Bauchfett hat Auswirkungen auf das Demenzrisiko, da es entzündliche Prozesse begünstigt und die Gefäßgesundheit belastet.
  • Diabetes Typ 2: Diabetes mellitus Typ 2 gilt als einer der bedeutendsten Risikofaktoren für Demenz.
  • Rauchen: Rauchen schädigt Herz, Gefäße und Gehirn und erhöht das Risiko für Alzheimer und vaskuläre Demenz.
  • Bewegungsmangel: Bewegung fördert die Durchblutung des Gehirns und unterstützt die Gesundheit von Nervenzellen.
  • Depression: Studien zeigen, dass Depressionen - besonders im mittleren oder höheren Lebensalter - das Risiko für Demenz deutlich erhöhen.
  • Soziale Isolation: Menschen, die wenig soziale Kontakte haben oder sich dauerhaft einsam fühlen, erkranken häufiger an Demenz.
  • Häufige Kopfverletzungen oder Erschütterungen: Schwere oder wiederholte Kopfverletzungen können dauerhafte Schäden im Gehirn verursachen.
  • Hormonelle Veränderungen: Nach der Menopause ist bei Frauen das Ausmaß bestimmter Hirnschäden größer als bei gleichaltrigen Männern.
  • Übermäßiger Alkoholkonsum: Schon regelmäßiger Konsum größerer Mengen kann die sogenannte graue Substanz im Gehirn verringern und das Demenzrisiko erhöhen.
  • Erhöhter Cholesterinspiegel: Vor allem bei Menschen unter 65 kann ein erhöhter Cholesterinspiegel die Ablagerung schädlicher Proteine im Gehirn begünstigen.

Prävention und Früherkennung

Obwohl es derzeit keine Heilung für Demenz gibt, gibt es Möglichkeiten, das Risiko zu verringern und den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen.

  • Lebensstiländerungen: Eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, geistige Aktivität und soziale Interaktion können dazu beitragen, das Gehirn gesund zu halten und das Demenzrisiko zu senken.
  • Behandlung von Risikofaktoren: Die Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und Depressionen kann ebenfalls dazu beitragen, das Demenzrisiko zu senken.
  • Früherkennung: Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht es, die Erkrankung besser zu behandeln und den Verlauf zu verlangsamen.

Neueste Forschungsergebnisse

Die Forschung zur Demenz ist in vollem Gange. Es gibt viele vielversprechende Ansätze, um die Ursachen der Erkrankung besser zu verstehen und neue Therapien zu entwickeln.

Lesen Sie auch: Ursachen und Behandlung von Zittern bei Demenz

  • Amyloid-Hypothese: Die Amyloid-Hypothese besagt, dass die Ablagerung von Amyloid-Plaques im Gehirn eine zentrale Rolle bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit spielt.
  • Tau-Hypothese: Die Tau-Hypothese besagt, dass die Veränderung des Tau-Proteins im Gehirn ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit spielt.
  • Gliazellen: Gliazellen spielen eine wichtige Rolle bei der Unterstützung und dem Schutz der Nervenzellen im Gehirn. Forscher untersuchen, wie Gliazellen zur Entstehung der Alzheimer-Krankheit beitragen könnten.
  • Herz-Hirn-Verbindung: Studien haben gezeigt, dass es eine Verbindung zwischen der Herzgesundheit und der Hirngesundheit gibt. Eine Herzschwäche kann beispielsweise zu einer Verringerung der grauen Substanz im Gehirn führen.
  • Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) können verwendet werden, um Veränderungen im Gehirn frühzeitig zu erkennen und die Diagnose von Demenz zu unterstützen.

tags: #demenz #schwund #vom #graue #gehirnzellen