Die Demenz-Wohngemeinschaft "Weiße Rose" in Oldenburg bietet Menschen mit Demenz ein würdevolles und selbstbestimmtes Leben in einer harmonischen Umgebung. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieser Wohnform, von den Zielen und der Organisation über die angebotenen Leistungen bis hin zu den Herausforderungen und Zukunftsperspektiven der sozialen Arbeit im Bereich Demenz.
Selbstbestimmung und Lebensqualität im Fokus
Das Konzept der Demenz-Wohngemeinschaft zielt darauf ab, den Bewohnern ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Im Gegensatz zu traditionellen Pflegeheimen können die Bewohner hier aktiv an der Gestaltung ihres Alltags teilnehmen. Entscheidungen über Tagesgestaltung, Essensplanung, Rauchgewohnheiten und die Haltung von Haustieren werden gemeinsam getroffen.
Das qualifizierte Personal der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., dem Träger der Wohngemeinschaft, koordiniert die Tages- und Nachtstruktur, Therapie- und Freizeitangebote und unterstützt die Bewohner im Haushalt. Dabei werden die Bewohner ermutigt, Aufgaben wie Kochen zu übernehmen, um ihre Fähigkeiten zu erhalten oder zu verbessern.
Die "Weiße Rose" nimmt Menschen aller Pflegegrade auf und bietet eine umfassende Betreuung bis zum Lebensende in den eigenen Zimmern.
Räumlichkeiten und Ausstattung
Die Demenz-WG "Weiße Rose" befindet sich in einem 2015 erbauten, barrierefreien Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Donnerschwee-Kaserne. Die freundlichen Zimmer und ein geschützter Garten tragen zu einer harmonischen Atmosphäre bei. Die Räumlichkeiten lassen keine Wünsche offen und sind speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz zugeschnitten.
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Die Rolle der Sozialarbeit in der Demenz-WG
Sozialarbeiter spielen eine entscheidende Rolle in der Betreuung und Unterstützung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen. Sie sind Fachkräfte, die in verschiedenen sozialen Einrichtungen und Organisationen tätig sind, um Menschen bei der Bewältigung von Herausforderungen in ihrem Leben zu unterstützen. Ihre Arbeit umfasst sowohl präventive als auch rehabilitative Aspekte.
Aufgaben und Dienstleistungen von Sozialarbeitern
Zu den Hauptaufgaben von Sozialarbeitern gehören:
- Beratung: Sozialarbeiter bieten Beratungsgespräche für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen an, um sie über die Erkrankung, Unterstützungsangebote und rechtliche Fragen zu informieren.
- Unterstützungspläne: Sie entwickeln individuelle Unterstützungspläne, die auf die spezifischen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Betroffenen zugeschnitten sind.
- Vermittlung: Sozialarbeiter vermitteln Kontakte zu weiteren Hilfsangeboten wie Selbsthilfegruppen, Therapeuten oder Ärzten.
- Gruppen- und Familientherapien: Sie führen Gruppen- oder Familientherapien durch, um die Kommunikation und das Verständnis innerhalb der Familie zu fördern.
- Präventive Arbeit: Sozialarbeiter leisten präventive Arbeit, indem sie Bildungs- und Aufklärungsprogramme durchführen, um das Bewusstsein für Demenz zu schärfen und frühzeitig Hilfestellung zu geben.
- Förderung der sozialen Gerechtigkeit: Sozialarbeiter setzen sich aktiv für die Verbesserung der Lebensumstände von Menschen mit Demenz ein und fördern ihre soziale Teilhabe.
- Zusammenarbeit: Sie arbeiten eng mit anderen Fachleuten und Institutionen zusammen, um eine ganzheitliche Betreuung zu gewährleisten.
Herausforderungen in der sozialen Arbeit mit Demenzkranken
Die Arbeit von Sozialarbeitern im Bereich Demenz ist nicht ohne Herausforderungen. Sie stehen häufig vor emotional belastenden Situationen, in denen sie mit schweren Schicksalen und Krisen umgehen müssen. Die Bewältigung von Trauma, Suchterkrankungen oder Gewaltopfern erfordert nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch ein hohes Maß an Empathie und psychischer Stabilität.
Zudem sehen sich Sozialarbeiter oft mit bürokratischen Hürden und finanziellen Einschränkungen konfrontiert, die die Umsetzung von Hilfeleistungen erschweren können.
Die Digitalisierung in der sozialen Arbeit
Die Digitalisierung hat auch vor der sozialen Arbeit nicht Halt gemacht und bringt sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich. Insbesondere durch die Nutzung von Online-Plattformen und sozialen Medien können Sozialarbeiter ihre Reichweite erhöhen und leichter auf ihre Angebote aufmerksam machen. Digitale Tools ermöglichen zudem eine verbesserte Dokumentation und Fallverwaltung, wodurch die Effizienz der Arbeit gesteigert werden kann.
