Die Diagnose Demenz stellt Betroffene und ihre Familien vor große Herausforderungen. Die Erkrankung kommt schleichend und verändert nicht nur die Erkrankten, sondern auch das Leben ihrer Familien. Umso wichtiger ist es, frühzeitig die richtigen Ansprechpartner zu finden, um eine umfassende Diagnostik und Betreuung zu gewährleisten. Dieser Artikel soll Ihnen helfen, sich im Dschungel der medizinischen Fachrichtungen zurechtzufinden und die passenden Experten für eine Demenz-Untersuchung zu identifizieren.
Erste Anzeichen und Verdachtsmomente
Eine Demenz ist deutlich mehr als der Verlust der geistigen Fähigkeiten. Die Erkrankung beeinträchtigt das gesamte Sein des Menschen: seine Wahrnehmung, sein Erleben und sein Verhalten. Typische Demenz-Symptome sind Störungen des Gedächtnisses und der Merkfähigkeit sowie Störungen des Denkens, der Sprache, der Wahrnehmung, der logischen Argumentation und des Verhaltens. Ein erstes Anzeichen ist Vergesslichkeit: Gegenstände werden verlegt, Termine verpasst, Namen und Worte vergessen. In einer fremden Umgebung ist die oder der Betroffene zunehmend orientierungslos. Im weiteren Verlauf der Demenz nehmen die Beeinträchtigungen im Denkvermögen zu. Erinnerungen aus dem Langzeitgedächtnis verblassen, Gegenstände verlieren ihre Bedeutung, Sprachstörungen treten auf und auch körperlich baut die oder der Demenzkranke ab. Sehr belastend für Familie und Freunde sind zudem die Persönlichkeitsveränderungen und Verhaltensstörungen, die mit der Demenz einhergehen. Dazu gehören Aggressivität, Streitlust und Ablehnung ebenso wie starke Anhänglichkeit und Angstreaktionen. Manche Betroffenen leben wieder in ihrer Kindheit oder Jugend. Angehörige werden nicht mehr erkannt.
Der Hausarzt als erste Anlaufstelle
Gerade die Symptome bei beginnenden Demenzerkrankungen wie Konzentrationsstörungen oder leichte Merkfähigkeitsstörungen sind sehr vieldeutig und können mit vielen anderen Dingen zusammenhängen. Darum ist es sinnvoll, als Erstes den Hausarzt zu konsultieren. Er kennt die Patienten in der Regel schon länger und kann die Symptome, nachdem er sich einen gesundheitlichen Überblick verschafft hat, besser einordnen. Der Hausarzt hat den Überblick über Vorerkrankungen und Medikamente und kann prüfen, ob hinter den Beschwerden eine andere Ursache steckt, zum Beispiel eine Schilddrüsenerkrankung, ein Vitaminmangel oder eine Depression. Solche Erkrankungen können ähnliche Symptome wie eine Demenz auslösen, sind aber oft behandelbar.
Der Hausarzt führt ein Screenings und eine Blutentnahme durch. Er wird erste Untersuchungen durchführen und eine Überweisung zu einem Facharzt ausstellen.
Fachärzte für die Demenz-Diagnostik
Erhärtet sich der Verdacht auf Demenz, bekommen Sie eine Überweisung zu einem Facharzt oder zu einer Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie oder Geriatrie. Bei anhaltenden Gedächtnis- oder Wortfindungsstörungen sowie auffallenden Verhaltensstörungen im Alter sollte unbedingt eine Abklärung der Ursache beim Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder Neurologie erfolgen. Für den Facharzt von Vorteil sind dabei Kompetenzen im Bereich der Alterskrankheiten seines Faches (Gerontopsychiatrie, Geriatrie = Altersheilkunde). Die zuständigen Fachärzte sind in diesem Fall Neurologen und in Berlin gibt es spezialisierte Zentren: die Gedächtnissprechstunden.
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- Neurologen: Neurologen sind Spezialisten für Erkrankungen des Nervensystems. Sie können neurologische Ursachen für die Demenz erkennen, wie beispielsweise Durchblutungsstörungen oder Schlaganfälle.
- Psychiater: Psychiater sind Experten für psychische Erkrankungen. Sie können depressive Erkrankungen oder andere psychische Ursachen für die Demenz-Symptome ausschließen oder behandeln.
- Gerontopsychiater: Für den Facharzt von Vorteil sind dabei Kompetenzen im Bereich der Alterskrankheiten seines Faches (Gerontopsychiatrie, Geriatrie = Altersheilkunde).
