Demenz und Depression im Alter: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Depressionen und Demenz gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im höheren Lebensalter. Diese Erkrankungen können das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Depressionen und Demenz, insbesondere wenn sie gleichzeitig auftreten.

Depression im Alter: Eine Übersicht

Depressionen sind psychische Störungen, die die Gefühlswelt der Betroffenen negativ verändern. Sie gehen über vorübergehende Traurigkeit oder schlechte Laune hinaus und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Bei älteren Menschen ab 65 Jahren spricht man von Altersdepressionen. Sie sind neben der Demenz eine der häufigsten psychischen Erkrankungen in dieser Altersgruppe.

Altersdepression: Mehr als nur Traurigkeit

Altersdepressionen werden oft unterschätzt und als normale Begleiterscheinung des Alterns abgetan. Symptome wie Schlafstörungen oder Antriebslosigkeit werden nicht immer als Ausdruck einer eigenständigen Erkrankung erkannt. Eine Studie der Stiftung Deutsche Depressionshilfe aus dem Jahr 2019 zeigte, dass nur 12 Prozent der über 70-jährigen Betroffenen eine Psychotherapie erhalten.

Symptome einer Altersdepression

Die Symptome einer Altersdepression entsprechen im Wesentlichen denen einer Depression in jüngeren Jahren. Allerdings können sie sich im Alter anders äußern und werden oft von körperlichen Beschwerden überlagert.

Zu den Hauptsymptomen gehören:

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  • Niedergeschlagenheit: Betroffene leiden unter Hoffnungslosigkeit und Bedrücktheit, die bis zu tiefer Verzweiflung reichen können. Einige beschreiben ein Gefühl der inneren Leere.
  • Interessenverlust: Früher geliebte Aktivitäten bereiten keine Freude mehr. Das Sozialleben wird vernachlässigt, und die Betroffenen ziehen sich zurück.
  • Antriebslosigkeit: Neben der fehlenden Freude fehlt auch die Energie für Aktivitäten.

Weitere Nebensymptome können sein:

  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeitsspanne
  • Geringes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Schuld- und Wertlosigkeitsgefühle
  • Pessimistische Zukunftsperspektiven
  • Suizidgedanken
  • Schlafstörungen
  • Verminderter oder gesteigerter Appetit
  • Körperliche Beschwerden wie Schmerzen

Ursachen und Risikofaktoren

Was Altersdepressionen genau auslöst, ist unklar. Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass psychosoziale und neurobiologische Faktoren eine Rolle spielen.

Mögliche Ursachen und Risikofaktoren sind:

  • Biologische Faktoren: Veränderungen im Gehirnstoffwechsel, chronische Erkrankungen, Nebenwirkungen von Medikamenten, genetische Veranlagung.
  • Psychosoziale Faktoren: Verlust von Bezugspersonen, Einsamkeit, belastende Lebensereignisse, fehlende Tagesstruktur.
  • Weitere Risikofaktoren: Eingeschränkte Mobilität, Demenz, mangelnde soziale Unterstützung.

Diagnose einer Altersdepression

Die Diagnose einer Altersdepression kann schwierig sein, da die Symptome oft unspezifisch sind und von anderen Erkrankungen überlagert werden können.

Wichtige diagnostische Schritte sind:

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  • Anamnese und Gespräche: Erfassung der Stimmung, Schlafsituation, des allgemeinen Antriebs und der Lebensumstände.
  • Fragebögen und Tests: Zum Beispiel die Geriatrische Depressionsskala (GDS).
  • Medizinische Untersuchung: Ausschluss körperlicher Ursachen.
  • Abgrenzung zu Demenz: Überprüfung der Orientierung und kognitiven Fähigkeiten.

Demenz und Depression: Ein komplexes Zusammenspiel

Das Wechselspiel zwischen Depressionen und einer Demenz sowie anderen hirnorganischen Erkrankungen ist komplex und noch nicht vollständig erforscht. Depressionen können das Risiko für Demenz erhöhen, und umgekehrt ist das Risiko für depressive Störungen bei Menschen mit Demenz deutlich erhöht.

Symptome von Demenz und Depression

Die Diagnose, ob primär eine Depression oder eine Demenz vorliegt oder beides, ist nicht immer einfach.

Für eine Demenz sprechen folgende klinische Merkmale:

  • Desorientiertheit
  • Konfabulationen
  • Ein zeitlich unscharfer Beginn der Erkrankung
  • Hirnwerkzeugstörungen

Für eine zusätzliche schwerere Depression bei Demenz sprechen:

  • Schuldgefühle
  • Lebensüberdrussgedanken oder Suizidalität
  • Schlaflosigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Interessensverlust
  • Psychomotorische Hemmung oder Agitation
  • Ausgeprägte Konzentrationsstörungen

Pseudodemenz: Depression als Demenz-Imitator

Depressionsbedingte Gedächtnisstörungen können starke Ähnlichkeiten zu einer Demenz aufweisen. Betroffene haben Probleme, Sätze zu formulieren oder einen Gedankengang zu verfolgen. Oft haben sie das Gefühl, dass das Sprechen „gebremst“ oder „blockiert“ wirkt. In solchen Fällen sprechen Fachleute von einer „Pseudodemenz“ - einer kognitiven Beeinträchtigung, die durch eine Depression entsteht.

