Nach 28 Jahren an der Spitze der Klinik für Neurologie der München Klinik (MüK) Harlaching, hat sich Prof. Dr. med. Roman Ludwig Haberl in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Seine Ära war geprägt von Innovationen und wegweisenden Entwicklungen in der Schlaganfallversorgung, die weit über die Grenzen Münchens hinausstrahlen.
Die Nachfolge: Ein erfahrenes Trio im Kollegialsystem
Die Nachfolge von Prof. Haberl tritt ein erfahrenes Team an, bestehend aus drei langjährigen Oberärzten:
- Dr. Dennis Dietrich: Spezialist für Vaskuläre Neurologie und Neurologische Intensivmedizin, verantwortlich für die Schlaganfallversorgung.
- Dr. Elisabeth Frank: Expertin für Allgemeinneurologie und Neurologische Frührehabilitation.
- Dr. Gordian Hubert: Leiter des Zentrums für Telemedizin (TEMPiS).
Dieses Kollegialsystem, bei dem sich mehrere Chefärzte die Leitung teilen, ist ein innovativer Ansatz, der in immer mehr Kliniken im In- und Ausland Anklang findet. Durch die gleichberechtigte Verteilung der Aufgaben auf mehrere Schultern wird eine spezialisierte Führung in den jeweiligen Fachbereichen ermöglicht und der kollegiale Austausch mit flachen Hierarchien gefördert. Das neue Leitungsteam sieht darin die Chance, die bestehenden Schwerpunkte der Klinik gezielt weiterzuentwickeln und flexibel auf neue Herausforderungen zu reagieren.
Prof. Haberl: Ein Pionier der Schlaganfallversorgung
Prof. Roman Haberl gilt als Visionär und Pionier der Schlaganfallversorgung in Deutschland. Unter seiner Leitung entstand in Harlaching die bundesweit erste Stroke Unit, eine spezialisierte Einheit für die Akutversorgung von Schlaganfallpatienten. Zudem etablierte er mit TEMPiS das europaweit größte telemedizinische Schlaganfallnetzwerk und das weltweit einzigartige Heli-Projekt "Flying Intervention Team" (FIT). Diese Projekte bringen eine moderne Schlaganfallversorgung auch in entlegene, ländliche Regionen.
Anfang der 2000er Jahre erstellte Prof. Haberl mit seinem Team Standards für die Schlaganfallbehandlung. Dabei wurde die Thrombolyse, ein Verfahren zur Auflösung von Blutgerinnseln, als wichtiger Meilenstein identifiziert. Um auch Patienten in ländlichen Regionen Zugang zu dieser Behandlung zu ermöglichen, entstand die Idee der Telemedizin.
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TEMPiS: Telemedizinische Schlaganfallversorgung als Erfolgsmodell
TEMPiS, das telemedizinische Schlaganfallnetzwerk, wurde 2003 gegründet und ermöglicht es Experten aus dem Zentrum, Partnerkliniken in Süd-Ost-Bayern per Telekonsil (Video-Liveschalte) bei der Schlaganfalldiagnostik und Therapieentscheidung zu unterstützen. Mittlerweile werden über 8.000 Telekonsile pro Jahr durchgeführt. TEMPiS schult außerdem die Kollegen in den Partnerkliniken und unterstützt sie beim Aufbau guter Standards und Strukturen.
Weiterentwicklung der Harlachinger Neurologie
Prof. Haberl trieb die Entwicklung der Harlachinger Neurologie kontinuierlich voran. So wurde eine neurologische Frührehabilitation eingerichtet, in der schwer betroffene Schlaganfallpatienten nach der Akutbehandlung eine optimale Förderung erhalten. Im Jahr 2003 baute er eine eigene neurologische Intensivstation auf, in der Patienten mit Gehirnblutungen, entzündlichen neurologischen Erkrankungen oder nach neurochirurgischen Eingriffen adäquat versorgt werden können.
Als sich die Thrombektomie, ein komplexer Katheter-Eingriff, als vielversprechende Therapieoption herauskristallisierte, wurde das "Flying Intervention Team" (FIT) ins Leben gerufen. Mit einem Hubschrauber fliegen Neuroradiologen zu Patienten in kleineren Kliniken im Umkreis von etwa 150 Kilometern um München, um diesen innovativen Eingriff durchzuführen.
Unter der Leitung von Prof. Haberl hat sich die Harlachinger Neurologie zu einem der größten Schlaganfallzentren Deutschlands entwickelt. Zusätzlich wurden die telemedizinische Diagnostik und Therapie von Schwindel, ein Schluckzentrum sowie eine Wirbelsäulen-Sprechstunde und Sprechstunden für Nervenerkrankungen etabliert.
Kontinuität und Innovation unter neuer Führung
Das neue Leitungsteam betont die Bedeutung der Kontinuität und des kollegialen Austauschs. "Prof. Haberl hat uns immer Freiräume gegeben, hat uns selber Ideen entwickeln und umsetzen lassen - aber er war als Mentor immer für uns da", so Dr. Elisabeth Frank. Die drei Chefärzte wollen ihre jeweiligen Abteilungen weiterhin selbstständig leiten und gemeinsam mit ihren Teams medizinisch weiterentwickeln. Entscheidungen, die die Harlachinger Neurologie in ihrer Gesamtheit betreffen, sollen gemeinsam getroffen werden. Das neue Team freut sich darauf, das Lebenswerk von Prof. Roman Haberl fortzuführen und ein Team zu leiten, in dem ein guter Geist herrscht.
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