- Geriater: Geriater sind Altersmediziner, die sich auf die Behandlung von älteren Menschen spezialisiert haben. Sie haben einen ganzheitlichen Blick auf die Gesundheit des Patienten und können Begleiterkrankungen berücksichtigen.
Spezialisierte Einrichtungen: Gedächtnissprechstunden und Memory-Kliniken
Neben den genannten Fachärzten gibt es auch spezialisierte Einrichtungen, die sich auf die Diagnostik und Behandlung von Demenzerkrankungen konzentrieren. Dazu gehören Gedächtnissprechstunden und Memory-Kliniken. Die Abklärung der Symptomatik erfolgt in aller Regel ambulant. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung dementieller Erkrankungen in der heutigen Gesellschaft gibt es zahlreiche Gerontopsychiatrische Zentren, Memory-Kliniken oder Gedächtnisambulanzen, die sich auf Diagnostik und Therapie der kognitiven Degeneration spezialisiert haben.
Gedächtnissprechstunden sind spezialisierte Einrichtungen zur Untersuchung von Gedächtnisstörungen. Hier findet eine differenzierte Diagnostik statt. Die Angliederung an eine Krankenhausabteilung ermöglicht ambulante und auch teilstationäre Untersuchungen. Für die Untersuchung in einer Gedächtnissprechstunde ist eine Überweisung durch den Hausarzt oder Neurologen erforderlich.
- Gedächtnissprechstunden: Gedächtnissprechstunden sind meist an Kliniken oder Krankenhäuser angegliedert. Hier arbeiten Spezialisten aus verschiedenen Fachrichtungen zusammen, um eine umfassende Diagnostik und Beratung anzubieten.
- Memory-Kliniken: Memory-Kliniken sind spezialisierte Kliniken, die sich auf die Behandlung von Demenzerkrankungen konzentrieren. Sie bieten eine umfassende Betreuung, von der Diagnostik über die Therapie bis hin zur Beratung von Angehörigen.
Ablauf der Demenz-Diagnostik
Die Demenz-Diagnostik umfasst in der Regel mehrere Schritte:
- Anamnese: Der Arzt erhebt die Krankengeschichte des Patienten und befragt ihn und seine Angehörigen nach den beobachteten Symptomen. Welche Probleme oder Veränderungen haben Sie bemerkt? Seit wann bestehen die Beschwerden? Gibt es Tageszeiten, an denen die Probleme stärker oder schwächer sind? Wie oft treten die Beschwerden auf? Gibt es Situationen oder Faktoren, die den Zustand verbessern oder verschlechtern? Wie wirken sich die Beschwerden auf den Alltag aus? Seien Sie darauf vorbereitet, auch sehr persönliche Fragen gestellt zu bekommen. Manche Themen erscheinen vielleicht nebensächlich, sind für die Diagnose aber wichtig. auch zu Sachverhalten, die Ihnen selbst nicht wichtig erscheinen.
Da Informationen von Angehörigen sehr wichtig sind, sollten diese wenn möglich auch an diesem Termin teilnehmen.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht den Patienten körperlich, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.
- Neurologische Untersuchung: Der Arzt untersucht die Funktionen des Nervensystems, wie beispielsweise die Reflexe, die Koordination und dieSensibilität.
- Psychiatrische Untersuchung: Der Arzt untersucht die psychische Verfassung des Patienten, um beispielsweise eine Depression auszuschließen.
- Neuropsychologische Tests: Durch unsere Neuropsychologen und Neuropsychologinnen eine ausführliche neuropsychologische Testung statt, die je nach Fragestellung etwa 0.5-2 Stunden dauert. Bei der Testung werden verschiedene Verfahren angewendet, die Gedächtnis, Aufmerksamkeit und weitere kognitive Bereiche überprüfen. Es ist hilfreich, wenn der Patient bzw. die Patientin zu diesem Termin Vorbefunde, bereits durchgeführte Aufnahmen vom Kopf (CT, MRT) und - falls benötigt - die Brille und das Hörgerät mitbringt. Am Ende dieses Termins wird festgelegt, welche weiteren Schritte folgen. Mittels normierter Fragebögen wie dem DemTect oder dem MiniMentalStatusTest, sowie der einfachen Aufgabenstellung, eine Uhr zu zeichnen (Uhrentest), lässt sich primär das Ausmass der kognitiven Beeinträchtigung erheben. Derartige Testverfahren dienen allerdings nur als Screening-Untersuchungen, die ohne grossen Aufwand Orientierung schaffen, ob weiterführende Diagnostik notwendig ist.