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Unterschiede zwischen Depression und Demenz

Trotz der Ähnlichkeiten gibt es wichtige Unterschiede zwischen Depression und Demenz:

  • Menschen mit einer Depression nehmen ihre kognitiven Einschränkungen meist sehr bewusst wahr und sprechen diese auch an.
  • Bei einer Depression treten Gedächtnisprobleme oft nur phasenweise auf und können durch Stress verstärkt werden.
  • Bei einer Depression ist die Orientierung meist intakt, bei Demenz nimmt sie ab.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung von Depressionen im Alter ist genauso wichtig wie bei jüngeren Menschen. Eine erfolgreiche Behandlung kann die Lebensqualität erheblich verbessern und das Fortschreiten einer Demenz verlangsamen.

Psychotherapie

Die Psychotherapie hat sich für ältere Menschen als sehr wirksame Methode erwiesen, Depressionen zu behandeln. Sie sollte von einem psychologischen oder ärztlichen Psychotherapeuten durchgeführt werden, der auf die Behandlung älterer Menschen spezialisiert ist. Besonders wirksam sind kognitive Verhaltenstherapie und gesprächsorientierte Verfahren. Ziel ist es, negative Denkmuster zu erkennen, Aktivitäten zu steigern und das Selbstwertgefühl zu stärken.

Medikamentöse Behandlung

Antidepressiva können die Stimmung stabilisieren, besonders bei mittelgradigen bis schweren Depressionen. Die Auswahl und Dosierung müssen im Alter sorgfältig erfolgen, um Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu vermeiden.

Weitere Behandlungsansätze

  • Soziale Aktivierung und Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität, Tagesstruktur, soziale Kontakte und sinnvolle Aufgaben fördern die Stabilität.
  • Medizinisches Cannabis: Kann bei Altersdepressionen zu therapeutischen Zwecken in Frage kommen, indem es Symptome wie Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen und Angstzustände lindert.
  • Alltagsnotizen: Therapeuten verwenden häufig einen Wochenplan, in dem der Patient seine Stimmung, Beschäftigung und besondere Ereignisse notieren kann.

Behandlung von Depressionen bei Demenz

Auch bei bestehender Demenz lässt sich eine Depression behandeln. Ziel ist es, die Stimmung zu stabilisieren, Unruhe und Rückzug zu verringern und die Lebensqualität spürbar zu verbessern. Im Vordergrund stehen nicht-medikamentöse Maßnahmen wie strukturierende Tagesabläufe, Bewegung, Musik, Gespräche, kreative Angebote oder soziale Kontakte. In bestimmten Fällen kann auch eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein.

Was können Angehörige tun?

Angehörige spielen eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Menschen mit Depressionen und Demenz. Sie können aufmerksam beobachten, verständnisvoll begleiten und dabei helfen, dass professionelle Unterstützung in Anspruch genommen wird.

Tipps für Angehörige:

  • Nehmen Sie die Beschwerden der betroffenen Person ernst.
  • Unterstützen Sie Ihren Angehörigen dabei, passives und inaktives Verhalten zu überwinden.
  • Aktivieren Sie die Person, indem Sie positive Erfahrungen steigern.
  • Helfen Sie Ihrem Angehörigen dabei, seinen Tag zu strukturieren.
  • Bauen Sie für Ihren depressiven Angehörigen ein funktionierendes Versorgungs- und Unterstützungssystem auf.
  • Bemühen Sie sich, den familiären und partnerschaftlichen Austausch zu verbessern.
  • Helfen Sie der Person dabei, Vergangenes besser zu bewältigen.
  • Vermeiden Sie Phrasen wie „Du musst positiv denken“.
  • Versuchen Sie nicht, krampfhaft die Stimmung aufzuhellen.
  • Suchen Sie Adressen von Therapeuten in ihrer Nähe heraus und stellen Sie diese Ihrem Angehörigen zur Verfügung.

Suizidgedanken: Ein Warnsignal

Wenn Ihre Gedanken um den Tod kreisen und Sie überlegen, sich das Leben zu nehmen: Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Die Telefonseelsorge ist kostenfrei und 24 Stunden am Tag erreichbar. Die Nummern sind 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.

Prävention

Es gibt einige Faktoren, die das Risiko verringern können, an einer Altersdepression zu erkranken:

  • Ein strukturierter Alltag mit regelmäßigen Essens- und Schlafzeiten
  • Eine aktive Freizeitgestaltung
  • Die Pflege sozialer Kontakte

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