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Auf der anderen Seite müssen Sozialarbeiter sich mit den Fragen des Datenschutzes und der digitalen Kluft auseinandersetzen, da nicht alle Klienten Zugang zu digitalen Lösungen haben.
Wohnformen für Senioren in Oldenburg: Eine Übersicht
Neben Demenz-Wohngemeinschaften gibt es in Oldenburg verschiedene andere Wohnformen für Senioren, die unterschiedliche Bedürfnisse und Ansprüche erfüllen.
Selbstständiges Wohnen mit Unterstützung
Viele ältere Menschen möchten so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden leben. Durch minimale Veränderungen, kleine Hilfen und bauliche Anpassungsmaßnahmen lässt sich dieser Wunsch oft erfüllen. Informationen und Beratung zu diesem Thema bieten Sozialstationen der Wohlfahrtsverbände, Sozialdienste der Krankenhäuser, wohnbezogene Projekte und Initiativen, ambulante Pflegedienste sowie der Senioren- und Pflegestützpunkt Niedersachsen.
Die Bundesregierung unterstützt altersgerechte Umbauten mit dem KfW-Förderprogramm "Altersgerecht umbauen". Antragsformulare sind bei Banken und Sparkassen erhältlich.
Der Senioren- und Pflegestützpunkt Niedersachsen bietet zudem kostenlose Wohnberatung durch qualifizierte Fachkräfte zur bedarfsgerechten Wohnraumanpassung an.
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Seniorenwohnungen
Seniorenwohnungen sind abgeschlossene Miet- oder Eigentumswohnungen in einer seniorengerechten Wohnumgebung. Sie verfügen über barrierefreie Zugänge und Wohnräume. Diverse Stiftungen der Stadt Oldenburg widmen sich der Errichtung und Erhaltung von Seniorenwohnungen, teils auch der Pflege und Betreuung der Bewohner.
Wohnen mit Service/Betreutes Wohnen
Hinter dem Begriff "Wohnen mit Service" oder "betreutes Wohnen" verbergen sich verschiedene Konzepte. Die Angebote reichen von Wohnungen, die an ein Pflegeheim angegliedert sind, über seniorengerechte Wohnungen im normalen Wohnungsbau, die neben einem Hausmeisterdienst eine Kontaktperson bieten, bis hin zu luxuriös ausgestatteten Wohnkomplexen.
Allen Angeboten gemeinsam ist neben barrierefreiem und altengerechtem Wohnen der Ansatz, die Unabhängigkeit der Bewohner auch bei gesundheitlicher Beeinträchtigung möglichst zu bewahren. Die selbstständige Lebensführung wie in einer privaten Wohnung wird dabei aufrechterhalten, gleichzeitig aber, in begrenztem Rahmen, Sicherheit (Hausnotrufsysteme) und Hilfeleistung bei Bedarf geboten.
Für Personen, die diese Wohnform wählen, gilt üblicherweise ein normaler Mietvertrag mit zusätzlichem Betreuungsvertrag inklusive Grund- und Wahlleistungen. Im Rahmen der Grundleistungen werden in der Regel zeitlich eingegrenzte Serviceleistungen angeboten. Dies bezieht sich mindestens auf die Anbindung einer angestellten Person, die 1-2 Stunden täglich, Montag bis Freitag, als Ansprechpartner für Hilfe und Vermittlung von Sozialleistungen etc. und unter Umständen für Freizeitangebote zur Verfügung steht. Hausnotrufe sind zumeist vorinstalliert. Einige Häuser bieten zeitlich einen umfangreicheren Service. Hausmeisterdienste über 15 Minuten hinaus sowie hauswirtschaftliche Hilfen fallen unter die Wahlleistungen, die hinzu gebucht werden können.
Altenheime/Stationäre Pflege
Ist eine umfassende Betreuung rund um die Uhr nötig, lässt sich eine Unterbringung in einem Altenheim bzw. die stationäre Pflege oft nicht umgehen.
Die Heimaufsichtsbehörde ist zuständig für Information und Beratung der Bewohner und Bewohnerinnen sowie der Heimbeiräte und Heimfürsprecher über ihre Rechte und Pflichten, von Personen mit berechtigtem Interesse an Heimen sowie an den Rechten und Pflichten der Träger und der Bewohner und Bewohnerinnen, von Personen und Trägern, die Heime errichten wollen oder bereits betreiben. Des Weiteren ist die Behörde mit der Heimüberwachung beauftragt. Dabei nimmt sie ordnungsrechtliche Aufgaben wahr, indem sie darauf achtet, dass die Heime ihre Aufgaben und Verpflichtungen gegenüber den Bewohnern und Bewohnerinnen erfüllen. Grundsätzlich einmal jährlich erfolgt eine Überprüfung des Heims durch die Heimaufsichtsbehörde, häufig in Form einer angekündigten Begehung.