- Mini-Mental-Status-Test (MMST): Der MMST ist der älteste und bekannteste Fragebogentest zur Demenz. Er umfasst unter anderem verschiedene Merk- und Rechenaufgaben. Er wird häufig vom Hausarzt zur ersten Orientierung durchgeführt, er dauert nur ca. 10 Minuten. Der Patient muss einige Fragen zur aktuellen Zeit und zum Raum, in dem er sich gerade befindet, beantworten (misst Orientierung in Zeit und Raum). Er wird gebeten, drei Worte nachzusprechen (misst Merkfähigkeit), einen einfachen „Rückrechentest" durchzuführen (misst Aufmerksamkeit und Richtigkeit). Dann soll er die drei Worte des Merkfähigkeitstest wiederholen (misst Erinnerungsfähigkeit). Schließlich gibt es einige Sprach- und Schreibtests. Die Aufgaben sind so einfach, dass sie jeder geistig Gesunde mit Leichtigkeit bestehen würde. Ein Demenz-Kranker weist jedoch Lücken auf. Sie werden mit zunehmender Demenz immer deutlicher.
- DemTect: Dieser Spezialtest zur Früherkennung ist dem MMST überlegen und wird daher häufig vom Gerontopsychiater/Neurologen durchgeführt. Er dauert ebenfalls etwa 10 Minuten. DemTect steht für Demenz-Detektion. Der Test enthält fünf Aufgaben. Der Patient muss eine Wortliste wiederholen. Damit wird das Kurzzeitgedächtnis geprüft. Diese Liste wird am Testende noch einmal abgefragt, um das Langzeitgedächtnis zu beurteilen. In einer "Zahlenwandelaufgabe" muss der Patient zwei Ziffern in Zahlwörter und zwei Zahlwörter in Ziffern umsetzen. Außerdem wird die Flüssigkeit der Sprache geprüft.
- Montreal Cognitive Assessment (MoCA): Ähnlich dem DemTect dient auch der MoCA der Früherkennung von Defiziten des Gedächtnisses bzw. des Denkvermögens. In 10 Minuten werden auch hier verschiedene Bereiche der Leistungsfähigkeit abgefragt. Dazu gehört das Lernen von fünf Begriffen, welche später abgefragt werden. Die visuell-räumliche Verarbeitung wird durch das Zeichnen einer Uhr und das Abzeichnen eines Würfels geprüft. Es folgt die Prüfung der Konzentration, der „Exekutivfunktionen“ und der Abstraktionsfähigkeit. Auch hier werden die Flüssigkeit der Sprache und die Zahlenverarbeitung getestet. Darüber hinaus werden die Fähigkeit, komplexe Sätze zu verstehen, und die Orientierung in Raum, Ort und Situation untersucht.
- Uhren-Test: Bereits das einfache Zeichnen einer Uhr, lässt eine Beurteilung des geistigen Zustands des Patienten zu. Aufgrund der zunehmenden visuell-räumlichen Orientierungsprobleme im Verlauf der Krankheit können die Ziffern und Zeiger oft nicht mehr richtig in einem vorgegebenen Kreis angeordnet werden (Dauer ca. 5 Minuten).
- ADL-Skalen: ADL-Skalen (ADL: "Activities of Daily Living") messen die Auswirkungen der Demenz auf die Alltagsfähigkeiten. Der Test, der in verschiedenen Varianten existiert, misst, zu welchen Tätigkeiten des alltäglichen Lebens der Patient noch fähig ist. Es werden Alltagsprobleme mit Punkten zwischen 1 für "nie vorhandene" und 10 für "immer vorhandene Schwierigkeiten" bewertet (Dauer: ca. 10 Minuten).
- Bildgebende Verfahren: CT und MRT: Bildgebende Verfahren wie die Computertomografie und die Magnetresonanztomografie geben Einblicke in das Gehirn. Ärzte und Ärztinnen erkennen so Demenzauslöser wie Durchblutungsstörungen und Schlaganfälle. Bei der Erstdiagnose der Demenz sollte zusätzlich entweder eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt werden. CT und MRT erstellen Schichtaufnahmen des Gehirns und erlauben einen Einblick in den Aufbau des Gehirns. Diese bildgebenden Verfahren ermöglichen allein zwar nicht die Diagnose einer Demenz, können aber helfen, zwischen den einzelnen Formen zu unterscheiden. So können z.B. Der Hauptgrund für die Erstellung von CT- und MRT-Bildern liegt jedoch in der frühzeitigen Erkennung von behandelbaren Ursachen einer Demenz. Dies kann ein Hirntumor oder eine krankhafte Erweiterung der Hohlräume im Gehirn sein. Neuere Verfahren wie Single Photon Emission Computed Tomography (SPECT) und Positronen-Emissionstomographie (PET) können in unklaren Fällen und in Frühstadien zur Sicherung der Diagnose beitragen. So kann eine PET-Untersuchung z.B. einen verminderten Zuckerstoffwechsel im Gehirn nachweisen, obwohl im MRT noch keine Hirnschrumpfung darstellbar ist. Auch ist es neuerdings möglich, die für die Alzheimer-Erkrankung typischen Amyloid-Ablagerungen darzustellen.
- Liquordiagnostik: Bei Verdacht auf ein entzündliches Geschehen innerhalb der Schädelkalotte kann durch eine Punktion auf der Höhe Lendenwirbel sogenannter Liquor (Gehirnwasser) aus dem Spinalkanal entnommen werden. Ist die Zahl der Leukozyten oder bestimmter Proteine in der Probe erhöht ist dies ein Hinweis für entzündliche Prozesse. Durch das gehäufte Vorliegen fehlgefalteter Amyloid oder Tau-Proteine im Liquor können altersdegenerative Formen, wie Morbus Alzheimer von Demenzerkrankungen mit vaskulärer Ursache unterschieden werden.
- Laboruntersuchungen: Untersuchung von Blut und Nervenwasser: Eine Blutabnahme erfolgt, um behandelbare Ursachen einer Demenz zu erkennen, zum Beispiel einen Vitaminmangel. Über eine Analyse des Nervenwassers lässt sich die Konzentration von beta-Amyloid und Tau-Protein ermitteln, die bei der Entstehung von Demenz eine zentrale Rolle spielen. Der Arzt wird bei allen Patienten mit Verdacht auf Demenz auch Blut abnehmen, um einige behandelbare Ursachen einer Demenz rechtzeitig zu erkennen (z.B. Mangel an Vitamin B12 oder an Schilddrüsenhormonen). Eine sehr empfindliche Methode zur Feststellung einer Alzheimer-Erkrankung ist die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor).
Um ein möglichst objektives Bild der Lebenssituation des Betroffenen zu zeichnen, werden neben einer ausführlichen Befragung des Patienten zu seiner Biographie und aktueller Befindlichkeit, auch die Schilderungen nahestehender Angehörigen und Bezugspersonen berücksichtigt. (Fremdanamnese) Da neurologischen Symptomen auch internistische Ursachen zugrunde liegen können, wird mittels breitgefächerter Labordiagnostik der Status relevanter Organsysteme, wie dem Herz-Kreislauf- oder dem Hormonsystem erhoben. So können auch etwaige Mangelzustände an Spurenelementen erfasst werden. Sind diese Befunde altersentsprechend, werden bildgebende Verfahren hinzugezogen.
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Wichtig:
Zur Feststellung einer Demenz bei Alzheimer-Krankheit müssen andere Erkrankungen, die ebenfalls Anzeichen einer Demenz zeigen können, abgeklärt werden: Hierzu gehören u.a. eine Verkalkung der Hirngefäße (vaskuläre Demenz), eine Demenz mit Lewy-Körperchen , gut- und bösartige Hirntumore, AIDS, ein Parkinson-Syndrom, die Erbkrankheit Chorea Huntington, eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) und ein Vitaminmangel z.B. an B12, Folsäure oder B-Vitamin Niacin. Weiter können Erkrankungen der Nieren, der Leber und der Bauchspeicheldrüse zu einer Demenz führen. Auch Alkohol- bzw. Immer wieder kommt es vor, dass Patienten mit depressiven Erkrankungen aufgrund der psychischen und körperlichen Verlangsamung für dement gehalten werden („Pseudodemenz"). Der Facharzt kann hier mit speziellen Untersuchungen und Tests in der Regel zwischen den beiden Krankheiten unterscheiden.
Therapieansätze bei Demenz
Die Demenzen, die in unseren Landstrichen auftreten, sind im Regelfall nicht heilbar. Dass wir hier Demenzerkrankte sehen, die aufgrund eines Vitaminmangels oder Ähnliches eine Demenz bekommen, wie etwa in Entwicklungsländern, ist äußert selten. Wir haben meistens die Demenzerkrankungen, die nicht heilbar sind. Das Ziel ist darum auf der einen Seite, möglichst das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, und auf der anderen, gerade in den schwereren Erkrankungsstadien die Lebensqualität der Betroffenen möglichst hochzuhalten.