Um die Zusammenarbeit zu optimieren, bilden Heimaufsicht, Medizinischer Dienst der Krankenversicherung (MDK), Pflegekassen und Sozialhilfeträger Arbeitsgemeinschaften, in denen sie ihr Handeln miteinander abstimmen.
Die Wahl des richtigen Seniorenheims
Der sorgfältigen Auswahl des richtigen Seniorenheims kommt eine große Bedeutung zu. Im Idealfall wird diese Auswahl in einer Lebensphase getroffen, in der der pflegebedürftige Mensch noch selbst eine Entscheidung für eine Einrichtung treffen kann. Manchmal sind aber die Angehörigen gefragt, wenn es um die optimale Unterbringung des Pflegebedürftigen geht. Dabei sollte man keine übereilte Entscheidung treffen.
Wichtige Kriterien bei der Auswahl sind:
- Lage: Wo liegt das Heim? Zentral? Ruhig?
- Rehabilitation: Ist die Durchführung von Maßnahmen zur Rehabilitation wie Krankengymnastik und Logopädie etc. möglich?
- Mahlzeiten: Welche Regelungen gibt es für die Mahlzeiten?
- Trägerschaft: Die Trägerschaft des Altenheims allein sagt dabei nichts über die Qualität der Betreuung aus, auch wenn sie erster Hinweis auf die grundsätzliche Ausrichtung des Hauses sein kann.
- Personal: Wichtiger sind die Leitung, die Art der Betreuung und die Ausbildung des Personals sowie die Personaldichte.
Kosten für den Heimaufenthalt
Die Kosten für einen Heimaufenthalt setzen sich aus verschiedenen Komponenten zusammen:
- Pflegekosten: Damit werden die Pflege und die soziale Betreuung finanziert.
- Kosten für Unterkunft und Verpflegung: Diese sogenannten "Hotelkosten" umfassen unter anderem die Nebenkosten für das Apartment oder Zimmer sowie Zubereitung und Bereitstellen von Speisen und Getränken.
- Investitionskosten: Dazu zählen Kosten, die dem Träger von Pflegeeinrichtungen im Zusammenhang mit Herstellung, Anschaffung und Instandsetzung von Gebäuden und der damit verbundenen technischen Anlagen entstehen.
Einen Teil der anfallenden Kosten für einen Heimaufenthalt übernimmt in der Regel die Pflegekasse. Die Höhe des pflegebedingten Aufwandes hängt vom Grad der Pflegebedürftigkeit ab, der durch den Medizinischen Dienst der Pflegekassen festgelegt wird.
Wenn sich die Heimkosten durch die Leistungen der Pflegeversicherung, eigenes Einkommen und Vermögen nicht oder nicht mehr ausreichend decken lassen, kann für den fehlenden Betrag ein Antrag auf Sozialhilfe in Form von "Hilfe zur Pflege" gestellt werden. Es kommt auch vor, dass Angehörige der Pflegebedürftigen, je nach eigenen finanziellen Voraussetzungen, zur Beteiligung an den Kosten verpflichtet werden.
Wohnen für Hilfe
Wohnen für Hilfe basiert auf der Idee, Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen aus verschiedenen Generationen zusammenzuführen. Diese Personengruppen mit Bedarf, die einen eigenen Haushalt führen und sich Gesellschaft, Unterstützung und Sicherheit durch einen Studierenden wünschen, stellen Wohnraum zur Verfügung. Im Gegenzug unterstützt der Studierende den Wohnraumanbieter bei der Verrichtung alltäglicher Dinge.
Die Zukunft der sozialen Arbeit und der Demenzversorgung
Die Zukunft der sozialen Arbeit wird wahrscheinlich von verschiedenen Trends geprägt, darunter dem demografischen Wandel, der Globalisierung und der fortschreitenden Digitalisierung. Vor allem die steigende Anzahl älterer Menschen wird neue Herausforderungen für Sozialarbeiter mit sich bringen, die sich um die Bedürfnisse dieser Bevölkerungsgruppe kümmern müssen. Gleichzeitig besteht die Notwendigkeit, soziale Ungleichheiten und Diskriminierungen zu bekämpfen, was eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Akteuren erfordert.
Im Bereich der Demenzversorgung sind innovative Wohnformen wie die Demenz-WG "Weiße Rose" ein wichtiger Schritt, um Menschen mit Demenz ein würdevolles und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Es ist wichtig, diese Angebote weiter auszubauen und die soziale Arbeit im Bereich Demenz zu stärken, um den wachsenden Bedarf an Unterstützung und Betreuung gerecht zu werden.