Medikamentöse Therapien
Wir haben zurzeit nur symptomatisch wirkende Behandlungsmaßnahmen, unter anderem Medikamente, die man für bestimmte Symptome im Rahmen von Demenz nimmt. Und da gehören bei der frühen Demenz zum Beispiel sogenannte Antidementiva dazu. Sie wurden entwickelt, um das Gedächtnis zu stabilisieren. Wobei man sagen muss, dass deren Wirksamkeit leider noch sehr beschränkt ist. Darum ist es wichtig, darauf zu achten, ob die Wirkung und die leider auch damit verbundenen Nebenwirkungen in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Dann gibt es noch weitere symptomatische Medikamente für andere Teilaspekte einer Demenz, wie etwa für Schlafstörungen und für Unruhe- oder Angstzustände. Diese würde man nur einsetzen, wenn diese Probleme entsprechend vorhanden sind. Hier wäre auch der Hausarzt der erste Ansprechpartner.
Nicht medikamentöse Therapien
Da stehen insbesondere Physio- oder Ergotherapie im Vordergrund. Das ist in dem frühen Stadium einer Demenz meistens sehr sinnvoll, um motorische Fähigkeiten zu erhalten und zu fördern. Natürlich hängt das auch davon ab, ob Beweglichkeitseinschränkungen mit der Demenzerkrankung zusammen aufgetreten sind. In den mittleren Stadien sind auch Tagesstätten sinnvoll. Dort haben die Betroffenen die Möglichkeit, entsprechend ihrer Leistungsbreite Beschäftigung und Anregung zu finden. Ganz wichtig bei Demenzerkrankungen ist, dass der Alltag nicht zu eintönig oder reizisoliert stattfindet. Sonst kann es unter anderem zu einer Tag-Nacht-Rhythmusstörung kommen. Auch Spaziergänge und ähnliche Tätigkeiten helfen bei einer Rhythmisierung des Alltags.
Geriatrische Reha
Die Geriatrie ist spezialisiert auf Patientinnen und Patienten, die etwa 65 Jahre oder älter sind. Ihr Behandlungsansatz ist ganzheitlich und integriert unterschiedliche medizinische Disziplinen und Therapieformen, darunter auch Physio- und Ergotherapie. Die Ergebnisse zeigen, dass Patienten mit einer leichten bis mittleren Demenzerkrankung ähnlich gut profitieren wie Menschen ohne eine Demenz. Daher ist es ein sehr gutes Angebot.
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Es gibt keine Reha direkt mit dem Anlass Demenzerkrankung. Aber sehr oft haben Demenzerkrankte eine Hüftfraktur, einen kleinen Schlaganfall oder auch einen Herzinfarkt. Gerade diese Patienten profitieren von einer geriatrischen Reha, die ja nicht immer nur auf das betroffene Organ - das Herz oder die Hüfte - abzielt, sondern umfassender probiert rehabilitativ tätig zu werden. Mit dem Ziel, neben der bestmöglichen Heilung auch im guten Maße die Alltagskompetenz zu erhalten oder wiederherzustellen. Die Vorstellung, dass sich jemand schlechter von einem Knochenbruch erholt, weil er eine leichte bis mittlere Demenz hat, ist falsch. Wenn die Reha darauf angepasst ist, dass die Patienten Orientierungsschwierigkeiten oder Ähnliches haben, dann könne diese genauso gut profitieren.
Die Rolle der Angehörigen
Sie können die Demenzkranken in Unternehmungen mit einbinden. Es ist sehr wichtig, dass sie aktiv bleiben. Das kann die Geduld zwar sehr strapazieren, ist aber für den Verlauf der Demenz von Vorteil. Ich habe Patienten mit Orientierungsstörung oder schweren Merkfähigkeitsstörung erlebt, die gehen noch auf Wanderungen mit Freunden und Bekannten. Die respektieren dann, dass die Kranken nicht immer auf der Höhe sind und beispielsweise nicht mehr so viele oder immer dieselben Geschichten erzählen.
Das Wichtigste ist, möglichst viele Leute an sich ranzulassen. Das war in der Vergangenheit nicht immer so einfach, aber es ist zum Glück so, dass sich da ein bisschen was geändert hat. Es gab die Zeit, in der Demenzerkrankungen verschwiegen und verheimlicht wurden, das hatte immer etwas ganz Seltsames. Ich erlebe jetzt aber immer wieder, dass mir Patienten und Angehörige berichten, dass sie sogar ihre Nachbarn mit eingebunden haben. Sie haben dort zum Beispiel einen Zweitschlüssel hinterlegt, da sie den eigenen öfter mal vergessen haben. Da ist das Verständnis in der Gesellschaft schon gewachsen und die Scham zurückgegangen. Es ist halt eine Erkrankung, die bei der heutigen Lebenserwartung etwa jeder Vierte am Ende seines Lebens erleben wird.
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